Anschauungs-Bergwerk

Sie wollten schon immer einmal wissen, wie es sich anfühlt, wenn man in einem richtigen Förderkorb auf einem Bergwerk in über 1000 m Tiefe hinab-rauscht? Leider können wir Ihnen dieses Erlebnis aufgrund der Stilllegung des gesamten deutschen Steinkohlenbergbaus in 2018 nicht mehr vermitteln. Aber eine adäquate Alternative bietet der Seilfahrtsimulator im DBM an. Seit 2014 können Besucher eine realitätsnahe Grubenfahrt in 1.200 m Teufe erleben. Damit man das Erlebnis auch mit allen Sinnen erfahren kann, wird der Simulator von Hydraulik-und Druckluftzylindern so bewegt, das er das Gefühl einer schnellen Fahrt in die Tiefe mit Zwischenstopps  auf einigen Sohlen vermittelt. Horizontale Bewegungskomponenten erzeugen ein zusätzliches Rütteln, das von einer authentischen Geräuschkulisse unterstützt wird. Unten angekommen, geht man durch eine Wetterschleuse. Dort ist es genau so heißt und stickig wie „in echt.“ Auf der Abstiegsseite betreten die Besucher dann das ertüchtigte Nordfeld des Anschauungs-Bergwerks und können ihren Rundgang durch das Museum fortsetzen. Finanziert wurde der Simulatur aus Fördermitteln der EU sowie von der Bezirksregierung Arnsberg, Abtl. 6 Bergbau und Energie.

In rd. 20 m Tiefe unterhält das DBM ein Anschauungs-Bergwerk mit einem Streckennetz von 2,5 km. Dort können die Besucher im Rahmen eines Rundgangs die imposanten Abbaumaschinen bestaunen und  sich in den harten Arbeitsalltag des Bergmanns hineinversetzen. Wobei der Besucher in dem in den 50er Jahren aufgefahrenen Stollen die damals eingesetzte Technik wie z.B. den Flottmann-Bohrhammer in Augenschein nehmen und ausprobieren kann als auch die hochmoderne Abbautechnik dieser Tage im hydraulischen Schreitausbau mit Hobel und Walzenschrämlader in einem anderen 400 m-Streb in gebückter Haltung durchlaufen kann. Eben fast wie in echt. Aber nur fast, denn die Besucher machen sich nicht schmutzig. Um sowohl die Unter-und Übertagewelt als auch die Fahrt im Förderkorb auf die 68 m hohe Plattform des Fördergerüstes der ehemaligen Zeche Germania genießen zu können, sollten Sie unbedingt einige Stunden mitbringen. Wir von Revierkohle können nur sagen: es lohnt sich ! Bis zum Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus wird das Museum generalüberholt und mit Hilfe der RAG-Stiftung modernisiert.

täglich von 10.00 bis 17.00 h, außer Montags

Das Ende der Zeche Auguste-Victoria in Marl

Jürgen Kroker

Der letzte Bergwerks-Direktor der Schachtanlage Auguste-Victoria in Marl, Jürgen Kroker (Bild), hatet mit der Belegschaft am 18.12.2015 die letzte Förderschicht gefeiert. Das Bergwerk wurde zum 31.12.2015 stillgelegt. Bis Mitte 2017 wurden alle Schächte verfüllt. Der Bergbau in Marl ist dann Geschichte. Damit die 116 jährige Geschichte von Auguste-Victoria (AV) der Nachwelt nicht verloren geht, hat Gunnar Gawehn das Buch „Kohle -Erz – Chemie“ herausgegeben. Es dokumentiert die Leistungsfähigkeit einer der modernsten Förderanlagen im Revier, geht auf die noch unerschlossenen Lagerstätten ein, hebt die Übernahme der Zeche im Jahre 1907 durch die BASF, Bayer und Agfa hervor und beschreit die Entwicklung als Erzzeche, Koks und Silberge-winnunbgszeche in den Jahren 1936 bis 1962. 1955 geht die Zeche in den Besitz der damaligen Ruhrkohle AG über. Bis zum Ende 2015 wurden auf AV  im Durchschnitt rd. 2 Mio T. hochwertige Kohlen gefördert. Und immer stand auf AV der Mensch im Mittelpunkt. Die Bergleute lebten und leben deshalb auch eine besondere Form des Miteinanders und der Solidarität, die in NRW kulturprägend war und in kaum einem anderen Betrieb wieder zu finden ist.

zu beziehen im DBM, Schriften des Bergbaus, Nr. 30, 409 Seiten, farbig

Fotos: RAG