Zeche Zollern 2-4

LWL-Industriemueseum Zeche Zollern II/IV

bestes Ergebnis seit 20 Jahren

Zollern 2-4
Teamtmeeting

Anne Kugler-Muehlhofer und ihr Team hat Grund zur Freude. Die Leiterin des LWL-Industriemuseums Zeche Zollern II/IV in Dort-mund blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück.

Die Zeche verbuchte in 2019 mit rd. 120.000 Besuchern einen Be-sucherrekord. Das ist das beste Ergebnis seit 20 Jahren. Da der LWL darüber hinaus aber auch noch die Museums-Zechen Nachti-gall in Witten und die Zeche Hannover in Bochum sowie die Hatt-inger Henrichshütte, das Schiffshebewerk Henrichenburg in Wal-trop, die Glashütte in Gernheim, das Textilwerk in Bocholt und das Ziegeleimuseum in Lage unterhält, belief sich die Gesamtbesuch-erzahl in 2019 auf mehr als eine halbe Million Gäste.

Insgesamt kamen im Jahr seines 40. Bestehens rund 517.300 Menschen in die insgesamt 8 Standorte des LWL. Diese Entwick-lung zeigt, dass die Montankultur sich auch nach dem Auslauf des Deutschen Steinkohlenbergbaus in 2018 weiterhin steigender Beliebtheit erfreut. 

Landschaftsverband Westfalen-Lippe

Schloss der Arbeit erfreut sich hoher Beliebtheit

Ready

Go..

Zeche Zollern 2-4
Zeche Zollern aus dem Jahre 1905, Schacht II- stammt von der Gelsenkirchener Zeche Wilhelmine Victoria und das Fördergerüst über Schacht IV stammt von der Zeche Friedrich der Große in Herne- Foto: Karin Karin, pixabay.com

GESCHICHTE

Die Zeche Zollern entstand zwischen 1898 und 1904 als Muster-zeche der Gelsenkirchener Bergwerks AG (GBAG). Mit ihren prunk-vollen Backsteinfassen und opulenten Giebeln im Jugendstil erinn-ert die Anlage auch heute noch eher an eine Kirche bzw. an eine Adelsresidenz als an eine Zeche, wenn man vor dem Verwaltungs-gebäude steht.

Die Zeche förderte zwischen 1905 und 1955 Fettkohle auf 4 Anlag-en. Zwischen 1941 bis 1945 wurden auf der Zeche auch Zwangs-arbeiter beschäftigt.

Ende der 50er Jahre wurde die Bergebrechanlage, die Seilbahn und die Schachtumlaufhalle abgerissen sowie die Schächte I und III ver-füllt. Die restlichen Anlagen wurden mit der Zeche Germania zum Verbundbergwerk Germania/Zollern zusammengelegt. Das Förder-gerüst der Zeche Germania steht heute über der Eingangshalle des Deutschen Bergbau-Museums in Bochum.  

Zeche Zollerin MaschH, olafpictures_PerfectlyClear
Maschinenhalle Zeche Zollern, Foto:Olafpictures, pixabay.com

Zollern II/IV steht heute als wichtige Landmarke nicht nur für die Zeit von Kohle und Stahl, sondern auch für die besondere Lebenswelt der Bergleute und ihrer Familien in der nahe gelegenen Zechenkolonie

1965 beschloss der Vorstand der Dort-munder Bergbau AG, die Schachtanlage Zollern II/IV aufgrund der Zechenkrise endgültig stillzulegen. Dieses Schicksal ereilte aufgrund zunehmender Ölimporte Dutzende weiterer Zechen in den folgend-en Jahren. Die Schächte wurden 1966 und 1967 verfüllt. Die Zentralschachtanlage Germania wurde 1971 stillgelegt. 

Zollerin 2-4, Verwaltung
Verwaltungsgebäude Zeche Zollern von Paul Knobbe Foto: Wilhelm u. Gertrude Hermann

Quellenhinweise:

LWL-Pressemitteilung vom 07.01.2020; Hermann, Wilhelm und Gertrude: die alten Zechen an der Ruhr, 6. Auflg., Königstein /Tanus 2008, S. 111 ff, Uni Duisburg.de, Industriedenkmäler,  sowie RK-Redaktion vom 20.01.2020

 

Die Tagesanlagen von Zollern II/IV ver-blieben bis zur Gründung der RAG im Jahre 1968 bei der GBAG, die sich dann zusammen mit 23 weiteren Bergwerks-gesellschaften ebenfalls auflöste. Die RAG wollte – wie fast alle Anlagen – Zollern II/IV komplett abreißen lassen. 43 Gebäude wurden dem Erdboden gleichgemacht.

Dann aber formierte sich energischer Wid-erstand in der Bevölkerung. Wichtigstes Objekt im jahrelangen Kampf um die Er-haltung der Anlage bildete die Maschinen-halle mit ihrem wunderschönen Jugend-stilportal von Bruno Möhring. Schlussend-lich verzichtete man auf den Abriss.

Allerdings blieb die Anlage zwischen 1973 bis 1981 sich selbst überlassen. Dement-sprechend trostlos sah es auf Zollern II/IV bis Anfang der 90er Jahre aus. 1981 ging die Anlage in den Besitz des LWL über. Dieser ließ die 17 verbliebenen Gebäude zwischen 2007 und 2016 umfangreich sanieren. Heute ist sie ein fast sakrales Kleinod der Zechenarchitektur.

Ein Besuch lohnt sich !

Anschrift:
 
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern II/IV                           Grubenweg 5
44388 Dortmund-Bövinghausen
 
Öffnungszeiten:
Di bis So von 10.00 h bis 18.00 h
Eintrittspreis Erwachsene: nur 5,00 EUR
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Kobalt Kinder

E-Mobilität: Batterie-Rohstoff Kobalt könnte knapp werden

extremer Wasserverbrauch - Kinderarbeit - endliche Lagerstätten -hohe Preise

Kobalt Kinder
Kobalt Mitarbeiter im Kongo
Kobalt-Minenarbeiter -Foto: Washington Post/GettyImages,künstl.Veränderung:Revierkohle

Wir haben uns mit dem Thema E-Autos bereits mehrmals beschäftigt und dabei immer wieder feststellen müssen, dass das E-Auto keine langfristige  Zukunft haben kann. Und das aus rein physikalisch-technischen Gründen. (siehe unser Jahrbuch 2017 und 2018) Die Gründe wollen wir hier nicht wiederholen. Stattdessen werden wir uns heute mit dem Rohstoff und den Produktionsbedingungen in Südafrika und China beschäftigen, wo sich 70 % der Lithium-Lagerstätten weltweit befinden. Neuerdings wird auch in Zinnwald in Sachsen nach dem wertvollen Rohstoff gesucht. Dort sollen sich nach Angaben des GF der Deutschen Lithium GmbH, Prof. Armin Müller, rd 100 Mio.T Lithium befinden. Wegen der zweifelhaften Menge werden wir hierauf in einem gesonderten Beitrag eingehen. 

Elektromobilität

schmutzige Arbeit für angeblich saubere Autos

E-Autos brauchen Batterien und diese brauchen Kobalt, ein zentraler Bestandteil von Lithium-Ionen-Batterien. Kobalt ist ein schweres Metall, das als extrem hitzebeständig gilt und dafür sorgt, dass die Batterie nicht verbrennt. Hauptproduzent ist die schweizerische Firma Glencore und ihre Tochter Katanga. Zwei Drittel der weltweiten Kobaltproduktion i.H.v. 100.000 T (2017) stammt aus dem Kongo. Das entspricht 40 % der Jahresproduktion. Die weltweiten Kobalt-Vorräte belaufen sich auf rd. 25 Mio. T.  Das Alkali-Leichtmetall Lithium hat eine Lagerstättenreichweite von rd. 46 Mio.T. Konzentriert findet man dieses in Argentinien (9,8 Mio.T), Bolivien (9Mio. T); China (7 Mio. T); Chile (8,4 Mio. T), USA (6,8 Mio. T) und Australien mit 5 Mio. T.  Und da der Rohstoff heiß begehrt ist, ist der Preis für eine Tonne Lithium innerhalb eines Jahres bis Mitte 2017 auf 14.000 und bis Ende 2019 auf 18.000 US-Dollar gestiegen. Und das hat Folgen. Nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die betroffenen Menschen, die sich in den Minen unter z.T. erbärmlichen Bedingungen verdingen müssen. Es geht um Kinderarbeit wie im Kongo, Korruption wie in Südafrika, Waffenhandel und natürlich Ausbeutung im großen Stil.  Amnesty International hatte diese Situation in einer Studie bereits 2016 bemängelt. Das sollte man wissen, bevor man sich für ein E-Auto entscheidet.  

Johan August Arfwedson

Johan August Arfwedson

Entdecker des Lithiums (1817)

Elektrofahrzeug

E-Auto

umweltfreundlich? Fehlanzeige !

Smartphone

Lithium

auch in jedem Handy

Kristall
Silizium-Quartz -Foto: Didier Descouens,wikimedia commons,FNU

Lithium-Gewinnung aus der Nähe betrachtet

Glencore- weltweit größter Kobald-Produzent
Lithium Ion Batterie
Lithium-Batterie, Foto: pixabay.com
Batterie
Tonnenschwere Batterien im LKW, Foto: Brian Dorff, pixabay.com

Lithium ist ein weiss-wässriges Alkali-metall, das in einem Verdunstungsprozess gewonnen wird. Inmitten der Atacam-wüste, 1500 Km nördlich der chilenischen Hauptstadt Santiago gelegen liegt tief unt-er der Erde der Atacama-Salzsee. Er ge-hört zum sog. Lithium-Dreieck zwischen Bolivien, Argentinien und Chile.

Das mineralhaltige Grundwasser des Sees wird in riesige Becken gepumpt. Die Wüst-ensonne sorgt dafür, dass das Wasser ver-dunstet, wodurch sich nach und nach unt-erschiedliche Salze im Beckenboden ab-setzen. Diese Salzlösung wird dann in einem chemischen Prozess in Lithiumkar-bonat umgewandelt.  Hierbei wird in Auf-bereitungsanlagen unerwünschtes Bor und Magnesium extrahiert und ausgefilt-ert. Dann wird die Salzlauge mit Natrium-carbonat behandelt. Das dabei ausgefällte Lithiumcarbonant wird gefiltert und ge-trocknet. Das ist ein aufwendiger Prozess.

Da durch den Verdunstungsprozess ex-trem viel Wasser verbraucht wird, kommt es zu Wasserknappheit, Bodenkonta-minierung durch Chemikalien und Ver-seuchung des Trinkwassers, da die Ab-wässer und die Restsolen meist ungeklärt in den Salzsee zurückgepumpt werden. Hört sich unappetitlich an und ist es auch.

KNAPPHEITSGUT

Wegen seiner hohen Energiedichte wird Kobalt zunehmend nachgefragt. In den vergangenen 12 Monaten hat sich der Preis pro Tonne Kobalt daher von 54.000 auf 88.500 US-Dollar erhöht. Vor 3 Jahren lag der Preis noch bei rd.30.000 US-Dollar. Pro Autobatterie rechnen die Fachleute mit 10 bis 20 Kg Lithiumkarbonat und 10 bis 16 kg Kobalt. Der Kobaltanteil im Akku soll in den nächsten Jahren durch techn. Weiterentwicklungen reduziert werden.

RISIKOGUT

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien bis 2026 auf das 14-bis 24-fache der derzeitigen Produktionska-pazität erhöhen  wird. Die Studie geht allerdings davon aus, dass sich bis 2026 rd. 18 Mio. E-Autos auf den Strassen welt-weit bewegen werden.

Wir haben da so unsere Zweifel. Denn gem. den Aussagen der Bundesregierung zufolge sollten 2020 in Deutschland auch schon rd. 1 Mio. E-Autos unterwegs sein. Wegen der Reichweitenproblematik und der fehlenden Ladeinfrastruktur sind es Ende 2019 daher gerade einmal 83.173 zugelassene Stromer gewesen. ( Statista)

Hinzu kommt das Problem der fehlenden Substituierbarkeit von Kobalt und Lithium sowie der fehlende Strom bei Flaute, so-weit man ernsthaft den Batteriestrom über Windstrom gewinnen will. Einstweilen sind es nämlich ausschließlich fossile Energie-träger, die den Strom für die E- Autos Tag und Nacht liefern können.

Zwar wird es in Zukunft möglich sein, dass Lithium durch Schwefel (Li-S) ersetzt wird und die Reichweite eines E-Autos dann rd. 1000 km betragen könnte, jedoch mangelt es diesen sog. Li-S-Batterien an der Zy-klenstabilität. Will heißen: nach rd. 50 Lade/Entladevorgängen sind die Elektro-lyte ausgetrocknet. Beim Frauenhofer-IWS-Institut in Dresden tüftelt man zwar schon seit einigen Jahren  an stabilen Anoden-konzepten, aber diese stabileren Zellen er-reichen dann keine hohe Energiedichte mehr.  Das ist aber entscheidend für eine längere Reichweite.   

Quellenhinweise:

Handelsblatt vom 02.10.2019; Welt vom 28.11.2017;  emobicon.de vom 06.07.2018; Meyer, Carsten: Fünf Fakten zu Lithium und Kobalt, in: ZDF vom 06.10.2018; 14.30 h; Boddenberg, Sophia: Lithiumabbau in Chile -Fluch oder Segen ?, in: Deutsche Welle vom 28.04. 2018; Wirtschaftswoche vom 10.05.2018; Focus-Online vom 03.07.2018 ; elektronik.net.de vom 06.02.2014 und RK-Redaktion vom 20.01.2020
 
Fotos: (klein, Mitte) v.l.n.r.: Fehr and Miller of Stock-holm, CC-PD-Mark, FNU, wikimedia commons ; E-Auto: MikesPhotos, pixabay.com; Handy: Stocknap, pixa-bay.com 

Und dann wäre da noch der risikobe-haftete Versorgungsweg zu beachten.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rostoffe ordnet zusammen mit dem  IW den Rohstoff Kobalt zur sog. „roten Gruppe“ zu. Innerhalb dieser Risikobe-wertungsgruppe nimmt Kobalt den ersten Platz ein, da dieser hauptsächlich im Kon-go, in Russland, in Kuba und in Chile abge-baut wird. Aus Sicht der Behörde und der Deutschen Wirtschaft sind das alles Hoch-risikoländer. Wie auf dieser Basis eine sichere Rohstoffversorgung zur Herstell-ung lupenrein umweltfreundlicher Auto-batterien zustande kommen kann, ist für uns bis auf Weiteres schleierhaft.   

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Haus Risphorst, Ölgemälde

RVR: Heimat in der Kolonie

ARBEITERSIEDLUNGEN IM REVIER

REGIONALVERBAND RUHR

Emscher Landschaftspark Oberhausen

OriginalModified

Heimat in der Kolonie - 18.02.2020 bis 22.03.2020

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Haus Ripshorst in Oberhausen

Foto: RVR

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LWR-Museum Bergarbeitersieldung Eisenheim in Oberhausen

LWR-Museum Siedlung Eisenheim in Oberhausen

Foto: Wolgang Staiger, Merian

Revierkohle Icon

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Graf Bismarck, Siedlung Uechtingstr., Rudolf Uthoff
Zechensiedlung Üchtingstr. in Gelsenkirchen-Erle der Zeche Graf Bismarck in den 60er Jahren Foto: Hans-Rudolf Uthoff

Im RVR-Besucherzentrum des ehemaligen Bauernhofes „Haus Ripshorst“ in Oberhausen stellt der passionierte Ruhrgebiets-fotograf Ludger Staudinger 18 wunderschöne Ruhrgebietsfotos aus, die das Leben in den Bergarbeitersiedlungen zeigen. Die Aus-stellung wird thematisch ergänzt aus der neuen App der Route der Industriekultur und trägt den Namen „Perspektivwechsel.“  Die App ist im digitalen Guide mit Audio-Geschichten versehen worden, damit Sie das Abenteuer Ruhrrevier auf neue und spannende Weise erleben können.  Der „Perspektivwechsel“ beschäftigt sich auch mit dem Steinkohlenbergbau und seinem Ende. 

kleiner Plausch in der Kolonie der 60er Jahre, Foto: Hans-Rudolf Uthoff
Graf Moltke Phönixstr. Hinterhof
der Hühner und Kaninchenstall nebst Kohlenverschlag im Hinterhof war typisch in den 60er Jahren im Revier, Foto: Revierkohle

Mit dem Zechensterben wurden in den 70er Jahren nicht nur viele Zechen ab-gerissen, sondern im Zuge einer neuen Stadtplanar-chitektur auch viele Zech-ensiedlungen dem Erdbod-en gleichgemacht. Bau-hausarchitekten wie unser Mitglied, Prof. Dr. Roland Günter, leisteten mit Stu-denten der FH Bielefeld er-bitterten Widerstand gegen weitere Abrisspläne. Unter dem Motto „Rettet Eisen-heim“ stellte sich unser Mitglied demonstrativ geg-en den Abriss der alten Bergarbeiterhäuser in Ober-hausen-Eisenheim. Die Eis-enheimer Bewegung er-schütterte ab 1974 das ganze Revier. Überall ent-standen Inititativen, die sich gegen den Abriss der etwa 2400 Bergarbeiter-häuser im Revier wehrten.

Graf Moltke Phönixstr. Steigerhaus
Steigerhaus in der Zechensiedlung Graf Motlke, Galdbeck, Foto: Revierkohle

Bald waren es mehr als 40 Initiativen, die sich um den Erhalt der Siedlungen mit allen Kräften bemühten. Mit Erfolg. Und so konnten die Bergarbeitersiedlungen Flöz Dickebank in Gelsenkirchen, Rheinpreußen in Duisburg, Felicitas und Tremonia in Dortmund, Beisenkamp in Datteln, Dunkelschlag in Oberhausen, Halbmond in Bochum und Mausegatt in Mülheim vor dem Abriss bewahrt werden. Architekten, Stadtplaner und Sozialwissenschaftler be-schäftigten sich ausführlich mit der Bergarbeiter-und Siedlungs-kultur.

In dern 70er Jahren schlossen sich etliche Koloniebewohner zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen und gaben die Zeitung „Ruhr-Volksblatt“ heraus. In dieser kamen auch viele Fachleute zu Wort, die sich über den Sinn der gewachsenen sozialen und kommuni-kativen Strukturen in den rd. 30 Siedlungen ihre Gedanken macht-en. Davon ließ sich auch der damalige Bundespräsident Gustav Heinemann beeindrucken. Er lobte die Bergarbeitersiedlung Eisen-heim nach ihrer Rettung als ein mustergültiges Beispiel für soziale Architetktur im Gegensatz zu rein technisch-wirtschaftlichen Lösungen, wie sie heute üblich sind.      

er hatte in den 50er Jahren noch gut lachen, Foto: RAG
Hinterhof in der Bergarbeitersieldung der Zeche Westerholt, Herten, Foto: Revierkohle

RVR-Besucherzentrum

Haus Ripshorst

Ripshorster Str. 306    46117 Oberhausen
 
geöffnet:
Die bis So von 10.00 h bis 17.00 h

Durch die kleinteilig-urbane und niedrige Bauweise mit Hinterhofgarten, Stall und Taubenschlag konnte auch eine besondere Lebens-qualität gedeihen, die heute fast schon Seltenheits-charakter hat. Unter wie über Tage  galt: man bildet eine Gemeinschaft und man hält zusammen. Ver-einsamung, Entfremdung und Isolierung – die klassi-schen Probleme von Hoch-hausgemeinschaften und modernen Städtebewohn-ern – waren Fremdworte. Und was man auch nicht vergessen darf: die Mieten waren für jeden erschwing-lich. Dafür sorgten die Zech en- und Stahlbarone. Und architektonisch reizvoll sind die Häuser bis heute und daher aus unserer Sicht absolut schutzwürd-ig.

Aber machen Sie sich selbst ein Bild ! 

Quellenhinweise:

RVR-Pressemitteilung vom Jan. 2020; Pressemitteilung des Umwelt bundesamtes vom Jan.2020; Klein, Stefan: Eisenheim und Flöz Dicke-bank, in: Merian-Ruhrgebiet, Aus-gabe von 1970, S. 42 ff; Uhtoff, Hans-Rudolf: Tief im Westen, 1. Auflg., Essen 2010; Hermann, Wil-helm und Gertrude: die alten Zech-en an der Ruhr, 6. Auflg., Königstein im Taunus 2008, S. 105 ff sowie RK-Redaktion vom 20.01.2020
 
Header-Ölgemälde: Revierkohle, Ursprungsfoto: RVR
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seismische Erschütterungen

RAG: Einigung über Bergbauschäden

RAG bietet Anspruchsberechtigten Entschädigungen an

seismische Erschütterungen
Bergbaufolgen
Bergschadensschild
Bergschadensgebiet Sprockhövel, Foto: Morty, GNU-Version 1.2, CC-BY-SA.3.0, wikimedia commons
Friedrich-Heinrich-Gemälde
Bergwerk Friedrich-Heinrich i.A. (BW West),Kamp-Lintfort, Gemälde: Revierkohle
Heinrich-Robert det. Gemälde
Bergwerk Heinrich-Robert i.A. (BW Ost), Hamm-Pelkum, Gemälde: Revierkohle
PH 2 Gemälde
Bergwerk Prosper-Haniel i.A., Bottrop, Gemälde: Revierkohle
BW Lippe Gemälde
Bergwerk Westerholt i.A. (BW Lippe), Herten-Westerholt, Gemälde: Revierkohle
AV 3-7
Bergwerk Auguste-Victoria i.A., Marl, Gemälde: Reviekohle

Quellenhinweise:

Pressemitteilung der RAG vom 16.1.2020; VBHG-Nachrichten vom 13.01.2020; N-TV vom 29.11.2007 sowie RK-Redaktion vom 20.01.2020

Seit dem Bergbau betrieben wird, gibt es auch Bergsenkungsschäden. Zu den Schäden gehören Gebäudeschäden, Schäden an Verkehrsanlagen, Schäden an Vorflutern sowie Schäden an land-und forstwirtschaftlichen Nutzflächen. Durch den untertägigen Abbau von Lagerstätten wird das Hangende nach und nach freigelegt und bricht dann ein. Dadurch wird das vorher vorhandene physikalische Gleichgewicht des Gebirgskörpers beeinflusst. Infolge dessen wird die darüberliegende Gebirgsschicht in Bewegung ver-setzt. Diese Bewegungsvorgänge machen sich bis zur Tagesoberfläche bemerkbar. Der Gesetzgeber hat daher bestimmt, dass die durch den Bergbau entstandenen Berg-senkungsschäden gegenüber den Geschädigten finanziell auszugleichen sind. 

Der Gesetzgeber hat dabei ferner bestimmt, das der Eigentümer beweisplichtig ist. Er muß gegenüber der RAG nachweisen, dass es sich bei seinem Schaden um einen Bergschaden handelt. Die Verjährungsfrist liegt bei 3 Jahren. Die RAG erhält pro rd. 35.000 Schadensmeldungen. Die meisten davon aus NRW. Für die Regu-lierung von Bergschäden gem. dem Bundesberggesetz hat die RAG rd.2,5 Mrd.EUR zurückgestellt und ist noch rd. 30 Jahre für die Re-gulierung zuständig.  

Im Einzugsbereich der ehem.Bergwerke Friedrich-Heinrich in Kamp-Lintfort, Heinrich-Robert in Hamm-Pelkum, Prosper-Haniel in Bottrop, Lippe (Westerholt) in Herten sowie Auguste-Victoria in Marl gab es im Zeitraum 2008 bis 2018 immer wieder Erschütt-erungen, die zu Schäden führten. Die RAG wurde  aufgrund eines Rechtsstreites mit dem Verband bergbaugeschädigter Haus-und Grundeigentümer e.V. (VBHG, Herten) gem. § 906 Abs. 2 BGB nun-mehr verpflichtet, Ausgleichszahlungen zwischen 200 bis 800 EUR pauschal  zu leisten. 

Dieser Verpflichtung wird die RAG gegenüber den Geschädigten nachkommen. Die Zahlungen richten sich dabei an den im Muster-prozess des VBHG ausgehandelten Pauschalbeträgen und werden einmalig pro Wohneinheit gezahlt. Die Zahlung ist als Abgeltung sämtlicher Beeinträchtigungen des Wohnwertes in der Vergangen-heit zu verstehen. Ansprüche, die durch Bergschäden vor 2008 ent-standen sind, gelten als verjährt. 

Entschädigungsanträge können ansonsten noch bis zum 31.12. 2020 gestellt werden. Das Online-Formular finden Sie hier:

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