Josef Albers Museum: Fördertürme

Bernd & Hilla Becher

Die Ästhetik von Förder- türmen

40 Jahre lang hat das Künstlerehepaar Bernd und Hilla Becher gerade-zu leidenschaftlich Gaso-meter, Wassertürme, Fördertürme, Kohlebunk-er, Fabrikhallen, Hochöfen und Fachwerkhäuser fotografisch dokument-iert. Davon zeugen zahl-reiche Bildbände und die aktuelle Ausstellung in Bottrop. Die S-W-Fotos verstärken dabei die ganz eingewillige und erhabene Ästhetik dieser Industrie-bauten. Heute wirken diese Zeugnisse der Industriegeschichte fast wie Landschaftsskulp-turen, weil deren Nutzung für die jüngere Generation nicht mehr sofort er-kennbar ist. Hilla und Bernd Becher hatten es seinerzeit aber verstand-en, diese Bauten foto-grafisch in ein milchig-graues Licht zu stellen, so dass von ihnen eine ge-wisse Faszination aus-ging. Sie waren als Zweckbauten dem Unt-ergang geweiht. Dem Künstlerehepaar ist es zu verdanken, dass wir unsere wunderschönen Fördertürme nicht mehr als reine und nüchterne Zweckbauten ansehen. Und sie haben für die Nachwelt den Untergang einer ganzen Industrie festgehalten. So weiß man wenigstens, woher man kommt und das die Zukunft ohne Vergangen-heit nicht denkbar ist.

Die Kathedralen des Reviers

1950 förderten rd. 500.000 Bergleute auf ca. 154 Schachtanlagen 100 Mio T Kohle. In 1956 stieg die Fördermenge auf 125 Mio.T SKE und die Beschäftigtenzahl stieg auf 600.000 Mitarbeiter. Anfang der 60 er Jahre begann aufgrund von preiswerteren Öleinfuhren das große Zechensterben und mit dem Sterben verschwanden auch die vielen Fördertürme nach und nach, die das Ruhrrevier prägten. Kaum Jemand dachte damals an den Denkmalschutz. Allein 1963 wurden 33 Pütts stillgelegt und sogleich abgerissen. 1968 wurde die Ruhrkohle AG gegründet, in der alle ehemals selbständigen Zechengesellschaften zusammengeschlossen wurden. Die Zechenschließungen setzten sich bis heute fort und enden mit der Schließung der letzten verbliebenen Zechen, Anthrazit in Ibbenbühren und Prosper-Haniel in Bottrop am 31.12.2018. Wir  haben für Sie einige Fördertürme fotografiert, die nicht dem Abrissbagger zum Opfer fielen und heute noch zu besichtigen sind. 

Fotogallerie: Revierkohle, Foto oben: Zwielicht, pixabay.com

Josef Albers Muesum, Quadrat Bottrop

Das Farben-Museum in Bottrop ist dem Künstler und Bau-hausmeister sowie stellv. Direktor des Bauhauses, Josef Albers, gewidmet, der 1976 starb. Seine Sehnsucht nach Farben war grenzenlos. Be-rühmt wurde er mit der Serie „Homage to the Square.“ Die Ausstellung „Kunst und Kohle. Bernd und Hilla Becher“ ist im Josef Albers-Museum noch bis zum 23.Sept. 2018 zu bewund-ern.

Josef-Albers Museum, Quadrat Bottrop, Foto: Stadt Bottrop

Josef Albers-Museum Quadrat Bottrop

Im Stadgarten 20

46236 Bottrop

Öffnungszeiten:

Di bis Sa: 11.00 bis 17.00 h

So von 10.00 h bis 17.00 h

Mit Hilla Bechers Tod im Oktober 2015 ist eine Ära zu Ende gegangen. Und der Schirmer/Mosel Verlag verab-schiedete sich von seinem langjährigen Autoren-Team Bernd und Hilla Becher mit einer letzten großen Ver-neigung: In zwei Interviews geben die Künstler Einblick in ihr einzigartiges Schaffen, erzählen von Entbehrungen und Erfolgen, von Aufnahme-Techniken, ihrem Leben als Kunstschaffende und Kunst-ausbilder an der Düsseldorfer Akademie. Dem Medienwiss-enschaftler und Schriftsteller Ulf Erdmann Ziegler gab das Paar 2002 sein erstes länger-es Interview überhaupt, ver-öffentlicht in Art in America. Ziegler destilliert die Beweg-gründe, die die Bechers zu ihren formal strengen, enzy-klopädischen Bildserien von Hochöfen, Wassertürmen, Fachwerkhäusern etc. veran-lasst haben, und lässt die Autoren hinter den Bildern lebendig werden. Der Journalist und Autor Dominik Wichmann und sein Kollege Tobias Haberl trafen Hilla Becher 2008, ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes, und fragten sie nach den Möglich-keiten und Chancen, ihre Kunst nach fünf Dekaden gemeinsamen Wirkens unter veränderten Bedingungen weiterzuführen. Ergänzt wird der Band durch dokumen-tarische Photographien von Matthias Koch, der das Paar auf einigen seiner Expedition-en begleitet hat.

Hilla Becher, die Frau, die Kühltürme in Kunst ver-wandelte und damit der Industriekultur ihre Würde gab

Quellenhinweise:

Ruhrkunstmuseum.com; Welt vom 14.10.2015; Ruhr-Guide.de; Fotoluchs vom 23.09.2014 und RK-Redakti-on vom 5.08.2018

Thyssen-Krupp: droht Zerschlagung nach Streit ?

Lehner und Hiesinger haben hingeschmissen

Was ist los ?

Aufgrund eines erbitterten Machtkampfes zwischen dem Thyssen-Krupp-Vorstand und den Anteilseignern wie Cevian-Gründer Förberg und dem US-Hedgefond Elliott über den zukünftigen Kurs des Konzerns hat der Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger sowie der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner Anfang Juli das Handtuch geschmissen. Der Konzern steht nun vor einer Zerreisprobe.

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Über die Hintergründe

Der Konzern

Die Thyssen-Krupp AG ist ein deutscher diversifizierter Industrie-konzern mit dem Schwerpunkt der Stahlverarbeitung in Duisburg. Der Hauptsitz ist (noch) in Essen. Der Konzern entstand 1999 aus der Fusion der Friedrich Krupp AG – Hoesch-Krupp mit der Thyssen AG. Hauptanteilseigner ist die Krupp-Stiftung, ebenfalls mit Sitz in Essen. Die Stiftung hält 21 % der Anteile. Das Erbe und den letzten Willen des Unternehmensgründers, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, ver-waltet Frau Prof. Dr. Dr. Ursula Gather, Rektorin der Uni Dortmund. Der Konzern beschäftigt weltweit rd. 150.000 Mitarbeiter und kam im Juli 2018 auf einen Börsenwert von 17,3 Mrd. US-Dollar. Der Umsatz liegt bei rd. 43 Mrd. EUR.

Nachgestaltung: Revierkohle
Headquater Thyssen-Krupp in Essen, Foto: orensteiner, pixabay.com

Die Schuldfrage

Hiesinger und Lehner hatten dem Konzern durch die Fusion mit dem indischen Stahlkonkurrenten Tata einen gewaltigen Deal aufgebürdet, der zu erheblichen Mehrbelast-ungen führte. Die Abspaltung der Stahlsparte wurde durch Lehner gegen Widerstände durchgesetzt. Mit der Fusion erklärte sich die Stiftung aber  einvestanden. Auch die Arbeitnehmervertreter waren dafür. Dann machte der schwedi-sche Anteilseigner Cevian Druck, dem die Umbaubemühungen des Konzerns nicht weit genug gingen. Um die hohen Kosten zu reduzieren, plädierte Cevian-Gründer Förberg für eine Zerschlagung des Konzerns. Konkret forderte er den Verkauf der lukrativen Aufzugssparte. Hiesinger und Lehner lehnten das ab, weil dies einem Ausverkauf  des Kon-zerns gleichgekommen wäre. Auß-erdem wäre die Zerschlagung nicht im Sinne des Stifters, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach als auch nicht im Sinne der Konzeernlegende Berthold Beitz gewesen. Sie sprangen daher von der Lok. Hiesinger und Lehner erklärten nach ihrem Rücktritt, dass sie auch den Rückhalt der Krupp-Stifung vermisst hätten. Die IG-Metall will nunmehr im Interesse der Mi-tarbeiter mithelfen, dass der Kon-zern erhalten bleibt. Ärgerlich findet es IG-Metall-Gewerkschafter  Grolms, das die Krupp-Stiftungs-chefin Gather kurz vor dem Rücktritt von Vorstandschef Lehner schon mal beim Aufzugskonkurrenten Kone vorgesprochen hat. Das löste unter den Beschäftigten große Un-ruhe aus. Auch die Bundesregier-ung macht sich mittlerweile große Sorgen um den Bestand des Tradi-tionsunternehmens. Das Bundes-wirtschaftsministerium warnte vor einer Zerschlagung.

 

Hat die Stiftung versagt ?

In einem Brief der Mitarbeiter an die Stiftungschefin Gather schrieben diese, das sie traurig seien, dass sie einen aufrechten, gerechten und hochangesehenen Firmenchef ver-loren haben und sie seien ent-täuscht, weil die Stiftung ihren Kern-auftrag, das Erbe von Alfried Krupp zu bewahren, nicht erfüllt habe. Sie, Gather, habe in beispielloser Igno-ranz dem Treiben feindlicher Invest-oren zugeschaut und sich nicht ein einziges Mal öffentlich zu Heinrich Hiesinger und seiner Unternehm-enspolitik bekannt. Nach dem sich die IG-Metall, der OB von Duisburg, Arbeitsminister Hubertus Heil, Wirt-schaftsminister Peter Altmaier und der Gesamtbetriebsrat von Thyssen-Krupp gegen eine Zerschlagung aus-gesprochen hatten, reagierte nun endlich auch die Krupp-Stiftung auf die Vorwürfe. Ursula Gather als Stiftungsvorsitzende ruderte zurück und erklärte am 27.7.2018, dass es eine Zerschlagung mit ihr nicht geb-en werde. Die Sicherung der Arbeits-plätze und die Erhaltung der sozialen Marktwirtschaft hätten (wieder?) Vorrang. Da die Stiftung mit 21 % den größten Anteil an dem Konzern hält, kann sie die Strategie vorgeben. Wie lange sie sich gegen die beiden Hedgefonds Cevian und Elliot mit dieser vernünftigen Kurskorrektur wird behaupten können, bleibt ab-zuwarten. Die Situation bleibt für Thyssen-Krupp angespannt. Der neue Interimsvorstand, Gudio Kerkhoff, will jedenfalls mithelfen, dass eine Zerschlagung verhindert wird.

 

Foto: wibke, pixabay.com

Thyssen-Krupp

ein grosser Mischkonzern mit drei wichtigen Standbeinen

Stahl

Foto: zephylwer,pixabay.com

Fahrstühle

Foto: wolfgang 1663, pixabay.com

Werkstoffe

Autos, Maschinen, Chemie u.v.a. Foto: moerschi,pixabay.com

Quellenhinweise:

vgl.hz. a. Handelsblatt vom 12.07.2018, 18.07.2018, 27.7.2018 und 28.07.2018; Hamburger Abendblatt vom 16.7.2018 und 18.7.2018; Stern vom 17.07.2018; WAZ vom 17.7.2018 Wikipedia.de; Pressemitteilung der Krupp-Stiftung vom 13.7.2018 sowie RK-Redaktion vom 06.08.2018

 

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DBM: Momentaufnahmen für die Ewigkeit

Fotografien von Michael Bader

BERGWERK

15.6.2018 bis 31.8.2018

Zum Ende des Deutschen Stein-kohlenberbaus werden in verschiedenen Museen Foto-Ausstellungen gezeigt, die sich mit den zumeist historischen Hintergründen des Bergbaus beschäftigen. Mit der Sonderausstellung "Blickpunkt Bergwerk" des Fotografen Michael Bader werden nunmehr auch Fotos aus den noch aktiven Bergwerken vorgestellt.

Fotos: Förderturm oben: 13smok, pixabay.com, Bergmann mit Lampe: RAG

Design: Revierkohle

Das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum ist eines von acht Forsch-ungsmuseen der Leibnitz-Gemeinschaft. Erforscht, bewahrt und vermittelt wird die Geschichte der Gewinnung, Ver-arbeitung und Nutzung von Rohstoffen. Geforscht wird über die Bergbauge-schichte, der Materialkunde und der Archäometallurgie. Damit das Erbe des Bergbaus auch nach dem Auslauf Ende 2018 würdig für die Zukunft bewahrt werden kann, wird das Museum für rd. 5 Mio. EUR saniert.

Förderturm über dem DBM in Bochum, Foto: Revierkohle

Die Arbeiten von Bader beauftragte die RAG-Stiftung im Rahmen des um-fangreichen Abschiedsprojekts "Glück-auf Zukunft." Welche Zukunft genau die Stiftung im Auge hat, ist allerdings nicht ganz klar. Die Fotos von Bader ent-standen 2016 und 2017 auf den Schacht-anlagen Auguste Victoria in Marl, auf dem ehem. Bergwerk Pluto in Herne und auf den noch aktiven Bergwerken Prosper-Haniel in Bottrop und Anthrazit Ibbenbüren in Ibbenbüren. Intensive Momentaufnahmen wurden mit Einzel-portraits und persönlichen Biografien miteinander verknüpft, so das die Fotos schon heute einen Hauch von Ewigkeit verströmen.

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NRW-Tag auf Zollverein

aus Anlass der Gründung des Landes NRW 1946

auf Zollverein

Foto: Revierkohle

31.Aug. bis 2. Sept. 2018

Das Landeskabinett der Landesregierung von NRW hatte im April beschlossen, dass der NRW-Tag erstmalig auf der Zeche Zollverein XII in Essen stattfinden wird. MinPräs. Ar-min Laschet, der schon am 30.6. zum 13. Dt. Bergmanns-tag auf Zollverein zugegen war, be-tonte, das Zollverein im Auslaufjahr des Deutschen Stein-kohlenbergbaus ein würdiger Ort ist, an dem an die Entsteh-ungsgeschichte von NRW  erinnert werd-en kann. Der NRW-Tag wird alle zwei Jahre von einer anderen NRW-Stadt ausgerichtet.     

Zeche Zollverein XII, Essen-Katernberg, links: Kokerei Zollverein, Fotos: Revierkohle

Ein Glücksfall bildet die Entscheidung für die Stadt Essen, da diese sich für die Aus-richtung gar nicht beworben hatte und nun hoffentlich mit Steuermehreinnahmen we-gen der zahlreichen Gastronomiebetriebe auf Zollverein rechnen kann.  Den NRW-Tag darf man sich allerdings nicht als fortgesetzes Zollverein-Zechenfest vor-stellen, welches am 29. und 30.9.2018 ebenfalls auf Zollverein wieder einmal zelebriert wird, sondern eher als ein gi-gantisches Volkskfest mit Zechenkulisse. Das verdeutlichen schon die Kosten. Allein das Land NRW beteiligt sich an der 2 tägigen Festveranstaltung mit 500.000 EUR. Keine Kleinigkeit eben. Der NRW-Tag findet alle zwei Jahre statt. Zuletzt hatte den NRW-Tag die Landeshauptstadt Düsseldorf in 2016 ausgerichtet. Gefeiert werden soll nach Ansicht von OB Thomas Kufen der Eintritt NRW´s in eine neue „grüne“ Dekade. Das wiederum hört sich in unseren Ohren nicht gerade verlockend an, wenn man bedenkt, dass die Energiepolitik bisher auf breiter Front wenig Erfolge vorzuweisen hat. Die Fa. EMG- Essen Marketing GmbH hat den Auftrag, den NRW-Tag inhaltlich auszurichten.

„Operation marriage“ war Übrigens der Codename, unter dem die Briten am 23. August 1946 das Land Nordrhein-West-falen aus der Taufe hoben. Aus dem nörd-lichen Teil der preußischen Rheinprovinz und der preußischen Provinz Westfalen wurde das Land Nordrhein-Westfalen ge-bildet.

 
 
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Min.Präs. Armin Laschet, Foto: Revierkohle

Quellenhinweise:

Pressemitteilung der Stadt Essen vom 11.4.2018; WAZ vom 11.4.2018; RP-Online vom 28.4.2018; WDR vom 11.4.2018; Land.NRW.de vom 11.4.2018; Bocholter Volksblatt vom 11.4.2018 sowie RK-Redaktion vom 6.8.2018

 
 

Tiefseebergbau: wertvolle Rohstoffe warten auf dem Meeresgrund

Rohstoff-Firmen treiben den Abbau voran

Unterwasser-Abbauwalze, Foto: Nautilus Minerals, Meeresgrund: skeeze, pixabay.com











Bergbau-techno-logie unter Wasser

Um den wachsenden Bedarf an Metallen zu decken, wollen Roh-stoff-Firmen wie Nautilus Minerals künftig in die Tiefen des Meeres vordringen, um dort u.a. Kupfer, Aluminium, Kobalt, Sulfide und Manganknollen zu fördern. Die eingesetzte Fördertechnik stammt aus dem Bergbau sowie aus der Öl-und Gasindustrie. Die Pro-duktion von immer mehr Auto-batterien und Handys macht den Unterwasserabbau notwendig. Auf der Ende Juli in Jamaika statt-gefundenen Konferenz der inter-nationalen Meeresbodenbehörde ISA wurde der Verhaltenskodex festgelegt, der den Rohstoff-Abbau auf dem Meeresgrund in rd. 4000 Meter Tiefe regelt, damit die Eingriffe in die Natur möglichst schonend erfolgen. Ob ein möglicher Schaden des Öko-System dadurch verhindert werden kann, bleibt abzuwarten. Zeifel sind erlaubt. 

 

 

 

 

 

 

 

    

 

Bohrplattform auf dem Meer, Foto: wasi, pixabay.com

Eingriffe in die Natur möglichst schonend erfolgen. Ob ein möglicher Schaden des Öko-Systems dadurch verhindert werden kann, ist eher zweifelhaft.

 





Seafloor, Riser and Lifting-Systems

Um die neue Rohstoff-Tiefseeproduktion zu realisieren, werden unter und über Wasser drei technische Komponenten eingesetzt. Neben den bereits bewährten Technologien aus dem Bergbau, der Öl-und Gasindustrie wird eine neu entwickelte Meeresboden-Produktionssteuerung eingesetzt (Seafloor-Production Tool), eine speziell entwickelte Steigleiter (Lifting-System), die den Meeresschlamm  zusammen mit den enthaltenden Rohstoffen zu Tage hebt und der dann auf einem neu entwickelten Spezialschiff aufbereitet und von den Rohstoffen getrennt wird. So ähnlich funktionieren auch die Aufbereitungsanlagen in einem Bergwerk, wenn die Rohkohle aus der Tiefe kommend über den Förderkorb zu Tage saust und dann in der Aufbereitung vom tauben Gestein gelöst und nach Sorten klassiert wird, um diese dann den verschiedenen Abnehmern zuzuführen. Das entwässerte Material wird dann umgeschlagen und in Lagerräumen zum Versand aufbewahrt. Anschließend wird es von Massengutschiffen in alle Welt weitertransportiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit Hilfe von tiefseetauglichen Baggern und Saug-Robotern ausgestattete Forschungs-schiffe untersuchen derzeit die Meeresböden auch außerhalb der bisher genehmigungs-fähigen Wirtschaftszonen in Küstennähe, da dort die größten Rohstoffvorkommen ver-mutet werden. Die internationale Meeres-bodenbehörde ISA , die die Meeresböden als gemeinsames Erbe der Menschheit verwaltet, möchte ab 2025 Lizenzen für den kommer-ziellen Rohstoffabbau vergeben. Der Umwelt-verband WWF kritisiert dieses Vorhaben, da die Bewohner der Tiefsee an sehr stabile ökologische Verhältnisse angepasst seien, sich nur langsam fortpflanzen und auf Störungen sehr empfindlich reagieren würden.

 

 

 

 

Wir glauben allerdings nicht, dass die Konzerne deshalb auf den Abbau verzichten werden, auch wenn man die Verwendung der Rohstoffe für den Handybau oder für die un-sinnige Autobatterieproduktion mehr als frag-lich finden mag. Die Verlockungen des Geldes gepaart mit der für Unternehmen bekannten Gewinngier wird wahrscheinlich eher zum Nachteil der Meeresbodenbewohner ge-reichen. Eine gesetzliche international geltende Begrenzungsregelung wird daher unumgänglich werden.

Massengutschiff mit rd. 50.000 T Ladungsgewicht (Handymax-Vessel), Foto: bluesnap, pixabay.com




Forschungs-
schiff der
BGR war
erfolgreich

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat im indischen Ozean in einem 75.000 Quadratkilometer großen Lizenzgebiet ein 8 Mio. Tonnen großes Manganknollenfeld in einer Tiefe von 3000 Metern  aufgespürt. Hierbei handelt es sich um Klumpen, die zu 27 % aus dem Metall Mangan und zahlreichen anderen verwertbaren Elementen besteh-en.  Um den Abbau auch ökologisch ver-antworten zu können, will man nun die auf dem Meeresboden lebenden Kleinstlebe-wesen einer Genanalyse unterziehen, um feststellen zu können, wie groß das Ver-breitungsgebiet der kleinen Tierchen in den Manganknollenfeldern ist. Ob diese dann beizeiten „verlegt“ werden, oder ein-fach nur mit dem Saugbagger  aufge-saugt werden, bleibt unklar.

In Deutschland ist ebenfalls die Goldgräberstimmung ausgesprochen. Und zwar wortwörtlich. So war das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel an der Entdeckung von Goldvor-kommen unterhalb heißer Quellen in Island beteiligt. Die Forscher gehen davon aus, dass sich in den geothermalen Lager-stätten rd. 10.000 Kilogramm Gold befind-en könnten. Inwieweit sich die Aufspür-ung weiterer Goldlagersstätten auf den Goldpreis auswirken wird, ist noch völlig unklar. Und wie groß die Mitwirkungs-möglichkeiten der verschiedenen Umwelt-schutzorganisationen zum Schutz der Meere und seiner Bewohner sein werden, ist ebenfalls unklar. Die Erfahrung lehrt aber, das Rohstoffvorkommen bisher imm-er wirtschaftlich erschlossen wurden, um diese zu nutzen. Dieser Aufspürzwang wird sich durch die zunehmende Weltbe-völkerung u.E. eher noch verstärken. 

Quellenhinweis:

Hamburger Abendblatt vom 18.7.2018, nautilusminerals.com; ntv.de vom 20.02.2014; Schweriner Volkszeitung vom 24.7.2016; Spektrum.de vom 7.7.2016; Schutzstation Wattenmeer e.V.; Pressemitteilung der Bundesregierung vom 30.08.2008; Bundesamt für Naturschutz zum „Natura 2000-Projekt“; Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM-ev.de) Hinweis: der Verein wurde zum 31.12.2012 aufgelöst; RK-Redaktion vom 12.08.2018

 

Zollverein : 13. Deutscher Bergmannstag

das war der letzte Bergmannstag vor dem Ende des aktiven Steinkohlenbergbaus

Tradition erhalten
zukunft gestalten

Juni, 30. , Juli, 01.2018

Essen und Bochum

Glückauf, der Steiger kommt

Freude, Wehmut, Trauer

Unter der Schirmherrschaft von MinPräs. Armin Laschet wurde am 30.6.2018 um 15.00 h in der ehem. Kohlenaufbereitung der Zeche Zollverein XII in Essen der 13. Deutsche Berg-mannstag zelebriert. Über 2000 Bergleute aus allen Revieren der Bundesrepublik waren an-gereist, um mit dem Landesverband der Berg-,Hütten-und Knappenvereine NRW noch einmal aus voller Inbrunst das Steigerlied zu singen und mit einem Sternmarsch zum neuen Gleis-Boulevard der Bevölkerung zu zeigen, wie lebendig die Bergbaukultur trotz des bevor-stehenden Auslaufs immer noch ist. Alles, was im Bergbau Rang und Namen hat /hatte, war auf Zollverein zugegen. Grußworte richtete unser Mitglied und Bundesvorsitzender des Bundes Deutscher Bergmanns-,Hütten-u. Knappenvereine, Kurt Wardenga, an die geladenen Gäste, ebenso der 1. Vors. des Landesverbandes, Uwe Enstipp, der neue RAG-Stiftungschef, Prof. Dr. Noll, OB Thomas Kufen, der OB der Stadt Marienburg, Heinrich, der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis, RAG-Stiftungsvorstandsmitglied Bärbel Bergerhoff-Wodopia, der neue RAG-Chef Peter Schrimpf und der Ministerpräsident von NRW, Armin Laschet. Es spielte der Musikverein Glückauf Anthrazit Ibbenbüren.

Um 17.30 h nahmen die bergmännischen Spielmannszüge sowie die Bergmanns-,Hütten und Knappenvereine Aufstellung und marschierten dann um die ganze Zeche herum. Als Außenstehender hätte man leicht den Eindruck bekommen können, das hier eine Zeche eröffnet wird, so schön und feierlich war es. Glanz und Gloria aus längst vergangenen Bergbauzeiten schienen für einen Augenblick wieder gegenwärtig zu sein. Im Verlaufe des Abends und der Nacht ( bis 2.00 h Morgens !) sangen die bergmännischen Chöre, die Orchester der ehem. Bergwerke spielten auf und Künstler boten Darbietungen im Rahmen der gleichzeitig stattfindenden Extraschicht. Revierkohle war mit einem großen Zeltstand vertreten. Als der Tag um 22.30 h mit einem bergm. Zapfenstreich und anschließender Feuer-Show zu Ende ging, da wurde manch hart gesottener Bergmann weich. Ab-schiedsschmerz lag in der Luft. Dazu passte auch die Orgelmusik, die über den Platz schallte. Mit einem Pilskes versuchten die Bergleute die Wehmut herunter zu schlucken. Es war schließlich der letzte Bergmannstag vor dem endgültigen Ende des Deutschen Stein-kohlenbergbaus. Am 21.12. 2018 findet auf den beiden letzten verbliebenen Schacht-anlagen, Prosper-Haniel in Bottrop und Anthra-zit Ibbenbüren in Ibbenbüren die letzte Förder-schicht statt. Danach kommen die Raub-und Rückzugsarbeiten und Mitte 2019 werden die Schächte verfüllt. Dann ist Schicht im Schacht. Eine 200-jährige großartige Bergbau-Ära geht zu Ende.  

       Bund Deutscher Bergmanns-,Hütten-u. Knappenvereine – Landesverband NRW

Impressionen vom 13. Deutschen Bergmannstag auf der Schachtanlage Zollverein XII in Essen-Katernberg am 30.6.2018                                                                                                                      Video und Fotos: Revierkohle
Panorama-Blick von der ehem. Kohlenwäsche der Zeche Zollverein XII auf Essen-Katernberg, Foto: Revierkohle

die bergmännischen Tugenden bleiben

SOLIDARITÄT UND ZUSAMMENHALT

feierlicher Gottesdienst

Am 01.07.2018 wurde der 13. Bergmannstag im Anneliese Brost Musikforum in Bochum mit einem ökumenischen Gottesdienst und zahlreichen Festreden fortgesetzt. Anschließend nahmen die Spielmannszüge und Knappenvereine wieder Aufstellung und marschierten durch Bochum vorbei an Tausenden von Schaulustigen. Der Bergmannstag wurde mit einem gemeinsamen Mittagessen am Bergbau-Museum in Bochum beendet.

sie kamen aus allen Revieren

Eine unglaubliche Farbenpracht breitete sich in Essen und Bochum zum Bergmannstag aus. In schicken Bergkitteln waren die Knappen aus allen Revieren angereist, um noch einmal vor dem Ende des Deutschen Steinkohlenbergbaus die gemeinsame Tradition zu pflegen. Neben den ehem. Bergleuten aus dem ehem. Saar-Revier, dem Aachener Revier, aus Berlin-Brandenburg, Hüttenberg, Lengede und Heringen nahmen auch die Bergleute von den beiden letzten aktiven Zechen Prosper-Haniel und Anthrazit-Ibbenbüren teil. 50 Männer von der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen auf Pluto eskortierten den langen Tross derer, die die bergmännische Tradition und Geschichte erhalten wissen wollen.

es geht weiter

Mit der letzten Förderschicht am 21.12.2018 ist aber noch lange nicht Schluss. Schließlich müssen die Schächte noch standfest verfüllt werden, dann erfolgt der Rückzug von der untertägigen Grubenwasserhaltung und Umbau auf übertätgigen Hängepumpenbetrieb, die auf sechs Wasserhaltungszechen konzentriert wird. Zeitgleich wird auf Pluto in Herne eine neue Grubenwasserleitwarte gebaut, von der aus alle Wasserprovinzen überwacht werden. Die Geschichte und die Leistungen der Bergleute werden im Deutschen Bergbau-Museum in Bochum neu aufbereitet. Dafür hat die RAG-Stiftung rd. 5 Mio. EUR bereitgestellt. Und auf Schalke 04 wird auch künftig bei jedem Anpfiff das Steigerlied erklingen. Wie gesagt: Tradition verbindet.

vgl.hz.a. WAZ vom 02.07.2018