Die Stromflaute droht

Kraftwerksbetreiber haben 69 Stilllegungen bei der Bundesnetzagentur beantragt


KW Bergkame, Britta Laser, fotolia 2


Aufgrund der vom Gesetzgeber gewollten bevor-rechtigten Einspeisung von Strom aus regenerativen Energierträgern und der bestehenden Abnahmever-pflichtung durch die Netzbetreiber unabhängig vom Bedarf sowie der damit zusammenhängende Verfall der Strompreise an der EEX-Börse in Leipzig  wird der Betrieb von Gas-und Kohlekraftwerken immer unwirtschaftlicher. 69 Atom-, Kohle-und Gaskraft- werke haben die Versorger daher bei der Bun- desagentur für Elektrizität, Gas, Telekommuni- kation, Post und Eisenbahnen (BNetzA) für Ende 2017 zur Stilllegung angemeldet. Die BNetzA muss nun prüfen, inwieweit die Versorgungssicherheit durch die Abschaltung gefährdet wird. Der Bundes- verband der Energie- und Wasserwirtschaft hat jedenfalls schon einmal Alarm geschlagen und warnt wie unser Partner, das Europäische Institut für Klima und Energie (Eike), vor einem Versor- gungsengpass.

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Gaskraftwerk mit Hinweisschild

Quellenhinweise:

Weltwoche vom 19.3.2017, in: europäisches Institut für Klima und Energie (eike.de) vom 20.3.2017; FAZ vom 24.02.2017; OVB-Online vom 01.03.2017; Focus vom 09.02.2017; Kraftwerksstilllegungsanzeigenliste der Bundesnetzagentur mit Stand vom 20.02.2017 sowie RK-Redaktion vom 21.03.2017

Fotos: oben: Steinkohlekraft Bergkamen: Britta Laser, fotolia-Kauf; Bundesnetzagentur: wikimeda commons unten: Gaskraftwerk Irsching; Peter Maszler, fotolia- Kauf

 

Wenn immer mehr Windkraft-und Photovoltaikanlag- en gebaut werden, dann kommt es zu immer grösser- en Schwankungen  im Stromnetz, denn Wind und Sonne gibt es nicht rund um die Uhr, sondern nur Tage-oder Wochenweise und manchmal, wie z.B. am 24. Jan. d.J., eben fast gar nicht. An diesem Tag fiel der Windstrom auf fast unter 1 Gigawatt Leistung und die Leistung der Photovoltaik-Anlagen fiel auf 2,3 Giga- watt. Der Bedarf lag aber bei 75 Gigawatt.  Generell  gibt es im Winter immer zu wenig Wind und Sonne. Und speichern kann man diesen Strom auch nicht. Daher springen bisher unsere konventionellen Kraft- werke ein und stellen die Grundlast zuverlässig zu jeder Tages- und Nachtzeit bedarfsgerecht zur Ver- fügung. Wenn nun aber immer mehr Kraftwerke vom Netz gehen, stellt sich irgendwann die Frage, wann der Kipppunkt erreicht ist, an dem die noch bestehen- den Kraftwerke nicht mehr in der Lage sind, Schwank- ungen kurzfristig auszugleichen. Die Aufgabe der Bundesnetzagentur ist es dabei, zu prüfen, ob sie ein Kraftwerk trotz beantragter Stilllegung dennoch weit- er in Betrieb halten möchte, da dieses oder jenes Kraftwerk systemrelevant ist. Das Kraftwerk wird dann zum Reservekraftwerk.  Das aber wiederum ist genau so teuer, als würde man dieses unter Vollast weiter laufen lassen. Systemrelevant meint dabei, das die Kraftwerke dazu beitragen, die benötigte 50 Hertz-Spannung im Netz als Taktgeber aufrecht zu erhalten, da regenerative Energieträger dazu grundsätzlich nicht in der Lage sind. 6.300 sog. Re-Dispatchmaß- nahmen (das sind händische Eingriffe in das Netz durch die Kraftwerksmannschaften) allein in 2016 zeigen, das die Bedrohung langsam realer wird, da die Schwankungen immer stärker werden. Hinzu kommt, das allein in den letzten fünf Jahren dank dem EEG 90 konventionelle Stromerzeuger bereits vom Netz ge- gangen sind.  Das hat Folgen. Eine Analyse der 4 Netz- betreiber kommt zu dem Ergebnis, das nach der end- gültigen Abschaltung der Atomkraftwerke in Bayern die Versorgungsstabilität gefährdet sein könnte. Sie schlagen der Bayr. Landesregierung daher den Bau von neuen Gaskraftwerken mit einer Leistung von 2 Gigawatt vor. Außerdem wäre das Stromnetz in Nord- Süd-Richtung an seine technisch zulässige Grenze ge- raten. Und da der Netzausbau noch mindestens bis 2025 dauern wird, droht die Instabilität und damit die Stromflaute, da es für den Zeitraum 2020 (Abschalt- ung des letzten AKW in Bayern) und 2025 (geplante Fertigstellung neuer Netze ) bei einem Netzausfall in Bayern keine Auffanglösung gibt. Um dies zu verhind- ern, sollen in aller Eile neue Gaskraftwerke errichtet werden, um einen drohenden Ausfall zu verhindern. Die Zeche für diese verfehlte Energiepolitik wird dem Verbraucher daher gleich dreimal aufs Auge ge- drückt.  (EEG-Umlagen, Reservekraftwerksumlage und erhöhte Gaskosten)

Derweil wird das Kraftwerkssterben dennoch weiter- gehen, da die Bundesregierung ernst jüngst die Emi- ssionsgrenzen für konventionell arbeitende Kraft- werke wieder einmal erhöht hat. Weil das erhebliche Umbaukosten zur Folge haben dürfte, legt man die Anlagen verständlicherweise lieber gleich ganz still. Notwendige Investitionen in den Kraftwerksneubau haben die meisten Betreiber auf Eis gelegt. Offensicht- lich hat auch die Bundesregierung die damit verbund- enen Gefahren erkannt und will nun dagegen lenken. Allerdings mit völlig untauglichen Mitteln. So sollen z.B. Elektroautos und Stromspeicherheizungen als Stromspeicher dienen.

Das wir hier übrigens keine Angstmacherei zu Gunst- en der Kohle betreiben, zeigt das Beispiel der Schweiz. Das Land ist heute schon nicht mehr in der Lage, sich im Winter selbst zu versorgen und daher auf Importe dringend angewiesen.  Eine solche Importabhängig- keit wird auch in Deutschland nach Stilllegung weiter- er Kraftwerke sowie der Schließung der letzten Zech- en nach 2018 Realität werden. Und sollte der Strom dann im Winter knapp werden, wird er eben be- sonders teuer. Wie das funktioniert, kann man in England studieren. Das Land hat sich ebenfalls in den letzten Jahren von der Windenergie abhängig gemacht. Bei Flaute kostet der Strom dann gerne einmal das Hundertfache. Stromintensive Betriebe haben dann keine andere Wahl und müssen ihre Produktion zeitweise aussetzen. Willkommen in der verrückten neuen Stromwelt.

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Bottrop – das zukünftige Armenhaus des Ruhrreviers

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Wenn man Bottrops Oberbürgemeister Bernd Tischler fragt, wie er den aktuellen Zustand seiner Stadt einschätzt, dann sieht dieser überall nur blühende Landschaften. Beispielhaft nennt er die gesunkene Arbeitslosigkeit, die hohen Investitionen, gestiegene Gewerbesteuereinnahmen und den ener getischen Stadtumbau. Mit anderen Worten: für OB Tischler läuft alles rund. Bei so vollmundigem Optimismus sind wir von Berufs wegen immer miss- trauisch. Vor allem dann,  wenn dieser im Zu- sammenhang mit dem Thema Energiewende vor- getragen wird. Wir haben daher einmal recherchiert und kommen – wie sollte es auch wundern – zu einem ganz anderen Ergebnis.  

Bernd Tischler, foto- heinrich jung-waz

hält den schwarzen Peter fest in der Hand: Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler (SPD)

Fangen wir bei den Arbeitslosen an. Vergleicht man die Arbeitslosenquote in den Ruhrgebietsstädten mit- einander, dann fällt in der Tat auf, das die Quote mit 8,0 %  mit Stand Jan. 2017 in Bottrop scheinbar niedrig ausfällt, verglichen z.B. mit Gelsenkirchen (14,2 %), Essen (12,1 %) oder Duisburg (13,3 %). Dennoch kann man nicht behaupten, das die Arbeitslosigkeit in Bott- rop gesunken ist, denn die Quote lag im Febr. 2016 bei 7,8 %. Und wie die meisten wissen, sagt die Ar- beitslosenquote nichts darüber aus, wieviele Bürger- innen und Bürger staatliche Leistungen tatsächlich empfangen. In keinem anderen Bundesland ist die Armut in den vergangenen 10 Jahren dank Hartz IV auch nur annähernd so stark gewachsen wie im Ruhr- gebiet. Mittlerweile gilt jeder Fünfte im Revier nach Ansicht des Deutschlandfunks als arm. Das sind eine Million Menschen. Hauptursache ist die Arbeitslosig- keit. Und die wird in Bottrop nach Schließung der letzten Zeche, Prosper-Haniel, mit Sicherheit die 10 %-Quote locker übersteigen. Der Landesbetrieb In- formation und Technik NRW kommt in einer Unter-suchung des Bruttoinlandsprodukts je Erwerbstätig- em zu dem Ergebnis, das die Stadt Bottrop mit 48.884 EUR pro Erwerbstätigem das Schlußlicht aller 22 unter suchten kreisfreien Städte in NRW bildet. Damit ist Bottrop noch hinter Euskirchen, Höxter und Heins- berg wirtschaftlich die schwächste Stadt. Das belegt auch die unterdurchschnittliche Kaufkraft (46. Platz ) und -trotz gegenteiliger Behauptung- die niedrige Quote bei Gewerbeneuanmeldungen. Sie lag Ende 2016 bei 57 Neuanmeldungen je 10.000 Einwohner. Im Landesdurchschnitt liegt die Gewerbeneuanmeld- ung bei 74,1 Firmen.

KVR, Arbeitslosenquote Jan

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Das Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop gehört noch zum größten Arbeitgeber in der Stadt und hat die Region nachhaltig geprägt. Wenn das Bergwerk Ende 2018 aus politischen Gründen stillgelegt wird, dann geht es auch mit der Stadt weiter bergab, denn die z.Zt. noch rd. 3000 Arbeitsplätze können auch mittelfristig nicht ersetzt werden. Damit gehen nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Aufträge an die heimische Wirtschaft in Millionen- höhe verloren.

Auch die von OB Tischler stolz vorgetragene energeti- sche Stadtsanierung und die damit zusammenhäng- enden hohen Investitionen stehen auf sehr wackligen Füßen. Denn ein nicht unerheblicher Teil  der Investi- tionen für den sog. klimagerechten Stadtumbau kommt aus öffentl. Fördertöpfen der NRW.Bank und wird vom Min. für Klimaschutz, Umwelt, Landwirt- schaft, Natur und Verbraucherschutz des Landes NRW gefördert und wandert in die Taschen von Handwerks betrieben, Solaranlagenbauer, Dämmstofffirmen und Wärmepumpenhersteller. Sie verdienen an diesem an sich unsinnigen Projekt sicherlich prächtig. Zukunfts- fähig wird die Stadt mit diesen Maßnahmen allerdings nicht. Denn die Ziele des sog. klimagerechten Stadt- umbaus sind reine Augenwischerei. Wie wir schon seit Jahren mit Hilfe von Klimaexperten immer wieder fundiert belegen, kann es kein gerechtes Klima geben, da der Mensch nicht in der Lage ist, dieses zu beein- flussen. Und schon gar nicht mit der vorgetragenen Absicht, durch eine Halbierung der Co2-Emissionen die Temperaturen in Bottrop absenken zu wollen, da es keinen wissenschaftlich belegten signifikanten Zu- sammenhang zwischen antrophogen erzeugtem Kohl- enstoffdioxidausstoß und der Erhöhung  der stati- stisch gemessenen Durchschnittstemperaturen gibt. Zumal diese in den letzten 18 Jahren trotz einer Ver- dreifachung der Co2-Emissionen nicht gestiegen ist.   Es ist reiner Öko-Glaube. Und wie wir an anderer Stelle in diesem Newsletter ebenfalls belegen, schafft die energetische Stadtsanierung bzw. die Beiträge zu einem grösseren Klimaschutz so gut wie keine neuen Arbeitsplätze.

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Erinnerung an eine glanzvollere Zeit: Bergarbeitersiedlung  Bottrop- Welheim

Seit 2010 wurden für das Projekt „Innovation City“ 2,7 Mrd. EUR an Steuergeldern bereitgestellt. Bottrop wurde von der MinPräs. Hannelore Kraft (SPD) sogar zur Modellstadt auserkoren. Von Innovation ist trotz- dem weit und breit kaum etwas zu sehen. Im Büro des Projekts Innovation City am Bottroper Bahnhof herrscht meistens Stille. Publikumsverkehr findet kaum statt. 2 Energieberater hocken dort und sollen den rd. 100.000 Einwohnern der Stadt erklären, warum ein C02-armes Haus besonders innovativ ist und warum damit das Klima gerettet werden kann.  Die Pressestelle beschäftigt dafür aber sogar 5 Mit- arbeiter. Etwa 290 Mio. EUR sind bisher in energie- sparende Projekte investiert worden. Davon gab das Land rd. 95 Mio. EUR dazu. Dazu kommen verbilligte Kredite und weitere Fördermittel von der staatlichen KfW-Bank. Zu den geförderten Projekten gehört übrigens auch die Gestaltung von Haus-und Gewerbe- gebäuden mit einem frischem Anstrich sowie die Gart- engestaltung im Rahmen des sog. Haus-und Hoffläch- enprogramms. Was daran innovativ sein soll, er- schließt sich wahrscheinlich erst bei längerem nach- denken.

Und da die Stadtverwaltung Probleme mit der Kofinanzierung hat, können weitere bereitstehende Fördermittel aus dem Innovation-City-Programm nicht abgefordert werden. Das Haushaltsbudget läßt es nicht zu. Komisch, wo doch nach Ansicht von OB Tischler die Gewerbesteuereinnahmen reichlich fließen. Damit der lahme Gaul wieder auf Trab kommt, will der Initiator und Geschäftsführer des Innvotion-City-Projekts, Oberhausens früher- er Oberbürgermeister Burkhard Drescher (SPD), zusammen mit dem fragwürdigen Wuppertal Institut für Kli- maforschung den klimagerechten Stadtumbau nunmehr auf das gesamte Ruhrrevier übertragen. Der Industrie-beirat kriegt bei dieser Vorstellung sicherlich feuchte Augen. Wir auch. Allerdings können wir nur heulen bei so- viel Unsinn und reiner Steuerverschwendung. Denn die Gemeinden müßten nur das Personal bereitstellen, so Sebastian Bittrich, Sprecher des Innovation-City-Projekts.

Quellenhinweise:

Schraven, David: Das Milliarden-Versprechen, in: Correktiv.org vom 21.7.2016; NRW.Bank, Düsseldorf 2016; WAZ vom 30.01.2017 und 09.03.2017;  FAZ vom 22.11.2016; N.N.: Bottrop: wirtschaftlich schwächste Stadt in NRW, in: Die Linke, Kreisverband Bottrop, Pressemitteilung vom 7.3.2017; Deutschlandfunk vom 7.8.2016 und RK-Redaktion vom 20.03.2017

Fotos: OB Bernd Tischler: Heinrich Jung; Bergwerk Prosper-Haniel: Revierkohle; Bergarbeitersiedlung Welheim: Nati Sythen, wikimedia commons

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Verlassene Orte im Ruhrrevier

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Einst war der Bergbau das Herz der deutschen Wirtschaft und der Jobmotor. Anfang der 50er Jahren beschäft-  igten die damals noch zahlreichen Zechengesellschaften rd. 600.000 Mitarbeiter. Die Steinkohlenreviere er- streckten sich über das Ruhrrevier, den Niederrhein, das Saarländische und das Aachener Revier bis zum Deist- er in der Nähe von Hannover. Die meisten der rd. 150 wunderschönen alten Zechengebäude sind in den 60er und 70er Jahren dem Erdboden gleich gemacht worden. 19 Gebäude konnte Prof. Dr. Karl Ganser in seiner in den 1970er Jahren aufsehenerregenden Aktion „IBA-Emscherpark“ als Zeitzeugen einer glanzvollen Industrie- epoche dem Abrissbagger entreissen. Sie gehören heute zum Fundus der Landschaftsverbände und stehen unter Denkmalschutz. Aber es gibt auch noch Industriegebäude, die seit Jahren stillstehen und eine gespensti- sche Schönheit entfalten. Dazu gehört z.B. Schacht 1 der 1957 stillgelegten Preussag-Schachtanlage Klosterstoll- en in Barsinghausen. Im Deister unterhielt die Preussag 39 Stollen und 17 Schächte. Man mag es kaum glauben, aber in der kleinen Provinzstadt Barsinghausen waren bis 1921 zeitweite über 2.000 Bergleute angelegt ge- wesen. Schacht 2 ist heute ein Besucherbergwerk und wurde 1986 ehrenamtlich wieder aufgewältigt. Eine solche Reaktivierung haben viele der alten und vergessenen Industriegebäude und Anlagen nicht erfahren. Ihnen droht früher oder später der Abriss. Der Fotograf Peter Untermaierhofer hat in seinem wunderschönen Bildband 15 “ vergessene Orte im Ruhrgebiet“ als Beweise einer untergegangenen und erfolgreichen Zeit ab- gelichtet und zeigt die eigenartige Ästhetik des Verfalls. Da sich an den Orten keine Mernschen aufhalten, hat der Fotograf diese Orte als „Lost Areas“ richtig gekennzeichnet.

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Zu diesen verlassenen Orten zählt die erst zum 31.12.2016 stillgelegte Schachtanlage Auguste-Victoria in Marl. Nach über 116 Jahren Kohle-förderung wurde die Zeche aus politischen Gründen stillgelegt. Auf dem Gelände soll Log-Port, ein langweiliges Containerterminal, entstehen. Ob die Fördertürme über den Schächten 3/7 erhalten bleiben, steht noch in den Sternen. Ebenso unsicher ist es , ob das mar kante Fördergerüst über Schacht 8 in Marl-Lippramsdorf, das  in der Form eines grossen „A“, weithin sichtbar ist, erhalten werden kann.

Schacht Gerd, BW Walsum

Eine gespenstische Schönheit ent- faltet auch Schacht Gerd in Duis- burg-Homburg. Der Wetter-und Materialschacht gehörte einst zur Zeche Rheinpreußen und zuletzt zum Bergwerk Walsum, welches am 30.6.2008 stillgelegt wurde. Der 1955 errichtete Stahlfachwerk-Förd erturm über Schacht  VIII gilt als Landmarke und wurde von dem Zechenbaupionier Fritz Schupp gestaltet.

Rheinpreussen 1-2

Jahrzehntelang brüllten, pfiffen u. brummten die Maschinen und Stromumwandler auch in diesem Malakowturm von 1857 der Zeche Rheinpreußen. Der gemauerte Förderturm über Schacht 1 wurde zusammen mit Schacht 2 1963 stillgelegt. Die Gesamtanlage von Rheinpreußen wurde 1971 stillge- legt. Sowohl der Malakowturm als auch das noch bestehende Verwaltungsgebäude in Duisburg befinden sich in einem Dorn- röschenschlaf. Nur ein ehem. Werk stattgebäude wird noch genutzt. Der Parkplatz und die Fläche des abgerissenen Schachtes 2  bilden heute eine Brachfläche.

vorbei, vorbei – in Trümmern liegt die Zech, so trutziglich gefügt, kaum kündet noch ein Mauerrest, vom Wall der einst so stark und fest.   

Heinrich Kämpchen, Arbeiterdichter und Bergmann

aufgegebene RAG-Verwaltung

Ebenfalls verlassen liegt das ehem.Verwaltungsgebäude der Schachtanlage Rheinpreußen 1/2 in Duisburg samt Parkplatz im Dornröschenschlaf. Sollte sich kein Investor für dieses wunderschöne Gebäude interessieren, wird es wahrscheinlich abgerissen werden.

 

 

vergessene Orte im Ruhrgebiet

Fotos: Revierkohle; AV 3/4 und Schachtgebäude Holland 4: Ingo Bornemann/LostAreas.de, wikimedia commons 

aufgebebene RAG BuH-Gleise

Phantasien und Sehnsüchte werd- en oft beim Anblick stillgelegter Bahngleise wach. Wie hier die still-gelegte Grubenbahnstrecke der ehem. RAG-BuH, die zur Schacht-anlage Rheinpreußen 4 führte und heute im Nirgendwo endet.

Der Fotograf Peter Untermaier- hofer hat in einem beeindrucken- den Bildband 15 verlassene Indu- strieorte  besucht und für die Nachwelt festgehalten. Das Be- sondere an diesem mit Texten des Historikers Dr. Thomas Parent ver- sehenen Bildbandes ist die Art der Aufnahmetechnik. Die Fotos wur- den unterschiedlich belichtet, früh Morgens aufgenommen und dann „übereinandergelegt.“ Das wirkt zunächst etwas bizarr. Aber beim zweiten draufschauen wirken die Fotos dann fast wie ein Gemälde. Für Industrie-Romantiker und Kunstästheten ist der Bildband ein echer Volltreffer.

Der Band ist im Mitteldeutschen Verlag erschienen und kostet über amazon 24,95 EUR.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zeche_Holland_Schacht_4-5, ingo bornemann - lostAreas.de_InPixio

2015 wurde die alte Schachthalle unter dem Förderturm der Zeche Holland in Bochum-Wattenscheid abgerissen, weil sie vollkommen marode wahr. Besorgte Bürgerinn- en und Bürger setzen sich nun da- für ein, das wenigstens das Schachtgerüst von 1927 über Schacht 4 der 1980 stillgelegten Zeche erhalten bleibt. Die Anlage Holland 1/2 mit zwei alten Malakowtürmen aus dem Jahre 1855 konnten vor dem Abriss bewahrt werden und wurden zu einer Luxuswohnanlage umgebaut.

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CDU will EEG-Förderung einstellen

EEG Abschaffung

Rechtzeitig vor der nächsten Bundestagswahl am 24. Sept. 2017 will die CDU die fehlgeleitete Energie wende korrigieren. Sie plant das Ende des Erneuer- bare-Energien-Gesetz (EEG) für alle neuen Öko- stromanlagen bis 2021.

Die Verbraucher sollen mit Hilfe von neuen Fin- zanzierungsmodellen entlastet werden. Fairerweise muß man der CDU gegenüber eingestehen, das sie diese vernünftige Idee schon 2014 hatte. Damals hatte eine von der Bundesregierung ins Leben geruf- ene Expertenkommission unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Dietmar Harhoff von der Universität München in einem Gutachten festgestellt, das das EEG weder zum Klimaschutz beiträgt noch dazu führt, das im Tech- nologiebereich neuartige Technologien entwickelt werden würden. Vielmehr sorge das EEG dafür, das die Kosten für die Stromerzeugung  immer weiter stei- gen würden. Das gleiche sagen wir schon seit 2000. Nun aber kommt wieder Bewegung in das Thema.

Wahlkampfversprechen oder tatsächliche Einsicht in die Sinnlosigkeit der Energiewende ?

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Joachim Pfeiffer (CDU), seines Zeichens MdB und Vorsitzender des Bundesfachausschusses Finanzen, Wirtschaft und Energie, forderte bereits Ende 2016, das die Subventionen aufhören müssen. Wind-, Solar-und Biogasanlagen müßten künftig auf eigenen Beinen stehen. Sprich: sie müßten sich dem Wettbe- werb stellen.  Die CDU will nunmehr bis zur nächsten Wahlperiode ein Konzept entwickeln, das den Ausstieg aus der EEG-Förderung regeln soll.

Hewlett-Packard

Eine Verschärfung der Anforderungen gegenüber den Immobilienbesitzern hinsichtlich weiterer Dämmmaß-nahmen soll es auch nicht geben. Damit reagiert die CDU auf einen Beschwerde von Vertretern der Indu- strie. Erfreulich ist ferner an dem CDU-Positions- papier, das die Wettbewerbsbedingungen für die kon- ventionellen Stromerzeugungsarten  vereinheitlicht werden sollen, da die Industrie auf konkurrenzfähige Energiepreise angewiesen ist. Das könnte im Ergebnis dazu führen, das die Kohlekraftwerke stärker sub- ventioniert werden müssen. Kein Wunder, warum die Grünen der CDU vorwerfen, die Energiwende aus- bremsen zu wollen. Die vorangestellte Frage, ob es sich bei der Ausstiegs-Planung der CDU aus dem EEG um ein durchschaubares Wahlversprechen oder um eine tatsächliche Einsicht in die Notwendigkeit einer Abschaffung des EEG handelt, läßt sich leider nur mit einem faden „nein“ beantworten. Wirkliche Einsicht hat offensichtlich nur der Wirtschaftsflügel der CDU, dies aber wohl nur aus Kostengründen. Die Bundes- kanzlerin und weite Teile von CDU und SPD halten an der Energiewende nach wie vor eisern fest. Die CDU glaubt auch weiterhin wie die Grünen  beharrlich an das Wunder einer Großspeichertechnologie, die es angeblich ermöglichen wird, Strom aus regenerativen Energieträgern bedarfsgerecht speichern zu können. Dieser Glaube ist u.E. genau so irrational wie der Glaube, man könne den Anstieg der durchschnitt- lichen Jahrestemperatur, so sie denn stattfindet, auf 2 Grad für immer begrenzen.

Zwar will sich die CDU nicht in Gänze von ihrer ver- fehlten Energiewendepolitik verabschieden, aber man will zumindestens die Folgen dieser Politik für Ver- braucher und die Wirtschaft stärker berücksichtigen. Will heißen, das man ein Bedarfsmonitoring einführen will. Verändert sich die Bedarfslage, sollen auch die Ziele angepasst werden. Auch will man die Kritik des Bundesrechnungshofes an den aus dem Ruder laufenden Kosten für die Energiewende künftig ernst- er nehmen. Die Absage an Überlegungen zur Ein- führung einer Co2-Steuer ist mehr als vernünftig. Ansonsten hätte die CDU sicherlich nicht nur von Seiten der Industrie große Probleme bekommen, sondern schon aus rein plausiblen Gründen. Schließ- lich kann man keine Steuer erheben für etwas,  wofür es keinen Grund gibt. Denn es ist nun mal Fakt, das es keinen signifikanten und wissenschaftlich erhärteten Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und der Zunahme von menschlich verursachten Kohlenstoff- dioxid-Emissionen gibt. Das Klima macht schließlich seit 4,3 Mrd. Jahren eh was es will. Und vor 1000 Jahr- en waren die Co2-Emissionen übrigens deutlich höher als heute. Und da gab es uns Kohlenfreunde noch gar nicht.

Quellenhinweise:

top agrar-News vom 29.11.2016; PV-Magazine.de vom 19.01.2017; Focus vom 29.11.2016; FAZ vom 25.02.2014 und 19.01.2017 sowie RK-Redaktion vom 18.03.2017

Fotos: Bundestagsadler: svg, wikimedia; Der Umwelt zuliebe: VRD, fotolia-Kauf;

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Die Energiewende- eine Erfolgsgeschichte ?

      Die Bundesregierung sagt ja – wir sagen …


Fotolia Massimo Cavallo - mitnichten


Da reibt sich der Fachmann/die Fachfrau die Augen und der Laie wundert sich. Was soll er/sie denn nun glauben ?  Einerseits behauptet die neue Bundes- wirtschaftsministerien Brigitte Zypries (SPD), das die Energiewende eine Erolgsgeschichte wäre und macht das in einer jüngst erschienenen Broschüre an Zahlen deutlich. So wäre der Ökostrom-Anteil auf 32 % gestiegen, die Strompreise für die privaten Haushalte hätten sich stabilisiert und überhaupt sei die Energiewende nachhaltig, bezahlbar und ver- lässlich. Ein ganz anderes Bild entwirft die Unt- ernehmensberatungsfirma McKinsey. Sie hat die Ver änderung von 15 Energiewende-Kennzahlen zwisch- en 2015 und Herbst 2016 miteinander verglichen und stellt fest: die Energiewende ist keineswegs erfolgreich. Ganz im Gegenteil. Wir wollen daher etwas Licht ins Dunkle bringen.

Als erstes fällt auf, das der Anteil erneuerbarer Ener- gien am Primärenergieverbrauch in Deutschland mit Stand von Ende 2016 nicht auf 32 % sondern nur von 12,4 auf 12,6 % gestiegen ist. Des weiteren fällt auf, das die von der Bundeswirtschaftsministerien aufge-stellte Behauptung, die Energiewende wäre bezahlbar, nicht den Tatsachen entspricht. Nach Berechnungen von McKinsey würden die Kosten von 63 Mrd. EUR in 2015 auf 77 Mrd. EUR pro Jahr in 2025 ansteigen. Die einzelnen Kostentreiber entnehmen Sie der Grafik weiter unten. Der größte Kostenbrocken stellt dabei der Netzausbau dar. Wenn bis 2030 wie geplant 13.000 Kilometer Stromtrassen modernisiert und neue Hochspannungsgleichstrom-Übertragungsnetze (HGÜ) gebaut werden, dann werden die Kosten um weitere 50 Mrd. EUR steigen. Und selbstverständlich werden alle diese Kosten auf die Srompreise umge- legt. Daher hat sich der Strompreis für die privaten Haushalte keineswegs stabilisiert, sondern ist um 8,3 % auf 6,8 Ct. je kWh in 2016 gestiegen und hat mit nunmehr 30,38 Ct/kWh  das Preisniveau für Haushalts strom im Vergleich zum europäischen Durchschnitt um 47,3 % nach Berechnungen von McKinsey über- schritten.  Dabei waren von den in 2009 geplanten 1876 km neuen Stromtrassen in 2016 erst 700 km realisiert.

Kosten Energiewende

42 Länder halten die deutsche Energiewende für nicht übertragbar

Energiekosten, Abrechnung mit Thermostat und Taschenrechner

Primärenergie 2016

Quellenhinweise:

Dahm, Klaus-Peter: Mythen und Fakten über Klima und Energie, in: achgut.com vom 7.11.2016;  Frank-furter Rundschau vom 20.02.2017; Welt vom 06.03.2017; Frankfurter Allgemeine vom 31.01.2017;  Handelsblatt  vom 23.01.2017 : BM für Wirtschaft und Energie: die Energiewende – unsere Erfolgsgeschichte, Brosch., Berlin 2016  und RK- Redaktion vom 18.03.2017

Foto: WKA: Massimo Cavallo, fotolia-Kauf;  Bundesadler: ferkelraeggea, fotolia-Kauf; Grafiktorte: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e.V., 2016 

Auch andere Ziele, die die Bundesregierung im Rahm- en der Energiewende ansteuert, wurden bisher nicht errreicht. So vor allem das aus rein ideologischen Gründen so wichtige Ziel der Co2-Reduzierung. So ist der Co2-Ausstoß von 812 Mio. T in 2015 auf 916 Mio. T in 2016 gestiegen. Auch das Ziel, den Stromverbrauch bis 2020 auf 553 Terrawattstunden zu drücken, wurde bisher verfehlt. Stattdessen blieb der Stromverbrauch in Deutschland mit 593 Terrawattstunden fast so sta- bil wie im Vorjahr. Hinsichtlich des Leitungsausbaus werden die Kosten sich wahrscheinlich verfünfachen, falls der Bürgerprotest gegen Überlandleitungen an- halten sollte, denn unterirdische Stromtrassen sind nun mal wesentlich teurer und wartungsintensiver. Die Netzbetreiber Tennet, Amprion, 50 Hertz und Transnet BW rechnen mit rd. 17. Mrd. EUR an zusätz-lichen Kosten.

Auch als Jobmotor hat die Energiewende bisher auf breiter Front versagt. So sank die Zahl der Beschäftigt- en im Bereich Windkraft-und Photovoltaik-Anlagen- bau innerhalb von vier Jahren um 8.000 Mitarbeiter auf nunmehr 330.000 Mitarbeiter. Darin sind auch die Arbeiten von Handwerksbetrieben enthalten. Durch den weiteren Ausbau regenerativer Energieträger und der bevorrechtigten Einspeisung von Öko-Strom ging die Rentabilität konventioneller Kraftwerke zurück. Die Folge: in stromintensiven Branchen verloren auf- grund der Energiewendepolitik 15.000 Menschen zwischen 2015 und 2016 ihren Arbeitsplatz. Der Job- motor stottert offensichtlich.  Es ist daher kein Wund- er, das 42 Länder die Deutsche Energiewende für nicht übertragbar halten. Laut einer Umfrage des Weltenergierates wünschen sich 92 % der Befragten eine Steigerung der Energieeffizienz. Die Förderung von erneuerbaren Energien kommt dagegen nur auf den achten Platz der abgefragten Prioritäten.

Und dann gibt es auch noch ein Problem hinsichtlich der Frage, ob der Strom stärker dezentral oder doch weiterhin zentral durch die vier großen Stromanbieter gesteuert und durch die Netzbetreiber eingespeist werden soll. Vielen Menschen schwebt weiterhin mehr Bürgerbeteiligung in diesem Bereich vor. Was das Handling nicht gerade vereinfachen dürfte.

Und warum der ganze Aufwand ? Weil die Bundesre-gierung weiterhin davon überzeugt ist, das der Klima-wandel durch menschlich verursachte Co2-Erhöhung- en zu einer Klimaerwärmung führt und die Erhöhung daher auf -2 Grad bis 2050 begrenzt werden muß. Egal, ob das wissenschaflicher Unfug ist oder nicht. Daher muß die Energieerzeugung von kontenvtionell arbeitenden Kohle-,Öl-und Gaskraftwerken auf reg- enerative Energieträger umgestellt werden. Und zwar so, das der Strom bis 2050 zu 80 % aus Windkraft-, Photovoltaik-und Biogasanlagen stammt. Koste es was es wolle. Das das rein technisch-physikalisch be- trachtet kaum gehen wird, da Flatterstrom nicht immer zur Verfügung steht und daher auch nicht grundlastfähig  ist, scheint die Bundesregierung nicht weiter zu stören. Die notwendige Großspeicher-technologie ist ebenfalls weit und breit nicht zu sehen und auch nicht ansatzweite entwickelt. Es wird daher auch weiterhin kein Weg an der Kohle vorbei führen.

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RAG-Trainingsbergwerk wird Besucherbergwerk

Nach dem Ende des Deutschen Steinkohlenbergbaus 


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Nach mehr als 150 Jahren endet mit der Schließung der Bergwerke Prosper-Haniel in Bottrop und Anthrazit Ibbenbüren in Ibbenbüren der Deutsche Steinkohlenbergbau 2018. Allerdings nicht, weile keine Kohle mehr da wäre, sondern aus rein ideo- logischen Gründen. Damit der damit zusammen- hängende, bereits seit Jahren laufende, Struktur- bruch im Revier nicht noch krasser ausfällt, wie wir  befürchten, ha die Landesregierung NRW zusamm- en mit der RAG-Stiftung ein Trostflasterpaket ge- schnürt. Auf dem Paket steht der Hoffnung aus- strahlende Slogan “ Glückauf Aufbruch 2018.“  Zu diesem Paket gehört nach Auskunft des Wirtschafts- ministers von NRW, Garrelt Duin, u.a. der Aus-und Umbau des bisherigen RAG-Trainingsbergwerks in Recklinghausen-Hochlarmark.

Wie der Name „Trostflaster“ schon sagt, soll das Pflaster „Besucherbergwerk“ die Leute hinwegtrösten über den Verlust ihrer bisherigen Identität, der Berg mannskultur und über den Verlust von Tausenden anständig bezahlter Arbeitsplätze unter dem Vorzeich- en der bewährten Montanmitbestimmung. Dafür gibt es ein paar neue Logistikstandorte und jede Menge industriekultureller Bespaßung. Wir wollen den ge- planten Umbau des bisherigen Trainingsbergwerks nun nicht in Grund und Boden schlechtreden. Schließ- lich wissen wir auch, das die Alternative nicht Fort- setzung des Bergbaus ist, obschon dies mehr als wünschenswert wäre, sondern das ansonsten der Abriss der Anlage drohen würde. Auf diese Weise kann man für die nächste Generation wenigstens ein Stück „Originalbergwerk“ erhalten werden.

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Maschinen, Strecken, Strebe, Schacht, Gezehe etc. Alles ist auf 1.400 Meter Länge im Original und funktionsfähig vorhanden. Der Grubenbau wurde 1975 kurz vor Schließung der Schachtanlage Recklinghausen (siehe oben, Schacht 2) aus taubem Gestein des 1869 abgeteuften Schachtes 1 an der Wannerstrasse in Recklinghausen (von dem heute nur noch die Protegohaube zu sehen ist) aufgeschüttet. Auf der Bergehalde wuchs ein dichter Baumbestand heran, so das vom Trainingsbergwerk von außen nichts zu sehen ist. Das Besondere am Trainingsbergwerk ist, das man nicht nach unter Tage auf die 1000 Meter-Sohle einfährt, sondern zu ebener Erde bleibt. Schließlich wird der Kohleabbau und das damit zusammenhängende komplexe technische Ineinanderwirken verschiedener Maschinen und Arbeitsgänge nur geübt, um den tatsächlichen Betriebsablauf auf den noch aktiven Bergwerken nicht zu stören. Außerdem ist es wesentlich weniger gefährlich und an der gesamten Maschinerie  kann ohne lange Anfahrtswege trainiert,  wiederholt und geprüft werden. Denn jeder Handgriff unter Tage muß sitzen. Die Prüfung durch die Bergaufsichtsbehörde in Dortmund findet ebenfalls auf dem Trainingsbergwerk statt. Zur Zeit führt die RAG noch rd. 44 bergbauspezifische Lehrgänge auf dem Trainingsbergwerk durch. Hier werden Elektroniker, Mechaniker, Ver-und Entsorger und andere Fach- arbeiter intensiv geschult. Bis vor einem Jahr fanden die schriftlichen Prüfungen über Tage in den Schulungsräumen des Trainingsbergwerks statt. Die Einrichtung wurde mittlerweile geschlossen. Die RAG hat das Gebäude für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Für Besucher dürfte das geplante Besucherbergwerk sicherlich eine spannende Angelegenheit werden. Die Spannung ergibt sich aus dem Wechsel von Tag und Nacht und von unten und oben von einem Augenblick zum nächsten. Sobald man nämlich das eiserne Tor mit dem Schlägel & Eisen-Symbol des Bergbaus hinter sich gelassen hat, befindet man sich in einem von drei Streckenvortrieben und hat sogleich das Gefühl, ganz Tief in der Erde zu sein. Auch atmosphärisch ist die Luft fast wie unter Tage. Subtropisch schön.  Und selbstverständlich wird der Grubenbau wie ein aktives Bergwerk bewettert. Damit frische Luft ein-und auszieht, hat man auch einen (kleineren) Grubenlüfter installiert.  Das Ge- fühl der Authentizität ist übrigens wesentlich intensiver als im Bergbau-Museum in Bochum.

Quellenhinweise: Route Industriekultur, Ring Deutscher Bergbau-Ing. e.V. (Bericht vom 17.10.2013) , Wikipedia, Landesportal NRW, Pressemitteilung vom 8.12.2016 sowie RK-Redaktion vom 17.3.2017

Fotos: Revierkohle  

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