Letzter Durchschlag auf BW Ibbenbüren vor dem Auslauf

Ibbenbühren -letzer Durchschlag- foto.RAG- BW Ibbenbüren

Am 15.12.2016 berichteten wir über den letzten Durch schlag auf Prosper-Haniel im Baufeld Haniel. Drei Monate später erfolgte der letzte Durchschlag auf Ibbenbüren am 30.03.2017 im südöstlichen Mittelfeld in der Strecke 7a Osten, Flöz 78. Der Musikverein „Glückauf Anthrazit Ibbenbüren“ untermalte dieses historische Ereignis in 1560 Meter Teufe.  Denn mit dem letzten Durchschlag zweier Grubenbauverbind-ungen endet das Kapitel Vorleistung auch auf dem Bergwerk Ibbenbüren. Und damit wurde gleichzeitig auch der Auslauf eingeleitet. Die letzte Kohle wird auf Ibbenbüren gem. politischer Vorgabe am 31.12.2018 gefördert. Dann ist nicht nur auf Ibbenbüren und auf Prosper-Haniel  „Schicht am Schacht“, sondern der ge-samte deutsche Steinkohlenbergbau wird dann Ge-schichte sein.

In Anwesenheit von Bürgermeister Dr. Schrameyer, Werksleiter Dr. Heinz-Werner Voß, BR-Vorsitzenden Uwe Wobben, Jürgen Kunz als Leiter der Produktion, weiteren RAG-Führungskräften sowie Vertretern von Thyssen-Schachtbau beging die Mannschaft diesen denkwürdigen Tag mit Stolz, Trauer und Wehmut zu-gleich. Die offizielle RAG-Hymne lautet zwar auch im Auslauf stets und ständig, das die Mannschaft „hoch-motiviert“ die letzten Aufgaben bewältigt, aber wenn man die Kumpels nach der Schicht persönlich fragt, wie es ihnen geht, dann sieht das Stimmungsbild schon gleich viel nüchterner aus. Da ist von Depress-ion die Rede, weil einige gar nicht aufhören möchten und sich noch viel zu jung für den Vorruhestand fühl-en. Dann gibt es Kumpels, die schon heute die zu-künftig fehlende Kameradschaft vermissen und daher keineswegs „hochmotiviert“ ihre letzten Schichten ver-fahren.  Dann gibt es etliche Bergleute, die in Anbe-tracht der politisch verordneten Zwangsschließung wegen angeblich zu hoher Kosten und wegen des angeblichen Klimawandels, der durch die Verbrenn-ung fossiler Energieträger, namentlich die Kohle, an-geblich immer dramatischere Züge annimmt, eine Mischung aus Wut und Resignation in sich tragen. Und dann gibt es da noch die Bergleute, die sich die Frage stellen, was von dem, was sie über Jahrzehnte ge-letstet haben, übrig bleiben wird.

800px-Zeche_Ibbenbueren_11 foto J.-H. Janßen, wikimedia commons

Dr. Wener.Voß 3

Das alles steht eigentlich im krassen Gegensatz zu den Aussagen der Führungsmannschaft und den offiziell-en Sonntagsreden und beschreibt die „innere Realität der Kumpels“ als ehrlichere Aussagen.  Und so war 
dieser letzte Durchschlag auf Ibbenbüren in 1540 Meter Teufe ein ergreifender und geschichtshistorisch betrachtet bedeutender Augenblick. Die Bürgermeist-erin der Gemeinde Mettingen, Christina Rählmann, war gerührt und traurig zugleich, „weil man ein solch-es Ereignis in einigen Jahren nur noch auf Bildern zeig-en könne.“ Auch Bürgermeister Dr. Schrameyer von der Stadt Ibbenbüren war von der Anfahrt und dem Durchschlag beeindruckt.
 
 

oben: Werksleiter Dr. Heinz-Werner Voß

rechts: die letzte Grubenanschlußbahn des Berg-werks Anthrazit Ibbenbüren. Hier mit Fahrtrichtung zum unmittelbar neben der Schachtanlage liegenden Steinkohlekraftwerk Ibbenbüren.

unten: RWE-Steinkohlenkraftwerk Ibbenbüren.  Es wurde ab Juli 1981 errichtet und hatte ursprünglich eine Leistung von 808 Megawatt, seit der Revision 2009 von 848 Megawatt. Das Kraftwerk mit seinem 275 Meter hohen Kamin ging am 19. Juni 1985 in Betrieb und ist ein Grund- und Mittellastkraftwerk.

Versorgt wird das Kraftwerk hauptsächlich mit Anthrazitkohle aus der benachbarten Zeche Ibben-büren im Tecklenburger Land. Diese Kohle ist sehr hart und macht eine Schmelzkammerfeuerung not-wendig. Der Kessel des Kraftwerks in Ibbenbüren ist der größte Schmelzkammerkessel der Welt (Stand 2005). Jährlich werden circa 1,4 Mio. Tonnen Anthra-zitkohle im Kraftwerk verstromt.

Ende der 1980er Jahre wurde das Kraftwerk mit der zu diesem Zeitpunkt modernsten Filtertechnik und An-lagen zur Rauchgasentschwefelung ausgerüstet. Das Kraftwerk beschäftigt derzeit 140 Menschen. Der Be-treiber des Kraftwerks ist die RWE Generation SE. Die Kohle kommt nach Schließung des Bergwerks Ibben-büren komplett aus dem Ausland.

Quellenhinweise:

vgl.hz. Welt24.de vom 30.12.2007; Osnabrücker Zeitung vom 18.12.2015, Steinkohle-Werkszeitschrift vom Mai 2017, S. 7 und 32, Westfälische Nachrichten vom 24.05.2017, Wir in Detten GmbH, Wochenzeitung in Steinfurt vom 15.02.2017 , Wikimedia, sowie RK-Redaktion vom 15.06.2017

Fotos: oben links: RAG-BW Ibbenbüren; Mitte, Gleisanlage und RWE-Kraftwerk Ibbenbüren: H.-J. Janßen, wikimedia-commons;

unten: RWE-Steinkohlenkrtaftwerk Ibbenbüren

800px-Zechenbahn_Ibbenbueren_2 - foto- J.-H. Janßen

Ironie der Geschichte: ein Jahr vor der endgültigen Stilllegung des Bergwerks zeigen sich die Absatz-zahlen von der schönsten Seite. Bereits im ersten Quartal 2017 lag die verwertbare Förderung über Plan. Die Kohlequalität verspricht nach Ansicht von Werksleiter Dr. Voß einen sicheren Jahresabsatz. Bis Ende 2018 stehen noch rd. eine Million Tonnen bester Anthrazitkohle in zwei Abbaubetrieben zur Herein-holung an. In 2016 waren es noch rd. 3,8 Mio. T SKE. Das Grubengebäude wurde auf 58 Streckenkilometer verkleinert. Das Bergwerk beschäftigt derzeit noch 1.250 Mitarbeiter. In 2007 waren es noch rd. 2.500 Mitarbeiter. Nicht erst seit Bekanntgabe der Beendi-gung des Deutschen Steinkohlenbergbaus ohne Not im Jahre 1997 durch das Steinkohlenfinanzierungs-gesetz, sondern mindestens seit rd. 40 Jahren ist bei jeder Zechenschließung immer wieder von „Sruktur-wandel“, von „Glückauf-Zukunft, „neuen Chancen“ „Förderturm der Ideen „etc. die Rede. Die Politik lobt die Bergleute seitdem immer wieder in den höchsten Tönen und erklärt, das Niemand ins „Bergfreie“ fallen würde. Letzteres wurde von der Politik tatsächlich mit Druck der IGBCE auch eingehalten. Aber von einem echten Strukurwandel hin zu Tausenden von neuen adäquaten und genau so gut bezahlten Arbeitsplätz-en, die auf die Schließungen hätten folgen sollen, ist weit und breit auf den ehem. Schachtanlagen nichts zu sehen. Und die Firmen, die sich neu angesiedelt haben, bestanden schon vor der Schließung der Zeche und ergatterten auf diese Weise einen kostengünstig-en neuen Standort, beschäftigen in der Regel nicht mehr als 100 Mitarbeiter wo einst i.d.R. mehr als 3000 Kumpels pro Standort beschäftigt waren. Und die Be-zahlung ist ebenfalls deutlich niedriger als der Tarif der Bergleute es war. Außerdem sind auch nicht üb-erall neue Vollzeitarbeitsplätze, sondern viele Leih-und Teizeitarbeitsplätze entstanden. Und auf einigen aufgelassenen Bergbaustandorten sind seit der Schließung überhaupt keine neuen Arbeitsplätze entstanden. ( Hugo 2/5/8; Hugo Ost; Zeche Wester-holt, Haus Aden, Schlegel & Eisen, Robert Müser etc.) Dementsprechend fehlt überall das Steueraufkomm-en für die Sanierung und die Modernisierung der In-frastruktur. Es mangelt nicht nur an monitärer Nach-frage, an Bildungsinvestitionen  und an Kitaplätzen, nein, es fehlt praktisch an allem im Revier. Die maro-den Schulen und Strassen sprechen davon ein beredt-es Zeugnis. Die Arbeitslosigkeit in Duisburg liegt z.B. bei satten 14 %, dicht gefolgt von Gelsenkirchen mit 12,9 % und Bottrop mit 10,3 %. Sogenannte  Leucht-turmprojeke oder das neue RAG-Förderprogramm „Glückauf Aufbruch 2018“ gaukeln eine Zukunft vor, die verschleiert, das der Strukturbruch schon längst eingetreten ist und auch in den nächsten Jahrzehnten nicht rückgängig gemacht werden kann. Da sollten sich die Verantwortlichen nichts vormachen. Die Folg-en sind klar: Wohnungsleerstand, hohe Arbeitslosig-keit, viele Ausländer und Migranten ohne Perspekti-ve, Überalterung und Grüngürtel, wohin das Auge blickt. Aber nicht der Bergbau hinterlässt „verbrannte Erde“, sondern die Schuld trägt ausschließlich die Politik. Und die Verantwortlichen können sich auch nicht herausreden, denn wir hatten Sie bereits schon vor Jahrzehnten immer wieder auf den drohenden Strukturbruch hingewiesen. Ohne Erfolg. Jetzt ist er da.

Das Revier wird zum Museum mit reichlich Straß-enbegleitgrün und viel Musik. 

Ein Trost bleibt: die Bergleute bringen Ihr Werk mit Anstand zu Ende und die Stadt Ibbenbüren sucht etliche Fachkräfte. Und die Grubenwasserhaltung mit den Abteilungungen  Bergsenkungsschäden und Pold-erbau sowie die bergmännischen  Knappenvereine bleiben ebenfalls erhalten. Und es bleibt uns hoffent-lich der von-Oeynhausen-Schacht sowie der Nord-schacht als Denkmal erhalten. Das ist besser als nichts.  Zukunft buchstabiert man aber anders.

800px-Ibbenbueren_Power_Plant_11 foto- J.-H. Janßen

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e-on: grösster Verlust in der Firmengeschichte 2016

16 Mrd. EUR Verlust. Eintausend Arbeitsplätze sollen gestrichen werden


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Dank dem EEG und der Energiewende hat der Ener-giekonzern seit der Aufspaltung im Jahre 2015 den größten Verlust in der Firmengeschichte 2016 einge-fahren. Das Minus betrug 16 Mrd. EUR. Hauptschuld-ner ist ausnahmsweise einmal nicht Missmana-gement und Börsenzockerei, sondern der schlichte Umstand, das die regenerativen Energieträger durch die gesetzlich geregelte bevorrechtigte Einspeisung in das Stromnetz sowie die tierisch hohen Subventionen nicht nur e-on „die Butter vom Brot nehmen“, son-dern allen großen Energieversorgern wie RWE, Vatten-fall, steag, EN-BW u.a.  Ein Umstand, den die Bundes-regierung sofort beenden könnte, wenn sie wollte. Stattdessen wird weiter der Ausbau regenerativer Energieträger und damit die Dauersubventionierung voranggetrieben. Allerdings hat die CDU schon an-gekündigt, das mit der Subventionierung nach dem  Gießkannenprinzip  2020 Schluß sein soll. Das EEG soll abgeschafft werden. Schön wäre es ja, schließlich fordern wir die Abschaffung schon seit der Einführung des Gesetzes im Jahre 2000.  Auch WKA-Betreiber müssen sich dann dem Markt stellen. Und da dürfte es dann viele Pleiten geben. Schließlich ist der Preis für Braun-und Steinkohle mit 3,2 bzw. 6,3 Ct je kWh unschlagbar günstig, während derzeit der Preis für eine Kilowattstunde Strom aus Windkraftanlagen Offshore bei rd. 19 Ct und Onshore bei 14,2 Ct. kWh liegt. Bisher wurde diese enorme Differenz durch Subventionen und damit auf Kosten des Steuerzahl-ers wegen der angeblichen Klimaerhöhung durch Co2-Emissionen bezahlt. Damit soll 2020 Schluß sein. Wir lassen uns überraschen.

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Quellenhinweise:

Die Zeit vom 9.3.2016; Der Spiegel vom 5.3.2015; Berliner Morgenpost vom 15.3.2017; Hamburger Abendblatt vom 15.03.2017; Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15.03.2017, wikipedia sowie RK-Redaktion vom 5.5.2017

Fotos: oben: wiki05, wikimedia commons, links darunter: Sebastian Schlüter, wikimedia commons

Soviel Zeit will e-on rund 1000 Beschäftigten allerdings nicht mehr einräumen. Sie sollen wegen der Verluste das Feld räumen, da e-on schon seit 2014 Verluste schreibt. Laut Handelsblatt waren es in 2014 3 Mrd. EUR, in 2015  7 Mrd. EUR und in 2016 nun ein Spitzen-verlust von 16 Mrd. EUR. Das es so nicht bis 2020 weitergehen kann, ist vor allem den Aktionären klar. Die Dummen dabei sind wie immer die  rd. 4.700 Mit-arbeiter von e-on. Und das ist keineswegs o.k.

Der Verdienst vor Steuern (Ebita genannt), lag in 2016 bei 3,1 Mrd. EUR und das bereinigte Ebita bei 2,8 Mrd. EUR ( nach Abschreibungen). Die Abschreibungen auf Anlagen und Wertberichtigungen nach Abspaltung der Kraftwerkssparte (heute Uniper Kraftwerke GmbH) beliefen sich in 2016 auf 10 Mrd. EUR. Mitte 2017 muß e-on darüber hinaus noch10 Mrd. EUR an den staat-lichen Atomfond zahlen, über den der Rückbau von Atomkraftwerken sowie die Endlagerung von abge- brannten Brennelementen durch alle Energiekon-zerne finanziert werden soll.

Und das ist nicht die einzige Baustelle, an der e-on zur Zeit arbeitet. Nicht nur, das es durch die regenerativ-en Energieträger derzeit ein Überangebot an Strom gibt (obschon dieses Überangebot nicht der Bedarfs-lage entspricht) und damit der Strompreis künstlich gedrückt wird, stellt ein massives Problem für alle Energiekonzerne dar, sondern e-on hat auch einen Verlust für seine russische Tochter aufgrund der der-zeitigen Rubelschwäche in Mrd.-Höhe hinzunehmen. Ferner stellte sich das e-on-Engagement in Spanien ebenfalls als Fehlinvestition heraus und mußte aus wirtschaftlichen Gründen bereits Ende 2014 abge-stoßen werden. Und e-on´s Ölsparte leidet ebenfalls unter dem massiven Preisverfall auf dem OPEC-Markt. Aufgrund der Energiewende befindet sich die Branche in einem grundlegenden strukturellen Umbruch. Das Heil suchen die Konzerne seit 2016 daher nun in staatlich garantierten Subventionen. Und deshalb ist auch e-on auf den Grünstromzug aufgestiegen. Aber gerade deswegen wird sich die Mitarbeiterzahl nicht halten lassen, weil die Öko-Branche nur wenige Mit-arbeiter benötigt.

E-ON Geschäftsbericht 2016

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Energieverbrauch legte 2016 etwas zu

dehweh, fotolia 2

Fakten sind etwas herrliches. Sie schaffen Wissen. So z.B. darüber, das der Anteil aller regenerativen Ener-gieträger am Primärenergieverbrauch der Bundes-republik in 2016 gerade einmal bei 12,6 % lag und damit im Verhältnis zu 2015 sich nur geringfügig um 0,2 % erhöht hat, während der überwiegende Anteil an der Strom-und Wärmeerzeugung aus fossilen Energieträgern stammt. Das zeigen die unten aufge-führten Statistiken der Arbeitsgemeinschaft Energie-bilanzen, die durch das Bundesministerium für Wirt-schaft und Energie Anfang Febr. 2017 veröffentlicht wurden. Darin ist auch deutlich ablesbar, das der An-teil von Windstrom an der Primärenergieerzeugung in 2016 gerade einmal bei schlappen 2,1 % lag. Mal abgesehen von den enormen Subventionen von 22, 8 Mrd. EUR in 2016 für erneuerbare Energien ist das ist erbärmlich wenig. Daher sprechen die Befürworter lieber auch von der sog. installierten Leistung, also der Leistung, die eine Windkraftanlage theoretisch erzeug en kann. Praktisch ist das in den meisten Monaten des Jahres aber ohne Relevanz, da entweder zu viel, zu wenig Wind oder gar kein Strom erzeugt wird. Und dann kommen da noch die physikalischen Gesetz-mäßigkeiten wie z.B. das V3-Gesetz für Strömungs-maschinen hinzu. Dieses Gesetz besagt, das die Wind-kraftanlagen bei einer Windgeschwindigkeit unter 50 % der Nennleistung nur ein achtel Ihrer Leistung er-bringen können, während bei einer Windgeschwindig-keit, die 100 % der Nennleistung entspricht, die Leist-ung um das achtfache der Nennleistung steigt. Da WKA nicht grundlastfähig sind und aus den dar-gelegten Gründen daher nur 16 % Ihrer Nennleistung in das Stromnetz im Jahresdurchschnitt einspeisen können, werden diese Anlagen auch in Zukunft nicht die Versorgungssicherheit Tag und Nacht garantieren können. Vor allem auch desalb nicht, weil es an der notwendigen Speichertechnologie fehlt. Batteriespei-cher, wie sie flächendeckend geplant sind, können nur für ganz kurze Zeit die Spitzenlast abdecken. Mehr nicht.

Primärenergieverbrauch 2016 differenziert B

oben: Primärenergiegesamtverbrauch in der Bundesrepublik Deutschland 2016 – Quelle: AG Energiebilanzen

Nettoimportabhängigkeit 2015 B

oben: Nettoimportabhängigkeit in 2015- Quelle: AG Energiebilanzen vom 20.12.2016

Etwas trauriger ist die Tatsache, das mittlerweile 88 % des Primärenergieverbrauchs an Steinkohle mittler-weile aus dem Ausland kommt. Ab 2019 wird der Anteil auf 100 % steigen. Das entspricht einer Kohlen-importmenge von rd. 58 Mio. T SKE. Beim heimischen Energieträger Braunkohle sieht die Lage aufgrund der grossen Lagerreichweite noch etwas entspannter aus. Hier wurden in 2016 nur 69,5 % an Braunkohle im-portiert. Insgesamt wurden in 2016 458,2 Mio. T Steinkohleeinheiten verbraucht. Das entspricht 13.427 Petajoule (Pj). Wie man der nebenstehenden Statistik entnehmen kann, ist der Verbrauch von 1995 bis 2016 nur unwesentlich zurückgegangen, trotz massiver Subventionen in die regenerativen Energieträger und diverser  erlassener Gesetze zur Einsparung von En-ergie. Die energiebedingten Co2-Emissionen stiegen nach Schätzungen der AG Energiebilanzen um 0,9 %. Die Minderungen bei der Kohle wurden durch den höheren Erdgas-und Mineralölverbrauch kompensiert

Noch ein Wort zur Quelle: das Deutsche Institut der Wirtschaft in Berlin erstellt zusammen mit der EEFA GmbH jedes Jahr für die Bundesregierung die Ener-giebilanzen. Diese werden von der Arbeitsgemein-schaft Energiebilanzen e.V. veröffentlicht. Die Energie-bilanzen sind ein zentrales Element der Energie-statistik. Sie werden nicht nur von der Bundesregier-ung herangezogen, sondern auch von Unternehmen und Verbänden der Energiewirtschaft und als wesent-liche statistische Datenbasis für Analysen, Prognosen und wirtschafliche Entscheidungen im Bereich der Energiewirtschaft verwendet.

Primärenergieverbrauch 1995-2016 B

Insgesamt basiert der Energieverbrauch in Deutsch-land nach wie vor auf einem ausgewogenen Energie-mix. Und solange der Anteil regenerativer Energie-träger nicht auf über 40 % steigt, wie sich die Bundes-regierung das wünscht, bleibt u.E. auch die Netz-stabilität erhalten. Das ist aber kein Grund, sich be-ruhigt zurückzulehnen, da unsere Gegner weiterhin darauf dringen, die Energiwende voranzubringen, ob-schon  gerade sie die Netzstabilität wegen der hohen Schwankungen schon heute immer wieder mal ge-fährdet. Da wir keine amerikanischen oder englischen Verhältnisse haben wollen, bleibt uns nichts anderes übrig, als immer wieder auf die tatsächlichen Fakten einzugehen und auf die Unnötigkeit einer politisch gewollten Energiewende hinzuweisen.

Quellenhinweise:

N.N.: Energiedaten: Gesamtausgabe, Stand Febr. 2017, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Berlin 2017; Presseinformationen der AG Energie-bilanzen Nr. 5 vom 20.12.2016 sowie RK-Redaktion vom 5.5.2017;

Foto: oben: dehweh, fotolia-Kauf

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March for Science: die Gedanken sind frei – auch für Klimaalarmisten

Zu Fakten gibt es keine Alternative, aber einhundert Meinungen, die mit denselbigen gerne schon einmal verwechselt werden. Der Berliner Marsch für die Wissenschaft war zwar grundsätzlich richtig, verzettelte sich aber im Protest mit vielen anderen Weltübeln.  


Berlin Brandenburger Tor


So auch z.B. die Berichterstattung des Hamburger Abendblattes vom 24.4.2017,  welche den Klimaarlam- isten aller Couleur eine saubere Wissenschaftshaltung attestierte, während die richtigen Klimawissenschaft-ler und ihre Ergebnisse als Klimaleugner und Klima-skeptiker bezeichnet wurden. Verkehrte Welt. >>>

foto Matthias Ahlke, Westf. Nachrichten

Der Protest war so bunt wie die rd. 10.000 Teilnehm-er, die am Marsch für die Wissenschaft in Berlin teil-nahmen. Die Mottos lauteten “ Im OP ist kein Platz für alternative Fakten“ und “ Man braucht im Leben nichts zu fürchten, man muß nur alles verstehen.“  (geklaut von Marie Curie) . Und in Hamburg, wo sich rd. 2000 Teilnehmer vor dem Rathaus versammelten, hielt man Plakate wie “ Wer nichts weiß, muß alles glauben“ oder „Wissen schafft Fakten“ in den blauen Himmel. Es ging gegen die Fakenverdreher und Verschwör-ungstheoretiker und für den Erhalt der Wissenschafts-freiheit. Wer inhaltlich den Aufruf der Organisatoren nicht vollständig gelesen hatte, bekam nach kurzer Zeit allerdings Orientierungsprobleme. Plakate gegen die Freiheitsbeschränker Trump und Orban waren noch verstehbar, aber das auch Klimaarlamisten reich lich vertreten waren und gegen die angeblichen Klima-leugner protestierten, konnte man nicht mehr so recht nachvollziehen. Diese Spezis wollten den Wiss-enschaftsprotest offensichtlich dafür nutzen, um auf den nächsten Klimagipfel hinzuweisen. Flugs berichtete das Hamburger Abendblatt von diesen Faktenverdrehern und behauptete, selbstverständlich ohne Quellenangabe, das 97 % aller Klimaexperten sich darin einig wären, das die globale Erderwärmung menschengemacht sei. Die Wahrheit ist das nicht. Das zeigt eine Protestliste von rd. 30.000 amerikanischen Wissenschaftlern, die sich seit einigen Jahren in einer Petition gegenüber dem ehem. Präsidenten Obama kontinierlich dagegen verwahrt haben, zu behaupten, das es sich bei der von Menschen gemachten Erder-wärmung ( die übrigens nicht stattfindet !) um eine ge-sicherte wissenschafltiche Faktenlage handelt. Dem wäre ganz und gar nicht so. Das zeigen die Mess-daten, die im „Gerichtsverfahren der Falszifikation“ aufgrund von Satellitenmessungen (und nicht nur aufgrund von konstruierten Messdaten, die durch den Weltklimarat IPCC „hochextrapoliert“ wurden) befund-sicher vorliegen. Danach gilt als wissenschaftlich ge-sicherte Erkenntnis, da sich das Klima seit rd. 4,6 Mrd. Jahren ständig geändert hat. Während im sog. Phan-erozoikum der Co2-Gehalt in der Atmosphäre  bei rd. 1200 ppm lag und daher ein üppiges Pflanzenwachs- tum bescherte, liegt der heutige Co2-Anteil in der Atmosphäre bei niedrigen 0,04 %. Das entspricht einem Anteil von 400 ppm, bezogen auf 10.000 Luft-moleküle.  Wie hoch davon der von Menschen ge-machte Einfluss genau ist, hat man bisher nicht ein-deutig wissenschaftlich nachweisen können. Er ist aber, gemessen an dem für das Pflanzenwachstum notwendigen Anteil, viel zu niedrig. Auch die These, das der antrophogen erzeugte Co2 -Ausstoß einen signifikanten Einfluss auf die Erderwärmung hat, kann nicht als gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis gelt-en. Das sagen z.B. renommierte Klimaexperten wie der Dipl.-Met. Klaus Puls, ehem.Leiter des Essener Wetteramtes, der Dipl.-Ing. Michael Limburg vom Europäischen Institut für Klima und Energie, Prof. Dr. Horst Lüdecke (Eike), Prof. em. Jan Erik Solheim von der Universität Oslo, Prof.Dr. Nicola Scafetta von der Universität de Napoli Frederica II sowie die Nobel-preisträger für Physik, Robert Laughin und Ivaer Gleavner, um nur ein paar zu nennen, die keineswegs nur eine Außenseitermeinung vertreten.   Die Klima- experten bezeichnen sich auch nicht als Skeptiker, weil man die Tatsache, das sich das Klima seit Mrd. von Jahren auch ohne Zutun des Menschen perma-nent verändert, schlicht nicht leugnen kann. Wiss-enschaft muß aber ständig die Entwicklung im Auge behalten und hinterfragen. Das ist ihre Aufgabe, um Erkenntnisse zu gewinnen. Und so wurden auch die Studienergebnisse des nicht-wissenschaftlichen Welt- klimarates unter die Lupe genommen und zahlreiche Fragwürdigkeiten hinsichtlich des Datenmaterials , der statistischen Methodik und der politischen Einfluss-nahme auf die Ergebnisse aufgedeckt. Davon wied-erum wollten die sog. Imfpgegner, Klimaapo-kalyptiker, die ständig „unsere Kinder“ auf den Lippen hatten und die Kommunisten, die mit ihrem riesigen Hammer und Sichel-Emblem aus längst verblichenen Zeiten vor der Profitwirtschaft warnten, nichts hören.

Dabei war der Grund für den Protest, der von der Humboldt-Universität Berlin organisiert wurde, ein durchaus ernst zu nehmender Protest gegen das Vor-dringen von sog. alternativen Fakten im Internet, in der Politik, in den neuen rechtskonservativen popu-listischen Kreisen (AfD, Besorgte Bürger, Pegida,)   und teilweise auch in den etablierten Medien. Lügen und Falschinformationen als alternative Fakten zu bezeich- nen ist schon ein starkes Stück. Angefangen hatte da-mit die Pressesprecherin des neuen US-Präsidenten Donald Trump vor 2 Monaten. Daher gingen viele Wissenschaftler auf die Strasse, um für die Freiheit in der Wissenschaft, für Demokratie und für eine evi-denzbasierte und durchdachte wissenschaftliche Argumentation zu werben. Da die Universitäten bei Otto Normalverbraucher aber oft als abgehoben und weit entfernt von ihrem Alltag stehend erlebt werden, wird man diesen in dieser „postfaktischen“ Zeit wahr-scheinlich nur schwer überzeugen können. Da haben es die Populisten und Verschwörungstheoretiker mit ihren Falschinformationen sowie Ängste und Vorur-teile schüren sicherlich viel leichter.

Front_Humboldt_Universität foto Ischias88, wikimedia commons

Von all dem Durch-und Nebeneinander von Fakten-leugnern und Verdrehern , „besorgten“ Bürgern,  Gen-technik-und Impfgegnern, Studenten, Kommunisten und richtigen Wissenschaftlern ließ sich der Vizepräsi-dent der Berliner Humboldt-Universität nicht irritier-en. Er erinnerte an die universalen Leitideen der Brü-der Humboldt und machte deutlich, das es zu Fakten keine Alternative geben kann. Alle Wissenschaftler seien aufgerufen, den freien Diskurs, der Widerspruch zulässt und nicht von der Politik für fragwürdige Re-formen vereinnahmt werden dürfe, unbedingt zu ver-teidigen. Er wandte sich mit diesem Hinweis an die Politik, die derzeit dabei wäre, zahlreichen Fächern an den Universitäten aus fiskalischen Gründen die Geld-mittel zu streichen. Dies gelte auch für die stiefmütt-erlich behandelte und dennoch notwendige Grund-lagenforschung. In Hamburg freute sich Uni-Präsident Dieter Lenzen über die grosse Teilnehmerzahl. Sie zeige, so Lenzen, das sich viele Menschen für die Wissenschaft engagieren und sich Sorgen machen, da sie die Wissenschaftsfreiheit durch die jüngsten Ent-wicklungen in Polen, in den USA und in der Türkei als bedroht ansehen würden.

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In Deutschland gingen beim Marsch für die Wiss-enschaftlichkeit und gegen Realitätsverdrehung rd. 37.000 Menschen in 22 Städten auf die Strasse. Weltweit gingen an über 600 Orten Menschen auf die Strasse, um deutlich zu machen, das es nicht egal ist, ob jemand gesichertes und wissenschaftlich be-gründetes Wissen vorträgt oder nur seine persönliche Meinung.

Quellenhinweise:

FAZ vom 03.05.2017; Cicero vom 01.05.2017; West-fälische Nachrichten vom 19.04.2017; Die Zeit vom 20.03.2017; 10. Klima-und Energiekonferenz Berlin 2017, in: Jahrbuch für Energiepolitik und Montankultur, Revierkohle (Jrsg.), Hamburg 2017; Hamburger Abendblatt vom 24.04.2017 und RK-Redaktion vom 05.05.2017

Fotos: oben: christophkadur, fotolia-Kauf; unten rechts: Humboldt Universität Berlin, Ischias88, wiki-media commons; unten links: protestierende Studenten peshkova, fotolia-Kauf mit Eigenänderung

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