uniper: Datteln 4 geht Mitte 2018 endlich in Betrieb

die Mannschaft steht zum Kraftwerk

uniper

Düsseldorf

GRÜNES LICHT AUS MÜNSTER

Nach acht Jahren juri-stischer Auseinandersetz-ung mit den sog. Umwelt-aktivisten und elf Jahren Bauzeit hat die Bezirksre-gierung Münster jetzt end-lich die immionsschutz-rechtliche Genehmigung für das modernste Steinkohle-kraftwerk Datteln 4 erteilt. Mit dieser Genehmigung kann das Kraftwerk endlich fertig erstellt werden und in Betrieb gehen. 

oben: Steinkohlekraftwerk Datteln 4, Foto: Maschinenjunge, CC-BY-SA-3.0 wikimedia commons, unten: Kraftwerker vor Ort, Foto: uniper

E-ON hatte den Grundstein für das Kraftwerk bereits 2007 gelegt. Das OVG Münster verfügte 2009 aufgrund von Bürgerprotesten dann einen Baustopp,  obschon die damalige Landesregierung den Bau ge-nehmigt hatte. Es drohten der Landesregierung Schadensersatzforderungen in Mrd. Höhe. Hinzu kommt noch, das die Deutsche Bahn AG dringend auf den Bahnstrom angewiesen ist, der nur aus Datteln und Karlsruhe kommt, da die Triebfahrzeuge der Bahn mit Einphasenwechelstrom und anstatt 50 nur mit 25 und 16 2/3 Hertz  Netzfrequenz betrieben werden können. In Datteln und in Karlsruhe unterhält die Bahn Umformerstationen, um den Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln zu können. Da die Deutsche Steinkohlenproduktion aus politischen Gründen Ende 2018 eingestellt wird, kommt die Kohle demnächst für das Kraftwerk leider aus Süd-afrika, Russland und Kolumbien. Leider, weil dort die Arbeitsbedingungen für die Mineworkers mehr als miserabel sind, weil Umweltschutz keine Priorität be-sitzt, die Sicherheit in den Bergwerken zu wünschen übrig läßt und die Bezahlung einschließlich fehlender Krankenkassen und Rentenbeitragspflicht eigentlich den Minenbesitzern die Schamröte ins Gesicht treiben müßte. Von fehlender Mitbestimmung ganz zu schweigen. Aber das sind Wertekategorien, die die Wirtschaft im Allgemeinen nicht zu ihren bevor-zugten Orientierungsmustern auserwählt hat. Schließlich geht es ja um Wichtigeres wie Cash-Flow, Return on Investment, Aktienkursentwicklung, Ren-dite, Steuer- und  Kostenoptimierung, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können. Aber anstatt die Wachstumsschizophrenie ernsthaft in Frage zu stellen , setzt man lieber die Versorgungssicherheit aufs Spiel, in dem man die völlig untauglichen Wind-kraftanlagen weiter ausbaut und damit früher oder später einen Blackout provoziert und das auch noch zu immer höheren Sromkosten. Verkehrte Welt. Der Neubau des Kraftwerks Datteln 4 ist daher ein Zei-chen der Vernunft. Es wird in der Lage sein, Last-änderungen, wie sie durch Zappelstrom regnerativer Energieträger ständig erzeugt werden, innerhalb von 20 Minuten von bis zu 500 Megawatt auszugleichen. Der Brennstoffnutzungsgrad wird mit 58 % an der Weltspitze liegen. Das Kraftwerk hat eine Leistung von 1.100 Megawatt. Davon werden 413 Megawatt an die Deutsche Bahn gehen. Theoretisch könnte das Kraftwerk zwei Mio. Haushalte mit Strom versorgen. Überlegen Sie bitte einmal, wieviel Windkraftanlagen  Sie bauen müßten, wenn man unterstellt, das eine WKA im Durschschnitt 5 Megawatt leistet. Und dann rechnen Sie bitte noch den Flächenverbrauch hinzu und beachten Sie das Abstandsgebot von 200 m bis zur nächsten WKA. Und vergessen Sie nicht die Kosten. Für eine Megawattstunde WKA-Strom sind Investitionen von rd. 890.000 EUR fällig. Für eine 5 Megawattanlage sind Sie mit rd. 5 Mio. EUR dabei. Und am Ende haben Sie dennoch keine gesicherte Grundlast.

 

 

1.100

Megawatt elektrische Leistung

45

Prozent Wirkungsgrad

413

Megawatt Bahnstrom

100.000

Haushalte werden mit Fernwärme versorgt

Die Fakten

Jeder vierte ICE fährt mit Strom aus Datteln

Marco Eidner, Techniker

 

 

 

 

 

Das neue Kraftwerk Datteln 4 wird die alten Blöcke 1-3 ersetzen sowie die Kraftwerke Shamrock in Herne und Gustav-Knepper in Dortmund. Gleichzeit wird das neue Kraftwerk die C02-Emissionswerte gem. der Großfeuerungsanlagen-Verodnung (13. BImSchG) er-heblich unterschreiten. (750 g/kWh). Die Rauchgase werden mit einer Entstickungsanlage, Elektrofiltern und einer Rauchgasentschwefelungsanlage zum 180 m hohen Külturm geleitet und dann mit Hilfe einer Reingaseinleitung ins Freie gesetzt. Das verbrauchte Wasser aus dem DO-Emskanal wird mit einer Wass-eraufbereitungsanlage gereinigt. Bei dem neuen Kraft werk handelt es sich um eine sog. Kraft-Wärme-Ko-ppelungsanlage zur Erzeugung von Strom-und Fern-wärme für 100.000 Haushalte. Der Wirkungsgrad liegt mit  45% auf Weltklasseniveau. Rd. 8000 T Kohle pro Tag werden demnächst zu Kohlestaub zermalen. Dafür steht ein Freilager mit 180.000 T Kohle zur Verfügung. Mit Hilfe von Druckluft werden Brenngase mit Temperaturen bis zu 1.450 Grad erzeugt. Der Dampfdruck, der die Generatoren in Schwung bringt, hat rd. 274 bar. Das ist fast doppelt so hoch wie der in einer Pressluftflasche.  

Aufgrund der vorbildhaften Emissionsschutzmaß-nahmen und der langen Bauzeit haben sich die Kost-en allerdings mittlerweile auf 1,9 Mrd. EUR erhöht. Sie liegen aber immer noch erheblich unter den Kosten für WKA-Anlagen, (seit 2000 wurden rd. 500 Mrd.EUR an Subventionen gem. EEG gezahlt), zumal die  Kilowattstunde-Strom mit nur  rd. 6 Ct. (bei Braun-kohle sogar nur 3,5 Ct) zu Buche schlägt. Würden die WKA-Betreiber ihren Strom mit rd. 14 Ct. (Offshore sogar 19 Ct/kWh) am Markt verkaufen müssen und keine Subventionen erhalten, hätte sich das Thema WKA längst wieder erledigt.

Trotz allem

Wegen der hohen Schul- den i.H.v. fast 20 Mrd. EUR will E-ON die uniper-Tochter an den  finnisch-en Energie-versorger FORTUM für 3,8 Mrd. EUR verkaufen. Davon sind 13.000 Mit-arbeiter be-troffen. Laut Konzernchef Pekka Lund-mark brauch-en sich die Mitarbeiter aber angeb-lich keine Sorgen ma-chen. Ankün-digungen die-ser Art sollte aber immer aufmerken lassen. Die 88 Mitarbeit-er im neuen Kraftwerk werden es Herrn Lund-mark zu-nächst dank-en.

Quellenhinweise:
 
Wirtschaftswoche vom 8.1.2018; Mueller, Fred F.: ohne Großkraftwerke kein Strom, in: Eike.de vom 15.9.2013; Hennig, Frank: der Kohleausstieg- ein ganz normaler Wahnsinn, in: Eike.de vom 3.9.2017; RP-Online vom 20.10.2017; IGBCE-Mitteilung vom 27-09.2017; Handelsblatt vom 19.1.2017 und 6.1.2018. E-ON-Antrag gem. §§ 4 und 10 BImSchG 2006  sowie RK-Redaktion vom 4.2.2018
 
Strommastzeichnung: current, pixabay, Baustelle Datteln 4 (Foto Mitte): Arnoldius 2008, CC-BY-SA-3.0, wikimedia commons, Foto Mitte rechts: Don Geochotte, CC-BY-SA-3.0, User: HighContrast, wikimedia commons, Überblendung: Revierkohle