Flucht aus der Sahelzone

2,4 Millionen Menschen auf der Flucht

militärische Auseinandersetzungen zwischen Mauretanien und dem Sudan nehmen wegen der Verödung von Ackerland zu - Foto: Jaroslav Smahel, pixabay.com

Klimaveränderungen gefährden den sozialen Frieden in der afri-kanischen Sahelzone rund um den Tschadsee. 2,4 Mio. Menschen aus Südafrika, Angola, Sudan, Simbabwe und Mosambik sind auf der Flucht, da sie aufgrund anhaltender Dürre ihr Auskommen nicht mehr in der Landwirtschaft sichern können, sagte jüngst im Deut-schlandradio der Politologe und Klimaaktivist von der Berliner Denkfabrik adelphi research gGmbH, Dennis Tänzler. Auch Anrain-erstaaten wie Mauritanien, Mali, Niger und Burkina Faso seien von der Klimakatastrophe betroffen. Die Austrocknung des Tschadsees ist real und auf die Klimaerwärmung durch den Menschen zurück-zuführen. Es sei daher gut, dass Deutschland die Braunkohlekraft-werke abschalten will, weil Deutschland auch im Tschad beo-bachtet wird und daher international eine Vorbbildfunktion ein-nehmen würde. Wir wollen nicht bestreiten, dass klimatische Ver-änderungen zu Dürren und unfruchtbarem Ackerland führen und damit auch zu verstärkten Auseinandersetzungen unter den An-wohnern bis hin zum Krieg, wie die militärischen Auseinandersetz-ungen zwischen der Armee des Sudans und der Rebellenorgani-sation Boko Haram zeigen. 15.000 US-Soldaten und rd. 900 Bund-eswehrsoldaten haben sich seit 2013 im Militärbündnis MINUSMA zusammengeschlossen und versuchen, in der Sahelzone, in der ins-gesamt rd. 60 Mio. Menschen leben,  zusammen mit den örtlichen Militärs wieder geordnete Verhältnisse wiederherzustellen. Bisher allerdings mit mäßigem Erfolg.  Die nicht nur von dem Nichtfach-mann Tänzler aufgestellte These, das die Fluchtgründe haupt-sächlich im Zusammenhang mit der angeblich vom Menschen ver-ursachten Klimaerwärmung durch C02-Emissionen verstehbar werden, halten wir für nicht belegt und im Hinblick auf die Vorbild-funktion, die Deutschland durch die geplante Abschaltung aller Braunkohlekraftwerke international haben würde, für ziemlich ab-surd, denn der C02-Anteil, den Deutschland im Verhältnis zu den weltweit erzeugten C02-Emissionen beiträgt, beträgt ganze 2 %.    

Aus unserer Sicht gibt es eine ganze Reihe anderer Gründe, warum so viele Menschen in der Sahelzone auf der Flucht sind, das Klima gehört ganz sicher nicht dazu. Denn Überweidung, Monokulturen, Rodungen und Denaturierung der Ackerflächen sind nicht auf klima-tische Veränderungen zurückzuführen, sondern werden durch das enorme Bevölkerungswachstum forciert. In Mali, Niger und Burkina Faso hat sich die Bevölkerung von 10 Mio. Menschen in 1950 auf über 60 Mio. Menschen in 2019 erhöht. Das ist auch das Haupt-kampfgebiet der Rebellen. Bis 2050 soll die Bevölkerung auf 130 Mio. Einwohner ansteigen. Nimmt man den Tschad und Kamerun als ebenfalls terrorgefährdete Nachbarländer dazu, ist dort die Be-völkerung von 18 Mio. im Jahre 1950 auf 105 Mio. Menschen in 2019 angestiegen. All diese Menschen benötigen Energie, Wasser und Nahrungsmittel. Ständige Dürren haben in der Vergangenheit große Hungersnöte ausgelöst und treiben die Menschen daher in die Flucht, um anderswo überleben zu können. Das hat sich in den letzten Jahren aber etwas geändert. Ausgerechnet das von Klima-aktivisten verteufelte C02 hat dazu geführt, dass die Sahelzone z.T. wieder grün wird.   

sudanesische Flagge- Foto: David Peterson, pixabay., Modifikation: Revierkohle

Wo vorher Wüste war, breitet sich seit 1982 in Nordamerika wieder die Pflanzenwelt dank der Zunahme von C02-Emissionen aus. Das ergab eine Studie von Zaichun Zhu et.al., die bereits 2016 im Nature-Climate-Change-Magazin veröffentlicht wurde. Die größten Ergrün-ungsgebiete hätte man in Zentralafrika und Südostasien mit Hilfe von Satelliten über die  Reflektionen von Infrarotlicht über Blattflächen und Dichte der Vegetation ausmachen können. 70 % dieser Ergrünung wäre auf den Düngeeffekt des C02 zurückzuführen, so die Forscher.

Ausgerechnet die Sahelzone, ein bisheriges Musterbeispiel für zunehmende Trockenheit, profitiert nicht nur von der Zunahme der Kohlenstoffdioxid-Emissionen in der Luft, sondern auch von der Zunahme der Niederschlagsmengen, denn die natürlich steigenden Treib-hausgase erhöhen das Temperaturgefälle über Nordafrika und fördern Luftströmungen, die den westafrikanischen Monsunregen in die Sahelzone bringen. Buwen Dong und Rowan Sutton von der University of Reading (England) haben festgestellt, dass der Sommer-niederschlag in der Sahelzone seit Anfang 1980 zugenommen hat, während er zwischen 1950 und 1980 um 40 % sank. Durch jahrzehntelange Übernutzung der ausgelaugten Böden kam es darüber hinaus zu starken Erosionen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen auch die Forscher vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Sie erklären die höheren Niederschlagsmengen über der Sahara mit einem höheren Sonnenstand während der Sommermonate, was zu Folge hat, dass es im Sommer wärmer wird. Der Ozean nimmt die größere Wärmemenge auf, dann steigt Luft in den Himmel und als Folge strömt feuchte Luft vom atlantischen Ozean nach. Nach einer Prognose von Dong und Sutton von der University of Reading wird sich die Sahelszone sehr wahrscheinlich auch in Zukunft durch weitere Niederschläge erholen. Andere Prognosen gehen davon aus, das die Sahelzone aufgrund des Klimawandels in Zukunft eher noch trockener wird. James Hurell vom staatlichen Zentrum für Atmosphärenforschung der USA hat 5 verschiedene Klimamodelle ausgewertet und kommt ebenfalls zu dem Eregbnis, dass sich die Dürren im Süden Afrikas weiter ausbreiten werden. Die Sahelzone im Norden gehöre aber nicht dazu.  Sie wird wesentlich grüner und durch den Monsun auch wesentlich feuchter.        

Fazit:

Ein evidenzbasierter signifikanter Zusammenhang zwischen der von Menschen verur-sachten zusätzlichen C02-Emissionen in der Atmosphäre und einer Temperaturerhöhung konnte bisher nicht nachgewiesen werden. In kaum einer anderen Region der Erde schwankt das Klima aufgrund feuchter atlantischer Luftströme so stark wie in der Sahel-zone. Das hat in den letzten Jahrzehnten einerseits zu Dürre und Hungerskatastrophen ge-führt und andererseits seit den 80er Jahren zu mehr Niederschlägen und zu einer Er-grünung auf natürliche Weise in dem mehrere Hundert Kilometer großen Gebiet südlich der Sahara, welches sich von der Antlantikküste des Senegals bis nach Eritrea am Roten Meer erstreckt, beigetragen. Das ist zumindestens für die Menschen in der Sahelzone eine gute Nachricht.

Quellen Hinweise

Spektrum.de vom 24.05.2005; Süddeutsche Zeitung vom 07.07.2017; Krüger, Michael: die Erde wird grüner und fruchtbarer mit mehr C02 und infolge des Klimawandels., in: Eike.de vom 05.07.2019; Welt.de vom 22.08.2019; N.N.: Warmes Mittelmeer lässt Sahel ergrünen, Max-Planck-Institut, Hamburg, vom 30.06. 2016; Wissenschaftsmagazin Scinexx.de vom 03.09.2019; Nature Climate Change vom 2.6.2015; Deutschlandfunk vom 04.09.2018 und RK-Redaktion vom 04.09.2019

 

Fotonachweise: oben: Vorderbild: Combo-nianos brasil, Montage: Revierkohle; Hint-ergrundbild Kamele: H.Bieser; Sudanflagge mit Fingerzeig: David Peterson, Montage: Revierkohle: C02-Baum: Ricochet64, foto-lia-Kauf; (alle weiteren: pixabay.com)

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Watt meinze ? – Sprache im Bergbau

heiterer Sprachquiz auf Zollern II/IV in Dortmund

Bergleute machten früher die Kohle mit Schläegel & Eisen los. Beazhlt wurde im Akkord. (Gedinge) 1 Lachter entsprach 1,82m (eine Armlänge), Foto: fotolia-Kauf

Sa.,14.Sept.2019

Zeche Zollern, Schacht IV in Dortmund-Bövinghausen- Foto: KarinKarin, pixabay.com. Panoramafoto: Ehrenhof mit Verwaltungsgebäude, Zollern II/IV, LWL

Der Sprachsound im Ruhrrevier – man hat ihn zweifelsohne eher laut als leise im Ohr. Wo einst Industrielärm die Kulisse bildete, fand Gedämpftes nur schwer Gehör. Der Ton im Revier ist rauh, aber herzlich. Die Sprache und Denke des Reviers brachte 1961 der Schauspieler Adolf Tegtmeier mit seiner Kultserie „Mensch bleib-en!“ auch all denen nahe, die mit dem Revier nicht so viel „am Kopp“ hatten. Sprüche wie “ die Roswitha geht inne Schule und die Elvira geht mit ein Gastarbeiter!“ oder “ die Untat tut mir sehr, wie gesagt, näh und das ich versuchen werde durch ein schönes Leben, durch meine Hände Arbeit die menschliche Gesellschaft wieder einzu-dringen, dat dat wieder alles am Klappen kommt“ sind fester Be-standteil des Ruhrpott-Slangs. Herbert Knebel bildet heute den würdigen Nachfolger von Adolf Tegtmeier und kultiviert den ruhr-gebietstypischen Mutterwitz und den schrägen Sprachstil weiter. Mundart und Sprachgefühl haben im Ruhrrevier ihren Ursprung im Bergbau. Bedingt durch den vielen Lärm, den die Kohlen-und Stahl-betriebe täglich erzeugten und durch die vielen Einwanderer unter-schiedlicher Nationen entwickelte sich im Laufe der Jahre ein spe-zieller Verständigungsstil, der aus Prinzip offenbar Genetiv und Dativ nicht auseinanderhalten kann und oft im Halbsatz stecken bleibt. Trotzdem wissen alle, was gemeint ist. Zumindestens im Ruhrpott. Die Bergmannsprache hat aber darüber hinaus noch ganz eigene Fachbegriffe, die z.T. ebenfalls in den Sprachschatz des Ruhrreviers eingeflossen sind.       

oil industry worker on blue background

Glückauf !

Bergmann Blach

Bergmann

So war dat !

strahlender Bergmann

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hier wird das Liegende in der Strecke begradigt. Alles klar ?

der ehem. Bergmechaniker auf Zollern I/III, Harald Verhoolen, Foto: LWL; darunter: Blick in die Maschinenhalle auf Zollern II/IV, Foto: olafpictures, pixabay.com

Die heutige Museumszeche des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Zollern II/IV in Dortmund-Bövinghausen lädt zur Pflege der Bergmannssprache am Samstag, den 14.09.2019 um 15.00 h zu einem heiteren Quiz mit Harald Verhoolen rund um die Sprache im Bergbau ein. Moderator Verhoolen ist ehem. Bergmechaniker und war auf Zollern I/III angelegt gewesen und wird knifflige Fragen zur Alltags-und Bergmannssprache stellen. Dabei wird schnell klar-werden, dass der Bergbau in der Umgangssprache auch heute noch viele Spuren hinterlassen hat. Die ersten Glossare der Bergmanns-sprache lassen sich übrigens bis zum Jahre 1518 zurückdatieren. Ein gewisser Ulrich Rülein von Calw brachte das erste Berg-büchlein unter das Volk. Besondere Bedeutung kommt bis heute den Schriften Georgius Agricolas zu, dessen Abhandlung „Gespräch vom Bergwesen“ von 1528 unter anderem eine Liste von 76 bergm. Fachtermini enthält. Noch ein Wort zum Ort des Geschehens:

Die Zeche Zollern gilt als eine der schönsten Zechen, die jemals gebaut wurden. Die wunderschöne Anlage wird daher auch nicht ohne Stolz „Schloss der Arbeit“ genannt. Die Hauptattraktion bildet die ehem. Maschinenhalle mit dem eindrucksvollen Jugendstil-portal. Zollern II/IV förderte von 1903 bis 1955 Kohle. Die Neben-anlage Zollern I/III war von 1873 bis 1971 in Betrieb. Die Schächte wurden 1968 verfüllt. Aufgrund von Bürgerprotesten wurde der geplante Abriss der Anlagen unterlassen. Bis 1980 döste Zollern II/IV in einer Art Dornröschenschlaf dahin. Erst 1981 wurde die Anlage vom LWL übernommen und saniert. Da die Originalförd-ergerüste nach der Verfüllung der Schächte abgerissen wurden, errichtete man die Fördergerüste der stillgelegten Zechen Friedrich der Große aus Bochum und Wilhelmine Victoria aus Gelsenkirchen über den alten Schächten wieder neu auf.

Adresse:

LWL-Industriemuseum, Zeche Zollern I/IV, Grubenweg 5, 44388 Dortmund

Termin: Samstag, 14.09.2019, 15.00 h  

Wer sich mit dem Ruhrrevier, seiner Kultur und seiner Sprache näher beschäftigen möchte, dem empfehlen wir das „Kultbuch Ruhrgebiet“ von Patrick Bierther, Komet-Verlag, Köln, ISBN: 978-3-89836-900-8 und das Buch „Schauplatz Revier – Blick ins pralle Leben“ von Holger Jenrich (Hrsg.), Klartext-Verlag, ISBN: 3-88474-170-5. 

Fotos: Bergleute oben: v.l.n.r.: fotolia-Kauf, Revierkohle; RAG  

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