Freiheit Emscher – eine perfekte neue Welt ?

nach Abschluss aller Rückbauarbeiten auf Prosper-Haniel bleibt fast nichts, wie es ist

Wenn Politiker von Freiheit schwadronieren, dann ist damit meistens die unternehmerische Freiheit gemeint. Und die soll nun mit Hilfe von RAG Montan-Immobilien, Stadt Bottrop und Stadt Essen ein Entfaltungspotential erhalten, welches alle bisher in der Region durchgeführten Infrastrukturmaßnahmen in den Schatten stellen wird. Gemeint ist die wirtschaftliche Erschließung und Sanierung ehem. Bergbauflächen. Bei den anstehenden Rück-und Umbau-maßnahmen handelt es sich um ein 1.700 Hektar großes Areal, welches sich vom Bottroper Süden bis hin zum Essener Norden mit dem Stadthafen erstreckt.

Bereits im Mai 2019 informierte die Stadt Essen die Öffentlichkeit über das größte Stadtentwicklungsprojekt in NRW. Noch in diesem Jahr werden die Bagger am ehem. Schachtstandort Emil Emscher anrücken und mit dem aufräumen, was der Bergbau hinterlassen hat.

Dem Masterplan „Freiheit Emscher“ liegt eine Vision zugrunde, die mit Freiheit recht wenig zu tun hat, mit Geld verdienen aber dafür umso mehr.

Echte Freiheit wäre, wenn die Bürger und Bürgerinnen entscheiden könnten, ob Sie den Abriss Ihrer Geschichte oder ob sie eine andere Nutzung der Bergbau-Hinterlassenschaften wünschen. Aber sie werden nicht gefragt, sondern nur formal-juristisch angehört. Wie schon bei anderen Masterplänen, wo es um die Umgestaltung ehem. Bergbaustandorte ging, hieß es stets voll-mundig, dass man die Region und die Fläche zu einem pulsierenden ökonomischen Zentrum entwickeln wolle. Gerne wurden solche Projekte auch mit dem Zusatz „Zukunft“ oder „klimafreundlich“ versehen. Stets versprach man Wohlfühloasen und neue Arbeitsplätze.

Wenn wir uns heute in der Region umsehen, müssen wir feststellen, dass von den Visionen in der Regel nicht viel übrig geblieben ist.

Auf den 10 ehemaligen Bergwerken, die seit 1999 geschlossen  wurden und auf denen rd. 12.000 Menschen mit anständiger Bezahlung vollzeitbeschäftigt waren, sind gerade einmal rd. 3000 neue Arbeitsplätze entstanden.

Die meisten davon in mittelständischen Betrieben, die es vorher auch schon gab. Und die Bezahlung liegt ebenfalls i.d.R. weit unter dem Lohn, den die RAG ihren Beschäftigten zahlte. Und selbstverständlich sind auf den neuen Arbeitsplätzen auch etliche Menschen darunter, die teilzeit-oder befristet beschäftigt sind. (Beispiele: Supermärkte und Theaterbetrieb auf der ehem. Zeche Consolidation in Gelsenkirchen-Bismarck, Bäckerei, Theaterbetrieb, Handwerks und Logistikbetriebe auf der ehem. Zeche Ewad 3/4/9 in Herten)  

Bis 2027 sollen nun die Bergbauflächen am Rhein-Herne-Kanal einschließlich des Bergwerksge-ländes Prosper-Haniel in Bottrop vermarktet werden. Dazu muß das Gelände mit Straßen, Brücken, Leitungen etc. erschlossen werden. Einen dreistelligen Millionenbetrag haben die Plan-er dafür veranschlagt. Da eine solche Summe weder von der Stadt Bottrop, der Stadt Essen noch der RAG Montan-Immobilien als derzeitiger Noch-Eigentümer gestemmt werden kann, soll das Land NRW, der Bund und die EU Fördermittel für das strukturschwache Revier bereitstellen.

Wie trost-und geschichtslos eine solche Zukunft aussieht, kann man sich beispielhaft an der an-geblich musterhaften Sanierung der ehem. Bergbaufläche Graf Bismarck in Gelsenkichen ver-gegenwärtigen. Von der ehem. Schachtanlage , auf der bis 1966 immerhin über 6000 Bergleute beschäftigt waren, ist bis auf die ehem. Kaue nichts mehr zu sehen. Dafür stehen nun in Reih und Glied gleichförmige weiße Einfamilienhäuser mit 12 Quadratmeter großen einheitlichen Vorgärten direkt am Rhein-Herne Kanal. Neue Arbeitsplätze? Fehlanzeige.

Nicht ganz so geschichtslos sieht es auf dem ehem. Bergwerk Hugo 2/5/8 in Gelsenkichen-Buer aus. Immerhin wurde Schacht 2 und die ehem. Kaue privat saniert und es wurde  auf dem Gelände ein sog. Biomassepark angelegt. Neue Arbeitsplätze ? Ebenfalls Fehlanzeige. Das dort ansässige Forstamt hatte nach Schließung der Zeche im Jahr 2000 seine Mitarbeiter nur verlegt.

Und ein drittes Beispiel aus der gleichen Stadt verdeutlicht, wie wenig Zukunft mit wenig Phantasie und noch weniger neuen Arbeitsplätzen auf ehem. Bergwerksstandorten tatsächlich eingerichtet wurden. Am Standort Bergwerk Lippe (ehem. BW Westerholt) in Gelsenkirchen hat sich seit der Schließung der Zeche im Dez. 2008 bis heute fast nichts getan. Das Bergwerk befindet sich im Dornröschenschlaf. Neue Arbeitsplätze auf den Nebenanlagen Polsum 1/2; Altendorf, Wulfen 1/2, Baldur 1 sind ebenfalls nicht entstanden. Eine Ausnahme bildet das ehem. selbständige Bergwerk Fürst Leopold in Dorsten. Dort sind rd. 150 neue Arbeitsplätze entstanden. Hauptsächlich in der Gastronomie und im Kunstbereich. Das die  gezahlten Löhne kaum dazu beitragen können, die Nachfrage nennenswert zu stärken, versteht sich fast von selbst. Immerhin wird dafür auf Fürst Leopold wieder fröhlich gefeiert.

Oder nehmen wir das Beispiel Zeche Lohberg in Dinslaken. Auf dem im Dez. 2005 stillgelegten Bergwerk arbeiteten rd. 3000 Bergleute. Die Zeche war der größte Arbeitgeber in der Region. Bis auf das Verwaltungsgebäude, die Kaue, das ehem. sog. Ledigenheim und das Schachtgerüst ist von der Zeche trotz Widerstand aus der Bevölkerung fast nichts übrig geblieben.

Statt dessen wurde ein großer See mit steiniger Uferpromenade angelegt und das ganze als „Kreativ-Quartier-Lohberg“ ausgegeben. Es herrscht dort Tristesse und gähnende Langeweile.  Besonders kreativ glaubten die Macher zu sein, als sie proklamierten, das Gelände würde nur Öko-Strom erhalten. Sind denn wenigstens jede Menge neue Arbeitsplätze entstanden ? Leider auch Fehlanzeige.

Auf der ehem. Schachtanlage Auguste-Victoria in Marl sieht es dagegen etwas besser aus. Auf dem Gelände des 2015 stillgelegten Bergwerks sollen sich neue Gewerbe-und Logistikfirmen ansiedeln. Das Projekt nennt sich „gate.ruhr“ und soll rd. 1000 neue Arbeitsplätze schaffen. Das wäre dann im besten Fall jedoch auch nur ein Drittel der ehemals gut bezahlten 3000 Arbeitsplätze, die in Marl verloren gegangen sind.

Es ist daher zu befürchten, dass die Entwicklung auf Prosper-Haniel in Bottrop genau so abrisswütig, trost-, phantasie-und geschichtslos verlaufen wird, wie auf den anderen ehem. Schachtstandorten auch.

Aus der Sicht des freiheitlichen Unternehmertums sieht die Sache natürlich viel positiver aus. Kein Wunder bei den Summen, die zur Verfügung gestellt werden sollen.  

Bis zur vollständigen Erschließung der Schachtanlage im Jahre 2027 steht noch viel Arbeit an, bevor von den neuen Nutzern ordentlich kassiert werden kann.

Zunächst müssen die seit Sept. 2018 laufenden Rückbauarbeiten über und unter Tage auf dem Bergwerk Prosper-Haniel abge-schlossen werden, bevor die Schächte Anfang 2020 standfest ver-füllt werden können.

Das ursprünglich geplante Unterflur-Pumpspeicherkraftwerk am Schacht Franz wird aus Kostengründen nicht gebaut.

Immerhin hätten dadurch rd. 150 Bergleute ihren Arbeitsplatz be-halten können und die Stadt hätte sich das Logo „klimaneutral“  auf die Verwaltungsbrust heften können. Der unter Denkmalschutz stehende Malakowturm PH 2 wird künftig an der geplanten Um-welttrasse liegen. Dabei handelt es sich um einen schnöden und nun fast schon an jeder Ecke befindlichen Fuß-und Radweg im Revier,  auf dem sich die Ruhris mittlerweile zu Tode latschen können. Außer dem dann noch stehenden Malakowturm mit der alten Kaue gibt es beim vorbeilaufen allerdings dann nicht mehr viel zu sehen. Sämtliche Übertageanlagen sollen abgerissen werden. Ein Funktionszusammenhang wäre nicht mehr erkennbar. Möglicherweise bleibt aber das markante Fördergerüst über Schacht Franz für die Nachwelt erhalten. Einen Kahlschlag wird es dagegen am Schacht 9 und 10 geben. Dort sollen sich Start-ups niederlassen und es soll ein „Gewerbeboulevard“ für 5 Industrie-Handwerks-und Digitalbetriebe entstehen. Neue Wohnungen für zahlungskräftige Mieter bzw. Eigentümer sollen ebenfalls ge-schaffen werden. Und natürlich hört man von den Akteuren eilfertig, dass die neuen Quartiere „immense Chancen“ für die Schaffung neuer und moderner Arbeitsplätze bieten würden.

Prosper-Haniel 2

Malakowturm

PH - Schacht 10

PH - Schacht 9

PH - Wetterschacht Hünxe

Kohleaufbereitungsanlage

               alle Fotos: Revierkohle

Markus Masuth, RAG-Montan-Immobiien. Sieht in dem Projekt eine historisch einmalige Chance, den industriellen Dschungel zu lichten.
OB Thomas Kufen, Stadt Essen. Sieht in dem Projekt einen Nukleus mit Strahlkraft
OB Bernd Tischler, Stadt Bottrop. Sieht die Freiheit Emscher als großes Infrastrukturprojekt; Fotos: Stadt Bottrop

Freiheit Emscher

Strategen und Strategien

Das Projekt „Freiheit Emscher“ wird getragen von der RAG-Tochter RAG-Montan-Immobilien GmbH als bisheriger Eigentümerin der Bergbauflächen, der Stadt Bottrop und der Stadt Essen. Alle drei Akteure haben ein lebhaftes Interesse an der wirtschaftlichen Erschließung der Flächen. Die RAG Montan-Immobilien GmbH will Kohle machen, um die Sanierungs- und Herrichtungskosten der alten Brachflächen wieder hereinzuholen. Verständlich, denn aus Sicht der RAG sind Brachflächen totes Kapital. Die Städte Bottrop und Essen sind klamm und daher ebenfalls dringend auf Gewerbe- und Grundstückssteuereinnahmen angewiesen. Logisch, das daher nicht in erster Linie an der Schaffung von neuem sozialem Wohnungsbau gedacht werden kann.

Qullenhinweise:

Freiheit-Emscher.de (Projektvorstellung); WDR vom 28.11.2018; Recklinghäuser Zeitung vom 29.08.2019; Pressemitteilung Stadt Essen vom 6.5.2019; WAZ vom 17.01.2019 und RK-Redakt-ion vom 27.09.2019.

Fotos: ganz oben: Emscherfluss, pixabay; Ebenen-Veränderung: Revierkohle; Mitte: zerstörte Uhr: Markus Messmann, Prosper-Haniel-Transparenzhintergrund: Revierkohle; ganz unten links: Tetraider Bottrop: tigersite; Halde Haniel: Angela HB; Gasometer: Markus Lindner, Danke Kumpel: Revierkohle, Bergmann: RAG; ansonsten: pixabay.com

Jedenfalls steht u. E. n. eines fest: das neue Stadtgebiet „Freiheit Emscher“ das sich zwischen Welheimer Mark und Sturmshof in Bottrop sowie Hafen Coelln Neuessen und Emil-Emscher in Essen erstrecken wird, wird nicht mehr viel von dem vertrauten alten Ruhrgebiet übriglassen.
 
Ein oder zwei Fördertürme, die einsam in der dann völlig umgekrempelten Landschaft stehen werden, umgeben von einförmigen modernen Funktionsbauten, akkurat angelegten neuen Wegen und Straßen incl. neuer Autobahnanbindung für den LKW-und Durchgangsverkehr werden kaum in der Lage sein, den dort dann lebenden Menschen das verloren gehende  Heimatgefühl wieder zurückzugeben. Denn es wird die für das Ruhrgebiet typische urban-kleinteilige Siedlungskultur fehlen. Und ob in den neuen Geschäften und Gastronomiebetrieben so etwas wie eine neue Authentizität mit hohem Vertrautheitscharakter entstehen wird, ist eher unwahrscheinlich. Denn was dann ebenfalls fehlen wird,  ist die gemeinsam gelebte Ge-schichte, dass, worauf man stolz war, dort und nur dort zu wohnen. Der Bergbau bildete die Klammer und das Verbindendende. Er war gemeinsames Thema. Die Region ist nun „Bergfrei.“  Ob sie dadurch auch liebens-und lebenswerter wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls wird es lange dauern.
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Windkraftlobby will Artenschutz aufweichen

10-Punkte-Plan zur Wiederbelebung des Windkraftanlagen-Ausbaus

rd. 100.000 Vögel werden jedes Jahr durch Windkraftrotorblätter fachgerecht zerhäckselt; Foto: Heiko Stein,pixabay.com; Veränderung: Revierkohle
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Der jahrelange Protest und jede Menge Klagen von rd. 700 Bürgerinitiativen, dem NABU, dem Bund für Vogelschutz und dem Bund für Umwelt und Naturschutz gegen den 100.000-fachen Vogeltod und gegen den Flächenfraß und der Naturzerstörung durch den Ausbau von Windkraftanlagen zeigt langsam Wirkung. Ausgerechnet die Windkraftlobby, vertreten durch den Bundes-verband Windenergie (BWE) fordert nunmehr, das der gesetzlich bestehende Artenschutz (hier: § 44 BundesnaturschutzG) aufgeweicht werden müßte, da sich das Tötungsverbot von Wildtieren genau so wie der früher restriktiv gehandhabte Schutz von Landschafts-und Naturschutzhabitaten als echtes Ausbau-Planungshindernis entwickelt habe.

In einem Bilanzzwischenbericht beklagen sich die Lobbysten lautstark darüber, dass von Januar 2019 bis Juni 2019 nur ganze 35 neue Windkraftanlagen in Deutschland gebaut worden wären, obschon doch eigentlich 1.400 neue Turbinen pro Jahr nötig wären, um das Klimaziel von 1,5 Grad + bis 2030 einhalten zu können. Der geplante Anstieg des Öko-Stroms auf 65 % am Gesamtenergiemix könne so nicht erreicht werden.

Die Bundesregierung, die die vereinbarten Ziele des Pariser Klimagipfels unterzeichnet hat, war sogleich alarmiert. Bundes-wirtschaftsminister Peter Altmaier berief einen Windgipfel ein, wo sich die Ökostromszene noch einmal gründlich ausheulen durfte. Aber es blieb nicht beim herumjammern.

Die Vertreter der Windkraftlobby forderten in einem vorgelegten 10 Punkte-Katalog u.a., den Artenschutz aufzuweichen, da dieser überzogen und unverhältnismäßig sei. Unverhältnismäßig ?

Nach einer Progress-Studie aus dem Jahre 2015 sind allein in Norddeutschland durch die dort 12.841 aufgebauten Windkraftanlagen innerhalb nur eines Jahres 7.865 Mäusebussarde, 10.370 Ringeltauben, 11.843 Stockenten und 11.197 Möwen durch die Rotor-blätter zu Tode gekommen. Diese Tiere sind als Kollateralschaden zu beklagen, obwohl die Naturschutzbehörden bei der Genehmigung von Windkraftanlagen mitzureden haben.

Wir dürfen daher daraus schlussfolgern, dass die zuständigen Beamten nicht gerade übertrieben streng  bei der Genehmigung vorgegangen sind. Sachgerecht wäre es aus Sicht der Ökostrom-Freunde, wenn man im Zweifelsfall immer zu gunsten der Windenergie entscheiden würde. Praktischerweise werden bisher die für Zweifelsfragen zuständig zu beauftragenden Vogel-kundler von den Windkraftinvestoren bezahlt und ausgesucht. Es gibt für diese also einen finanziellen Anreiz, einfach mal wegzuschauen, wenn ein Brutplatz das WKA-Projekt eines Investors gefährden könnte.

Sollte selbst die derzeit äußerst lasch gehandhabte Genehmigungspraxis in Sachen Vogel-und Naturschutz kippen, hätte sich die Frage nach einem effektiven Artenschutz weitgehend von selbst erledigt.

Wind-energieaus-bau ist Klimaschutz und Klima-schutz ist Artenschutz...

sagt die Windkraftlobby

carte blanche

geltendes Recht soll relativiert werden

Die o.g. Gleichung, würde sie in geltendes Recht umgesetzt werden, hätte zur Folge, dass der Ausbau von Windkraftanlagen auch im Zweifelsfall (ob ein Habitat, ein Brutgebiet oder eine Tierart schützenswert ist) immer Vorrang hätte. Der auf Umweltrecht spezialisierte Jurist apl.Prof. Dr. Martin Gellermann aus Westerkappeln weist darauf hin, dass der C02-Anteil Deutschlands im Verhältnis zu den global erzeugten C02-Emissionen bei gerade einmal 2,1 % liegt. Der Anteil von Windstrom am Primär-energieverbrauch in Deutschland lag 2018 bei gerade einmal 13 %. Der Beitrag der Windenergie zum angeblich erreichbaren weltweiten Klimaschutz ist daher sehr überschaubar und begründet nach Ansicht von Gellermann kein öffentliches Interesse an der Bevorzugung im juristischen Sinne. Der juristische Überprüfungsmaßstab wäre das Unions-und Völkerrecht. Und das würde keine populationsbezogene relativierende Betrachtung kennen. Ähnliche Vorbehalte gegen eine Aufweichung des Artenschutzes trägt auch Dr. Martin Kment, Prof. für Umweltrecht an der Universität Augsburg vor. Grundsätzlich darf ein vom Gesetzgeber eingeräumtes umfassendes Privileg für die Windkraft nie dazu führen, dass eine Art ausgerottet wird, damit man in Sachen Klimaschutz einen kleinen Fortschritt eventuell erreicht. Auch die Grundannahme, dass der Klimawandel die Artenvielfalt bedrohen würde, wird nicht von allen Wissenschaftlern pauschal geteilt. Der Evolutiuonsbiologe apl. Prof. Josef Reichholf von der TU München z.B. glaubt nicht daran, dass Klimaschutz mit Artenschutz etwas zu tun habe. Für viele seltene Tierarten würde sich die Veränderung klimatischer Bedingungen eher günstig auswirken. Er kritisiert die Windkraftbranche heftig, in dem er ihr vorwirft, das sie Ängste schüren würde, um ihre eigenen Interessen zu verbergen. Das ist, gelinde gesagt, höchst unseriös, so Reichholf. Auch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) teilt die Forderungen der Windkraftlobbyisten nicht. Das Bundesamt sieht keinen Bedarf für eine Ausnahme vom Artenschutz.

Hemmnisse beseitigen !

Ausbau forcieren

Quellenhinweise:
 
Berliner Morgenpost vom 05.09.2019; Eike.de vom 05.09.2019; Weltwoche vom 15.05.2019; N.N.: Energysteme der Zukunft, Dt. Akademie der Technik-wissenschaften; Union der Dt. Akademien der Wissen-schaften und Nationale Akademie der Wissenschaften (Hrsg.), Berlin 2018 (zu beziehen über „energiesysteme @acatech.de); Welt. de vom 01.09.2019; Weser-Kurier vom 05. 09.2019; Der Spiegel vom 01.08.2019; NABU.de vom 08.06.2016; Windbranche.de vom 05.09.2019; Welt.de vom 04.09.2019 sowie RK-Redaktion vom 30.09.2019
 
*) Heidelberger Appel, in: FAZ vom 22.03.2009; 
 
**) Dr. Richard-Lindzen-Petition vom 23.2.2017. Die Petition beinhaltete die Aufforderung an US-Präsident Trump, sich aus der UN-Convention on Climate Change zurückzuziehen, da der menschengemachte Klimawandel durch zusätzliche C02-Emissionen nicht eindeutig nach-gewiesen werden könne); 
 
***) Oregon Institute of Science and Medicine (OISM), Seitz, Frederic (Hrsg.), erstmals erschienen 1999. Hinweis: von Gegnern und in den Medien wurde die Petition auch als Desinformationskampagne bezeichnet, da sich nach einer Überprüfung von 1.400 Unterzeichnern durch die Fachzeitschrift  Scientific American (New York) heraus-stellte, das etliche Unterschriften doppelt abgegeben wurden und die meisten Unterzeichner keine Klimawiss-enschaftler waren. Ähnlich verhält es sich allerdings auch bei  deutschen Petitionen die das Ziel verfolgen, das Kyoto-Protokoll umzusetzen. Insofern muß die Anzahl tatsächlicher Klimawsissenschaftler nach unten korrigiert werden.  Anm. d. Red.     
 
 

Windkraft ?

Wenn man bedenkt, dass heute schon in Deutschland rd. 30.000 Windkraftanlagen die Landschaft verschandeln, dann würde eine Dekarbonisierung um 90 % bis 2050 dazu führen, dass wir dann doppelt so viel Strom benötigen würden wie heute.

Wahrscheinlich mehr, da ja der gesamte PKW-Verkehr und der Wärmemarkt ver-stromt werden soll. Die installierte Leistung an Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen müßte daher nach Ansicht der Deutschen Akadedemie der Wissenschaften gegenüber heute versiebenfacht werden. Verteilt in einem Netz über ganz Deutschland kämen somit alle 1,5 km eine 200 m hohe Wind-kraftanlage zu stehen, so 24 Professoren in ihrem von der Bundesregierung finanzierten Gutachten „Energiesyteme der Zukunft“ aus 2018.

Das wäre keine Wende, sondern ein ökologischer Alptraum. Der Blackout wäre die Regel. 

Die Wissenschaftler sehen auch in den betriebenen Versuchen, Windstrom mit Hilfe der Elektrolyse in Wasserstoff oder Methan umzuwandeln, um den Ökostrom  damit längerfristig speichern zu können ( das sog. Power-to-Gas-Verfahren) aufgrund der enorm hohen Kosten (1.500 Mrd. EUR bis 2030, weitere 1.300 Mrd. EUR bis 2050), zahlreicher Dunkelflauten und des hohen Energiebedarfs kritisch. Und sie stellen mit ihrer Publikation auch keine Minderheiten-meinung dar.

Bereits in 2009 hatten sich  öffentlich 3000 Wissenschaftler im sog. Heidelberger Appel* kritisch mit der Energiewendepolitik der Bundesregierung auseinandergesetzt. 2017 folgten dann weitere 300 Wissen-schaftler dem Atmosphärenforscher Prof. Richard Lindzen in einer US-Petition**, der die Hypothese des von Menschen verur-sachten Klimawandels aufgrund zusätzlich erzeugter C02-Emisionen in der Atmosphäre in Frage stellte.

Kritisch setzten sich mit dieser These auch über 31.000 US-Wissenschaftler, davon rd. 9000 Naturwissenschaftler, auseinander und veröffentlichten ihre zusammenge-fasste Kritik an der Klimarettungspolitik 2018 in der sog. Oregon-Petition.***

Für die Eltern der streikenden „Friday for Future“ -Kinder zum mitschreiben:

Bis 2050 müsstest ihr Monat für Monat 320 EUR zusätzlich für die Energiewende auf-bringen, damit die Kosten von insgesamt 4.600 Mrd. EUR nach Akademiegutachten gedeckt werden können.

Und wenn es nach der rührenden Greta Thunberg und ihren Followern gehen würde, dann sollte Deutschland schon in 15 Jahren fossilfrei sein. In diesem Fall wären dann 640 EUR pro Monat zu berappen. Macht Euch das mal klar, was das nicht nur für Euch, sondern auch für die deutsche Wirt-schaft bedeutet, an der Eure Arbeitsplätze hängen.  Unsere aktiven und ehem. Berg-leute können ein Lied davon singen.         

Fotos:
 
Artenschutz-Titel: Revierkohle; Vogel auf Ast: Heiko Stein, künstlerische Verfremdung: Revierkohle;  unten: links: Hans Linde; Mitte: moonzigg; rechts: Alexas; alle: pixabay.com, künstlerische Veränderung: Revierkohle 

Hilfe !

meine Tümpel werden weniger

Ironischerweise wird der 10-Punkte-Katalog der Windkraftlobby (BDEW, VDMA Power Systems, VKU u.a.) sogar auch von den Umweltschutzorganisationen Greenpace, Germanwatch, WWF und DUH getragen.

Sie wollen die Quadratur des  Kreises erreichen und glauben ernsthaft, dass man den Ausbau der Windkraft natur-, sozial-, landschafts-und tierverträglich unter einen Hund bringen und gleichzeitig  die Versorg-ungssicherheit zu angemessenen Preisen rund um die Uhr  sicherstellen kann. 

Das Hauptinteresse liegt jedoch beim Aus-bau der Windkraft, weil die Öko-Aktivisten C02 als des Teufels Zeugs halten und fest daran glauben (!), dass man die angeblich vom Menschen gemachte Klimaerwärmung nur mit einer radikalen Transformation der Gesellschaft erreichen könne. Koste es, was es wolle. 

Wer solche ideologischen Scheuklappen im Kopf hat, dem wird man allerdings kaum mit dem Tod von ein paar Tausend Vögeln kommen können, um ihr/ihm deutlich zu machen, wie wenig faktenbasiert die dahinter stehenden Ängste sind. Wenn sich die von den Medien und zahlreichen Internet-Bloggern geschürte Klimahysterie irgendwann mal wieder gelegt haben wird, wird hoffentlich auch dem/r  letzten Klima-retter/in klar werden, dass eine gesicherte Energieversorgung und Industrieproduktion  ohne fossile Energieträger auch weiterhin nicht möglich ist.

Jedenfalls solange nicht, bis große Speichertechnologien in der Lage sind, Öko-Strom für einige Monate zu speichern. Ob der dann ausreichen wird, um allein die dann zusätzlich auf den Markt kommenden E-Autos mit Strom täglich zu versorgen und den jährlichen Strombedarf von rd. 650 Mrd. kWh sicherzustellen (Stand: 2017), darf aufgrund der Volatitivität regenerativer Ener-gieträger durchaus bezweifelt werden. Billig wird das Ganze ebenfalls nicht.

Und wir stehen -wie beschrieben- mit dieser Meinung auch nicht alleine da.   

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Klimakurven-Kronzeuge Michael Mann verlor vor Gericht

kanadisches Gericht verurteilte den amerikanischen Klimatologen

Die Kontrahenten: links: Michael Mann; rechts: Timothy Ball; Detailgemälde: Revierkohle; Foto: Marc Steyn

Hockeyschläger

die vielzitierte Klimakurve ist vom Tisch

Das oberste kanadische Gericht von British Columbia hat die Klage des Palöoklimatologen Michael Mann, dem Erfinder der Hockeyschläger-Klimakurve,  gegen den Geographen Tim Ball, der die Richtigkeit der zugrunde liegenden Datenbasis anzweifelte und daher von Mann wegen Ver-leumdung verklagt wurde,  zu-rückgewiesen und ihn zur Zahl-ung der nicht unerheblichen Pro-zesskosten am 22.8. 2019 verur-teilt. Richter Christopher Giasch wies in der Urteilsbegründung darauf hin, dass das Gericht nicht über die Richtigkeit unterschied-licher wissenschaftlicher Stand-punkte geurteilt hätte, sondern aufgrund  der Tatsache, dass Mann den seit 2011 laufenden Prozess immer wieder ver-schleppt habe und trotz Frist-setzung sowohl die Rohdaten als auch die Berechnungsmethoden, auf deren Grundlage die  be-rühmte Hokeyschläger-Kllima-kurve erstellt wurde, nicht vorgelegt habe.

die berühmte Hockeyschläger-Kurve von M. Mann, Quelle: Robert A.Rohde, Okt.2001, rekonstuierter Temperaturanstieg, GNU, wikimedia commons

Das Hockeyschläger-Diagramm beruht auf einer 1999 veröffentlichten wissenschaftlichen Untersuchung von Michael E. Mann, Raymond S. Bradley und Malcolm K. Hughes zur globalen Erwärmung. Bekannt wurde das Diagramm durch den Dritten Sach-standsbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, auch Weltklimarat genannt). Indem es den Temp-eraturverlauf des letzten Jahrtausends auf der nördlichen Hemi-sphäre darstellt, diente es der Veranschaulichung der in diesem Bericht getroffenen Aussagen. Die Kurve soll anschaulich dar-stellen, dass sich das Klima durch die von Menschen verursachten C02-Emissionen seit Beginn der Industriealisierung seit 1850 rasant von vorher konstant -0,4  bis -02, Grad auf +0,4 Grad in 2004 erhöht hat. Seinen Namen erhielt es durch seine Ähnlichkeit mit der Form eines Hockeyschlägers. Klimamodellierer Michael Mann konnte die Richtigkeit des Kurvenverlaufs vor Gericht nicht belegen.

Klimaapokalypse

der Weg für eine Versachlichung der Klimadiskussion wurde geebnet

Von den Medien, über die Grünen, den Kirchen, Umweltverbänden, Gewerkschaften  und verschiedenen Klimaarlamisten wird die Hockeyschläger-Klimakurve bis heute immer wieder gerne benutzt, um die These vom menschengemachten Klimawandel durch C02-Emissionen zu belegen. Auf Basis der immer noch geheimen Formel produzierte der ehem. US-Vizepräsident Al Gore 2006 schon lange vor Greta Thunberg den apokalyptischen Kinofilm „eine unbequeme Wahrheit“ über die bevorstehende Klimkakatastrophe, welcher dann nicht nur zum Kassenschlager mutierte, sondern eine ganze Generation von jungen Menschen in Angst und Schrecken versetzte. Seitdem hat die Hysterie und pseudoreligiöse Panik, die sich u.a. in Schulstreiks, Flug-, Auto-und Fleischscham rund um das Klimageschehen zeigt, stetig zugenommen. Das Urteil wird hoffentlich dazu beitragen, die Diskussion wieder zu versachlichen.    

Herr Mann

schämen Sie sich !

Zu einer Versachlichung gehört unbedingt da-zu, Zweifel an sog. Konsensmeinungen anzu-erkennen, da der Zweifel Bestandteil jeder wissenschaftlichen Auseinandersetzung ist. Ohne ihn wäre die Wissenschaft Tod. Und das geschieht in der Wissenschaft seit der Auf-klärung durch das Peer-Review-Verfahren. (Gegenbegutachtung, um eine Publikation zu falszifizieren oder zu verifizieren). Kein Klima-skeptiker unter den Gegengutachtern hat je-mals klimatische Veränderungen geleugnet oder gar behauptet, das es überhaupt keinen Einfluss des Menschen auf das Klima geben würde, jedoch wurde und wird angezweifelt, ob dieser Einfluss maßgeblich im ansonsten natürlichen Klimageschehen ist. Die These von der menschengemachten Klimaerwärm-ung durch zusätzliche C02-Emissionen konnte bisher auch nicht verifiziert werden. Genau das aber behauptet der Weltklimarat, die Pari-ser Weltklimkonferenz u.a. Organisationen.

Das Gericht hat entschieden

Das Klimageschehen verläuft im Übrigen cha-otisch und nicht linear. Diese Tatsache wollen die Klimaarlamisten aber offensichtlich nicht wahrhaben, ansonsten würden sie nicht ford-ern, dass sich die Temperaturen nur noch maximal um 1,5 bis 2 Grad bis 2030 erhöhen dürfen, da ansonsten das Klima „kippen“ würde.  ( O-Ton Prof. Dr. Lativ, Uni Kiel) Wenn ein konstantes Klima zum Normalfall erklärt wird, dann muß natürlich jede Abweichung als Katastrophe betrachtet werden. Das nennen wir Humbug. Die mittlere Globaltemperatur hat sich seit rd. 30 Jahren nicht verändert. Sie steigt nicht und sie fällt auch nicht. Und seit 1850 hat sich die Durchschnittstemperatur gerade einmal um 1 Grad erhöht. Vorher hatt-en wir eine kleine Eiszeit und davor die römische Warmzeit, die von Herrn Mann in seiner Hockeyschlägerkurve schlicht unter-schlagen wurde. Sein Gegner Tim Ball hatte ihn deshalb öffentlich heftig kritisiert.

Die Klimaarlamisten rund um Lativ, Edenhofer, Schellnhuber, Rahmsdorf, Lesch, Kempfert, Kleber, Gause, Lantz,  Baerbock, Habeck und wie die Propheten des medial zelebrierten Klimawahns alle heißen und uns seit Jahren täglich heimsuchen, müßten nun eigentlich alle verstummen. Werden sie aber nicht, da zu viel Geld  verprasst wurde und weiter auf dem Spiel steht. Daher wurde der Gerichtsbe-schluss aus Kanada in den Medien auch nicht weiter erwähnt. Als Kohlebefürworter, die wir tagtäglich in den Medien und privat am Pranger stehen, stärkt das Urteil jedoch unsere und die mit uns verbundenen Mit-streiter in unserer  Glaubwürdigkeit. Und darauf kam es uns bisher immer an. Denn von der theoretischen Annahme, die der Hockey-schlägerkurve zugrundeliegt bis zur Zerstör-ung der Braunkohleindustrie nebst Schließung aller fossilen Kraftwerke ist es ideologisch gesehen nur ein kleiner Schritt. Diesen müssen wir verhindern. Denn Influencer, Meinungsmacher oder Lobbygruppen dürfen uns nicht diktieren, was gut oder richtig ist. Das gilt selbstverständlich auch für die von uns vertretene Meinung, dass es auch in Zukunft nicht ohne fossile Energieträger gehen wird.     

wir fordern daher erneut

Das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) muß weg

Denn das Gesetz wurde mit der Begründung eingeführt, dass das Klima geschützt werden muß und das daher die regenerativen Energieträger gefördert werden sollen, um die C02-Emissionen zu reduzieren. Dieses Gesetz hat dazu geführt, dass der Steuerzahler zur Rettung des Klimas  seit Einführung im Jahre 2000 bisher mehr als 200 Mrd. EUR auf den Tisch legen mußte, ohne das die C02-Emissionen seither gesunken  oder gar der Strom billiger geworden wäre, wie seinerzeit vom damaligen Grünen-Chef Jürgen Trittin vorausgesagt wurde. Stattdessen darf der regenerativ erzeugte Strom bevorrechtigt in das Netz eingespeist werden. Egal, ob dieser benötigt wird oder nicht. Die Energieversorger müssen den Strom abnehmen und bezahlen. Die höheren Kosten werden dann per EEG-Umlage dem Steuerzahler aufs Auge gedrückt. Nuztnießer sind daher nur die Ersteller, die Betreiber, die Planer, die Investoren und natürllich die politische Lobby. Derweil unsere Kraftwerke weiter verschleißen aufgrund der zunehmenden Schwankungen im Strom-netz durch Herauf-und Herunterregelungen, so dass die meisten mittlerweile nicht mehr rentabel arbeiten können. Wenn das so weiter geht, ist der regelmäßige Blackout nur noch eine Frage der Zeit. Was  unserer Umwelt zugute kommen würde, ist nicht der unsinnige Versuch, die Temperaturen stabil halten zu wollen, sondern eine nachhaltige Lebensweise. Hierzu gehört  die Einsparung von Energie, der Verzicht auf Plastikmüll, der Verzicht auf Monokulturen, auf Regenwaldabholzungen,  auf Inlandsflüge sowie eine Reduzierung der Weltbevölkerung. Fangen Sie an. Ein Kind weniger wie geplant würde schon helfen! 

 

Quellenhinweise:
Deutschlandfunk Kultur vom 19.09.2019: Schamgefühl als Moralkeule; Der Spiegel vom 14.03.2013; Freie Welt vom 03.09.2019; Göhring, Axel Robert: Michael E.Mann, ein Star der Klimaforschung scheitert vor Gericht, in: Eike.de vom 03.09.2019 und 05.09.2019; Wikipedia zu Michael E.Mann; Achgut.com vom 01.09.2019; Science Skeptical.de (Blog) vom 26.09.2019; Pfalz-Express vom 06.09.2019; Vortrag von Prof. Dr. Mojeb Lativ zu den Auswirkungen des Klimawandels in der Universität Münster am 26.06.2019 sowie RK-Redaktion vom 02.10.2019
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Bezirksregierung Arnsberg: ein ganz normaler Stellenwechsel ?

für Zechenflutungen zuständiger hoher Beamter flutete von der Bergbehörde zur RAG

Der bisherige Hauptdezernent der Bezirksregierung Arnsberg, Abtl. 6.61 Bergbau und Energie in NRW,  der leitende Bergdirektor Dipl.-Ing.Werner Grigo, wechselte am 1.8.2019 von der Berg-behörde zur RAG. Grigo war bisher in der Unterabteilung „Nachhaltigkeit im Bergbau“ des früheren Oberbergamtes zuständig u.a. für Genehmigungsverfahren, die im Zusammenhang mit der Grubenwasserhaltung und Reinigung stehen. Und dieser hohe Beamte zeichnet nunmehr im Zentralbereich Genehmigungsmanagement der RAG verantwortllich. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Grubenwasserhaltung

Umweltschützer kritisieren den WechseI

Dirk Jansen, Geschäftsstellenleiter  des Umweltverbandes BUND in NRW kritisisiert den geschmeidigen Wechsel des Beamten, da dieser den bei der Bevölkerung bestehenden Zweifel am Grubenwasserkonzept der RAG und an der eigentlich gebotenen Neutralität der Genehmigungs-und Aufsichtsbehörde verstärkt. Diesen Zweifel hegen auch andere Umwelt-schutzverbände, die Linke sowie die Bürgerinitiative Bergbaubetroffener im Ibbenbürener Steinkohlenbergbau (BBI e.V.)  Kritisiert wird, das mit den im Zusammenhang mit der Grubenwasserhaltung bestehenden Problemen wie PCB-und Salzbelastungen, Hochwasser-und Erdbeben-gefahr, geplanter Grubenwasseranstieg sowie die Gefahr von Tagesbrüch-en in Zukunft noch weniger transparent kommuniziert werden wird. Auch hat man Zweifel, ob die umfangreichen Prüfungen hinsichtlich der Umweltverträglichkeit tatsächlich auch mit der notwendigen Nachdrück-lichkeit erfolgen. Die Abt. 6 Bergbau und Energie in NRW wäre bisher eher als Bremserin in Erscheinung getreten, so Jansen. Es  könnte nun-mehr erst recht der Eindruck entstehen, das die Bergbehörde eher als Erfüllungsgehilfin der RAG fungiert.      

Grubenwasserkonzept

Bergrecht verhindert Transparenz

Die Behandlung und Ableitung von Grubenwässern wird im Rahmen der bergrechtlichen Bestimmungen abgewickelt. Und das ist nach Ansicht von Kritikern ein erhebliches Problem, da im Berg-recht eine transparente und demokratisch legitmierte Begleitung der Verfahren durch die Bürgerinnen und Bürger oder den Umwelt-schutzverbänden nicht vorgesehen ist. Das gilt für das Planfestell-ungsverfahren genau so wie für die Umweltverträglichkeitsprüfung-en.

Pikant ist daher, dass der Beamte Grigo genau für diese Verfahren aber bisher zuständig war. So kritisiert die Linke z.B. in einem Schreiben an Herrn Minister Andreas Pinkwart, das bei der Vorstell-ung des Grubenwasserkonzepts durch Herrn Grigo und Vertretern der RAG beim Umweltausschuss der Kommunen in Ibbenbüren am 2.4.2019, vier Wochen vor dem Ausscheiden aus der Behörde,  eine allzu große Übereinstimmung herrschte. Von einer kritischen Distanz zwischen Behördenvertreter und RAG war nichts zu spüren, so der Fraktionsvorsitzende Ernst Goldbeck.

Die Forderung nach einem Planfestellungsverfahren und nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung für die Ibbenbürener Grubenwässer  wurde durch Herrn Grigoleit als auch von der RAG abgelehnt. Das hatte auch in der kommunalen Presse für Aufsehen gesorgt. Minister Pinkwart sah sich daher veranlasst, in einem fünfseitigen Schreiben an den Vorsitzenden des Unterausschusses Bergbau-sicherheit NRW  im Landtag von NRW klarzustellen,  das mit dem Beamten Grigo über die nachwirkende Verschwiegenheitspflicht und dem Verbot der Vorteilsannahme eingehend gesprochen wurde, bevor dieser die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis beantragte.

Sowohl Herrn Pinkwart als auch Herrn Grigo kann man in diesem Zusammenhang selbstverständlich keine Vorwürfe machen, da § 23 Abs. 1 Beamtenstatusgesetz keine Einschränkungen vorsieht, bei welchem Unternehmen oder mit welcher Aufgabe ein Beamter nach der Entlassung tätig werden darf. Dennoch verbleibt ein Ge-schmäckle.

Pinkwart betonte des weiteren,  dass das Grubenwasserkonzept der RAG keine Vorlage wäre, die automatisch eine gestattende Wirkung entfaltet, da die tatsächliche Umsetzungsgewalt weiterhin bei der Abt. 6 Bergbau und Energie in NRW, weiteren Fachbehörden und beim Ministerium verbleibt. Herr Grigoleit hätte auch nicht in unzu-lässiger Weise nach seiner Entassung Einfluss auf Genehmigungs-verfahren genommen.       

wir werden keine Genehmigungen erteilen, die befürchten lassen, dass bei der Erarbeitung unzulässig Einfluss genommen wurde

Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirt-schaft-,Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW

Bei der Zukunftsaufgabe Grubenwasserhaltung will ich gerne für die RAG mitgestalten

Werner Grigo, neuer Leiter Genehmigungs-management bei der RAG

Prophylaxe

obschon Minister Pinkwart davon überzeugt ist, dass es keine unzulässig-en Beeinflussungen von Seiten der RAG gab oder gibt, kündigte er im Juli 2019 an,alle berg-und wasserrecht-lichen Entscheid-ungen der letzten 2 Jahre, an denen das Dezernant 6.61 be-teiligt war, extern begutachten zu lassen. Außerdem wurde das Dezernat angewiesen, die be-stehenden internen Regelungen zur Kor-ruptionsvermeidung gewissenhaft zu beachten.

Grubenwasserhaltung im Spagat zwischen Ökonomie und Ökologie

Das Genehmigungsmanagement der Bergbehörde muß einerseits auf strenge Sicherheits-und Umweltstandards achten und andererseits die Interessen der Wirtschaft berücksichtigen. Das führt zwangsläufig zu einem Spagat zwischen den Interessen der Beschäftigten, der Wirt-schaft, der Bevölkerung und der Umwelt.

Das hatte der Bergbaubeamte Grigo noch in 2011 so ge-sehen. Warum er diesen für ihn risikolosen Trapeztanz samt unkündbarer Stellung im höheren Dienst des Landes NRW dennoch aufgab, bleibt schleierhaft. Wir werden sehen, wie in Zukunft das Grubenwasser-Einleit-ungsverfahren von der Bergbehörde gehandhabt wird. Herr Grigo wird aufgrund seiner fachlichen Kompetenz der RAG hoffentlich rechtzeitig mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn es darum geht, über für beide Seiten akzeptable und tolerierbare PCB-Belastungswerte in Grubenwässern zu diskutieren.

Zum Beispiel über die seit Jahren hohen PCB-28 Konzen-trationen von über 60 Mikogramm in der Ibbenbürener aa.

Andreas Pinkwart (FDP), Minister für Wirtschaft, Digitalisierung und Energie des Landes NRW, Foto: MWIDE, Umgestaltung: Revierkohle
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