Grubenwasser: Ministerium ordnet 3 PCB-Testanlagen an

Haus Aden 2, foto- Marko Kruse farbig

Zuständig für die Umsetzung ist die Abt. 6 Bergbau und Energie in NRW bei der Bezirksregierung Arns-berg (das frühere Oberbergamt in Dortmund). Für die Überwachung der Wasserqualität ist sowohl die RAG als auch das Landesamt für Natur, Umwelt und Ver-braucherschutz NRW ( LANUV) zuständig. Der Streit zwischen Verdünnung und vollständiger Entfernung von PCB-Partikeln im Grubenwasser geht damit in eine neue Runde. Das Ministerium will nun absolute Klarheit und hat die Bezirksregierung angewiesen, die RAG zum Bau von drei Pilotanlagen zu verpflichten.

In unserem letzten Jahrbuch (Ausgabe 2017) berichteten wir ausführlich über das neue Gruben-wasseroptimierungskonzept der RAG. Das Ziel der Optimierung ist eine Entlastung von Flüssen und Bachläufen durch das Grubenwasser als auch eine Kostenreduzierung der Grubenwasserhaltung durch Anhebung der Grubenwässer mit Konzentration auf 6 Standorte. Die bisherigen 16 Grubenwasserzechen werden entweder abgeworfen oder als Sicherungs-standorte – wie z.B. Fürst Leopold in Dorsten – konserviert. Diese können bei Überforderung der neuen zentralen Wasserhaltungen zusätzlich zuge-schaltet werden. Zur Zeit sind erst zwei Tauchmotor-kreiselpumpen im Schacht Wilhelm 2 auf Walsum  eingehängt worden. Das Grubenwasser wird aus rd. 750 Meter Teufe mit 80 bar und 80 Kuikmeter pro Minute ans Tageslicht befördert. Über Steigrohre  werden jährlich gut 20 Mio. Kubikmeter Gruben-wasser  in den Rhein verklappt. Das erspart die Auf-rechterhaltung der untertägigen Infrastruktur ein-schließlich Schachthauer und Fördermaschinisten. Wir hatten auch darauf hingewiesen, das im Gruben-wasser PCB-Bestandteile gefunden wurden. Mittler-weile liegt ein Umweltgutachten der Fa. Spiekermann Consult Engineers GmbH vor, welches im Auftrag des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW (MKULNV) 2016 feststellte, das durch die beabsichtigte Anhebung der Grubenwässer die PCB- Konzentration durch Einbau von Filteranlagen zu 90 % reduziert werden kann. Das Ministerium hat daher jetzt den Bau von drei Testanlagen angeordnet, die die PCB-Partikel mit Hilfe von Enteisungsfiltern und Aktivkohle auch die in der Wasserphase gelösten PCB-Partikel entfernen soll.

Grubenwasserhaltung BW Reden Saarland- foto rag farbig

Die Bezirksregierung hatte aus diesem Grund die RAG-Verantwortlichen zu einem Gespräch am 9.5. 2017 eingeladen und über die Weisung des Minister-iums zur weiteren Reduzierung von PCB-Partikeln in Grubenwässern informiert. Die Behörde  prüft noch. Die 3 Testanlagen kosten rd. 550.000 EUR und sollen die PCB-Partikel zu 90 % eliminieren. Sollte der Ver-such erfolgreich verlaufen, müßten alle Grubenwass-erzechen mit großtechnischen Reinigungsanlagen ver-sehen werden. Damit würden die Kosten für die Ewig-keitsaufgabe um 13,5 Mio. EUR pro Jahr steigen. Diese Kosten müßten von der RAG-Stiftung getragen werd-en. Positiver Nebeneffekt: einige zusätzliche Mitarbeit-er hätten dann einen Dauerarbeitsplatz.

Die nicht brennbare Flüssigkeit PCB gilt als krebser-regend und wurde in früheren Jahren unter Tage so-wohl als Brandschutzmittel als auch in Hydraulikölen bei Fördermaschinen und Bandanlagen verwandt. Rund 15.000 T dieser Chemiekalie sollen sich noch unter Tage befinden.

Brunnenwasserhaltung foto rag farbig

oben: Prinzip der neuen Brunnenwasserhaltung. Die zentralen Brunnenwasserhaltungen werden bzw. sind auf den Schachtanlagen Walsum, Friedlicher Nachbar und demnächst auf Lohberg eingebaut. Von den der-zeit noch rd. 16 Grubenwasserzechen werden nach der Umstellung noch 6 Standorte übrig bleiben.

unten: die bisherigen untertägigen Grubenwasser-haltungen werden entweder bis 2030 abgeworfen oder als Sicherungsstandorte konserviert.

BezReg Arnsberg farbig

Das Ministerium verweist auf eine EU-Richtlinie, wo-nach Deutschland zur Vermeidung von PCB-Freisetz-ungen verpflichet ist. Die RAG stuft die Gefahren als  niedrig ein.  Sie verweist auf ein weiteres Gutachten, das die Landesregierung NRW in Auftrag gegeben hat und das belegt, das ein Anstieg der Grubenwässer und der darin enthaltenen geringen PCB-Partikel keine Gefahren durch die Einleitung in natürliche Ge-wässer heraufbeschwören würden. Durch den ge-planten Anstieg der Grubenwässer bleiben nach An-sicht der Gutachter mehr Schwebstoffe unter Tage und der Eintrag würde noch einmal deutlich reduziert. Auch der IG BCE-Vorsitzende Miachael Vassiliadis be-zeichnete die Ergebnisse des neuen Gutachtens als eindeutig. Mit anderen Worten: es gehe keine Ge-fahre für Mensch, Umwelt und Trinkwasser von den anzuhebenden Grubenwässern aus. Dennoch bleibt das Ministerium bei seiner Vorsichtshaltung und will auf Nummer sicher gehen.

Quellenhinweise:

vgl.hz. Pressemitteilung der Bezirskregierung Arnsberg vom 9.5.2017; Pressesmitteilung der RAG vom 7.3.2017; WAZ vom 15.6.2016; RP-Online vom 28.7.2016 und 5.5.2017; Der Spiegel vom 21.8.2015; WDR vom 5.5.2017; ZDF, Frontal 21 vom 5.7.2016; N.N: Gutachterliche Untersuchung- Recherche zu den technischen Möglichkeiten einer PCB-Elimination von Grubenwässern; Spiekermann Consulting Engineers im Auftrag des MKULNV vom 21.4.2016 sowie RK-Redaktion vom 14.06.2017

Fotos: Haus Aden, oben links: Mark Kruse, rechts darunter und Zeichnung: RAG, Grubenwasserzechen Saarland (Grube Reden, Grube Camphausen, Victoria 2 und Grube Duhamel: RAG);  Grubenwasserzechen NRW:  Revierkohle