Swing-Tanz auf Zeche Carl

Lindy Hop der 20er Jahre im Ruhrrevier


Young couple dancing swing: "Balboa" Style


Swing Tang -foto-lindypottde

Swing-Tanzpaar vor dem Malakowturm der 1929 stillgelegten Zeche Carl in Essen

Tanz in der Kaue Zeche Carl- foto- Gohl

Tanzvergnügen in der ehem. Kaue der Zeche Carl

Doppekfkammrohrkessel zur Dampferzeugung Zeche Carl, Kesselhaus abgerissen foto pillboxs

Reste des Doppelflammrohrkessels zur Dampferzeug-ung

swingender Bergmann, Bernd Schmidt Bergkamen- foto jürgen klammer_InPixio

der ehem. Steiger und begeisterter Swing-Musiker Bernd Schmidt aus Bergkamen

Zeche Carl Verwaltungs-und Kauengebäude foto- Walter Buschmann

Verwaltungs-und Kauengebäude der Zeche Carl 

Quellenhinweise:

vgl.hz.a. Bahnsen, Uwe: Swing-Jugend – Sie wollten doch nur tanzen, in: Welt vom 17.6.2012; Wikipedia.de Lindypott.de; Podbielski, Dirk: Lindy Hop- Damals und Heute, Hand-out, Hamburg 2014, Stölzle, Alexandra, Trost, Gabriele: Die Swing-Jugend, Planet-Wissen.de, ARD, Benz, Wolfgang: Jugend-und Studenten-opposition, in: Bundeszentrale für politische Bildung vom 9.4.2005 sowie Revierkohle-Redaktion vom 01.05.2017

Fotos: oben: Lainspiratriz, fotolia-Kauf; links darunter: Zeche Carl, LindyPott.de; darunter:Tanz in der Kaue, auf Carl gGmbH,; Doppelflammrohrkessel; pillboxs; Bergmann Schmidt; Jürgen Klammer, inpixio, Verwaltungs-und Kauengebäude Zeche Carl; Walter Buschmann

Filmtipp: Ladunen, Monica, Beyer, Wolfgang (Regie) : Schlurf – Im Swing gegen den Gleichschritt, Österreich 2007 

Was haben die Zeche Carl in Essen und der Swing-Tanz gemeinsam ? Antwort: beide hatten ihre Blüte- zeit in den 20er Jahren. Und beide haben bis heute überlebt. Zwar wurde die Zeche Carl bereits 1929 stillgelegt, aber als Denkmal und Kulturzentrum lebt sie heute in der Erinnerung fort. Und wo früher hart malocht wurde, wird heute gefeiert und getanzt. So z.B. am 13. Mai in der ehem. Kaue an der Wilhem-Nieswandt Allee. Und zwar nicht irgendwas, sondern getanzt wird im Stile der 20er Jahre. Die Rede ist von Swing. Genauer gesagt: von Lindy Hop, dem originär-en Jazz-Paartanz, der im Savoy-Ballroom in Harlem, New York, entstand. Der erste Ballroom ohne Rass-entrennung, wie sie in den USA üblich war. Lindy Hop ist wie gute Musik, die man sehen kann: rythmisch, dynamisch, improvisierend und natürlich nimmt sie emotional mit, denn sie erzeugt in kürzester Zeit gute Laune. Und das ganze wird von „Lindypott“, einer Dortmunder Swing-Tanzschule zelebriert.

Aber Lindy Hop ist noch viel mehr als nur ein Tanz.

Lindy Hop ist expressiv und im Verhältnis zum Stand-ard-Lateintanz unangepasst. Genau wie die Swing-Jugend im Dritten Reich. Ihr Wunsch nach Freiheit und ihre Abneigung gegen  den Marschschritt  und die Hitler-Jugend veranlasste sie zum zivilen Ungehorsam. Dieser kam zunächst nonverbal dadurch zum Aus- druck, das man den amerikanischen  Kleidungsstil so-wie Swing und Jazz bevorzugte anstatt Marschmusik. Die Männer trugen längere Haare und als Erkenn- ungszeichen einen Regenschirm. Frauen schminkten sich, trugen kürzere Röcke oder Hosen, lackierten sich die Finger und grüßten sich mit „Swing Heil“ anstatt mit „Sieg Heil“.  Für die Nazis galt die Musik als „ent- artet“ und die „Swing-Heinis“ als oppositionelle Jugendkultur, die dem „gesunden Volkskörper“ Schad-en zufügten. Daher ging der SS-Führer und Polizeichef Heinrich Himmler mit aller Härte gegen die Swing-Jugend vor, obwohl die 14-25 jährige Swing-Jugend doch nur tanzen wollte. Viele sog. Rädelsführer der Swing-Jugend wurden verhaftet und kamen ins KZ. Swing-Tanz war zwar offiziell verboten,  aber dieses Verbot wurde an vielen Orten in Deutschland nicht beachtet. Sogar die Wehrmachtsführung duldete im berühmten Berliner „Haus Vaterland“ den Swingtanz, um die Soldaten bei Laune zu halten.

Der Swing-Tanz ist zunächst ein im Hamburger Bild- ungs-und Großbürgertum auftretendes Phänomen, welches sich ab 1939 in ganz Deutschland rasch ver-breitete. In Leipzig und Erfurt wurde die Swing-Jugend als Meute und in Halle als Proletengefolgschaft  be-zeichnet, die ihren Ursprung im Arbeitermilieu hatte.  In Österreich formierte sich nach dem Anschluss an das Deutsche Reich die sog. Schlurf-Jugend.  In Ham-burg traf sich die Swing-Jugend bis 1942 vor allem im Alsterpavillon an der Binnenalster, welcher heute noch existiert.  Zu ihr gehörte übrigens auch der ehem. Bild-Chef, Axel Springer. Aber auch im gewerk- schaftlichen Bergarbeiter-Milieu des Ruhrgebiets, mit Schwerpunkt in Dortmund, wo sich viele Zechen sein-erzeit befanden, findet der Swing-Tanz begeisterte An-hänger, was nicht ganz ungefährlich war. Durch die zahlreichen Verhaftungen, insbesondere ausgelöst durch die am 18.8.1941 in Kraft gesetzte „Sofort-Aktion gegen die Swing-Jugend“ formierte sich von der anfänglich unpolitischen Swing-Jugend eine politische Gegenkultur und stellenweise auch Opposition gegen das Nazi-Regime. So wurden z.B. zusammen mit der Weißen Rose in Hamburg oder zusammen mit den sog. Edelweißpiraten in Dortmund regimekritische Flugblätter  verteilt und Plakate aufgehängt. Der als Rädelsführer der Swing-Jugend eingestufte Ham-burger Günter Discher wurde 1943 in das Jugend-KZ Moringen eingewiesen.  SS-Obergruppenführer Rein-hard Heydrich, dem gefürchteten Chef des Reichs-sicherheitshauptamtes, plädierte in einem Brief an Himmler, das man die Swing-Jugend als feindlich  und asozial eingestellt einzustufen habe. Daher sollten sie für 2 bis 3 Jahre in ein Jugend-KZ eingewiesen werden, wo sie zunächst einmal Prügel erhalten und sodann zu scharfer Arbeit angehalten werden sollten. Es muß auch klar sein, so Heydrich, das die Swing-Jugend nie wieder studieren dürfe. Bei den Eltern ist nach-zuforschen, inwieweit sie diese anglophylen Tendenz-en unterstützt haben. Falls das der Fall sein sollte, müßten diese ebenfalls in ein KZ eingewiesen werden.

Der Swing bildete von Anfang an eine Gegenkultur gegen Unterdrückung, Rassismus und Gleichschritt und wird daher auch als socialer Tanz bezeichnet. Der betont lässige und dennoch gekonnte Tanzstil mit etlichen Abwandlungen läßt viel Raum für Individuali- tät und Improvisation. Durch den ständigen Wechsel der Tanzpartner betont er das Gemeinsame. Man achtet aufeinander. Hier liegt auch die Gemeinsamkeit mit den Bergarbeitern. Auch sie verbindet bis heute eine innere Solidarität, die weit über den Zechenalltag hinaus reichte und reicht. Auch der Swing-Tanz ist so gesehen viel mehr als nur ein Tanz. Er ist Ausdruck von Unangepasstheit, Freiheit und Lebensfreude.

mehr auf Lindypott

Kraftwerk Voerde wird komplett stillgelegt

steag-kraftwerk-voerde-100~_v-ARDFotogalerie

Nach 49 Jahren haben sich die steag-Chefs von ihrem Steinkohlekraftwerk in Voerde am 4.4.2017 verabschiedet. Die Konzernleitung hatte den sym-bolischen Ort ausgewählt, um nicht nur die end-gültige Stilllegung bekanntzugeben, sondern auch den Konzernverlust in Höhe von 221 Mio EUR für das Geschäftsjahr 2016. Das Kraftwerk wurde bis 2008 auch von der nebenan liegenden und eben-falls stillgelegten Steinkohlenzeche Walsum be-liefert. An der Trauerfeier nahmen nur 75 Beleg- schafsmitglieder teil. Der übrige Teil der 300 Mann starken Mannschaft war schon nicht mehr da. 50 Mitarbeiter werden für die endgültige Stilllegung noch benötigt, bevor auch sie verlegt werden oder in den Vorruhrestand gehen und im Kraftwerk die Lichter ausgehen.  

Dabei wurde steag-Chef Joachim Rumstadt in der Ver-gangenheit nicht müde, die Umweltfreundlichkeit,  die Modernität und die effiziente Arbeitsweise des  Kraft-werks zu betonen, in das man noch vor wenigen Jahr-en viel Geld investiert hatte. So wurde das Kraftwerk 1987 mit einer Rauchgasentschwefelungsanlage  so- wie 1989 mit einer Stickstoffoxidminderungsanlage nachgerüstet. Und in 2005 hatte man die Rauchgas-entschwefelungsanlage teilweise erneuert und 2006 eine Retrofitmaßnahme zur Leistungssteigerung vor-genommen. Es half alles nichts. Im Maschinenraum der ehem. Turbinenhalle mußte Rumstadt Anfang April 2017 die schlechte Nachricht bekanntgeben: das 2340 Megawatt starke Kraftwerk mußte stillgelegt werden, weil die Energiewende der Bundesregierung den Betrieb unrentabel gemacht hat. Jetzt kostet das Kraftwerk nur noch Geld. Allein für die Stillegung und den Rückbau hat die steag rd. 150 Mio. EUR zurück-gestellt.

Zunächst wird die Anlage trockengelegt. Das heißt, das alle möglichen Flüssigkeiten aus den Rohren und Maschinen entfernt und entsorgt werden müssen. Dann werden die Maschinen und Anlagen demontiert und verkauft. Die noch vorhandene Kohle wird auf andere Kraftwerke verteilt.  Dieser Prozess wird rd. 6 Monate Zeit in Anspruch nehmen. Danach beginnt der dreijährige Rückbau. Das Industriegelände wird da-nach wahrscheinlich verkauft.

voerde 2

steag

Bereits im Nov. 2016 hatte die steag das Aus für das Kraftwerk West mit den Blöcken 1und 2 zum 31.3. 2017 bekanntgegeben. RWE hatte die Stilllegung des Kraftwerks Voerde mit den Blöcken A und B zum Ende des ersten Quartals 2017 angekündigt und nunmehr realisiert. (vgl.hz. unsere RK-Beiträge)

Das Steinkohlekraftwerk Voerde wurde 1970/71mit den Blöcken 1 und 2 West in Betrieb genommen. 1982 wurde der Block A mit 710 MW Leistung und 1985 Block B mit ebenfalls 710 Megawatt-Leistung in Be-trieb genommen. Das Werk verfügt über 4 Kohlestaub gefeuerte Benson-Kessel und 4 Turbogeneratoren.  Die anfängliche Sorge der Bevölkerung in Voerde, das Kraftwerke würde ihnen im Umkreis von 25 km die Luft zum Atmen nehmen, erwies sich als unbegründ-et.  Das Kraftwerk arbeitete bis zuletzt effizient und umweltfreundlich. Änderungen wurden schon vor der Einführung neuer Umweltbestimmungen vorge-nommen. Das Kraftwerk Voerde galt mit seinem BVT-Standard (Best verfügbare Technik) als europäisches Vorzeigekraftwerk.

Aufgrund der verordneten Energiewende hat der steag-Konzern wie alle anderen Energiekonzerne in Deutschland seit Einführung des EEG im Jahre 2000 regelmäßig Verluste bei den von Ihnen unterhaltenen Kraftwerken eingefahren. Diese reagierten mit Out-ssorcing , Stellenstreichungen und Kraftwerksstilleg-ungen. Bis 2020 will steag von den rd. 6100 Arbeits-plätze 1000 abbauen. Aber auch bei den Kommunen  macht sich die schlechte Jahresbilanz bemerkbar. Sie bekommen anstatt 80 nur noch 55 Mio. EUR an Aus-schüttungen. Die Bundesnetzagentur hat der Still-legung zugestimmt, weil das Kraftwerk Voerde und das Kraftwerk West für die Aufrechterhaltung der Ver- sorgungssicherheit nicht systemrelevant ist. Nach Auskunft der IG BCE konnten soziale Härten sowie betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden. Das ist der einzige Trost bei diesem trostlosen Er-eignis. Zu erwähnen ist noch, das das Kraftwerk seit 1970 insgesamt 366.426.982 MWh (= 366 Terrawatt-Stunden) an Strom erzeugt hat. Mit dieser Strom-menge hätte man ganz Deutschland ein halbes Jahr mit Strom versorgen können. In den besten Jahren um 1980 herum beschäftigte das Kraftwerk noch 550 Mit-arbeiter. Bei Revisionsarbeiten wurden regelmäßig bis zu 600 Mitarbeiter zusätzlich auf Zeit beschäftigt. Vom wirtschaftlichen Erfolg partizipierten aber auch zahl-reiche Zuliefererfirmen, der Einzelhandel und natür-lich auch die Stadt Voerde mit ihren 37.400 Einwohn-ern sowie die Gemeinde Dinslaken.

steag_joachim_rumstadt foto-pr_InPixio

steag-Chef Joachim Rumstadt     Foto: PR

Man muß sich das einmal ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen: ein effizientes, umweltfreundliches und hochmodernes Kraftwerk wird zugunsten von Windkraft-und Photovoltaik-Anlagen stillgelegt, ob- schon diese nicht in der Lage sind, die Grundlast sich- er Tag und Nacht zu gewährleisten. Und außerdem ist der Strom, der aus regenerativen Energieträgern ge-wonnen wird, nicht speicherbar. Und immer wieder wird die absurde Behautpung aufgestellt , das Ganze geschehe, um den Co2-Ausstoß zu verringern, damit sich das Klima nicht noch weiter erwärmt.  Absurd, weil es keinen wissenschaftlich belegten und signifi-kanten Einfluss zwischen antrophogen verursachtem Co2-Ausstoß und einer daraus resultierenden Klima-erwärmung gibt.  Die durchschnittlichen Jahrestemp-eraturen haben sich trotz einer Verdreifachung der Co2-Emissionen seit 2008 nicht erhöht. Das wirft also diese steile Hypothese über den IPCC-Misthaufen, auf dem sie entstand. Ironie der Geschichte: Kohlekraft-werke erweisen sich trotz schlechter Zahlen als Kurs-raketen an der Börse. RWE plus 30, Uniper plus 50 Prozent. Im Durschnitt haben die Kohleaktien mehr als 30 Prozent im DAX 30 zugelegt. Analysten wie z.B. JP Morgan dämpften aber sogleich wieder die Eupho-rie und verwiesen auf die hohen Pensionslasten, die die Energiekonzerne RWE und E-ON bzw. Uniper als neue Tochter für die rd. 40.000 Mitarbeiter sowie für Rückstellungen in den nächsten Jahren zu wuppen hätten. Die reine Hoffnung auf eine weitere Steig-erung der Strompreise dürfte wahrscheinlich auch für Zocker an der Börse zu wenig sein.

Quellenhinweise:

vgl.hz.a. Manager-Magazin vom 31.3.2017; Ahlborn, Detlef: Energiewende gescheitert, in: vernunftkraft.de vom März 2017, steag-Pressemitteilung vom 4.4.2017; WDR vom 4.4.2017; Neue Ruhr-Zeitung vom 20.1. 2017,  Westfalen-Post vom 01.04.2017; rp-online vom 4.4.2017 sowie RK-Redaktion vom 28.4.2017

Fotos: oben: ARD-Fotogalerie; Mitte: Revierkohle;

Truck Tracks Ruhr – Stadtrundfahrt mit Seitenblick

truck-tracks-ruhr-100~_v-ARDFotogalerie

Bereits im April 2016 startete in Oberhausen das Projekt“ Truck-Tracks-Ruhr“. In einem umgebaut-en LKW fahren die Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes „quer“ durch Revierstädte, die wie in einer Roadmovie-Show an ihnen vorbei-zogen. An sieben Stationen wurde halt gemacht. Über eingebaute Lautsprecher wurde dann ein Hör- spiel oder eine Toncollage ge- schaffen und damit der Blick auf die Stadt vertont. Bis zum Frühjahr 2017 hatte der Truck auch in Reck- linghausen, Duisburg, Dortmund, Mülheim, Bochum und Essen Halt gemacht.

ruhr

Die Wirklichkeit des Reviers wurde mit Truck-Track Ruhr künsterleri- isch im 10 Minuten-Takt gedeutet. Alle sieben Wochen hatten die Künstler ein neues Album über die rollende Bühne der Öffentlichkeit vorgestellt. Im April 2017 fand die letzte Fahrt statt.

tracks

Die originelle Idee, das Ruhrrevier einmal von der Seite zu erfahren, hatten Künstler der Kultur Ruhr GmbH. Die Gruppe „Urbane Künste Ruhr“, als Teil der Kultur Ruhr GmbH,  wollten die Realität zur Bühne machen und einen un-verstellten Blick auf das Ruhrrevier werfen. 49 Fahrgäste ließen sich durchs Revier schaukeln und zu vorher ausgearbeiteten vor Ort – Attraktionen karren, die keine sind: Zechenbrachen, Muckibude, Müll- verbrennungsanlage, Einkaufs- zentrum,  Busbahnhof usw. An den Haltepunkten gab es jeweils pass-end zum Ort ein Hörstück über Lautsprecher.

truck-track-ruhr-publikum-100 foto wdr

657px-Renault_Magnum_LKW_2010, Gregor Ter Heide -Elkawe, wikimedia_InPixio

Die Fahrgäste guckten neugierig aus dem großen Panoramafenster des umgebauten LKW´s, während die Passanten irritiert zurück-schauten. Ein köstliches Schau- spiel.

Am Haltepunkt “ Centro Oberhaus-en Einkaufszentrum“ erzählte ein ehemaliger Mitarbeiter der Gute-Hoffnungs-Hütte, die einst auf dem heutigen Gelände in OB stand und Arbeitsplätze für rd. 20.000 Stahl- arbeiter bot, von damals. Lang ist es her. Dann berichtet ein Arbeits-loser von Hartz IV und das nur die Starken auf dem Arbeitsmarkt eine Chance hätten. Die Fahrgäste sind berührt. So entstanden sieben Szenen einer Stadt, wie man sie besser nicht auf die Bühne be-kommen hätte.

Quellenhinweise:

urbanekuensteruhr.de; WDR vom 27.4.2016 und RK-Redaktion vom 28.4.2017

Fotos: oben: ARD-Fotogalerie; rechts darunter: Gregor Ter Heide (Elkawe), wikimedia commons, links darunter: WDR

Vorstandswechsel bei der Stiftung Zollverein

Stiftung nutzt den turnusmäßigen Wechsel zur wirtschaftlichen Optimierung des Weltkulturerbes


neues Duo Zollverein


Prof. Dr. Hans-Peter Noll, (unten) Geschäftsführer der RAG-Montan-Immobilien-GmbH und der Direkt- or des Ruhr-Museums auf Zoll- verein, Heinrich-Theodor Grütter (rechts), werden als neues Führ- ungs- Duo die Geschicke der Stift- ung Zollverein ab Juni 2018 lenken. Zur Probe tritt Noll schon ab dem 1. Okt. 2017 an, um probeweise der bisherigen Geschäftsführerin, Jolanta Nölle, über die Schulter zu schauen. Jolanta Nölle und Her- mann Marth werden ihr Amt im Juni 2018 abgeben.

portrait_nollhanspeter_InPixio

Button

Das Duo soll die Stiftung und das Ruhr-Museum stärker miteinander verzahnen, um so Synergieeffekte zu erzielen. Dazu gehört der Ab- bau von Doppelarbeiten etwa in der Verwaltung oder im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Auf Sicht wird es auch wahrscheinlich zu einem sozialverträglichen Personal abbau kommen, da die Kosten steigen und mehr Geld weder vom Land NRW, dem Landschaftsver- band  Rheinland noch von der Stadt Essen bereitgestellt werden kann. Der Führungswechsel und der weitere Ausbau auf Zollverein ist also in erster Linie ökonomisch getrieben.

Quellenhinweise:

vgl. WAZ vom 3.4.2017, RAG und Zollverein-Stiftung sowie RK-Redaktion vom 20.04.2017

Fotos: oben: Revierkohle; Prof. Dr. Noll: inpixio.de; Dir. Grütter: wiki- media commons, Mitte: Zeche Zollverein XII: Revierkohle    

 

gr__tter__theodor_honprof

zollverein-2

Zeche Zollverein, Hauptschacht XII. Die 1986 stillgelegte Zeche in Essen Katernberg wurde 2012 in den Stand eines UNESCO-Weltkultur- erbes erhoben. Die Anlage ist bis 2020 als Grubenwasserhaltungs- zeche weiter in Betrieb. Schacht, Schachtgebäude, die ehem. Kohl- enaufbereitung sowie diverse ehem. Werkstattgebäude sowie die ehem. Heizzentrale bilden den inneren Kern der Anlage.

Mit dem Führungswechsel soll ein- erseits die kontinierliche Arbeits- weise sichergestellt und anderer seits die Weichen auf Zollverein neu gestellt werden, so RAG-und Zollverein-Stiftungsvorstand Dr. Werner Müller.

Damit ist gemeint, das  die 1986 stillgelegte und 2001 zum Welt- kulturerbe erhobene Zeche zu einem integrierten Kultur-und Wirtschaftsstandort umgebaut  werden soll. Damit will man kont- inierliche Mieteinnahmen erzielen, weil die rd. 1,5 Mio. Besucher im Jahr nicht aursreichen, um das Denkmal auf Dauer in seinem jetzigen Zustand zu erhalten. Diese Entscheidung der RAG-Stiftung ist jedoch nicht neu, da die Stiftung Zollverein seit 2001 dem Master- plan des damaligen Architekten Rem Koolhaas folgt. Nun folgen weitere Schritte. Geplant ist der Bezug der neuen RAG-Verwaltung im Herbst 2017 mit 250 Mitarbeit- ern,  dann folgt der Neubau eines Hotels, der Aufbau einer sog. Designstadt mit Straßenbegleit- grün, die Einrichtung eines weiteren Kreativcentrums in den ehem. Kammgebäuden der Kokerei. Ferner sollen neue Frmen  auf dem ehem. Materiallagerplatz entstehen und der weiße SANAA- Klotz der Folkwang-Universität der Künste bezugsfertig werden.

Alle diese Maßnahmen mögen aus wirtschaftlichen Gründen not- wendig sein, bauästhetisch aber sind sie eine Todsünde, weil die neuen Gebäude, mit Ausnahme der RAG-Gebäude, einerseits den sinnlich erfahrbaren Funktionszu-sammenhang  der Zeche auf- hebeln und andererseits den Denk malcharakter von Zollverein in der Pheripherie in einer kaum noch zumutbaren Weise bis zur Un- kenntlichkeit u.E. zerstören werden

Was fehlt, ist der architektonisch verantwortliche Umgang mit dem Industrieerbe auch in der Pheri-pherie. Hier hätte man auf ein Baukonzept setzen müssen, das den Industriecharakter der Anlage betont und diesen nicht in zwei Welten teilt. Im inneren der Anlage wird das Bemühen um Erhaltung ersichtlich und im Außenbereich herrscht moderner Funktionalis- mus vor. Bei weiterer Ausweitung dieser phantasielosen Bauweise wird irgendwann der Förderturm von Schacht XII dann selber zum eigenartigen Fremdkörper mut- ieren. Das wäre ein hoher Preis für die Erhaltung des Denkmalschutz- es. Das es auch anders geht, zeigt der behutsame Umbau der ehem. Kaue zu einem Choreographie-Zentrum oder der Umbau der ehem. Sauger-und Kompressoren- halle zu einer Eventlocation. Diese Umbauten betten sich har- monisch in das bauliche Gesamt-gefüge ein. Das nennen wir vor- bildhaft. Alles andere ist reine Ökonomie und architektonische Plattheit.

Donald Trump macht Ernst mit der Energieunabhängigkeit

Coal miner showing lump of coal against a dark background

Auch wenn man dem neuen US-Präsidenten Donald Trump nicht nachsagen kann, er würde zum umsichtigen und diplomatischem Handeln neigen und das er mit seinen Gesprächspartnern einen wertschätzenden Um- gang pflegt, so muß man ihm dieser Tage für seine Entscheidung, der Kohle wieder ihre enorme Wichtigkeit für die amerikanische Versorgungssicherheit zuzugestehen, dennoch wirklich danken. Nicht, weil wir davon irgend- etwas hätten, schließlich verfolgt Trump einen protektionistischen Weg, sondern weil es auf die Signalwirkung ankommt, die das neue „Waters of the United States“- Dekret auf die energiepolitische Debatte in Europa wegen der angeblichen Gefahr des C02-Ausstoßes haben wird. Denn Trump spricht klar aus, was wir seit Jahr- zehnten vertreten: das es keinen  wissenschaftlich festgestellten signifikanten Zusammenhang zwischen antro- phogen erzeugtem Kohlenstoffdioxid und einer behaupteten Klimaerwärmung gibt. Er geht sogar noch einen Schritt weiter. Die von seinem Amtsvorgänger Barak Obama eingeleiteten unsinnigen Klimaschutzmaßnahmen, die in einem sog. Clean-Power-Plan zusammengefasst wurden, werden größtenteils korrigiert. Die Förderung alternativer Energien wird eingeschränkt,  die Kohle wird wieder begünstigt. Das Verbot, Landflächen für Berg- baubetriebe zur Verfügung zu stellen, wird aufgehoben. Auch werden die vom amerikanischen Umweltmini- sterium (EPA) verhängten CCS-Auflagen für Kraftwerke dahingehend ersetzt, als das andere und preiswertere Verfahren der Entstickung, Entschwefelung und der Rauchgasreinigung zugelassen werden, so wie es in Europa auch üblich ist. Das macht die Kohle wieder günstiger. Ob die von Herrn Trump beabsichtigte Arbeitsplatz- sicherung und Förderung im amerikanischen Bergbau dadurch wieder möglich wird, bleibt offen, da der Roh- stoff Kohle weltweit reichlich vorhanden ist und derzeit unter Preis verkauft wird. Wenn es aber um eine größere Unabhängigkeit von Rohstoffen geht, dann ist das für Amerika ein Weg, den wir gut verstehen können. Schließlich haben wir in Deutschland auch über Jahrzehnte allergrößten Wert auf die Versorgungssicherheit durch den heimischen Energieträger Steinkohle gelegt. Die Älteren unter unseren Leserinnen und Lesern werden sich sicherlich noch daran erinnern können.

Donald_Trump_by_Gage_Skidmore_3

US-Präisdent Donal Trump ver- sprach, arbeitsplatzabbauende Energie-Deregulierungen wieder zu beseitigen, die sein Vorgänger Ob- ama 2013 eingeführt hatte. Um- weltschutzverbände wollen des- wegen die neue Regierung verklag en. Sie sehen ihre Pfründe weg- schwimmen.

INDUS107

Bei der Unterzeichnung der „Ener- gy  Independence Executive-Order“ standen im Oval Office gestandene Bergleute Spalier. Ihnen gegenüber gab Trump das Versprechen ab, das er sie wieder in Lohn und Brot bringen werde. „Wir beenden den Krieg gegen die Kohle“, so Trump. Die rd. 53.000 US-Bergleute werd- en bei diesen Worten sicherlich Tränen in den Augen gehabt haben. Was aber zählt, sind Taten. Denn in der Realität investieren die amerikanischen Minenunternehm- en nach wie vor nur wenig und es werden weiterhin Kraftwerke stillgelegt und Minen geschlossen.

800px-Epaheadquarters

Das amerikanische Umweltmini-sterium (EPA, siehe oben), wurde angewiesen, die Bewertungen, wie Bundesbehörden die globale Er- wärmung (die nach wie vor nicht stattfindet, Anmk. der Redaktion), gem. dem nationalen Umweltpoli- tikgesetz (NEPA) zu berücksichtigen haben, aufzuheben. Gleichzeitig wurden die Inhalte aus dem Clean-Power-Plan auf der Internetseite der EPA gelöscht.

Diese Signale könnten auch dazu führen, das die Pariser Klimabe-schlüsse aufgeweicht oder sogar wieder beseitigt werden, wenn die Vernunft wieder Oberhand in der Energiepolitik gewinnt. Herr Trump könnte Motor einer solchen Ent- wicklung werden.

Environmental_Protection_Agency_logo.svg

Das allmächtige amerikanische Um weltministerium EPA wird durch den neuen Präsidenten Trump auf ein vernünftiges Maß zurechtge- stutzt. Und das ist gut so. Denn dieses Ministerium hat die Klima- zielpolitik mindestens genau so fanatisch verfolgt, wie das das Umweltministerium mit Frau Barbara Hendricks an der Spitze bei uns in Deutschland immer noch tut. Die Folge: Milliarden Dollar bzw. Euros wurden und werden zum Fenster hinausge-worfen, ohne das sich das Klima darum auch nur um einen Grad scheren würde. Auch die Co2-Be- lastungen sind nicht zurückge- gangen. Was aber nicht schlimm ist, da das von Menschen verur- sachte Co2 keinen messbaren Ein- fluss auf das Klima hat und im übrigen bitter benötigt wird, weil das Spurengas das Lebenselexier für alle Pflanzen schlechthin ist.  Je mehr davon, um so besser für Alle, weil die Pflanzen über die Photo-synthese den von uns allen benöti- gten Sauerstoff produzieren. Das will aber kaum einer glauben, ob- schon es in jedem Schulbuch steht.

Quellenhinweise: FAZ vom 03.03.2017 und 29.03.2017; Frankfurter Rundschau vom 30.03.2017; Berliner Zeitung vom 30.03.2017; Watts, Anthony: Trump unterzeichnet das Dekret zur Energie-Unabhängigkeit, in: Eike.eu vom 29.3.2017 und 01.04.2017; web.de vom 28.03.2017 sowie RK-Redaktion vom 19.04.2017

Fotos: oben: fotolia-Kauf; darunter links: Präsident Trump, Gage Skidmore, wikimedia commons, daneben: EPA-Hauptsitz Washington, Cool Caesar at English Wikipedia, in: wikimedia commons, EPA-Logo: wikimedia commons

Neue Zeche Westerholt

DSC01756

Seit Ende 2008 stehen die Förderräder auf der Zeche Westerholt (BW Lippe) still. Seit dieser Zeit wird das Ge-  lände in Herten bewacht und seit dieser Zeit sind zahlreiche Maschinen ausgebaut und durch die RAG- Tochter RAG Mining Solution ins Ausland verkauft worden. Am 30.4.2014 stellte Revierkohle den Antrag auf vorläufige Unterschutzstellung von Übertagegebäuden der Schachtanlage gem. §§ 2 u. 4 DschG NRW bei der unteren Denkmalbehörde in Gelsenkirchen. Mit Schreiben vom 19.8.2015 teilte uns die Stadt mit, dass die notwendigen Schritte  für eine Unterschutzstellung eingeleitet worden sind. Im Juli 2016 hat die Stadt Herten erste Pläne zur Umstrukturierung der alten Zeche bekanntgegeben. Und im April 2017 wurde der Öffentlichkeit das Stadter- neuerungskonzept „Hassel.Bertlich.Westerholt“ im Umweltministerium in Berlin vorgestellt. Ein Baustein dieses Konzeptes ist die Errichtung einer Energiezentrale auf der Zeche Westerholt.

zeche-westerholt-bergwerk-lippe-ac0038ba-3763-4e91-92a5-af234372db53

Der Masterplan sieht vor, das möglichst viele alte Gebäude der Zeche erhalten bleiben und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Trotzdem wird der Funktionszusammenhang nicht erhalten, weil auf dem Gelände ein Wohn-und Arbeitsquartier für rd. 1000 Menschen entstehen soll. Dadurch geht der Charakter der Zeche, wie er oben auf dem Foto noch zu sehen ist, unwiederruflich verloren. Das ist der Preis von Kompromissen.

So soll die Zeche zu einer Energiezentrale nebst Wohn-und Arbeitsquartier umgebaut werden. Durch das Gelände soll eine Allee des Wandel(n)s angelegt werden. Das bereits seit 2012 in Betrieb befindliche Grubengas-Blockheizkraftwerk wird demnächst an das Nahfernwärmenetz angeschlossen. Über dieses wird dann die gegenüber der Zeche liegende „Meist-ersiedlung“ beliefert. Durch die Grubengasverwert- ung werden bis zu 3, 6 Megawatt Wärme ins Fern- wärmenetz überführt. Die Menge reicht aus, um rd. 2000 Einfamilienhäuser zu versorgen. Nach dem Ver- siegen des Grubengases soll Grubenwasserwärme die Grundlage für die Wärmeversorgung der naheliegend- en Siedlung bilden. Das ist dann auch das Ende der Deputatkohlelieferungen in die ehem. Zechensied- lung. Auf der ehem. Bergehalde soll ein Wohnquartier um einen grünen Anger entstehen. Der ehem. Schacht 3 soll zu einem Aussichtsturm mit Gastronomie umge- baut werden.  Die Sanierung wird voraussichtlich rd. 280.000 EUR kosten. Die ursprünglich geplanten Ab- risskosten sollen dafür eingesetzt werden.

DSC01767

Der Bestand von Schacht 3 der Zeche Westerholt ist allerdings weiterhin bedroht. Er soll eigentlich ab- gerissen werden. Das Argument war und ist immer das gleiche: die Erhaltung ist dem Unterhaltsver-pflichteten wirtschaftlich nicht zuzumuten. So steht es im Denkmalschutzgesetz drin. Es ist die immer gleiche Kostenleier, die wie ein Totschlagargument daher- kommt und noch nie dazu beigetragen hat, ein wert- volles Denkmalobjekt als ein bedeutsames Baudenk- mal anzusehen. Bedeutsames reicht immer über die reine Kostenfrage hinaus, weil Kostbares nie in Geld aufgewogen werden kann. Wer ein offenes Herz und einen wachen Verstand hat, den werden Sachzwänge nie einengen. Wir appellieren daher an die Verant-wortlichen von RAG, Stadt Gelsenkirchen und Stadt Herten: erhaltet den Förderturm und macht aus ihm ein lebendiges Objekt der Erinnerungskultur. Die Bürgerinnen und Bürger werden es später einmal zu schätzen wissen.

BHKW Westerholt foto waz

Als erstes wurde auf BW Lippe die Anschließung des Grubengas-Blockheizkraftwerkes an das Nahfern- wärmenetz durch die beteiligten Akteure Fritz Henjes (Uniper Gmbh, v.l.n.r.), OB Frank Baronowski (Stadt Gelsenkirchen), Gerd Wagner (Mingas GmbH), Fred Topiak (Bürgermeister von Herten) und Volker Lindner (Stadtbaurat von Herten) gefeiert. Gegen Herrn Lind- ner hatten  wir übrigens in 2013 wegen des Ver- dachts der Interessenkollision  Strafanzeige und ein Diszplinarverfahren über unsere Kanzlei Abraham, Ebert & Kollegen aus Lüneburg wegen des Abrisses der Schachtanlage Schlägel & Eisen, Schacht 5, an- gestrengt. Zusätzlich hatten wir den Rechnungshof über Falschberechnungen im Zusammenhang mit den Abrisskosten versus Erhalt des Denkmalschutzes in- formiert. Drei Architekten aus Herten hatten hierzu ein umfangreiches Gutachten erstellt. Leider verliefen unsere Bemühungen erfolglos. Auf dem heutigen S & E-Gelände herrscht Tristesse, da nur noch eine Protegohaube und eine halbe Seilscheibe neben einer Parkbank  an den ehem. Schacht nebst seiner mar- kanten Wagenumlaufhalle erinnert. Auch dort wurde das Gesamtensemble unwiderruflich zerstört. Wir befürchten, das auch auf der Zeche Westerholt sowohl die Arbeitsatmosphäre als auch der Charakter des Bergwerks ebenfalls verloren gehen wird. Spätestens dann, wenn sich zahlreiche Gewerbe-betriebe und ein Gastronomiebetrieb im ehem. Schacht 3 niedergelassen haben. Kein Mensch wird sich in einigen Jahrzehnten dann noch daran erinnern, wie es einmal war und wer Garant für den Wohlstand und die Versorgungssicherheit in Herten war, da die Bedeutung der Gebäude sich ändern wird. Für die Erhaltung eines von uns als sehr wichtig angesehenen Geschichtsbewußtseins ermöglichen bedeutungsvolle Gebäude viel besser eine lebendige Rückbesinnung als nur Fotos oder Filme. Wenn Geschichte nicht mehr „greifbar“ ist, geht sie irgendwann verloren und wird bedeutungslos. Damit das nicht geschieht, müssen auch die interessierten Bürgerinnen und Bürger ein- gebunden werden, die mithelfen, das Geschichtsbe-wußtsein zu bewahren und dieses an die jüngeren Menschen weitergeben. Bisher leisten diese wichtige Erinnerungskulturarbeit unsere zahlreichen Knappen-vereine. Doch die ehemaligen Bergleute werden älter und sterben aus. Daher ist es wichtig, das auch „Berg-fremde“ mit der Bergmanns-und Bergbaukultur systematisch vertraut gemacht werden. Denn wenn die Geschichtsfackel und die Leidenschaft erlischt, dann ist in der Tat alles nur noch eine Frage von Kost- en und Nutzen. Bewahren wir uns daher „kommerzfreie Zonen.“

Nutzungskonzept Zeche Lippe

Auch das BW-Lippe-Umbaukonzept wird wie so viele ehem. Schachtstandorte aus dem KfW-Programm „energetische Stadtsanierung“  und aus dem EFRE – Förderprogramm 2 der EU mit finanziert. Insgesamt wurden bisher rd. 140 Projekte gefördert. Der von dem Architektenbüro Bob Gysin & Partner aus Zürich konzipierte Masterplan geht für die Umgestaltung der Zeche von Gesamtkosten in Höhe von mehr als 40 Mio. EUR aus, die überwiegend aus öffentlichen Fördertöpfen bezahlt werden sollen. Wie die Architektentruppe ans Werk geht, kann man sich an der neue HafenCity in Hamburg anschauen. Von der ruhrpotttypischen kleinteiligen Urbanität und Gemütlichkeit dürfte demnach wenig übrig bleiben. So ist unser Eindruck jedenfalls.

DSC02308

oben: das Gleisbett mit den entfernten Schienen in Gelsenkirchen-Buer-Hassel bildete den Verkehrsweg der ehem. Grubenbahn RAG-Bahn-und Hafen (BuH), der zur Zeche Westerholt führte. Die grünen Rohre links sind Bestandteil der mittlerweile abgerissenen Kokerei Hassel.                                                                  Foto: Revierkohle

Quellenhinweise: Masterplan Neue Zeche Westerholt, Pressemitteilung der Stadt Herten vom 7.7.2016; skyscrapercity.com vom 16.4.2017; WAZ vom 11.4.2017; Schreiben der Stadt Gelsenkirchen an Revierkohle aus 2013 und 2015 sowie RK-Redaktion vom 19.4.2017 

Fotos: oben und links unten: Revierkohle; daneben: WAZ, Funke-Medien-Service; darunter: Schacht 3, Revierkohle; Masterplan: Bob Gysin + Partner, Zürich 2016; 

Die Lithium-Lücke und ihre Bedeutung für die E-Mobilität

Trotz schlechter Erfahrungen bei anderen Nahverkehrsunternehmen will der Hamburger Verkehrsverbund in Sachen Elektromobilität aufrüsten. Eine Meta-Studie der Helmut-Schmidt-Universität und der Bundeswehr-Uni kommt zu dem Ergebnis, das das Hamburger Stromnetz eine solche Umrüstung verträgt


E-Bus


Seit Sept. 2016 haben sowohl die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) und der Hamburger-Ver- kehrsverbund (HVV) viel Geld in die Hand genommen, um neue Elektro-Gelenkbusse, die mit Batteriekraft fahren, in Betrieb zu nehmen. Allein in den VHH-Be-triebsbahnhof Bergedorf flossen in 2016 600.000 EUR für eine neue Elektrobus-Infrastruktur und die gleiche Summe soll in die Modernisierung des Betriebshofs HH-Schenefeld fließen, der bisher nur für vier Elektro- busse zum nachladen gerüstet war. Eine Meta- Studie der Helmut-Schmidt-Universität und der Universität der Bundeswehr kommen im Auftrag von VHH, Hoch- bahn Hamburg und Stromnetz Hamburg zu dem Er- gebnis, das das Hamburger Stromnetz für die Um- rüstung der Busse auf Batteriebetrieb gerüstet sei. In drei Umspannwerken könnte die zulässige Spitzen- last bis 2030 überschritten werden. Das aber nur bei ungesteuertem Ladevorgang. Ein smartes Lademana- gement sowie ein optimiertes Betriebsleitsystem incl. optimiertem Fahrverhalten durch die Busfahrer kann die benötigte Anschlussleistung für alle E-Busse durchaus reduzieren, so das Ergebnis der Studie.  Der Gesamtenergiebedarf aller Busbetriebshöfe der Hamburger Hochbahn beläuft sich auf rd. 132 Giga- wattstunden pro Jahr. Bis 2030 sollen rd. 1.600 E-Busse neu in Betrieb genommen werden. Wir wollen nicht in Frage stellen, ob das 10kV Mittelspann-ungsnetz für diese Umrüstung ausreicht, denn wir gehen davon aus, das die konventionell arbeitenden Grundlastkraftwerke auch in Zukunft für die  not- wendige Spannungsstabilität sorgen werden. Uns  interessiert mehr das Problem der Lithium-Gewinnung für die Batterien, da in Zukunft mit grösseren Bedarfslücken zu rechnen ist. Außerdem glauben wir, das der HVV das Ladeproblem unter-schätzt.

Elektrogelenkbus VHH

ein neuer 18 Meter langer VHH-Elektro-Gelenkbus des belgischen Herstellers Van Hool                     Foto: VHH

Quellenhinweise:

Der Spiegel vom 10.4.2017; Manager-Magazin vom 16.12.2015; Offenbacher Busfahrermagazin vom 24.3.2017; Züricher Tagesanzeiger vom 17.10.2016;  Kölnische Rundschau vom 18.01.2017; U. Langer: Kölner E-Busse haben Probleme bei Frost, in: Europäisches Institut für Klima und Energie vom 20.01. 2017; N.N.: Hamburger Stromnetz für den Ausbau der E-Mobilität gerüstet, in: Hamburg-News.de vom 27.3.2017; Detlef Schulz (Hrsg.): Metastudie Elektro- mobilität, Anforderungen an das Stromnetz durch E-Mobilität, insbesondere Elektrobusse in Hamburg, Hamburg vom 9.12.2016; Tagesspiegel (Berlin) vom 29.09.2015; Christian Hinkelmann (Hrsg.) : Nahverkehr Hamburg, Hamburg 2016; Schweriner Volkszeitung vom 01.06.2016, Focus vom 10.4.2017 sowie  Revierkohle-Redaktion vom 15.04.2017

Foto: oben: Scharfsinn86, fotolia-Kauf

Lithium, genauer: Lithiumkarbonat, gehört zu den Schlüsselrohstoffen der kommenden Jahrzehnte. Es handelt sich dabei um ein salzhaltiges Leichtmetall. Aus Lithiumkarbonat lassen sich Lithium-Batterien für Elektroautos herstellen. 2014 lag die weltweite Nach- frage  nach diesem knappen Rohstoff bei 183.000 Tonnen. Der Preis für eine Tonne Lithium liegt aktuell bei rd. 6.000 Dollar. Tendenz stark steigend. Dement-sprechen sind Lithium-Batterien sehr teuer. Die von den Berliner Verkehrsbetrieben eingekauften E-Busse sind mit rd. 700.000 EUR pro Fahrzeug doppelt so teuer wie ein Dieselfahrzeug. Außerdem sind die Batterien anfällig für Schäden aller Art. ( Ladevorgang, Wärme und Kälte etc.) Daher wurden die E-Busse von den Berliner Verkehrsbetrieben einstweilen wieder aus dem Verkehr gezogen. Die Praxistauglichkeit müssen auch die E-Busse der Schweriner Nahverkehrs betriebe erst noch unter Beweis stellen, da noch viel- erorts die benötigte Infrastruktur zum Aufladen der Batterien fehlen würde. Außerdem eignen sich die Busse für Überlandfahrten weniger, da die Reichweite der Batterien von 200 Kilometern begrenzt ist. Hinzu kommen die höheren Anschaffungspreise, was Aus- wirkungen auf den Ticketpreis haben wird, so Lothar Marzkeit, Prokurist der Schweriner Verkehrsbetriebe.  Diese Probleme haben die Hamburger Verkehrsbe-triebe durch den bereits an vielen Stellen vollzogenen Ausbau von Schnellladestationen mit geringeren Ent- fernungen zwar nicht, aber sie könnten bei entsprech- enden Wetterverhältnissen sehr viel schneller den gespeicherten Strom verlieren. Das jedenfalls haben die Kölner Verkehrsbetriebe erst jüngst erfahren dürfen. Die E-Bus-Flotte bekam kalte Füsse im Jan. 2017 und prompt klappte es mit dem Aufladen an den Endhaltestellen nicht mehr. Der Frost sorgte dafür, das die Kontakte der Ladestellen einfroren. Hinzu kommt, das im Winter mehr Licht verbraucht wird und die Heizungen im Bus im Dauereinsatz sind. Das er- zeugt einen enormen Energieverlust. Der Ladestatus darf außerdem die 60 % Marke nicht unterschreiten, weil dann die Lebenslaufzeit der Batterie verkürzt wird. Die Offenbacher Verkehrsbetriebe wollen ihre E-Busse daher nicht an Schnellladestationen an- schließen, sondern im vorgeheizten Depot über Nacht aufladen. Auch dort probiert man noch aus, wie man mit Belastungssituationen und Streckenlängen in Zu- kunft umgehen soll. In Zürich schaffen die E-Busse auch nur 150 bis 180 Kilometer Reichweite. Da ein Quartiersbus der Züricher Verkehrsbetriebe aber täglich bis zu 300 Kilometer zurücklegt, müssen die Testbusse zur Mittagszeit in die Garage zum fünf-bis sechsstündigen Aufladen. Dazwischen zuckelt der Dieselbus oder wahlweise auch der Oberleitungsbus durch die Stadt. Auch in Zürich kennt man das Lade-und Kälteproblem der Lithium-Batterien.

Sollten die  Verkehrsbetriebe mit Hilfe von Elektrobussen das Klima retten wollen, so können wir diesen schon heute versichern, das das nicht gelingen wird, weil man das Klima nicht beeinflussen kann. Es ist im übrigen auch nicht notwendig, weil keine Klimakatstrophe droht, die durch Menschenhand verursacht wird. Dafür drohen aber in Zukunft ungeahnte Preissteigerungen bei den Ticketpreisen, weil Lithium für die Herstellung von Batterien immer teurer werden dürfte. Dieses Problem hat der E-Autobauer Tesla Motors erst jüngst im Rahmen des Baus einer neuen Lithium-Gigafabrik erfahren dürfen. Anfang 2017 hat Tesla zusammen mit der Fa. Panasonic am Rande der Wüste von Nevada damit begonnen, eine Serienproduktion von Lithium-Batterie-zellen zu starten. Auch in Asien entstehen derzeit neue Batteriefabiken. Der Wettlauf um den knappen Rohstoff Lithium hat also begonnen. 500.000 Elektroautos will Tesla demnächst jährlich verkaufen. Das ist eine echte Konkurrenz auch für den öffentlichen Nahverkehr. Rund 70 % der Lithium-Vorkommen liegen in den struktur-schwachen und politisch instabilen südamerikanischen Ländern Chile, Argentinien und Bolivien, wo auch Billig-importkohle herkommt. Grössere Mengen von Lithium kann Tesla aufgrund der enormen Nachfrage und der Unerfahrenheit der Zuliefererfirmen derzeit nicht bekommen. Das ist ein Problem für den Autohersteller. Die Anwohner im bolivianischen Salar de Uyuno wiederum fürchten den Abbau von Lithium in der größten Salz- wüste der Welt durch die deutsche Firma K-UTEC Salt Technologies aus Thüringen.  Denn die Schönheit der Natur könnte durch den geplanten Abbau bald der Vergangenheit angehören. Das wäre für den bolivianischen Tourismus eine Katastrophe. Schon 2018 will K-UTEC AG 30.000 Tonnen Lithium pro Jahr fördern. In dem armen Land lassen sich aber nur höchstens 9 Mio. Tonnen Lithium gewinnen. Dafür muß die Umwelt enorm leiden. Denn die Produktion von Lithium ist nicht harmlos. Erst müssen einige Millionen Kubikmeter Lithium-Lösung aus den Salzseen in riesige Becken eingefüllt werden. In diesen verdunstet das Wasser. Anschließend wird aus der konzentrierten Lösung Lithium in mehreren weiteren Arbeitsschritten gewonnen. Man hofft auf Milliarden-profite. Das ist durchaus realistisch, weil die globalen Reserven an Lithiumsalzen bei nur 58 Mio. Tonnen liegen. Wirtschaftlich lassen sich davon allerdings nur rd. 35 Mio. Tonnen gewinnen. Mit anderen Worten: Lithium reicht nur für wenige Dekaden. Wenn alle Privatfahrzeuge auch noch auf Batteriebetrieb umgerüstet werden sollen, dann dürfte der Rohstoff noch schneller erschöpft sein. Aber mit solchen Problemen wird sich der Hamburger Verkehrsverbund wahrscheinlich nicht herumschlagen, denn ansonsten würde er ja eine andere Strategie verfolgen.

Lausitzer Revier: gutes Signal für die Bergleute

lausitzer

Braunkohle bildet seit mehr als 100 Jahren das industrielle Fundament der Lausitzer Wirt- schaft in Sachsen. Gleichzeitig ist die Braunkohleindustrie in Ostdeutschland der be- deutsamste Arbeitgeb- er. In den ostdeutsch- en Revieren arbeiten rd. 11.000 Menschen. Von der Braunkohle hängen insgesamt rd. 35.000 Arbeitsplätze ab. Die Lagervorräte reich- en mit  21,7 Mrd. T noch für viele Jahrzehnte aus. In 2015 wurden 1, 64 Mio. t Briketts, 4,85 Mio T Wirbelschicht- kohle und 0,17 Mio T Koks aus  ostdeutscher  Braunkohle hergestellt 

Fotolia_63547852_XS

Wie die Prognos AG aus Berlin in einer Studie ermittelte, ist die Braunkohleindu- strie in Ostdeutschland mit einer Wertschöpfung von über 2,4 Mrd. EUR pro Jahr ein wichtiger Stabilisator in einer ansonsten strukturschwachen Region. Dies trifft insbesondere auf die Lausitz zu. Mit einer Gesamtförderung von 178 Mio t in 2015 trug die Braunkohle aus Ost-und Westdeutschland mit knapp 40 % an der Primär- energiegewinnung in Deutschland bei. Rund 90 % der Gewinnung werden zur in- ländischen Erzeugung von Strom und Wärme eingesetzt. Es gibt daher keine Tran- sportrisiken. Die Braunkohle-Kraftwerke erzeugten in 2015 155 Mrd. Kilowattstund en Strom.  Sämtliche Kraftwerke verfügen über hochwirksame Entschwefelung-, Entstickungs- und Entstaubungsanlagen. Und solange keine Großspeichertechno- logie zur Speicherung erneuerbarer Energien zur Verfügung steht, wird die Braun- kohle auch in den nächsten Jahrzehnten der Garant für die Versorgungssicherheit auf dem Strom-und Wärmemarkt sein. Soweit die Faktenlage. Trotzdem steht die Braunkohle wie alle fossilen Energieträger politisch unter Beschuss, da sie angeb- lich durch den Ausstoss von Co2 zur Klimaerwärmung beiträgt und darüber hinaus Mondlandschaften nach der Auskohlung hinterläßt sowie Menschen ihrer Heimat beraubt. Greenpace spricht in diesem Zusammenhang gar von Vertreibung durch den Klimakiller Nr. 1.  Kurz vor der nächsten Bundestagswahl schaltet die Bundes-kanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel , jedoch plötzlich auf Verständnis um. Einen über- stürzten Ausstieg aus der Kohle wird es nicht geben. Die Klimaziele seien in der neuen Legislaturperiode zu konkretisieren. Trotzdem ist dieses Signal nicht positiv zu werten, da die Politik weiterhin an der sog. Energiewende festhält.

POLITIK WEIST DER BRAUNKOHLE EINE BRÜCKENFUNKTION ZU

frank kupfer, foto. cdu sachsen

Frank Kupfer (CDU-Sachsen)

Der CDU-Politiker stellte im sächsischen Landtag im März 2017 unmissverständlich klar, das die Braunkohle so lange weiter ge- braucht wird, so lange Wind-und Sonnenenergie nicht grundlast- fähig gespeichert werden kann. Er geht aber- wie auch die Bundesre-gierung- davon aus, das dies irg- endwann in den nächsten Jahren soweit sein könnte. Nicht anders sind seine Worte zu verstehen, wenn er davon spricht, das das Ziel weiterhin der Strukturwandel ist, der einen Ausstieg aus der Braun-kohleverstromung ermöglichen wird. Hier irrt u.E. Herr Kupfer ge- nau so, wie sein brandenburgisch- er Kollege, der CDU-Fraktionsvor-sitzende Ingo Senftleben und viele weitere Politiker.

Quellenhinweise:

Strukturentwicklung mit Braunkohle vorantreiben, Ingo-Senftleben-Internetseite (Archivartikel vom 11. 4. 2017) ; N.N. : Informationen und Meinungen, Bundesver band Braunkohle Nr. 2/17, IGBCE begrüßt Lausitzer Revierkonzept, in: IGBCE vom 30.03.2017, Presse-mitteilung der Lausitz-Energie-Bergbau AG (LEAG) vom 5.4.2017 und 30.3.2017, Berliner Morgenpost vom 31.03.2017, Greenpace-Magazin vom 31.3.2017; Braunkohle in Deutschland, DEBRIV 2015 (Hrsg.), N.N. : Bedeutung der Braunkohle in Ostdeuschland, Studie der Prognos AG, Berlin 2011 im Auftrag der Vattenfall AG, Pressemitteilung der CDU-Fraktion Sachsen vom 7.03. 2017 sowie Revierkohle-Redaktion vom 15.04.2017

Fotos:

oben: fotolia-Kauf, Fank Kupfer, CDU-Pressestelle, Ingo Senftleben, CDU-Foto

INDUS107

Die ostdeutsche CDU hat offen-sichtlich ein unverkrampftes und realitätsnahes Verhältnis zur Braun kohle. Dies zeigen die Äußerungen des CDU-Fraktionsvorsitzenden im sächsischen Landtag, Frank Kupfer, sowie des CDU- Fraktionsvorsitz- enden im brandenburgischen Land tag, Ingo Senftleben,  zu den neuen Abbauplänen der Lausitzer Ener- gie-Bergbau AG Cottbus (LEAG) bis 2031, einer ehemaligen Tochter des schwedischen Vattenfall- Kon- zerns. Die LEAG wurde 2016 vom tschechischen Finanzinvestor EPH übernommen. Revierkohle be- richtete  darüber bereits in 2016.

CREATOR: gd-jpeg v1.0 (using IJG JPEG v80), quality = 95

Ingo Senftleben (CDU-Brandenburg)

Trotzdem die LEAG Wort gehalten hat und einen neuen Grubenaus-bauplan mit Zukunftsperspektiven bis 2031 vorgelegt hat, glaubt auch Senftleben an die Energiewende und daher an den aus einer Sicht notwendigen Strukturwandel in der Energiewirtschaft. Trotzdem dankten beide Politiker der LEAG, den Tagebaubetrieb in den Revier- en  Reichwalde, Jänschwalde und Welzow Süd  noch bis 2023 weiter fortzuführen. Für die anschließen- de Renaturierung hat die LEAG rd. 1,5 Md. EUR zurückgelegt. Erforder lich sind wahrscheinlich aber rd. 3 Mrd. EUR.  Bis 2020 sind betriebs-bedingte Kündigungen ausge-schlossen. Das begrüßte das IG- BCE-Vorstandsmitglied Petra Rein- bold-Knape. Die Reviere brauchen eine verlässliche Perspektive, so die Gewerkschafterin. Niemand darf ins Bergfreie fallen. Die lang- anhaltenden Dunkelflauten der ver gangenen Wochen haben wieder- holt gezeigt, wie wichtig eine ver- lässliche, preisgünstige und hei- mische Stromerzeugung für die Versorgungssicherheit  und damit auch für den Wohlstand in Deut- schland ist, betonte der LEAG- Vorstandsvorsitzende, Dr. Helmar Rendez, auf einer Pressekonfer- enz im März 2017.  Er kritisierte die Energiepolitik der Bundesregier- ung, die die Energiewende auf dem Rücken der Braunkohle seiner An sicht nach austragen will. Das zeigen die Eingriffe in genehmigte Bestandsanlagen. Diese Politik der Verunsicherung muss das Unt- ernehmen in seinen Planungen berücksichtigen. Aus diesem Grund hat der Aufsichtsrat  ent- schieden, das es keinen Kraft-werksneubau am Standort Jänsch- walde und keine Inanspruchnahme des Zukunftsreviers Jänschwalde- Nord geben wird.

Lesen Sie hierzu mehr in un- serem nächsten Jahrbuch für Energiepolitik und Montankult- ur, welches Anfang 2018 er- scheinen wird.

Das Kapitel Bergbau und Kirche geht weiter

In Deutschland geht Ende 2018 das Kapitel Steinkohlenbergbau endgültig zu Ende. Kohle und Stahl bildeten im 20. Jahrhundert eine Einheit und haben das Ruhrgebiet erschaffen und geprägt. Grauer Himmel, graue Häuser, Russ-und Kohlenstaub überall, Lärm und schlechte Luft. Das war das Negativimage des Reviers. Aber es gab und gibt auch die positive Seite. Und das