Bevölkerungsentwicklung: 10 Mrd. Menschen in 30 Jahren

was bedeutet das für die Versorgungssicherheit ?

immer noch für die meisten Menschen undenkbar: Hochzeit und keine Kinder Foto: Stocksnap, pixabay.com

Bernhard Blach

Es ist gerade 15 Jahre her, da forderte Bayerns Sozialministerien Christine Hadert-hauer (CSU) eine Bevorzugung von Müttern und Vätern im Arbeitsleben durch die Einführung einer Elternquote, um dem dramatischen Rückgang der Geburten-zahlen seit 2002 in Deutschland entgegen-zuwirken. Vorbildhaft nannte sie die Familienpolitik in Frankreich, die gezielt die Produktion des dritten Kindes förderte.  Claudia Roth von den Grünen  forderte da-mals den Kita-Ausbau und mehr Sicherheit für Mütter.  14 Jahre weiter hat sich das Rad wieder gedreht. Und zwar ebenso drama-tisch. 2016 wurden in Deutschland 792.131 Kinder geboren. Die meisten davon Deutsche. (607.500) Das waren 54.556 Babys oder 7 % mehr als 2015. Das Statistische Bundesamt verweist darauf, das die Anzahl der Geborenen damit das fünfte Jahre in Folge steigt. Durch die wirtschaftlich gün-stigen Rahmenbedingungen und durch ein-en höheren Frauenanteil würden Frauen im Alter zwischen 30 und 37 Jahren derzeit mit höherer Intensität ihren Kinderwunsch  ver-wirklichen. Mit der aktuellen Geburtenziffer von 1,59 Kindern je Frau rückt Deutschland damit wieder ins europäische Mittelfeld auf. Im EU-Durchschnitt betrug die Geburten-ziffer nach Angaben des Europäischen Statistikamtes 1,60 Kinder je Frau. Die Welt-bevölkerung wächst ebenfalls. Lebten 1950 noch rd. 2,5 Mrd. Menschen auf der Erde, sind es in 2018 bereits 7,26 Mrd. Menschen. Jede Sekunde werden laut UN durchschnittlich 2,7 Kinder geboren. Pro Tag 237.427. Im Jahre 2050 sollen bereits 9,2 Mrd. Menschen den Planeten bevölkern. Wir fragen uns daher, welchen Einfluss dieses Wachstum auf die Umwelt, auf die Ressourcen und auf die Lebensbedingungen  hat und wie mögliche negative Folgen abgemildert werden könnt-en.    

Grafik: geralt, pixabay.com, Ergänzung: RK

Die Städte platzen aus allen nähten

Mit der Zunahme der Weltbevölkerung drängen immer Menschen in die Großstädte. Die Folge: es gibt nicht genug Wohnungen und sie werden für viele Menschen unbezahlbar. Das führt zu kleineren Wohungen oder zu mobilen Wohnformen. Die brutalste Wohnform bilden die Käfig-Kabinen in Hongkong. Ausgestattet mit einer Matratze und einer kleinen Ablagefläche hausen dort Menschen zur Miete für rd. 200 US-Dollar. In den USA fertigt die Fa. Tiny-House Mini-Häuser,  die auf Anhänger montiert werden. Ähnliches entwickelt sich in Deutschland mit dem Trend zum Micro-Appartment unter 20 Quadratmeter Fläche.  Für Familien ist das sicherlich keine Alternative. Nach Berechnungen  des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW Köln) hätten  von 2015 bis 2020 rd. 385.000 neue Wohnungen pro Jahr gebaut werden müssen, um dem Bedarf gerecht zu werden. Gut ein Drittel des Baubedarfs entstehe durch die Zuwanderung  von Asylbewerbern. Tatsächlich wurde aber nicht einmal die Hälfte gebaut. Das Pestel-Institut geht sogar von einem Bedarf von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr aus. Allein für den sozialen Wohnungsbau müßte der Staat rd. 6,4 Mrd. EUR investieren.

Foto: DigitalMarketing Agency, pixabay.com

oder ist genug für alle da ?

Eine heikle Frage, für die es keine abschließende Antwort geben kann, da die Entwicklung von verschiedenen Faktoren abhängt, die trotz zunehmender Bevölkerung nicht zu einer Katastrophe führen muß. So ist z.B. der Filmemacher Werner Boote der Meinung, das nicht Ressourcenknappheit und Platzmangel der Grund für Hunger und Armut seien, sondern die ungerechte  Verteilung von Ressourcen und mangelnde soziale Gerechtigkeit. Dr. Reiner Klingholz vom Institut für Bevölkerung und Entwicklung in Berlin sieht die Voraussetzungen für einen Geburtenrückgang in mehr Bildung und Wohlstand. Das setzt aber voraus, dass die reichen Länder in der Welt teilen lernen. Ich glaube nicht, dass dies in absehbarer Zeit gelingen wird. Die Aufnahme von Flüchtlingen und die Querelen darum, wieviel Asylbewerber von wem in der europäischen Gemeinschaft aufgenommen werden sollten, zeigen deutlich, wie wenig die europäische Gemeinschaft bereit ist, sich solidarisch zu verhalten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte zum Welt-bevölkerungstag: „sollte es nicht bald gelingen, die landwirtschaftliche Produktion drastisch zu verbessern, müßten alle den Gürtel enger schnallen.“ Und Jason Clay von der Umwelt-organisation WWF mahnte:“ wir müssen in den kommenden 40 Jahren die gleiche Menge von Lebensmitteln herstellen, wie in den letzten 8000 Jahren.“ Ändert sich nichts an der Bevölkerungsentwicklung und an den Gewohnheiten, benötigen die Menschen nach Auffassung von Tristram Stuart (Worldwatch-Bericht 2011) im Jahr 2050 drei Erden, um den Bedarf zu decken.

Ressourcenknappheit und Bevölkerungsentwicklung

Wenn die Weltbevölker-ung wächst und diese berechtigterweise am Wohlstand partizipieren möchte, dann konsu-mieren alle auch mehr an Lebensmittel, verbrauch-en mehr an Energie und Wasser und es wird mehr Platz und landwirtschaft-liche Fläche benötigt. Zwar kann  das starke Bevölkerungswachstum durch wissenschaftlichen Fortschritt und durch eine bessere Zusammenarbeit möglicherweise bewältigt werden, der Ressourcen-verbrauch wird dadurch m.E. aber nicht geringer. Nehmen wir das Beispiel Südafrika. Dort wird sich die Bevölkerung von 1,02 Mrd.Menschen bis 2100 auf 3,6 Mrd. Menschen mehr als verdreifachen. Und alle diese Menschen brauchen Stroman-schlüsse. Über 50 % der Menschen in den afri-kanischen Ländern haben bisher überhaupt keinen Stromanschluss. Das führt unweigerlich zu einem höheren Ver-brauch an Rohstoffen wie Kohle, Öl und Gas. Alles Ressourcen, die nur be-grenzt auf der Welt zur Verfügung stehen. Die Auseinandersetzungen um die Lagerstättenzu-gänge werden daher an Härte zunehmen. Ganz zu schweigen von den fehl-enden Speichermöglich-keiten für regenerative Energieträger. Ob die wachsende Weltbevölk-erung den Menschen in seiner Existenz  bedroht, darüber streiten sich die Gelehrten seit rd. 200 Jahren. Bis ins 18. Jahr-hundert glaubte man, dass mit der Zahl der Ein-wohner auch die wirt-schaftliche Entwicklung eines Landes wachse. Dann postulierte der anglikanische Geistliche  Robert Malthus, das die Produktion von Nahr-ungsmitteln nur linear zunehme, die Menschheit aber exponentiell. Wenn sie nicht zur sexuellen Enthaltsamkeit ge-zwungen werde, versinke die Menschheit in Armut, Elend und Hunger. Das nannte man die „Malthu-sianische Katastrophe.“ Die Industriealisierung wiederlegte dann die These von Malthus. Denn-och bleibt das Ressour-cenproblem bestehen. Auch bleibt offen, wieviel Menschen die Erde tragen kann. Tragfähig nennen Ökologen die maximale Zahl von Exemplaren ei-ner Spezies, die ein Leb-ensraum ernähren kann. Von Freiheit kann dann aber kaum noch die Rede sein. Das Wirkungsvollste, so Robin Maynard, Chef von Population Matters, was man gegen dieses Wachtsum tun könne, wäre, das jede Frau er-muntert werden sollte,  sich für ein Kind weniger zu entscheiden. Dann würden bis 2050 nach Angaben der Vereinten Nationen eine Milliarde  weniger Menschen auf der Erde hocken. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten dann vier Mrd. Menschen „eingespart“ werden. Ob die Biologie das zuläßt ? Wir werden sehen. 

Oonagh Dalgliesh, britische Lehrerin

"Ich würde mir nicht anmaßen, den Leuten zu sagen, wie sie sich fühlen sollen, aber sie sollten mit dem Wissen über Probleme der Überbevölkerung ausgestattet werden”

Anna Hughes, britische Ausbilderin

"Wir verwenden mehr Ressourcen, als die Erde bereitstellen kann und wir können nicht exponentiell expandieren”

süß, aber.... Foto: VABo2040, pixabay.com

Quellenhinweise:

Demming, Andreas: Von Frauen, die sich entschließen, keine Kinder zu bekomm-en- um den Planeten zu retten, in: Eike.de vom 12.6.2018, Statistisches Bundesamt , Pressemitteilung vom 28.3.2018, cecu.de vom 13.6.2018, Zeit-Online vom 26.7.2013 und 15.9.2015; PI-News.net vom 13.6.2018; Deutsch-landradio-Kultur vom 5.7.2014; Stern vom 5.4.2017, Cash.Online vom 13.7. 2017 und RK-Redaktion vom  9.7.2018

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