Der Südpool zerbricht. Tatsächlich ?

       ein gigantischer Eisberg hat sich gelöst und treibt nach Norden



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Am 13.Juli 2017 warnte die Bildzeitung die Menschheit vor der nächsten grausamen Klimakatastrophe. Ein rund 5.800 Quadratkilometer und eine Billion Tonnen schwerer Eisberg hat sich in der Gletscherregion „Larsen C“ in der südllichen Antarktis gelöst und treibt nun gen Norden. Ein Vorgang, der nicht Außerge-wöhnlich ist, für den Klima“experten“ Prof. Dr. Mojieb Latif (Uni Kiel) aber ein echter Warnschuss für die Menschheit, da die Antarktis nun insgesamt ab-schmelzen würde, da weitere Eisberge jetzt nach-rutschen könnten. Das wäre insofern dramatisch, so Latif, da die Antarktis zu den sich am schnellsten er-wärmenden Gebieten gehört. Es drohen Überflut-ungen und Massenfluchten. Der Deichbau würde an seine Grenzen geraten. Und „Bild“ setzt noch einen drauf und orakelt, das Forscher erwarten, das der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um bis zu 1,50 m steigen wird. Gut gebrüllt, Löwe, können wir dazu nur sagen.

NASA-Foto v. 28.02.2015

Antarctica word cloud shape concept

Trotz medialem Gebrüll und angeblich gesicherter Fakten, die merkwürdiger Weise immer nur von drei Instituten in Form von rein statistischen Mittelwerten vorgetragen werden ( Uni Kiel, PIK-Potsdam und IPCC), gibt es de Fakto keinen Grund, in Panik zu geraten. Denn bei dem 175 km langen und 1 Billion Tonnen schweren Eisberg handelt es sich um ein Stück Schelfeis vor der antarktischen Halbinsel Peninsula, einem kleinen Teil des antarktischen Kontinents gegenüber dem argentinischen Feuerland. Diese Fläche macht weniger als 1 % der antarktischen Land-masse aus. Darüber hinaus ist der Abbruch nicht ungewöhnlich, da Schelfeis von Landgletschern vor-getrieben wird und auf dem Meer schwimmt. Der Klimaexperte Dipl.-Ing. Michael Limburg erklärt diesen Abbruch mit der Schwerkraft sowie mit den starken Scherkräften, die immer wieder für das sog. „Kalben“ (abbrechen) sorgen würden. Auch widerspricht er der oft vorgetragenen Sorge, das dadurch der Meeres-spiegel ansteigen würde, da das Schelfeis zuvor schon auf dem Meer schwamm. Fließendes und frei schwebendes Eis, das von der Küste in das Meer mit der Zeit hineinwächst, muß früher oder später ab-brechen. Die Veränderungen der Meeresströme haben in den letzten 20 Jahren dafür gesorgt, das bereits sieben Schelfeise an der antarktischen Halb-insel zerfallen sind. Im Jahre 1995 war es der Eisberg Larsen A und zuletzt im Jahre 2002 der Schelfeeisberg Larsen B. Und trotzdem ist der Meeresspiegel nicht signifikant gestiegen. Limburg erklärt diesen Umstand mit der viel zu kleinen Masse von 12 % der abge- brochenen Eisberge, als das diese in der Lage wären, einen Meeresspiegel-Anstieg auszulösen. Die ver-änderten Meeresströmungen sowie mechanische Vortriebskräfte sorgen vielmehr dafür, das die Schelf-eisberge, die  ziemlich weit in das Meer hineinragen, die schwimmenden Eiszungen unterspülen. Durch natürliche  Sonneneinstrahlung an der Küste vor der Halbinsel Peninsula hat sich das Meerwasser etwas erwärmt. Das wärmere Wasser schwächt das Schelfeis zusätzlich und wird brüchig. Diese Beobachtungen wurden bereits in 2010  gemacht. Dies führte dann zu dem seit Jan. 2017 durch die Weltraum-Behörde ESA beobachtete Rissbildung, die sich im Mai fortsetzte und Anfang Juli 2017 dann zum Abbruch führte.

Das bestätigen auch neueste Untersuchungsergebnisse des Alfred-Wegener-Instituts in Bremen. Der Meteorologe Klaus Puls hat den 30jährigen Klimatrend untersucht und kommt zu dem Ergebnis, das die Eisflächen rund um die Antarktis von 1980 bis 2015 sich um 3,0 bis 3,8 % ausgedehnt haben. Von einem Beginn weitreichenden Abschmelzens der Antarktis bzw. einem Bruch des Südpools, wie es die Bild-Zeitung orakelte, kann demnach also gar keine Rede sein.

Quellenhinweise:

Limburg, Michael: Suchergebnisse für Eisberg abgebrochen, in: Eike.de vom 13.07.2017 (Hinweis: in diesem Beitrag finden Sie die o.g. Statistik zur Eisflächenausdehnung in der Antarktis von Klaus Puls aus 2017), Pressemitteilung des Alfred-Wegener-Instituts im Helmholtz-Zentrum für Polar-und Meeres-Forschung (AWI) vom 06.07.2017; Zeit-Online vom 13.07.2017; MDR vom 12.07.2017; RP-Online vom 12.07.2017; FAZ vom 08.06.2017, Bell, Larry: Eisabbruch in der Antarktis heizt die Klima-Hysterie weiter an, in: Eike.de vom 30.07.2017, Hamburger Abendblatt vom 07.07.2017 sowie RK-Redaktion vom 04.08.2017

Fotos: oben links: OLGA. fotolia-Kauf; NASA-Satellitenbild: NASA Goddard Space Flight Center, in: Committee For Constructive in: Bell, Larry, a.a.O. (siehe Eike.de vom 30.07.2017, Antarktis-Text: ibreakstock, fotolia-Kauf 

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RAG: letzter Walzenschrämlader geht in Betrieb

Bei unserem Mitglied, dem Bergbauzulieferer Eickhoff in Bochum, wurde die letzte große Steinkohleabbau-maschine vorgestellt, die bis Ende 2018 auf der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop die letzten Kohlen aus dem Streb holen soll. Es handelt sich dabei um einen 96 Tonnen schweren und 17 Meter langen Walzenlader, die letzte Großmaschine für mächtigere Flöze, die im auslaufenden Deutschen Steinkohlenbergbau in Be-trieb geht.

Walzenlader SL 750 Eickhoff Bergbau GmbH

Letzter Walzenlader auf Prosper-Haniel vom Typ SL 750 der Fa. Eickhoff Bergbau GmbH aus Bochum. Siehe oben rechts. Foto: Eickhoff Bergbau GmbH

Bergmann nach der Schicht_InPixio

Underground mine excavator facing coal wall .

oben: Walzenlader schrämt die Kohle vom Kohlestoß. Diese fällt auf den Panzerkettenförderer und wird dann mit Hilfe von Stahlrinnen an einer Panzerkette zur Kopfstrecke und über Endlosgurtförderer zum Schacht und dann nach Übertage in die Aufbereitung verbracht.                               Foto: eunikas, fotolia-Kauf

links: Päusken nach harter Arbeit. Bergmann nach der Schicht                    Fotobearbeitung: Revierkohle

Damit alles unter Tage genau passt, wird die Maschine zusammen mit den Bergleuten von Prosper-Haniel probeweise zusammengebaut. Dabei machen sich die Bergleute mit der Montage, der Elektroeinheit sowie mit der Energiesteuerung vertraut, denn unter Tage muss jeder Handgriff sitzen, meint Frank Kotke von der Abteilung Elektrotechnik unter Tage, einer Unterabteilung des Servicebereichs Technik-und Logistikdienste der RAG. Der Einsatz der Maschine ist für April 2018 vorgesehen.

Quellenhinweise:

Frankfurter Allgemeine vom 14.07.2017; Steinkohle-Werkszeitschrift 7/2017, RAG- Pressemitteilung vom Juli 2017,  Jahrbuch für Energiepolitik und Montan-kultur, Ausgabe 2012 ( Revierkohle, Hrsg.) sowie RK-Redaktion 04.08.2017

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RWE will Kraftwerke zukaufen

trotz Verlusten im Kraftwerksgeschäft setzt der Vorstand auf künftige Stromknappheit


kraftwerke


KW Bergkame, Britta Laser, fotolia

Dank des EEG und der politisch gewollten bevorrechtigten Einspeisung von Strom aus regenerativen Energieträgern musste RWE wie auch andere  konventionelle Kraftwerksbetreiber allein in 2016 rd. 80 Kraftwerke bei der Bundesnetzagentur zur Stilllegung anmelden. Darüber hinaus fuhr die RWE-Kraftwerkssparte „RWE Generations“ in 2016 einen Verlust von 5,7 Mrd. EUR ein. 4,3 Mrd. EUR musste RWE auf Kraftwerke abschreiben. Die Folge für die überwiegend kommunalen Anteilseigner war, das sie auf Ausschüttungen verzichten mussten. Für die klammen Kommunen in NRW ist das ein echter Schock. Und da derzeit auf dem Strommarkt wegen des weiteren Aus-und Zubaus von Windkraftanlagen Überkapazitäten erzeugt werden, ist die Gewinn-aussicht weiterhin schlecht. Nach Ansicht von RWE-Chef Rolf Martin Schmitz wird sich das aber in den nächsten Jahren ändern. Denn mit jedem weiteren Kraftwerk, das zwangsweise stillgelegt werden muss, steigt langfristig wieder der Strompreis. Daher hofft RWE nicht nur auf steigende Gewinne, sondern will sogar Kraftwerke hinzukaufen.

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RWE HV

Und so ganz weltfremd wie es zunächst scheint, ist diese Zukunftsversion von Schmitz keineswegs. Schließlich setzen wir ebenfalls weiterhin auf die Erneuerung und den Ausbau von Kraftwerken, weil die Sicherstellung der Grundlast über regenerative Energieträger schlicht und einfach nicht möglich ist. Das ist ein Grund, warum wir als Verband auch nach Schließung der letzten Zeche im Revier Ende 2018 weitermachen werden. Unsere Aufgabe ist es, für mehr Akzeptanz bei den politisch Verantwortlichen und in der Industrie zu werben. Aber zurück zu RWE. Bisher wurden Dividenden fast nur von der Tochter energy ausgeschüttet. In den nächsten Jahren sollen aber auch die Kraftwerke wieder Gewinne ausschütten, da die „Generations“-Sparte auf Wachstum und nicht auf Rückbau ausgelegt ist, so Vorstandschef Schmitz. Das soll sich  durch Abbau von Überkapazitäten ändern. Allerdings muss der Konzern bis 2020 noch fleissig sparen. Auch müssen die Rückbaukosten für die Entsorgung der bis 2020 stillzulegenden Atomkraftwerke gestemmt werden. Von den Kosten für die Entsorgung der verbrauchten Brennelemente konnte sich der Konzern wie auch andere AKW-Betreiber Anfang Juli 2017 im Rahmen einer Regierungsvereinbarung mit einer einmaligen Zahlung freikaufen. Sollte es teurer werden, womit zu rechnen ist, wird der deutsche Michel zur Kasse gebeten. Sie kennen das Spiel ja bereits. Mit rd. 40.000 Megawatt installierter Kraftwerksleistung bleibt RWE auch in Zukunft Europas größter Stromproduzent. Und mit jedem Kraftwerk, das Dank des EEG vom Netz gehen muss, unabhängig davon, ob es effizient ist und wirtschaftlich arbeitet, steigt tendenziell wieder der Strompreis. Darauf setzt der RWE-Vorstand.

Quellenhinweise:

vgl.hz.a. FAZ vom 29.06.2017; N-tv vom 29.06.2017; Finanzen.ch vom 29.06.2017; Welt-N24 vom 22.02.2017, Tagesspiegel.de, in: Morgenlage vom 30.06.2017 sowie RK-Redaktion vom 06.07.2017

Fotos: oben: Britta Laser, fotolia-Kauf; links: RWE-HV: RWE

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Methan auf dem Meeresgrund heizt das Klima nicht auf

      Stickstoff und Sauerstoff durchdringen die Methanblasen auf dem Weg zur Meeresoberfläche 

Jens Greinert vom Helmholtz-Zentrum in Kiel erläutert diesen Umstand damit, dass das Meerwasser ähnlich wie Luft reichlich Stickstoff und Sauerstoff sowie weitere Gase enthält. Auf dem Weg vom Meeresboden zur Meeresoberfläche werden die Methanblasen durch den Stickstoff und den Sauerstoff durchdrungen und neutralisieren damit den größten Teil des Methangases in der Blase. Das Methan selbst wird durch Mikroorganismen erzeugt, die infolge eines Zersetzungsprozesses von verstorbenen Lebewesen Methan produzieren. Das Gas sammelt sich im Untergrund und steigt dann langsam durch Blasenbildung zur Meeresoberfläche auf.

Methan

Seit den 90 er Jahren haben Meeresforscher immer wieder davor gewarnt, dass der ständig stattfindende Klimawandel große Mengen von Methangas freisetzen könnte, der auf den Meeresböden lagert. Im Nord-polarmeer vor der Küste von Spitzbergen hat ein Forschungsschiff des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung jetzt eine verblüffende Erkenntnis mit nach Hause nehmen dürfen. Obschon die Forscher die zehnfache Menge an Methangas im Nord-Polarmeer in einigen hundert Metern Tiefe als andernorts gemessen haben, entwich aus den Methanblasen, die vom Meeresgrund an die Meeresoberfläche ankamen, nur sehr wenig Methan in die Atmosphäre. Die Forscher waren verblüfft. Doch Sie können dieses Phänomen auf natürliche Ursachen zurückführen.

Helmar Hansen

Forschungsschiff „Helmar Hanssen“ vor Spitzberg-en am Nordpolarmeer     

Foto: Randall Hyman, Veränderung: Revierkohle

Nach Ansicht der Helmholtz-Forscher soll das so aufgenommene Kohlendioxid die Klimaerwärmung deutlich stärker bremsen, als sie durch das vom Grund aufsteigende Methan angefacht wird. Aus tieferen Quellen wird praktisch kein Methan an die Wasseroberfläche gespült. Damit scheint die (ange-nommene) Gefahr für das Klima durch zusätzliche Methangasaustritte vom Meeresgrund überschätzt worden zu sein, so Prof. Dr. Jens Greinert vom Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozean-Forschung in Kiel.

Geomar Helmholtz Zentrum

oben: Karbonkrusten in 385 Metern Wassertiefe. Karbonate benötigen zur Bildung mehrere Hundert Jahre                                        Foto: GEOMAR

Freigesetztes Methan, das in die Luft gerät, trägt normalerweise zu einem Treibhaus-Effekt und damit zum Klimawandel bei.  Allerdings ist diese Hypothese in der Fachwelt durchaus umstritten. Die Forscher auf dem Forschungsschiff „Helmer Hanssen“  konnten nämlich auch einen gegenteiligen Effekt mit Hilfe der sog. Kohlenstoffisotopen-Analyse feststellen. Die obersten Meeresschichten nehmen in den Gebieten mit aufquellendem Wasser doppelt so viel Kohlen-dioxid aus der Luft auf wie in angrenzenden Regionen, in denen kein kaltes Wasser aus der Tiefe aufsteigt. Des weiteren werden mit der kalten Strömung viele Nährstoffe vom Meeresgrund hochgespült. Diese wiederum kurbeln das Wachstum von Algen an der  Meeresoberfläche an. Grössere Organismen ernähren sich von diesen Algen. Sterben diese, sinken  sie zum Meeresgrund und nehmen das aufgenommene Kohlendioxid mit in die Tiefe.

Die Forschungsmannschaft vom Helmholtz-Zentrum und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen, die auf der Forschungsreise dabei waren,  nahm auch Messungen in grösseren Tiefen vor. Dabei stellte sie fest, das praktisch kein Methan an die Wasseroberfläche gelangt. Und das Paradoxe: ausgerechnet direkt über den Methanquellen absorbierte der Ozean 2.000 mal mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre als Methan umgekeht in die Atmosphäre gelangte.  Damit scheint die Gefahr für das Klima durch zusätzliche Methanaustritte vom Meeresgrund, insbesondere aus den Permafrostböden der Arktis bei Erwärmung des Klimas  bisher überschätzt worden zu sein, so die Forscher um Jens Greinert. Und das der Methangasaustritt aus den Gashydratlagerstätten kaum etwas mit der Klimaerwärmung zu tun hat, wies Dr. Tom Feseker vom Bremer Zentrum für Marine Umweltwissenschaften nach. Er fand an den Methanaustrittsstellen am Meeresboden Karbonate. Dies sei ein deutlicher Indikator, dass die Ausgasungen schon sehr lange stattfinden. Mithin natürlichen Ursprungs sind. Allerdings will Dr. Feseker diese Feststellung nicht als Entwarnung verstanden wissen, weil man nicht wisse, welche Folgen eine mögliche Erwärmung des tiefen Ozeans durch Freisetzung großer Methangasmengen in die Atmosphäre und damit auf das Klima haben könnte.

Wer es genauer wissen möchte, den verweisen wir auf die Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of Amerika.“ (PNAS)

Quellenhinweise:

vgl.hz.a. N.N.: Methanhydrate und Klimaerwärmung, in: Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel vom 02.01.2014; N.N.: Methanquellen vor Spitzbergen verringern Treibhauseffekt, derslb. vom 08.05.2017; Tagesspiegel vom 22.05.2017 und RK-Redaktion vom 04.07.2017

Methan-Schrift: crazy cloud 2, fotolia-Kauf  

 

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Geht die Windkraft in NRW baden ?

Armin Laschet und Christian Lindner unterzeichneten Koalitionsvertrag mit erfreulichen Positionen


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Ausgerechnet die Steuersenkungspartei FDP und Totengräber des deutschen Steinkohlenbergbaus will die kaum noch zu ertragende Privilegierung von Windkraftanlagen zusammen mit der CDU innerhalb der neu gewählten Landesregierung von NRW aufheb-en. Der neu gewählte Ministerpräsident von NRW, Armin Laschet (CDU) unterzeichnete am 16.6.2017 gemeinsam mit FDP-Vorstand Christian Lindner einen Koalitionsvertrag, der nicht nur die bau-rechtliche Bevorzugung von Windkraftanlagen außer Kraft setzen soll, sondern auch die bevorrechtigte Netzeinspeisung von Windstrom unterbinden will.  Für uns hört sich das zunächst gut an. Allerdings haben wir so unsere Zweifel, ob die beabsichtigten Maß-nahmen tatsächlich aus Einsicht in die physikalischen Notwendigkeiten erfolgen, da bei weiterem Ausbau von Windkraftanlagen ein Netzzusammenbruch droht (siehe unser Amprion-Beitrag sowie zahlreiche weitere Beiträge zu diesem Thema), oder ob dies aus politischem Kalkül heraus erfolgt. Denn auf unsere jahrelangen sachdienlichen Hinweise hat die Politik bisher so gut wie nie reagiert. Wir tun also gut daran, skeptisch zu bleiben.

mann mit papier

Landtag NRW B. Schälte

wir in nrw

Quellenhinweise:

NAEB Stromverbraucherschutz e.V., NAEB-Newsletter 2017/06; vernunftkraft.de vom 16.6.2017; Koalitionsvertrag für NRW 2017 bis 2022; Rheinische-Post-online vom 04.07. 2017; ARD-Tagesschau vom 16.06.2017; Zeit-Online vom 13.06.2017 und RK-Redaktion vom 05.07.2017

Fotos: oben: Landtag NRW: Gisela Peter, pixelio.de, ID 584181, wir in NRW: RAG und Veränderung: Revier-kohle

Auf dem Papier stehen jedenfalls Maßnahmen, die wir ebenfalls sofort unterzeichnen würden.  Da ist die Rede von Untersagung baurechtlicher Genehmi-gungsbegehren von Seiten der Windkraftanlagen-betreiber im Wald, von Erhöhung der Mindest-abstände zwischen Wohngebieten und Windkraft-anlagen auf 1.500 Metern, was den Bau von Wind-kraftanlagen deutlich verlangsamen dürfte, da dann nicht mehr genügend freie Flächen zur Verfügung stehen würden. Und auch die bevorrechtigte Netzeinspeisung von Strom aus Windkraftanlagen gem. EEG soll ersatzlos gestrichen werden. Die Verpflichtung, im Landesentwicklungsplan von NRW Flächen für den weiteren Zubau von Windkraftanlagen auszuweisen, soll ebenfalls entfallen. Auf Bundes-ebene will sich die neue Landesregierung für die Ab-schaffung des EEG einsetzen. Das gleiche fordern wir übrigens schon seit 2000.

CDU und FDP wollen die energiepolitische Balance erhalten und dafür sorgen, das die Energie-preise bezahlbar bleiben und das die Versorgungs-sicherheit künftig den gleichen Stellenwert erhält, wie das angestrebte 2 Grad Klimaschutzziel. Letzteres ist zwar wissenschaftlicher Unfug, lässt sich aber gegenüber einer öko-affinen Wählerschaft besser ver-kaufen. Paradox wird es in dem Koalitionspapier allerdings an der Stelle, wo der Spagat geübt wird zwischen Erhaltung energieintensiver Industrie, bezahlbarer Strompreise, Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit und gleichzeitigem Bekenntnis zum Klimaschutzabkommen von Paris, das eine weitgehende Co-2  neutrale Energieerzeugung bis 2050 zum Ziel hat.

FDP und CDU glauben im Ernst, das dies mit Hilfe von Speichertechnologien gelingen wird, die in naher Zukunft zur Verfügung stehen werden. Dann wäre tatsächlich das Ende fossiler Energieversorgung erreicht.  Aber auch das Ende allen Lebens. Denn ohne Co2 kein Sauerstoff. Sieht man einmal von Batteriespeichern ab, sehen wir eine solche Ent-wicklung allerdings nicht mal im Ansatz realisiert. Woher soll z.B. der Strom kommen, wenn alle PKW´s in Deutschland nur noch auf Batteriespeicherbasis fahren sollen ? Wer fragt nach den Umweltschäden-und Kosten, die durch den Abbau von Lithium, Blei, Kadmium und Nickel entstehen ? Wie lang sollen die Autoschlangen an den künftigen Stromtankstellen werden ?  Wie groß müssen Öko-Massenstromspeich-er sein, um den Strombedarf für die Autobatterien für einen Monat zu decken ?  Wie steht es mit der Energiedichte ?  Und, und, und…

Solche Fragen müssen erst einmal zufriedenstellend gelöst werden. Bis dahin werden wir auch weiterhin fossile grundlastfähige Kraft-werke betreiben müssen, um bedarfsgerecht Tag und Nacht Strom und Wärme dem Bürger und den Firmen preiswert zur Verfügung stellen zu können. Daher kann der geplante Spagat der neuen Landesregierung „sicher, kostengünstig und ökologisch nachhaltig“ ohne fossile Energieträger nicht gelingen.

Der Koalitionsvertrag wird an anderen Stellen dann wieder realistischer. So z.B. in der Frage der Strom-steuer und der besseren Synchronisierung im Lastmanagement konventioneller Kraftwerke. Die Stromsteuer soll abgesenkt werden und der Energiemix zwischen Braun-und Steinkohle, Erdgas und Erdöl sowie regenerativer Energieträger ( Wasser, Wind, Sonne, Biogas) beibehalten werden. Die fossilen Energieträger werden auch von der neuen Landes-regierung als unverzichtbare Brückentechnologie angesehen. Daher steht auch die neue Landesre-gierung zu den Genehmigungen für den Rheinischen Braunkohle-Tagebau. Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) sollen ausgebaut werden. Planwirtschaftliche Ausbaupfade wird es mit der neuen Landesregierung allerdings nicht mehr geben, so FDP-Chef Christian Lindner in einer Pressekonferenz. Damit man aber der Landesregierung künftige Strompreiserhöhungen nicht in die Schuhe schieben kann, hat sich die Monopolkommission etwas Feines ausgedacht: bis 2020 muss jeder Stromhändler 35 % des verkauften Stroms aus erneuerbaren Energieträgern beziehen. So kann man diesen armen Wichten gut die Schuld in die Schuhe schieben, wenn der Strompreis ab 2019 auf ge-schätzte 50 Ct je Kwh  steigen wird, weil diese den zu teuren Strom aus Windkraft-und Photovoltaikan-lagen zum (immer) falschen Zeitpunkt eingekauft haben. Hoffentlich bemerkt der Bürger/ die Bürgerin den Schwindel bald. Bei einer hauchdünnen Mehrheit von einer Stimme dürften im Düsseldorfer Landtag die Meinungen zur Bedeutung der Energie und speziell zur Windkraft aber wahrscheinlich noch so manches mal in der neuen Legislaturperiode auseinandergehen.

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amprion – tennet und e.on warnen

Im Febr. 2011 schlugen Experten im brandenburgischen Landtag Alarm: aufgrund des beschleunigten Ausbaus regenerativer Energieträger drohte das Stromnetz in Brandenburg wegen Überlastung durch regenerative Energieträger zu kollabieren. Daher forderte der damalige Wirtschaftsminister Ralf Christoffers ( die Linke)  den sofortigen Ausbau des Netzes um rund 1000 Kilometer mit 110 KV-Leitungen und 400 Kilometer mit 390 KV-Leitungen. Und das alles unterirdisch, bitte schön.  Seitdem hat sich das Problem immer weiter verschärft.

Strommasten und Blitze

Im März 2011 folgte der nächste Alarm. Angesichts der Abschaltung der Atommeiler warnte E-ON-Chef Johannes Teyssen erneut vor einem Zusammenbruch des deutschen Stromnetzes. Teyssen begründete seine damalige Befürchtung mit dem ungenügend-en Ausbauzustand des Stromnetzes, das auf solche gravierende Umverteilung der Lasten zu Gunsten regenerativer Energien nicht ausgelegt sei. Auch fehlten die Stromtrassen in den Süden, um den Windstrom aus dem Norden dorthin zu transportieren. Zwei Jahre später wandte sich der niederländische

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stromnetz

Stromnetzbetreiber Tennet an die Öffentlichkeit und trug vor, das seine Mitarbeiter jeden Tag damit zu kämpfen hätten, den Zusammenbruch des Netzes zu verhindern. In 2013 hatte es bereits 502 händische Re-Dispatch-Maßnahmen gegeben, um das Netz vor Ausfällen zu schützen. Bei den Eingriffen wurden u.a. Kraftwerke heruntergefahren und Windkraftanlagen gestoppt. Als Gegenmaßnahme forderte der Deutschland-Chef von Tennet, Martin Fuchs, ebenfalls den zügigen Ausbau von Stromtrassen mit einer Gesamtin vestition von 21 Mrd. EUR.

Wegen der extrem starken Schwankungen im Netz mussten in 2006 an 80 Tagen, in 2007 an 155 Tagen, 2008 an 175 Tagen, 2009 an 197 Tagen und bis heute sogenannte Re-Dispatch-Maßnahmen eingeleitet werden, um einen drohenden Blackout des Strom-netzes in Brandenburg zu verhindern. Bundesweit waren es in 2016 einige Tausend händische Sonder-eingriffe, um das Netz stabil zu halten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellenhinweise:

FAZ vom 09.06.2017; Wirtschaftswoche vom 03.09.2013; Potsdamer Neueste Nachrichten vom 10.02.2011, WAZH vom 19.03.2011 und RK-Redaktion vom 05.07.2017

Fotos: oben: Revierkohle, Amprion-Vorstand Dr. Hans-Jürgen Brick und Dr. Klaus Kleinekorte, Amprion GmbH, Veränderung: Revierkohle 

 

 

kurz vor

Und Anfang Juni 2017 schlug dann auch der Stromnetzbetreiber Amprion Alarm. Diesmal waren die Umstände nach Aussage des techn. Geschäfts-führers von Amprion, Klaus Kleinekorte, aber mehr als besorgniserregend. Von der Öffentlichkeit unbemerkt und von den Medien verschwiegen hat sich durch den Ausfall von Kernkraftwerken in Frankreich und Belgien und in Süddeutschland eine Beinahe-Katastrophe angebahnt, die nur mit allergrösster Mühe abge-wendet werden konnte: der totale Blackout durch kaskadenartige Abschaltungen in Sekundenbruchteil-en.  Hinzu kam der niedrige Wasserfüllstand in den Speicherseen der Alpen und die sog. Dunkelflaute aufgrund des windarmen Winterwetters. Das brachte das Fass fast zum überlaufen. Die fehlende Erzeugung wurde wieder einmal durch fossile Grund-lastkraftwerke ausgeglichen. Würde man den Ausbau regenerativer Energieträger zurückfahren, würde man weder neue Leitungen benötigen noch würde es so schnell zu möglichen Netzausfällen kommen. Neue Leitungen werden das Problem der Schwankungen aber nicht lösen, da Wind und Sonne nun mal von Natur aus nur unregelmäßig zur Verfügung stehen. Wenn im Norden Windflaute herrscht, dann herrscht sie auch im Süden. So einfach ist das.

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SPD: mit den Zechen verschwindet auch die Kümmerer-Partei im Revier

die krachende Niederlage der SPD im Arbeiterstammland NRW und der Strukturwandel hängen eng miteinander zusammen


PH dreifach


2012 lagen die Sozialdemokraten in der Bergbau-stadt Bottrop mit der Zeche Prosper-Haniel noch bei satten 50 %.

Im Juni 2017 verloren sie 12 %. In den ehem. Zechen-Städten Gelsenkirchen, Dortmund, Duisburg und Bo-chum büßte die Partei 14 % der Stimmen ein. Als die bisherige Ministerpräsidentin von NRW, Hannelore Kraft am Abend des Wahlsonntags die Konsequenz aus der Niederlage zog und von allen Ämtern zurück-trat, sprach sie ziemlich genau eine Minute lang und endete mit den Worten “ Glückauf.“ Doch die vielen ehemaligen Kumpels an Rhein und Ruhr und die Kumpels von der Duisburger Stahlindustrie mochten ihrer „Partei der kleinen Leute“ wie die SPD sich so gerne nennt, nicht mehr folgen. Zu groß sind die Enttäuschungen, die die SPD in der Arbeiterschaft hinterlassen hat. Und das Gerede von der Gerechtig-keitslücke  des Bundeskanzlerkandidaten und Multi-millionärs Martin Schulz nimmt im Revier wohl auch kaum noch einer ernst. Und so folgte eine Klatsche nach der anderen. Warum die Wählerinnen und Wähler in Punkto Gerechtigkeit der CDU/FDP mehr über den Weg trauen, hat sich bisher für uns aller-dings auch noch nicht erschlossen. Wahrscheinlich hat es etwas mit dem Nimbus „Sicherheit“ zu tun.

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vom Hoffnungs- zum Sargträger ?  SPD-Parteivor-sitzender und Kanzlerkanditat Martin Schulz

Foto: Olaf Kosinsky/Skillshare.eu, wikimedia commons Lizenznr.: CC-BY-SA-3.0-DE

Flagge NRW un hannelore

die beiden hatten sich gut verstanden: die ehem.NRW-Ministerpräsidentin des Landes NRW, Hannelore Kraft (SPD) und die Bergleute.

                       Fotomontage: Revierkohle

Vor der Wahl appellierte die SPD mit dem Slogan “ Wir Malocher“ an die Menschen im Revier, um sich als Kümmerer-Partei zu präsentieren. Denn dieser Mythos umfing die Sozialdemokraten jahrzehnte-lang, weil viele kleine Parteimitglieder anderen Menschen halfen. Die bergmännischen Tugenden wurden vielerorts tatsächlich gelebt. Aber diese Zeit ist, bis auf einige Zechenkolonien, wo Nachbar-schaftshilfe und ein kleiner Klönschnack immer noch zur Tagesordnung gehört, so gut wie vorbei. Mit den neuen SPD-Unterstützungsbegriffen “ wissensbasiert-er Industriestandort, “ Konferenz zur Zukunft“ “ Glück-auf-Zukunft“  und dergleichen Phrasen können die Leute im Ruhrrevier wenig anfangen, weil damit nur ein nicht enden wollender Strukturwandel ge-meint ist, der keine Zusagen enthält. Schon gar keine, die das Revier in eine neue Arbeitszukunft führen könnte. Im Gegenteil. Die Digitalisierung wird die arbeitsmarktpolitische Lage in NRW eher noch verschärfen als abmildern, weil man in Zukunft noch weit weniger Menschen benötigen wird, um die Produktions-und Dienstleistungsprozesse zu erzeug-en, die dem Land bisher wirtschaftlichen Wohlstand beschert hat. Viele werden davon in Zukunft nicht mehr partizipieren. Und da die Malocher nicht auf den Kopf gefallen sind und diese Entwicklung ahnen, haben sie der SPD einen Denkzettel verpasst. Die SPD wird sich also klarer entscheiden müssen, auf welcher Seite sie steht. Links blinken und rechts abbiegen wird der Wähler nicht mehr achsel-zuckend hinnehmen. Mit den Zechen und Stahlwerken verschwand in viele Städten in NRW der Wohlstand und die Arbeitsplätze. Die fehlende Nachfrage wiederum führte zu weiter-em Arbeitsplatzabbau in anderen Branchen. Die SPD-Landesregierungen haben es nicht geschafft, größere Industriebetriebe mit mehr Arbeitsplätzen anzu-siedeln. Dann kam der Verlust der Arbeitsplätze bei Opel und Nokia in Bochum und mehr als 12.000 Arbeitsplätze gingen im heimischen Bergbau seit 1998 für immer verloren. Die Neuansiedlungen im Speditionsgewerbe und in der IT-Branche sowie im Handwerk konnten die Verluste nicht einmal annähernd ausgleichen. Dann setzte die SPD unter dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder mit ihrer Agenda 2010 und der Einführung der sog. Hartz-Gesetze zum Absprung in die Tiefe an. Die Menschen im Revier haben der SPD diese antisoziale Politik nicht verziehen. Früher stand das Revier für Kohle und Stahl. Die Stadt Gelsenkirchen nannte sich in den 60er Jahren noch stolz „Stadt der 1000 Feuer.“ Diese Zeiten sind leider längst vorbei. Wofür das Ruhrrevier heute steht, kann so recht Niemand sagen. Genau so wie mit der SPD. Wofür die steht, weiß auch kaum noch jemand, oder ?

Quellenhinweise:

blendle.com/ Der Tagesspiegel vom 22.6.2017, ARD-Tagesschau vom 30.05.2017 und RK-Redaktion vom 05.07.2017

 

 

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jetzt täuscht auch die Bahn mit Öko-Strom

die Deutsche Bahn AG verkauft seit 28.6.2017 nun auch Strom an bahnaffine Privatkunden


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DB ENERGIE

Nachdem schon viele Stadtwerke, Energieversorger und Wohnungsbaugenossenschaften (wie z.B. die WoGe von 1904 eG in Hamburg) die Verbraucher mit ganz legalen Tricks täuschen, in dem diese behaupten dürfen, sie würden 100 % Öko-Strom aus Wasserkraft oder Windstrom in das Netz einspeisen, obschon rein technisch betrachtet gar kein reiner Ökostrom beim Verbraucher ankommen kann, da der Strom immer aus dem nächst gelegenen Kraftwerk kommt, sattelt nun auch die Deutsche Bahn das Ökostrom-Pferd und will jetzt auch Privatkunden klimaneutralen Öko-Strom unterjubeln.

uniper Kraftwerk datteln 4 mit Bahn

Bahnstromerzeuger: das moderne Stein-kohlekraftwerk Datteln 4     Foto: uniper SE

Die Bahn wird also künftig im Wettbewerb mit rd. 1200 weiteren Anbietern den Markt auf-mischen. Allerdings gibt es da nicht viel zu mischen, da die Bahn nur Einfluss auf einen ganz kleinen Teil des Strompreises nehmen kann und das sind die Beschaffungskosten. Der Rest setzt sich aus Steuern, Abgaben, Netzentgelten, Wegekosten, Werbe-und Personalkosten zusammen. Darum erhöhen viele Anbieter auch ihre Preise im zweiten und dritten Vertragsjahr, um noch einen Ertrag erwirtschaften zu können. Die Bahn wird ihren „Ökostrom“ genau wie alle anderen Anbieter an der Leipziger Strombörse einkaufen. Da sie aber als Großabnehmer auftritt, hofft die Bahn, das sie bessere Preise erzielen wird als die Konkurrenz. Und zwar soll dies auch bei stark schwankenden Strompreisen mit Hilfe von Termingeschäften ermöglicht werden, um den Strom billiger als andere einkaufen zu können. Ob das tatsächlich der Fall ist, können Sie als Verbraucher selbst nachprüfen. Klicken sie ganz einfach das u.g. Verivox-Vergleichs-Portal an. Das Vergleichsportal hat übrigens den Bahnstrom exemplarisch für Berlin ver-glichen und dabei festgestellt, das der Bahnstrom deutlich teurer ist als die Angebote anderer Anbieter.

Damit die Bahn ihren eigenen Strom tat-sächlich preiswert und sicher bezieht, wird eigener Bahnstrom in das Bahnnetz eingespeist. Dieser Strom kommt ausschließlich aus hochmodernen und umwelt-freundlichen Steinkohlekraftwerken. So z.B. über das neue Steinkohlekraftwerk Datteln 4, für das die Bezirksregierung Münster im Jan. 2017 die immissionsschutzrechtliche Genehmigung erteilt hatte. Damit kann das Kraftwerk nach langem Streit endlich weiter gebaut und fertig gestellt werden. Beachtet man, das die sog. Peak-Leistung der Deutschen Bahn mit ihrem 110 kV-Hochspannungs-Bahnstromnetz auf 16,7 Hertz-Basis zur Haupt-verkehrszeit 1.600 Megawatt beträgt, wird die Bedeutung des Standortes Datteln 4 für die Bahnstromversorgung ersichtlich. Rund ein Viertel der Peak-Leistung der gesamten bundesweiten Last im 110 kV-Bahnnetz fallen am Netzknoten Datteln 4 an. Und nur wenige Kraftwerke sind in der Lage, 16,7 Hertz-Strom zu erzeugen. Der Verbraucherstrom wird i.d.R. auf Basis von 50 Hertz-Strom erzeugt. Daher würde die Bahn wahrscheinlich nie auf die Idee kommen, selbst nur Öko-Strom über ihre Tochter einzukaufen. Logisch, woher sollten die rd. 10.000 Gigawattstunden Strom, den die 20.000 Züge der Bahn allein in 2016 verbrauchten, auch sonst kommen ?

Während der Bahnstrom für das 7.700 km lange Bahnstromnetz wegen der eigenen Frequenz von 16,7 Hertz weiterhin nur aus Kohle-Kraftwerken gewonnen werden kann, setzt die Bahn über ihre 2008 ge-gründete Tochter DB Energie auf Energie aus rege-nerativen Energien durch Zukäufe für Privatkunden.

Aufgrund des großen Beschaffungsvolumens will die Bahn den angeblichen Grünstrom um rd. 10 bis 12 % unter dem Preis der „Graustrom-Grundversorger“ an-bieten. Graustrom ist die Bezeichnung für Strom aus unterschiedlichen Energiequellen (Atom, Kohle, Gas, Öl), während die Bezeichnung Öko-Strom dem Kund-en vorgaukelt, dieser käme  von einer Windkraftan-lage, einem Wasserkraftwerk oder wahlweise auch über einen  „Öko-Stromsee“  direkt zum Stromkunden ins Haus geflossen.  In der Realität kommt der Strom aber über das nächstgelegene Kohlekraftwerk, da diese die Grundlast absichern über das Leitungsnetz zum Verbraucher. Damit die Energieversorger aber mit dem Öko-Label trotzdem werben dürfen, hat sich der Gesetzgeber etwas Feines ausgedacht. Mit Hilfe sog. bilanzierter Ökostrom-Äquivalente  kauft der Energieversorger Strom bei einem Öko-strom-Anbieter, (z.B. bei einem Wasser-Kraftwerk in Norwegen ) und lässt sich die eingekaufte Menge vom Bundesumweltministerium zertifizieren. Mit diesem Zertifikat geht der Energieversorger dann zum TÜV und läßt sich bescheinigen, das er Öko-Strom-Bezieher ist. Das Label darf dann damit werben, das „100 % Ökostrom aus Wasserkraft/Windkraft etc.“ eingespeist wird. Mit den Zertifikaten wird seit 2008 schwunghafter Handel betrieben.

Physikalisch betrachtet lässt sich regenerativ erzeugter Strom aber nicht von konventionell gewonnenem Strom unterscheiden. Um Ökostrom dennoch gegenüber dem Verbraucher auszuweisen, wurden mit der EU-Richtlinie 2001/77/EG sog. Herkunftsnachweise eingeführt. Erzeuger von Strom aus Erneuerbaren Energien können sich pro Mega-wattstunde einen Herkunftsnachweis ausstellen lassen. Dieses Zertifikat kann unter anderem an Energieversorger weiter gegeben werden, die dann eine entsprechende Strommenge als Ökostrom deklarieren dürfen. Für den so gekennzeichneten Strom werden sie in der Regel einen höheren Preis verlangen, der mit den höheren Produktions-kosten und dem höheren Umweltnutzen des Ökostroms begründet wird. Ziel des Handels mit Herkunfts-nachweisen ist es, möglichst viel Ökostrom als solchen kenntlich zu machen. Wir nennen das Verbraucher-täuschung und wollten daher gegen die Stadtwerke Rostock und gegen die Wohnungsbaugenossenschaft von 1904 e.G. in Hamburg wegen Verstoßes gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)  gerichtlich vorgehen. Wir haben von einer Klage aber abgesehen, weil die Erfolgsaussichten wegen des legalen Zertifikatehandels von unserer Kanzlei als gering eingestuft wurden.

Damit ist es auch der Bahn erlaubt, Graustrom als Grünstrom dem Privatkunden zu verkaufen. Und damit die Bahn-Mitarbeiter nicht mit unangenehmen Fragen konfrontiert werden, bietet diese den sog. Öko-Strom nur online an.

Quellenhinweise:

DB-Inside Bahn.de vom 20.01.2017; Deutscher Bundestag, wissenschaftlicher Dienst Nr. 29/08 vom 2.6.2008 zum Handel mit Herkunftsnachweisen für erneuerbare Energien; Kölnische Rundschau vom 28.07. 2017; Handelsblatt vom 28.06.2017; Schwäbische Tageszeitung vom 28.07.2017; Uniper SE Pressemitteilung vom 19.01.2017; www.s-bahnstromgeschichte.de; N.N. : Bei Uns, Mitgliederzeitschrift der Wohnungsbau-genossenschaft von 1904 e.G, (Hrsg.) Ham-burg, Nr. 5/2017 sowie RK-Redaktion vom 06.07.2017

Fotos: oben: R.B. Westendarb, pixelio.de. Green-En-ergy-Logo: Thes Implify, fotolia-Kauf

 

Verivox-Tarifvergleichsportal

Bahn-Umrichterblock Datteln 4

Bahn-Umrichterblock im Kraftwerk Datteln  4                                                                                   Foto: uniper SE

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das war die Extraschicht 2017

fast wie in alten Zeiten: Kohle glühte zu Koks und die Nacht wurde zum Tag


extraschicht 2017


Im 17. Jahr verfuhr die „Nacht der Industrie-Kultur“ im Revier am 24.Juni 2017 erneut eine gelungene Schicht. 21 Städte legten Extraschichten ein und rd. 40.000 Besucher konnten sich für ganze 17,00 EUR mit dem Bus oder mit der Tram 100 km durchs Ruhrrevier karren lassen, um aus dem vielfältigen Programm-Mix auf ehemaligen Bergbau-Stahl-u.a. Industrie-Stand-orten auszuwählen. Die Wahl war nicht immer einfach, da man sich in kürzester Zeit entscheiden musste, ob man sich eine Kunst-Performance an-schauen, an einer Industrieführung teilnehmen oder sich an einer Mitmach-Aktion beteiligen soll.

Extraschicht_2009_Bergbaugrill_733 Rainer Halama, wikimedia commons CC-BY-SA-2.5

Extraschicht 27.06.2009

Bergbau-Museum Bochum bei Nacht

Quellenhinweis:

vgl.hz. WAZ vom 23.06.2017, Zollverein.de vom 24.06.2017 und RK-Redaktion vom 06.07.2017

Fotos: Scherenschnitt: WAZ, Kreis und Schriftgestaltung: Revierkohle; Bergbau-Grill: Rainer Halama, wikimedia commons, Veränderung: Revierkohle, unten links: Deutsches Bergbau-Museum Bochum: Rainer Hirsemann, fotolia-Kauf, Video-Clip-Fotos: Jahrhunderthalle Bochum: Dieter Schütz, pixelio.de, Hochofen: Dieter Schütz, pixelio.de; Zeche Ewald bei Nacht: Frank Vincentz, les talk contribs, CC-BY-SA-3.0, self-published work, wikimedia commons, Hochseilparkur im Industriedenkmal Stahlwerk Duisburg: Christian Nichlinger, Ruhr-Tourismus GmbH, in: Tour-de-Ruhr-Reisekatalog, Duisburg 2016

Während die Besucher auf dem Weltkulturerbe Zeche Zollverein XII in Essen mit übergroßen Lichtobjekt-en mit der Bezeichnung  „Illuminist“ begrüßt und die Schachtanlage in ein lichttechnisches Erlebnisfeld ein-getaucht wurde, ging es im Kohlehafen von Duisburg am Binnenschiffahrtsmuseum dann so richtig zur Sache. Hier heizten auf vier Bühnen entlang der Pro-menade verschiedene Bands den Besuchern mit Live-Musik ein. Das Höhenfeuerwerk um 24.00 h muss man mittlerweile schon fast als legendär bezeichnen. Am und im Gasometer von Oberhausen wurde eben-falls viel Musik geboten. Im Gasometer konnte man an einer Führung zum Thema „Wunder der Natur“ teil-nehmen. In der Bochumer Jahrhunderthalle (ehem. Bochumer Verein) präsentierten sich junge Nach-wuchstalente im Rahmen eines Klavierfestivals. Auf der Zeche Hannover konnte man sich als Cowboy oder Ranger ausprobieren. Ruhrpott-Cowboy Zepp Oberpichler spielte auf seiner Gitarre, während im Brauerei-Museum in Dortmund A-Capella gespielt wurde. Im Hoesch-Museum in Dortmund dagegen drehte sich alles um das Thema Fahrrad einschließlich Gelände-Erkundung. Leider gab es auf dem Hoesch-Gelände nicht mehr viel zu erkunden, da fast alle Anlagen nach der Stilllegung der einst so stolzen Hütte mit ihren rd. 10.000 Mitarbeitern Anfang der 90er Jahre abgerissen wurden.

Auf der Kokerei Hansa in Dortmund hatte man für die Besucher eine eigene kleine Stadt mit Stadttor, Marktplatz, Ringstrasse, Pianobar, Kino und Märch-enwald eingerichtet und in Bottrop wartete der Berne-park mit dem Thema Krimi auf die durchfahrenden Besucher der Extraschicht. Auf der ehem. Zeche Fürst Leopold/Wulfen in Dorsten warteten Tänzer und Feuerschlucker sowie Live-Musik auf die kommenden und gehenden Besucher. Die Besucher durften auch die Reste der mittlerweile fast vollständig nieder-gelegten Schachtanlage von Innen besichtigen. So z.B. die ehem. Maschinenhalle mit ihrer noch vorhand-enen Dampffördermaschine am Schacht 2, der Lohnhalle, der Kaue und der Lampenstube. In Gels-enkirchen-Horst  „performten“ Künstler auf der ehem. Zeche Nordstern 1/2 mit Tanz-und Showeinlagen sowie mit Lichtilluminationen am Schacht 2. In der ehem. Wagenumlaufhalle auf Nordstern sitzt heute die ehem. Treuhandanstalt für bergmännisches Wohungswesen (THS), die sich zur “ Vivawest“ umfir-mierte.

Insgesamt wurde die Extraschicht an 48 ehemaligen Industriestandorten von 18.00 h bis 3.00 h Morgens zelebriert. Um die vielen Besucher schnell zu den zahlreichen Spielorten zu bringen, waren 18 Shuttle-busse, 29 normale Busse, Straßenbahnen und ein Schiff ständig im Pendel-Einsatz. Schöner kann man „gelebte Montankultur“ nicht buchstabieren.

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