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DBM: wieder ein Grund zur Freude

Rundgänge 3 und 4 werden eröffnet

ehem. Förderturm der Zeche Germania aus Dortmund über dem Deutschen Bergbau-Museum in Bochum- beide Illustrationen: Angela HB, pixabay.com

Nach dreijähriger Umbauphase eröffnete  das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum mit den Rundgängen 1 und 2 Anfang Febr. 2019 seine Pforten. Rundgang 1 vermittelt die Geschichte der deutschen Steinkohle und Rundgang 2 erzählt von den Beziehungen zwischen Mensch und Bergbau epochen-und spart-enübergreifend. Um das Museum nach Auslauf des aktiven deutschen Stein-kohlenbergbaus fit für die Zukunft zu machen, um auch zukünftigen Generat-ionen die Bedeutung der Kohle für Wirt-schaft, Kultur, Arbeit, Sicherheit und  Wohlstand vor Augen zu führen, hat die RAG-Stiftung 15 Mio. EUR für die Sanier-ung des Hauses bereitgestellt (wir berichteten bereits im Febr. 2019, siehe). Mit weiteren 15 Mio. EUR förderte das Land NRW und der Bund, BM für Bildung und Forschung, sowie die Stadt Bochum und die Eigentümer des Museums, die DMT Gesellschaft, den Umbau des Rund-gangs 3 und 4. Insgesamt kostete die Sanierung rd. 50 Mio. EUR.

Am 13. und 14.7.2019 steht nun die Wiedereröffnung der Rundgänge 3 und 4 an. Zur Eröffnung der neuen Dauer-ausstellung “ Steinkohle, Bergbau, Boden-schätze und Kunst“ wird das DBM ein Museumsfest feiern. An beiden Tagen wird ein  umfangreiches Programm ge-boten. Los geht es am 13.7.2019 um 10.00 h mit einem Treffen ehem. Bergleute, die ihre Arbeit den Besuchern erklären werden. Ab 11.00 h werden Kurzführungen durch die neuen Aus-stellungsräume geboten und ab 11.00 h ist Live-Entertainment für alle Gene-rationen vorgesehen. An diesem Nach-mittag wird auch Christian Schigulski auftreten. Er wird im Grubenzeug Berg-mannslieder zum mitsingen anbieten. Zwischendurch tritt Esther Münch als Kabarettistin „Waltraud Ehlert“ auf die Bühne. Offene Mitmach-Aktionen für Kinder  ab 6 Jahren werden im großen Seminarraum angeboten.

ein Schwerpunkt im DBM: Bodenschätze, Foto: Katinka vom Wolfenmond, pixabay.com
Einsatz eines Catapillar-Muldenkippers im australischen Bergbau, Foto: Stafichukanatoly.pixabay.com

Am Sonntag, den 14.7.2019 geht es um 10.00 h dann weiter mit einem Zusamm-entreffen ehemaliger Hauer, Gruben-, Elektro- und Maschinensteiger. Sie werden spannende Geschichten aus ihrem Ar-beitsleben im Anschauungsbergwerk in 17 Meter Teufe vortragen. Neben weiteren Kurzführungen wird an diesem Tag auch das Thema Forschung im DBM behandelt. Die Forschungsbereiche Archäometall-urgie, Bergbaugeschichte, Materialkunde und Montanarchäologie präsentieren sich am Museumssfesttag und gewähren Einblicke in ihre Arbeit. Ab 11.00 h heißt es dann wieder „Musik und Live-Entertain-ment für Alle.“ Der Eintritt für alle Veranstaltungen ist kostenfrei!

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Ruhrbergbau: wir fürchten nicht die Tiefe

LESUNGEN IM REVIER ZUM ENDE DES DEUTSCHEN STEINKOHLENBERGBAUS

Am 31.12.2018 wird der Deutsche Stein-kohlenbergbau mit der Stilllegung der letzten beiden Zechen, Antrazhit Ibbenbüren in Ibbenbüren und Prosper-Haniel in Bottrop Geschichte sein. Über 150 Jahre hat die Kohle das Revier geprägt und dieses hervor-gebracht. Das bedeutete für viele Menschen über Generationen hinweg Aufschwung und Wohlstand und eine sichere Zukunft. Ob-schon im Ruhrrevier immer noch reichlich Kohle vorhanden ist, hat die Bundesre-gierung auf Druck der EU 1997 beschlossen, den Deutschen Steinkohlenbergbau aus-laufen zu lassen. Damit ist der große Rhyt-mus im Revier vorbei. Was bleibt sind Hald-en, einige Fördergerüste und viel Ge-schichte. 12 Schauspieler erinnern an die Arbeit unter Tage mit Gedichten und Erzählungen des Arbeiterdichters und Bergmanns Heinrich Kämpchen sowie die Dichter Kurt Küther und  Max von der Grün. Die Lesungen finden in Dortmund, Essen, Duisburg, Bochum, Witten, Dorsten, Hamm und Ibbenbüren statt.  Alles ehemalige Bergbaustädte. Revierkohle wird hierüber auch ausführlich im nächsten Jahrbuch berichten. 

Dietmar bär

Der bekannte Schauspieler und bekennende Ruhri begann seine Lesungen im Rahmen der Auftaktveranstalt-ung in der Zeche Zollern II/IV am 1.3.2018 in Dortmund

Martin Brambach

Der Schauspieler liest Berg-baugeschichten aus 100 Jahren Berg-bauliteratur. Da auch er den Ruhrpott liebt, lebt er inzwischen in Recklinghausen.

 

Felix Lampert

Der Schauspieler liest ebenfalls als Hommage an den auslaufenden Steinkohlenbergbau Gedichte und Geschichten von unter und über Tage an vier Abenden um jeweils 18.00 h. 

Seilfahrt: 13.03.2018

Siedlungskultur: 17.04.2018

Grubenpferde: 11.09.2018

vor Kohle: 09.10.2018

Ort: Zeche Zollern II/IV

Grubenweg 5,

44388 Dortmund

Eintritt frei !

 

Fotos: oben links: aquii, fotolia-Kauf,  übrige Fotos: Fritz-Hüser-Institut, RAG-Stiftung

 

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RAG-Stiftung: bestes Ergebnis seit 2010 erzielt

RAG-Stiftung besteht 10 Jahre

rag-stiftung

RAG-Stiftung hat anlässlich ihres 10jährigen Be-stehens im Mai 2017 eine positive Bilanz ihrer Arbeit der Öffentlichkeit vorgestellt. Als die RAG-Stiftung im Jahre 2007 gegründet wurde, da betrug das eingebrachte Vermögen 6 Mrd. EUR. Bis heute hat sich der Vermögensstamm nach Angabe des Handelsblattes auf 17 Mrd. EUR erhöht. In 2016 konnten 393 Mio. EUR für die Ewigkeitslasten zu-rückgestellt werden. Dadurch erhöhte sich das Rückstellungsvolumen für die Grubenwasserhalt-ung auf 4,84 Mrd. EUR.

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Die RAG-Stiftung finanziert diese Kosten ab 2019 aus den Gewinnen verschiedener Firmen, deren Eigen-tümer oder Anteilseigner die Stiftung ist. Zu diesen Firmen gehört u.a. die RAG, RAG-Montan-Immobilien, Vivawest Immobilien (die ehem. Treuhandanstalt für Bergmännische Wohnstätten) und der Chemiekon-zern Evonik Industries AG , der aus der RAG und durch Aufkauf der ehem. Degussa hervorgegangen ist.  Ob die Kosten für die Ewigkeitslasten auch in 50 Jahren oder länger von der RAG-Stiftung gestemmt werden können, kann heute Niemand mit Bestimmtheit sagen. Aktuell sieht die Situation jedenfalls nach Angabe der Stiftung recht solide aus. Allerdings darf man auch nicht verkennen, das das Vermögen von derzeit rd. 17 Mrd. EUR durch die hohen Kosten für die Ewigkeitslasten schnell aufgezehrt werden kann, wenn nicht ständig die Gewinne aus den Beteiligung-en der Stiftung weiter sprudeln wie bisher. Evonik Industries AG stagniert z.B. derzeit und wegen der an-haltenden Niedrigzinsphase vermehrt sich das Ver-mögen ebenfalls nur langsam. Die jährlichen Kosten allein für die Grubenwasserhaltung für rd. 100 Mio. Kubikmeter abzupumpendes Grubenwasser belaufen sich auf geschätzte 200 Mio. EUR pro Jahr. Daher wird verständlich, warum die RAG den Pumpbetrieb auf Hängepumpenbetrieb  und auf die Zentralisierung der Grubenwasserhaltung auf 6 Schachtstandorte in den nächsten Jahren konzentrieren möchte.

RAG-Stiftungsvorstand

Architect at work

Nun werden Sie sich wahrscheinlich fragen, woher die ganze Kohle kommt. Die Antwort ist einfach. RAG-Stiftung wurde in 2007 mit dem Ziel gegründet, die Ewigkeitslasten des Bergbaus finanziell dauerhaft zu stemmen, ohne das nachfolgende Generationen durch den Auslauf des Bergbaus belastet werden soll-en. Dabei handelt es sich um Kosten für die Gruben-wasserhaltung (derzeit auf 13 Zechen, die auf 6 Zech-en mittels Hängepumpen zentralisiert werden sollen, siehe unser Jahrbuch 2016), Kosten für den Polder-bau, Kosten für die anteilige Unterhaltung des Pump-enbetriebs der Emschergenossenschaft, Kosten für den Altbergbau (Sanierung und Sicherung von rd. 2.200 Schächten, Hebungen an der Tagesoberfläche,  Bergsenkungsschäden etc.), die Grundwasserreini-gung und Kosten für die Montankulturbewahrung. ( Zuschüsse für Knappenvereine, Denkmäler, DBM etc.)

Quellenhinweise:

RAG-Stiftung, Pressemitteilung vom 30.05.2017, Jahrbuch für Energiepolitik und Montankultur-Rückblick 2016 ( Ausgab 2017, Revierkohle (Hrsg.), Handels-blatt vom 30.05.2012, WAZ vom 04.06.2014, PR-Online (NGZ-Online).de vom 20.07.2012; Kiefer-Media.de vom 20.07.2012 ( darin Verweis auf die o.g. KPMG-Studie vom 23.11.2006 ); Spektrum.de vom 04.02.2014 sowie RK-Redaktion vom 05.08.2017

Logo-RAG-Stiftungs-Entwurf: Revierkohle  

blicken zuversichtlich in die Kamera und in die Zukunft: (v.l.n.r.) der ehem. RAG-Chef und heutiger RAG-Stiftungsvorstand Dr. Werner Müller, Per-sonalvorstand Bärbel Bergerhoff-Wodopia und der Finanzvorstand Dr. Helmut Linssen                       Foto: RAG-Stiftung

Sollte allerdings die Bezirksregierung Arnsberg, ver-treten durch die Abtl. 6 Bergbau und Energie in NRW ( das frühere Oberbergamt in Dortmund) weiterhin auf die vollständige Eliminierung von gefundenen PCB-Schwebstoffen im Grubenwasser durch den Einbau von Viltrationsanlagen (Kohleaktivfilter) bestehen, dann würden sich die jährlichen Kosten nach Angabe von Fachleuten auf rd. 500 Mio. EUR pro Jahr erhöhen. Welches Kostenrisiko der Altbergbau (Bergsenkungs-schäden, Rekultivierung, etc.) darstellt, ist aktuell schwer abzuschätzen. Wahrscheinlich dürften die Kosten aber wesentlich höher ausfallen, als von der RAG-Stiftung prognostiziert. Im Auftrag der Bund-esanstalt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrollen hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG bereits in 2006 die jährlichen Kosten auf 12,5 Mrd. bis 13,1 Mrd. EUR gutachterlich geschätzt.

Die RAG-Stiftung beteiligt sich laut Satzungsangabe auch an der Erhaltung der Montankultur. Wie hoch die Kosten für Zuschüsse z.B. für Denkmäler, das Deut-sche Bergbau-Museum in Bochum, das Weltkultur-erbe Zeche Zollverein in Essen oder die Kosten für das Programm „Glückauf Zukunft“ sind, wurde von der Stiftung nicht offengelegt. Hierbei geht es u.a um die Förderung von 5000 Jugendhilfeprojekten, der Quar-tiersentwicklung in ehem. Bergbausiedlungen, Ideen-wettbewerbe (weil die Politik nicht weiter weiß ?), Start-up-Unterstützungen und Kosten für sog. Zu-kunftsgutachten, da diese mehr düster als rosig aussieht. Insgesamt dürften es aber einige Mio. EUR sein, die unserer Ansicht nach aber kaum etwas be-wirken werden, da es der Politik nicht gelungen ist, Großkonzerne ins Ruhrgebiet zu locken, damit die rd. 100.000 Arbeitsplätze, die in den letzten 40 Jahen im Bergbau und in der Stahlindustrie unwiederruflich verloren gegangen sind, zu ersetzen und damit das wirtschaftliche Wachstum und den Wohlstand wieder in Gang zu bringen. Der Strukturwandel bleibt daher eine Dauerbaustelle mit der Folge, das die junge Bevölkerung gezwungen sein wird, die Region zu ver-lassen. Sollte doch noch ein (politisches) Wunder ein-treten, lassen wir uns gerne eines Besseren belehren. Wie der RAG-Stiftungschef Dr. Müller die Zukunft im Revier selbst einschätzt, zeigt folgendes Video.

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