Werner Kubny: der lange Weg des Abschieds







Werner Kubny-Film

Werner Kubny ist ein Meister seines Faches. Der Regisseur mit dem grossen Ruhrgebietsherz hat wieder eine Homage an den Berg-bau abgegeben. Diesmal noch hingebungsvoller, noch melan-cholischer und noch authentischer als alle bisherigen Filme über den Pott. Man könnte meinen, es erging ihm bei der Produktion des Films genau so wie den Bergleuten und ihren Familien, die dem Ende des Bergbaus 2018 mit tränenden Herzen und großer Wehmut ent-gegensehen. Kubny war offen-sichtlich bewußt, das er hier nicht einen Film über das Ende irgend-einer Firma dreht, sondern dass es um das Ende einer ganzen Indu-strieepoche geht. Und da galt es, alle zu Wort kommen zu lassen, die im und um den Bergbau herum leben und gelebt haben und die durch die Kohle zu Wohlstand kamen und für die die Kohle Hei-mat, Verbundenheit, Hoffnung und Zukunft bedeutete. Das alles soll aufgrund politischer Entscheidung am 31. 12. 2018 Geschichte sein.       

Unsere Geschiche, die nicht vergessen werden darf, weil so viel geleistet wurde, so schwer ma-locht und weil auch so viele ge-storben sind.  Der Bergbau hat aber auch immer denen eine Chance gegeben, die sonst auf der Strecke geblieben wären. Und er hat sich um die Integration von  türkischen „Gastarbeitern“ verdient gemacht, da kannte man das Wörtchen „Integration“ noch gar nicht. Er bot vielen Jugendlichen eine erstklassige Ausbildung, die auch heute noch sehr gefragt ist. Und der Bergbau hat Niemanden im Regen stehen lassen. Kein Bergarbeiter ist ins Bergfreie gefallen. Welche Firma kann das schon von sich behaupten ? Die Sozialpartnerschaft wurde gelebt. Die RAG bekennt sich bis heute zu ihrer sozialen Verantwortung. Der Bergbau hat die Bergleute von Solidargemeinschaften zu Schick-salsgemeinschaften zusammen-geschweisst, die auch noch nach Jahrzehnten einer Zechenschließ-ung funktioniert. Das Leben in den zahlreichen Knappenvereinen, in den Zechensiedlungen und in den Schrebergartenkolonnien sind ein Beweis dafür.  Allerdings stellt sich die bange Frage: wie lange noch?   

Förderschacht der ehem. Zeche Osterfeld, Schacht 5 in Oberhausen. Foto: Revierkohle
Wandmalerei am Bochumer Verein. Foto und Retusche: Revierkohle
Zechenbeamtenhäuser in der Zechensiedlung Dahhauser Heide in Bochum aus dem Jahre 1907. Foto RK

Das alles läßt Werner Kubny mit zu Herzen gehenden Filmsequenzen von früher und heute, von unter und über Tage Revue passieren. Auch dem Berg-fremden wird schnell klar, das das Ruhrgebiet ein eigener Kosmos ist. Mit einer eigenen Kultur, einer eigenen Sprache und mit einem eigenen Mythos.

Das dies nun alles zu Ende gehen soll, ist schwer zu ertragen. Werner Kubnys Film trägt dem würdig Rechnung.

unser Kalender für 2018 hat als Motiv die beiden letzten Zechen, Propser-Haniel u. Anthrazit-Ibbenbüren, Foto. Revierkohle
Museumszeche Hannover/Hannibal in Bochum. Foto: Revierkohle

Dieser Mythos läßt sich ohne die alten Zechen, den alten Mauerresten, den alten Zechenhäusern, dem besonderen Humor und der besonderen Melancholie wie auch den alten Berg-mannnsgeschichten nicht wirklich verstehen. Schließ-lich verfolgt den Besucher im Ruhrgebiet der morbide Charme des Untergangs auf Schritt und Tritt. So etwas muß man nicht nur mögen. Man muß es lieben. Wir tun es. Auch wenn Ende des Jahres die Mannschaften abgelegt werden, das Zusammenge-hörigkeitsgefühl wird bleib-en. Der Film lief bereits in zalreichen Revierkinos.   

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