Nachbergbau: Auswirkungen für das Ruhrgebiet

gut bezahlte Arbeit - gute Knapp- schaftsrente... Ade

Das Ende aller Grubenfahrten wurde am 21.12.2018 auf der letzten Zeche im Revier, Prosper-Haniel in Bottrop, besiegelt.  Wohl wissend, das da- durch gut bezahlte Arbeitsplätze mitsamt der Wertschöpfungskette zu Grabe getragen wurden. Das Ende der Steinkohleförderung in Deutsch- land wurde damit begründet, dass es ein notwendiger Beitrag für die Klima-rettung sei und das es darüber hin- aus besser sei, in Bildung zu in- vestieren als den Steinkohlenberg- bau noch länger zu subventionieren,

so der NRW                      Min.Präs. Armin  Laschet im Deutschlandfunk. Aber stimmt das wirklich ?

Wir denken nicht, denn die Sub- ventionen für den Windkraftausbau (rd. 22 Mrd. pro Jahr !),die Kosten für die Arbeitslosigkeit (rd. 55 Mrd. EUR in 2016) , die Steuerausfälle und den Rückgang der Nachfrage liegen  um ein vielfaches höher als die 1.053,6 Mrd. EUR/Jahr an Subventionen für den Bergbau, die in 2017 gezahlt wurden.                                                                                  

Unsere Kurzanalyse

Folgen für den Arbeitsmarkt

Das Ruhrgebiet strukturwandelt sich seit dem Niedergang der ersten Zechen Anfang der 60er Jahre zu Tode. Waren in den 50er Jahren auf den rd. 140 Zechen im Revier noch fast 500.000 Menschen beschäftigt, so waren es Ende 2018 auf zwei verbliebenen Zechen nur noch rd. 2000 Menschen. Allein im Zeitraum von 1998 bis 2018 sind 12 Zechen mit über 12.000 Beschäftigt- en stillgelegt worden. Demgegenüber stehen rd. 3000 neue Arbeits- plätze auf 12 ehem. Bergwerksflächen. Mit einem niedrigeren Gehalt, versteht sich. Und das hat Folgen für das Revier. Die Arbeits-losenquote im Revier stieg im Durschnitt von 2018 auf 2019 zwar nur um 0,2 % von 6,5 % auf 6,7 %. Dafür verweilte die Hartz IV-Qoute (SGB II) aber auf hohem Niveau. Gelsenkirchen, die ehem. Stadt der 1000 Feuer mit 14 Zechen und über 50. 000 Bergleuten, in der dieselbigen  mittlerweil- en fast alle erloschen sind, hat eine Hartz-IV-Qoute von 24,9 % und bildet damit das Schluss- licht im Revier, gefolgt von Essen mit 20,3 %, die Stahlhochburg Duisburg mit 19,6 %, Herne mit 19,4 % und Mönchen-gladbach mit 18, 7 %. Insgesamt bezogen in 2018  5,95 Mio. Menschen Leistungen nach dem SGB II.

Folgen für die Wirtschaft

In den letzten 60 Jahren förderten die Zechen im Revier über 10 Mrd. Tonnen Kohle und vergaben ungezählte Mio. DM bzw. EUR an Aufträgen an die Zuliefererindustrie, zahlten gute Löhne und Steuern und trugen somit zu einem stetigen Wohlstand in der Bundesrepublik bei. Es hieß  nach dem 2. Weltkrieg gegenüber den Bergleuten daher nicht zu Unrecht:“ Dein Grubengold hat uns wieder hochgeholt.“ Das ehemalige industrielle Herz Deutschlands ist heute nach Ansicht des Instituts der Deutschen Wirt- schaft eine Region mit unterdurch-schnittlichen Indsutrieanteilen. Die strukturelle Arbeitslosigkeit im Revier sei die größte Heraus-forderung, so die Agentur für Arbeit in Dortmund. Und wie es weiter- gehen wird ohne Kohle, weiß Niemand so recht. Denn was fehlt, sind expansive Aktivitäten von hochproduktiven Unternehmen mit Beschäftigungs-potential.   280.000 Studenten, etwas Tourismus und zahlreiche Logistikunter-nehmen werden für rd. 5 Mio. Mensch- en , die im Revier leben, auf Dauer wohl kaum eine echte Perspektive entwickeln können.

Folgen für die Versorungs-sicherheit

 Nachdem das Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop die letzten 1,8 Mio. Tonnen Kohle bereits im Aug. 2018 verkauft hat, ist Deutschland bei der Steinkohle nunmehr zu 100 % abhängig vom Ausland. Die meisten Kohlen, rund 20 Mio. von rd. 55 Mio. T, kommen aus Russland. Aus den USA kommen 9 Mio. T und aus Kolumbien kommen 6,5 Mio. T. Demnächst sollen Kohlen auch aus Polen und Tschechien  verstärkt geliefert werden.  Die Folgen für die Versorgungs-sicherheit sind im Himblick auf die breite Risiko-streuung nach Ansicht der deutschen Kohle-importeure zwar relativ gering. Allerdings würde sich das im Falle großer Hitze schnell ändern können. Denn wenn die Flüsse in Kraftwerksnähe zu wenig Wasser führen würden und die Kohlenschiffe daher nur halb beladen anlanden könnten, dann müßten die Kraftwerke herunt- er gefahren  werden, denn die Siloreserven reichen i.d.R. nur für ein paar Tage. Und sollte ein Hochsommer mit Windstille einher -gehen (was die Regel ist), dann würde auch regenerative Energie nicht zur Verfügung stehen. 

Hohe Abhängigkeit von Russland

Die Deutschen Kraftwerke beziehen zu 49 % ihre Kohlen aus Russland. In 2018 exportierte Russland 19,7 Mio. T Kohle nach Deutschland und 100 Mio. T nach Europa. Zwar reichen die Kohlenvorkommen in Russland mit rd. 157 Mrd. T SKE zwar noch über viele Jahrzehnte, doch ist keineswegs sicher, ob diese den über 4000 km langen Weg aus dem Kuzbass-Gebiet, nicht weit von der Grenze nach Kasachstan und zur Mongolei stets und ständig zuverlässig finden werden. Denn erstens ist die Region keineswegs politisch sicher und die Arbeits-bedingungen und die Bezahlung ist miserabel. Im Durchschnitt verdient ein Bergarbeiter 900 EUR im Monat. Die Ab- bautechnik ist veraltet. Aufgrund der strengen Winter hakt es immer wieder in der Logistik- kette.

Das Problem der Blut- kohle

In den nächsten Jahren wird auch der Kohle-Import aus Kolumbien und Bolivien weiter zunehmen. Die ist zwar billig, es sollte aber nicht vergessen werden, dass rd. 55.000 Menschen aufgrund Vertreibung durch paramilitärische Einheiten und 3.100 Menschen mit ihrem Leben dafür bezahlten. Eine Wiedergutmachung ist bis heute nicht erfolgt, kritisiert der Kohle-experte Sebastian Rötter vom Verein Urgewald. Daher hat die Kath. Hilfsorganisation Misereor und andere NGO´s bereits in 2017 den Deutschen Energie-versorger EnBW aufge-fordert, die Geschäftsbe- ziehungen mit den Kohle lieferanten Drummond (USA) und Prodeco/ Glencore (Schweiz) so- fort abzubrechen. Geschehen ist bisher nichts. Im größten kolumbianischen Tage- bau Guajiva sterben jedes Jahr Hunderte von Kindern an Atemwegs-erkrankungen.Nutznießer dieser besonders bru- talen Ausbeutung von Mensch und Natur sind ebenso die Energiever- sorger RWE, Steag und Vattenfall. Sie alle hüllen sich in Schweigen. Wir denken, dass das nicht der Preis der Wettbe- werbsfähigkeit und der Energiewende sein sollte.

Quellennachweise:

Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Eckwerte der Grundsicherung SGB II, Nürnberg Dez. 2018; WAZ vom 21.12.2018; Deutschlandfunk vom 15.10.2018; Stern vom 18.12.2018; Stadtzeitung Gelsenkirchen 4/2018; Gesamtverband Steinkohle e.V., Jahres-bericht 2018, Essen 2018; Energie- wirtschaftliche Tagesfragen, 68. Jg., 2018, Heft 10, S. 10 f; *)Steinkohle-subventionen in 2017, Wissenschaftl. Dienst des Deutschen Bundestages,  Berlin 2017, S. 7; Deutsche Welle vom 29.07.2004; Moskauer Deutsche Zeitung vom 21.01.2019 (dort: Russland fördert 420 Mio. T SKE/Jahr in 85 Zechen und 121 Tagebaue mit rd. 90.000 Bergleuten) ; Videoclip: Kolko e.V., kolko.net von Okt. 2016; Saarbrücker Zeitung vom 19.4.2018; energiezukunft.de vom 09.05.2017 und RK-Redaktion vom 22.02.2019;

Foto und Modellentwurf: B. Blach, RK

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