Polen baut auf Kohle

Doch die Einsicht der Regierung hat eine Vorge- schichte. Im August 2015 suchte eine längere Hitze- welle Polen heim. In der Folge sanken die Wasserpeg- elstände in Seen und Flüssen, an denen üblicher- weise auch Kraftwerke gebaut wurden, um diese mit Wasser zu kühlen. Wegen des niedrigen Wasser-standes mußten etliche Kraftwerke abgschaltet wer- den, was aufgrund des abgeschotteten polnischen Stromnetzes zu erheblichen Problemen in der Strom-versorgung führte. Gleichzeitig mußten aufgrund technischer Probleme weitere Kraftwerke abgeschalt- et werden, so das die Regierung sich gezwungen sah, den Stromverbrauch für Industriekunden temporär einzuschränken.

 Zwar hat sich auch Polen im Rahmen eines EU-Man- dats verpflichtet, den Anteil regenerativer Energie-träger bis 2020 auf 15 % zu erhöhen. doch die neue Regierung ist wild entschlossen, der Kohle wieder den Vorrang in der Energieversorgung einzuräumen, weil die Kohle die einzige verlässliche Energiequelle ist, auf die die polnische Wirtschaft angewiesen ist.  Das ist auch nicht weiter verwunderlich für ein Land, das seine Energie zu rd. 85 % aus Stein-und Braunkohle bezieht und mit 35 Mrd. T SKE die größt- en Braunkohlevorkommen  in Europa besitzt. 

Die Regierung sah sich aber noch durch eine weitere Entwicklung durch die Vorgängerregierung in der Zwickmühle. Diese hatte aufgrund von massiven Ver- lusten in Höhe von 400 Mio. EUR die Schließung von vier weiteren Zechen des Kohlekonzerns Kompania Weglowa A.G. verfügt. Der anhaltende Preisverfall an den Spotmärkten aufgrund der subventionierten re- generativen Energieträger, gepaart mit dem Glauben, das die Bevölkerung die Energiewende wünscht, gaben der Regierung scheinbar recht. Ähnlich wie in Deutschland. Doch die Regierung hatte die Kampfbe- reitschaft der Bergleute unterschätzt. Schon einen Tag später streikten Tausende von Bergleuten auf den Schachtanlagen Pokoj, Brzeszcze, Bobrek-Centrum und Sosnica-Makoszowy. Organisiert vom Streikkomi- tee MKPS der Region Schlesien/Dabrowa, welches schon in 2012 einen Generalstreik erfolgreich zustan- de gebracht hatte. Und Gott sei dank änderte sich auch die Haltung der Bevölkerung zu Gunsten der Bergleute. 68 % empfanden die Forderungen der Kumpels plötzlich wieder als richtig.

130.000 Bergleute können seitdem wieder etwas aufatmen. Ihre Zukunft scheint sich zu verbessern, da die neue Regierung erstmalig Zweifel an der Energiewende hegt und weil sie die Versorgungssicherheit durch die Zunahme von Windkraft-und Photovoltaikanlagen ernsthaft bedroht sieht. Ende Juni 2016 unertzeichnete der polnische Präsident Jaroslaw Kaczynski (PIT) daher ein Gesetz, welches den Bau von Windparks in der Nähe von Nationalparks und Wohngebieten verbietet. Außerdem sind die Betreiber künftig verpflichtet, ihre Anlagen alle zwei Jahre zu reparieren und zu modernisieren. Um die von der EU geforderte regenerative Leistungserhöhung auf 15 % bis 2020 dennoch zu erfüllen, wird Polen wahrscheinlich auf Biomasse und Biogas setzen.

Um die hohe Abhängigkeit von russischer Kohle zu re- duzieren, will die polnische Regierung in den nächsten Jahren mindestens 25 Mrd. EUR zur Unterstützung der heimischen Kohleindustrie und zur Erneuerung von Kraftwerken investieren. Kritiker wenden ein, das die Kohleindustrie aufgrund der dauernden Subventionen eh nicht überlebensfähig sei. Es ist zwar richtig, das der polnische Staat in den letzten 25 Jahren rd. 23 Mrd. Sloty aus dem öffentlichen Haushalt an die z.T. nicht rentabel arbeitende Kohleindustrie abgeführt hat, in der gleichen Zeit haben die Kohlekonzerne ab- er 200 Mrd. Sloty an Steuern an den Staat bezahlt. Der neue pol. Energieminister, Krzysztof Tchorzewski, ist davon überzeugt, das man den Kohleabbau in Polen günstiger machen kann, in dem man in Zukunft stärk- er die Kohlereviere in Süd-und Ostpolen ausbaut, da dort die kohleführenden Schichten stärker zu Tage streichen als im traditionellen Kohlerevier Oberschle- sien, wo sich die Kohle in bis zu 2000 Meter Tiefe befindet und daher höhere Produktionskosten verur- sacht.

Quellenhinweise:

Patel, Sonal: Polen meidet Wind und verdoppelt die Subventionen in zuverlässige Kohleenergie zur Sich- erung seiner Zukunft, in: Eike-klima-energie.eu vom 1.08.2016; N.N. Polen investiert Milliarden in Kohle- kraftwerke, GTAI Germay Trade & Invest (Hrsg.) vom 5.3.2104; Mattern, Jens: Polen baut (noch mehr) auf Kohle , in: Telepolis, in: Heise.de/tp vom 25.11.2015; Welt N24 vom 30.07.2013; Sozialistische Zetung, sozonline vom 01.03.2015; Ancygier, Andrzej u.a.: Die polnische Energie-und Klimapolitik in der Verantwort- ung von PiS, in: Polen-Analysen Nr. 175 vom 2.2.2016 sowie RK-Redaktion vom 22.1.2017

Fotos: oben rechts: ARD-Tagesschau; Mitte: polnische Bergarbeiterparade, silar, wikimedia-commons, unten rechts: Silesia-Museumszeche in Katowice, Poland, Artur Henryk, fotolia-Kauf     

Wegen der sinkenden Kohlenpreise wurde in den letzten Jahren der Ausbau von neuen Kohlekraftwerk- en in Polen stark zurückgefahren. Viele der Anlagen sind mehr als 26 Jahre alt. Zwischen 2017 und 2019 will die Regierung nun endlich neue Kraftwerke in Opo le, Kozienice und Jaworzno zwischen 900 MW und 1,8 GW-Leistung errichten. Zbigniew Stopa, der Besitzer und gelernter Bergmann der floriernden Zeche Bog- danka, die zwischen Lublin und der Grenze zur Uk- raine im Südosten von Polen liegt, sieht diese Ent- wicklung positiv. Sein Steinkohlenbergwerk gehört zu den profitabelsten Zechen im Land, weil die Flöze parallel zur Erdoberfläche verlaufen und weil dort Methangase nur selten auftreten. Und vor Schadens-ersatzansprüchen wegen verursachter Bergsenkungs-schäden braucht er sich auch nicht zu fürchten, da die Zeche in einem dünn besiedelten Gebiet liegt. Rund 4.500 Kumpels förderten allein in 2012 rd. 7,8 Mio T SKE aus 900 Metern Tiefe. Herr Stopa ist genau so wie wir davon überzeugt, das die Kohle eine Zukunft hat. Die Menschheit wächst und damit wächst auch der Hunger nach Wärme, Strom und Energie. Der Ver- brauch wird daher eher steigen als sinken, glaubt Stopa. Und Polen wird auch weiterhin die Kohle sub- ventionieren müssen, da das Land seine Unabhängig- keit von Russland bewahren möchte. Die Deutsche Energiewende kommt somit dem polnischen Bergbau paradoxer Weise zugute. Wir gönnen es den Polen.

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Kommt die Quote für Elektro-Autos ?

der schleppende Absatz von E-Autos soll in Schwung gebracht werden

Bundesumweltministerien Barbara Hendricks (SPD!) will den schleppenden Absatz von Elektro-Autos in Schwung bringen. Grund dazu hat sie genug. Seit dem die Bundesregierung Anfang 2016 eine Kauf- prämie für Vollstromer von 4000 EUR einführte, wurden nach dem Start gerade einmal 9000 Anträge auf Beihilfen gestellt. In ganz Deutschland zählten die Landesverkehrsbetriebe in 2016 11.410 neu zuge lassene E-Autos. Das ist nicht gerade viel. Zumal sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt hat, bis 2020 1 Mio. E-Autos auf die Strassen bringen zu wollen. Die niedrige Quote ist allerdings auch nicht verwund- erlich. 

Quellenhinweise:

B. Blach: Wenn der Rückschritt grün ist, heißt er Fortschritt, Jahrbuch für Ener- giepolitik und Montankultur-Rückblick 2016, Hamburg 2017, Revierkohle BV e.V .(Hrsg.), S. 128 ff; Frankfurter Rundschau vom 08.01.2017; Auto-Bild vom 22.5. 2014; Wirtschaftswoche vom 16.06.2015; Keil, Günter: Der Elektro-Autobluff, in: Eike.de vom 30.8.2016;  Die Welt vom 26.4.2016; Handelsblatt vom 22.7.2015;  Umwelt-und Prognose-Institut Heidelberg (UPN), Info Nr. 79, Heidelberg 2015 sowie RK-Redaktion vom 21.1.2017

Foto: petair2, fotolia-Kauf

Und das längerfristige Ziel der Bundesregierung, bis 2030 sogar 6 Mio. Elektro-Rollatoren auf die Strassen bringen zu wollen, dürfte u.E. noch schwieriger zu er- reichen sein. Denn die Gründe für das reservierte Ver- braucherverhalten liegen auf der Hand. Dazu gehört die schlechte Reichweite, die fehlenden Stromtank-stellen, die nachlassende Ladefähigkeit der Batterien, der hohe Preis von Lithium-Ionen-Batterien und der hohe Anschaffungspreis für ein Elektro-Auto. Der Ver- band der intern. Kraftfahrzeughersteller (VDIK) re- chnet zwar für 2017 mit einem Umsatzplus von 50 % für E-Stromer und für Plug-In-Hybridfahrzeuge von 40 %, weil die Anschaffungskosten sinken werden. Aber deswegen wird die Anschaffung noch lange nicht schlauer. Und das sagen sich bestimmt auch die Ver- braucher. Schließlich macht ein grünes Öko-Mäntel- chen noch keinen Fortschritt aus. Denn der Grund für die angebliche Notwendigkeit für die Einführung und Quotierung von E-Autos ist rein ideologisch begründ- et. Mit Hilfe des E-Mobils soll C02 eingespart und das Klima gerettet werden. Das ist jedoch alles Blödsinn. Denn das Klima kann kein Mensch retten und C02 hat so gut wie keinen Einfluss auf das Klima. Das sagen nicht wir, sondern der Großteil der Klimaforscher (siehe unter wwww. petition.org) Insoweit ist der Ver- brennungsmotor noch lange nicht am Ende. Eine Stu- die des Heidelberger Umwelt-und Prognose-Instituts ist bereits in 2015 der Frage nachgegangen, ob die staatliche Förderung von Elektro-und Hybridautos sinnvoll ist ? “ und kam zu dem klaren Ergebnis: die Förderung schadet der Umwelt mehr als das diese einen Nutzen hätte. Deutlicher kann man es nicht sagen. Dabei müßten wir als Kohlebefürworter eig- entlich jubeln. Denn wenn rd. 42 Mio. Kraftfahrzeuge nur noch als E-Mobil durch die Gegend fahren dürfen, dann müßten wir rd. 40 neue Kohlekraftwerke bauen. Die Universität Wien hat das 2012 ausgerechnet, da der Strombedarf um 231 Terrawatt pro Jahr steigen würde. Die Umstellung von Bussen und LKW´s wurde dabei noch nicht mit eingerechnet. Hierfür würde ein weiterer Strombedarf in Höhe von 107 Terrawatt pro Jahr entstehen. Uns soll es recht sein. Der Ver- braucher hat davon allerdings wenig. Er zahlt nämlich die Zeche. Um um die gute Kohle wäre es schade, denn die eignet sich für bessere Zwecke als nur zur Strombereitstellung für Elektro-Rollstühle verfeuert zu werden.

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Nach dem Bergbau kommt der Nachbergbau

Nach dem politisch gewollten Auslauf des Deutsch- en Steinkohlenbergbaus Ende 2018 ist zwar „Schicht am Schacht“, aber noch lange nicht Schluß für die RAG, da nach 2018 die Ära des Nachbergbaus be- ginnt. Hierzu gehören die Ewigkeitsaufgaben, Berg- schadensregulierungen, Aufbereitung und Sanier- ung ehemaliger Bergbauflächen, Polderbau und Grundwasserschutz. Traditionell werden die damit zusammenhängenden Fragen von der Technischen Hochschule Georg Agricola beantwortet. In der alt- ehrwürdigen Bergbau-Ingenieursschmiede  gegen über dem Dt. Bergbau-Museum in Bochum hat man zu diesem Zweck bereits in 2015 ein weltweit einzig- artiges neues Forschungszentrum gegründet.  

Prof. Dr. rer.nat.Christian Melchers, wissen-schaftlicher Leiter des Forschungszentrums Nachbergbau an der TFH in Bochum, Foto: TFH

Im gleichnamigen Masterstudiengang unter der Leit- ung von Prof.Dr. Christian Melchers lernen Ingenieur- innen  und Ingenieure mit den Hinterlassenschaften des Bergbaus verantwortungsvoll umzugehen. Die Arbeit im Forschungslabor umfasst auch die Entwick- lung von Monitoringsystemen, die die Voraussetzung- en schaffen sollen, um in Zukunft z.B. Grubenwasser- wärme opitmal nutzen zu können, so Melchers.

Zu den Fragen, die das Forschungszentrum Nachberg- bau beantworten will, liegen in Bezug auf die Ewig- keitsaufgaben folgende im Focus: „Wie läßt sich der Grubenwasseranstieg optimieren?“ „Was passiert mit austretenden Grubengasen?“, „Wie können stillgelegte Bergwerke intelligent genutzt werden?“ Um diese u.a. Fragen beantworten zu können, arbeiten Experten aus dem Bergbau, aus der Geologie und Geotechnik, Hydrogeologie und aus dem Markscheidewesen inter- disziplinär zusammen, um das überlieferte Wissen weiterzuentwickeln, so Hochschulpräsident Prof. Dr. Jürgen Kretschmann. Auch will man der Frage nach- gehen, was mit den rd. 5000 Schächten und 14.000 Tagesöffnungen,  die es im Ruhrrevier gibt, in Zukunft geschehen soll. Aus diesen Altschächten fließt nach wie vor das Grubenwasser unkontrolliert in Bäche und Flüsse. Nur pumpen, wie es derzeit auf den noch 13 aktiven Grubenwasserzechen im Revier geschieht, ist nach Ansicht des Leiters des Forschungszentrums Nachbergbau, Prof. Dr. Christian Melchers, zu wenig. Man sollte nach intelligenten Wegen suchen, um das Grubenwasser und die Abwärme als Energie zu nutz- en. Schächte und Grubenbaue eignen sich hervorrag- end als Pumpspeicherkraftwerke, so Melchers. Wir dürfen in diesem Zusammenhang erwähnen, das das Projekt Niederflurpumpspeicherkraft auf der noch aktiven Schachtanlage Prosper-Haniel in Bottrop so weit vorangeschritten ist, das es nur noch einer poli- tischen Entscheidung der Landesregierung von NRW bedarf, auf die die RAG wartet. Prof. Melchers träumt allerdings auch von regenerativen Energieträgern wie Windkraft-und Solaranlagen auf Haldenhängen. Die RAG hat zwar schon einige Windräder installiert, über den Nutzen hinsichtlich der ebenso politisch gewollt- en Energiewende läßt sich freilich trefflich streiten. Wir selbst halten diese Art von Energiewende für nicht bezahlbar und aus technisch-wissenschaftlicher Sicht für nicht begründbar. Mit Windkraft-und Solaranlag- en kann es keine Energiewende geben. Warum diese zum Scheitern verurteilt ist, lesen Sie bitte ausführlich in unserem Jahrbuch für Energiepolitik und Montan-kultur- Rückblick 2016, Ausgabe 2017 nach. Dieses stellen wir Ihnen auch gerne als interaktives  und voll- formatiertes e-Book zum Preis von 8,00 EUR (incl. USB-Stick, Micro-Adapter, Porto und Verpackung) gerne zur Verfügung.

Sinnvoll halten wir dagegen die Überlegungen des Forschungs-labors Nachbergbau, wie man das warme Grubenwasser und das in den Schächten befindliche Methan in Zukunft besser nutzen kann. An 124 ehem. Bergbaustandorten wird bereits heute erfolgreich Grubengas gewonnen und für die regionale Stromversorgung genutzt. Ehemalige Bergbauflächen, wie z.B. die Fläche des 2000 stillgelegten Bergwerks Hugo 2/5/8 in Gels- enkirchen-Buer, zu einem Biomassepark umzuwandeln, sind u.E. nur kurzfristig sinnvoll, da Holz ein schlechter Brennträger ist und eine geringe Energiedichte hat. Mehr zu diesem Thema lesen bitte ebenfalls in unserem Jahrbuch 2016 nach.

Prof. Dr. Jürgen Kretschmann, Präsident der Techn. Hochschule  Georg- Agricola zu Bochum, Foto: TFH

Unter dem Motto “ Nachbergbauzeit in NRW – Risiken erkennen und be- herrschen“ findet am 23.03.2017 im Studienzentrum der TFH in Bochum von 9.00 bis 17.00 h ein hochkarätiges Kolloqium statt. Experten aus Behörden, Unternehmen und Hochschulen erläutern Defi- nitionen, Umsetzungsstrategien und ihre Erfahrungen. Die Vortragenden kommen von der RAG, der Bezirksregierung Arnsberg, Abtl. 6 Bergbau und Energie, DB Netz AG, ThyssenKrupp AG, Wismut AG, DMT GmbH sowie die RA Wolter und Hoppenberg. Anmeldungen nehmen Sie bitte unter der e-Mail-Adresse „nachbergbau2017@thga.de“ vor. Kosten: 80,00 EUR incl. Getränke und Mittagessen.

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Bundesrechnungshof: Regierung schlampt in der Energiepolitik

Die Kosten der Energiewende sind teuer und handwerklich mit groben Mängeln behaftet

Prüfer des Bundesrechnungshofes kritisieren das Bundeswirtschaftsministerium wegen der Energie- wende. Sie halten diese wegen der Undurchschau-barkeit der Kosten für kaum steuerbar. Die organisa torische  Umsetzung halten sie sogar für „nicht nach vollziehbar.“ Das ist Balsam für unsere Bergmanns- seele, zumal wir die steigenden Kosten der Energie- wende schon seit Jahren kritisieren. Nun fühlen wir uns sogar von oberster Stelle bestätigt. Für Wirt- schaftsminister Sigmar Gabriel dürfte dieses Ergeb- nis des Bundesrechnungshofes im Wahljahr wahr- scheinlich wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen. Vielleicht wacht er und die Seinen doch noch auf und schafft das EEG rechtzeitig vor der nächsten Bundestagswahl wieder ab. Wir glauben das zwar nicht ernsthaft, aber notwendig wäre es schon, um das weitere Anwachsen regenerativer Energieträger einzudämmen und damit einen möglichen Blackout zu vermeiden.  

Im Prüfbericht des BRH heißt es nach Angaben von Andreas Mihm (FAZ), das das Bundeswirtschaftsmini-sterium keinen Überblick über die finanziellen Aus- wirkungen der Energiewende auf den Bundeshaus- halt hat. Schöner könnte eine Klatsche nicht sein. Ob- endrein wirft der BRH dem BMWI Schlamperei, Dopp- elarbeit und völlig ineffiziente Fördermaßnahmen vor. Der BRH forderte das Ministerium auf, die jährlich an- fallenden Kosten künftig zielgerichteter einzusetzen. Es könnte auch nicht sein, das es zwischen dem Mini- sterium und der Bundesregierung keine Abstimmung hinsichtlich der Fördermaßnahmen geben würde. Auch wäre völlig unklar, was die Energiewende dem Bürger kosten wird. Das BMWI widersprach erwart- ungsgemäß der Einschätzung der BRH-Prüfer. Kosten-senkung sei immer die oberste Maxime der EEG-Re-formen gewesen. Ein Monitoring-Bericht prüfe schon längst die Bezahlbarkeit, die Effizienz und die Folgen für Wirtschaft und Beschäftigung, so eine Minister-iumssprecherin.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, SPD

 

Quellenhinweise:

FAZ vom 3.9.2016 und 12.01.2017; solarify.eu vom 14.01.2017; Süddeutsche Zeitung vom 12.01.2017; Welt N24 vom 12.01.2017; ARD-Tagesschau vom 12.01.2017; www.petitionprojekt.org (US-Klimawissenschaftler reichen seit Jahren eine Petition beim US-Präsidenten ein und verwahren sich gegen die Behauptung, der Großteil der Klimawissenschaftler sei sich wegen der Klimaerwärmung durch C02-Emi-ssionen einig. Das Gegentei wäre der Fall);RK-Jahrbuch für Energiepolitik und Montankultur-Rückblick 2016, Ausgabe 2017, Hamburg 2017, S. 48 ff sowie RK- Red- aktion vom 20.01.2017

Fotos: oben: Massimo Cavallo, fotolia-Kauf; BRH: Revierkohle; Sigmar Gabriel: Susi Knoll, SPD 

 

Der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrates, Wolfgang Steig- er, übte daraufhin ebenfalls scharfe Kritik an der Bundesregier ung. 31 Mrd. EUR an Kosten allein in 2016 ohne C02-Absenk- ungen  belegen, das sich die Energiewende im Blindflug be- wege. Wir gehen noch einen Schritt weiter und behaupten, das es dem Klima völlig egal ist, wieviel C02 wir über unsere Kraft- werke in die Atmosphäre emittieren, da das Spurengas seit 18 Jahren keinen signifikanten Einfluss auf unser Klima hat. Im Ge- genteil: wir emittieren viel zu wenig C02, da die derzeit produ- zierten Mengen bei nur 400 ppm bezogen auf 10.000 Luftmole- külen liegen. Das ist für die Pflanzenwelt definitiv zu wenig. Sie hungern nämlich. Erst bei 2000 ppm ( wie vor rd. 30 Mio . Jahr- en) würde die Vegetation wieder üppiger blühen und gedeihen. Wer es nicht glaubt, sollte mal wieder in das Schulbuch gucken.  Das das Ministerium sich zusätzlich für die Energieberatung gleich 131 neue Planstellen gönnte, wird vom BRH ebenfalls kritisiert. Es handelt sich nach Ansicht der Prüfer um eine echte Schieflage. Bei der Betrachtung der Energiewende müsse zu- künftig auch die Versorgungssicherheit und die Bezahlbarkeit stärker konkretisiert, bewertet und quantifiziert werden. Der BRH regt die Ziehung einer Obergrenze für die Ausweitung der Kosten für die Energiewende an. Die Regierung drückt sich nach Auffassung des BRH vor konkreten Aussagen zur Entwicklung der Versorgungssicherheit und der Bezahlbarkeit. Das gelte auch für den schleppenden Netzausbau und der fehlenden Be- wertung, was das für die Versorgungssicherheit und die Ent- wicklung regenerativer Energieträger bedeuten wird.  Auf 39 Seiten kritisiert der BRH darüber hinaus auch die Organi- sationsstruktur des BMWI. Die Zahl der Beamten, die im Referat Energiewende eingesetzt seien, sei von 2014 auf 2016 von 198 auf 314 Planstellen angewachsen, ohne das deutlich wäre, wie dieser Personalmehrbedarf entstanden sei. Patrick Graichen von der Beratungsfirma Agora Energiewende hält die Kritik des BRH für unberechtigt, da Niemand die Kosten für die Energie- wende in zehn oder 20 Jahren voraussehen könne. Daher könne es auch keine Obergrenze geben. Wenn sich die Preise für die C02-Zertifikate verzehnfachen würden, dann wäre der Umbau der Strom-und Wärmeversorgung attraktiver. Wir hab- en da so unsere Zweifel. Denn eine Verteuerung fossiler Ener- giekosten würde die Abschaltung von Kraftwerken be- schleunigen und damit einen regelmäßigen Blackout heraufbe- schwören. Und das ohne Not, denn die von den Kraftwerken verursachten C02-Emissionen haben nun mal keinen Einfluss auf das Klima. C02 kann das Klima nicht erwärmen. Diese Ansicht wird mittlerweile auch von über 31.000 US-Klimawiss- enschaftler geteilt. Keine wissenschaftliche und begutachtete Studie konnte bisher einen Zusammenhang zwischen antro- phologisch erzeugtem C02 und einer unterstellten Klimaer- wärmung durch C02 feststellen. Eine willkürliche  Erhöhung der C02-Zertifikatepreise  wäre ungerecht, nicht begründbar und wettbewerbswidrig.

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RAG : Grubenwasserhebung könnte teurer werden

oben: Grubenwasserzeche Victoria 2 in Fischbach, Saarland

Mitte: Grubenwasserzeche Concordia 6 mit Notbe- fahrungsschacht,  Oberhausen

unten rechts: Horizontalkreiselpumpen in 900 Meter Tiefe auf der Grubenwasserzeche Zollverein XII, Ess- en-Katernberg

Foto: oben: svet110, fotolia-Kauf ; Mitte: Revierkohle; unten links: Aral;  Wasserwelle: shyskha, fotolia-Kauf; rechts: Dietmar Klingenberg, RAG

Der Spiegel berichtet in seiner Ausgabe vom 19.1. 2017, das die Gesundheit von Tausenden von Mensch en an Rhein und Ruhr durch PCB-belastetes Gruben-wasser gefährdet sei. Grund: in den Bergwerken wurd en in den 80er Jahren PCB-haltige Hydrauliköle ver- wandt, um den Explosionsschutz unter Tage zu er- höhen, da PCB nicht brennt. Erst Ende der 90er Jahre wurde bekannt, das polychlorierte Biphenyle (PCB) Krebs auslösen können. Seitdem werden die rd. 110 Mio. Ltr. gehobenen Grubenwässer pro Jahr auf den 13 Grubenwasserzechen im Revier sowie rd. 70 Mio. Ltr. Grubenwässer an der Saar sowie an 1.200 Mess- stellen an der Emscher u.a. Fließgewässern mehrmals im Jahr beprobt. In den Gruben im Revier sollen noch 10.000  Tonnen PCB-Stoffe lagern. Der Spiegel be- hauptet, das die nunmehr erneut gemessenen PCB- Konzentrationen den zulässigen Grenzwert weit über- schreiten. Sollte die geplante Anhebung des Gruben- wassers auf 500 Meter durchgeführt werden, dann erhöht sich das Risiko, das Schadstoffe in das Grund- und Oberflächenwasser gelangen. Der grüne NRW- Umweltminister Johannes Remmel will die Einleitung von PCB-Schwebstoffen in Grubenwässern daher ge- nerell untersagen. 

In unserem Jahrbuch für Energiepolitik und Montan-kultur gehen wir auf das neue Grubenwasserhalt- ungskonzept der RAG bis 2035 und dem damit ver- bundenen Umgang mit Schadstoffen ausführlich ein. Im folgenden greifen wir daher nur punktuell einige Aspekte der Untersuchung auf, die das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, Na- tur- und Verbraucherschutz des Landes  NRW ( MKULNV) am 21.4.2016 in Auftrag gegeben hatte.    

Das MKULNV hat in Ermangelung anderer Daten die auf Haus Aden gefundenen niedrigen Grenzwerte, die alle unter der Umweltqualitätsnorm für Fließgewäss- er liegen, festgestellt, das diese Werte als repräsenta- tiv für alle 13 weiteren noch in Betrieb befindlichen Grubenwasserzechen zu betrachten sind. Trotzdem beharrt Minister Johannes Remmel wenige Monate vor der nächsten Landtagswahl auf ein neues Plan- feststellungsverfahren und auf eine dazugehörende Umweltverträglichkeitsprüfung. Sein Ziel ist es, die RAG zu verpflichten, das PCB vollständig aus dem Grubenwasser entfernt werden muß.

Das Gutachten kommt zum Ergebnis, das die Daten- lage insgesamt unsicher ist. PCB besteht aus 209 Kon- gemeren (chemischen Verbindungen), die untereinan- der in Beziehung stehen. Für diese PCB-Kongemere schreibt die Oberflächengewässerverordnung OGewV  vor, das die PCB-Konzentration in Oberflächenge- wässern 500 ng/m3 bzw. 0,5 ng/L und 20 mg in Schwebstoffen nicht überschreiten  darf, da sonst die Gefahr einer Gesundheitsgefährdung bestehen könn- te. Im Hinblick auf eine PCB-Belastung wurde das Grubenwasser erneut an den Standorten Haus Aden in Bergkamen, Robert-Müser in Bochum und auf der noch aktiven Zeche Anthrazit-Ibbenbüren Ost in Ibb- enbüren, Kreis Steinfurt,  untersucht. Die Wasserpro- ben ergaben eine PCB-Konzentration von 0,15 und 0,2 ng/L. Der toxikologische Gefahrenwert liegt bei 200 ng/L. Das Gesundheitsamt Nürnberg z.B. geht davon aus, das bei einer Nachweisgrenze von 0,1 ng/Ltr. Blut niederchlorierte PCB-Belastungen keine gesundheit- lichen Störungen eintreten. Eine endgültige Bewert- ung will man allerdings erst nach Vorlage einer weit- eren Studie der Universität Erlangen-Nürnberg vor- nehmen.  Die Deutsche Montan-Technik GmbH (DMT) geht davon aus, das bei einem Anstieg der Gruben-wässer  auf 500 Meter die PCB-Schwebstoffe mittel-bis langfristig weiter absinken werden.

Quellenhinweise:

N.N. : Gutachterliche Untersuchung zu den techn. Möglichkeiten einer PCB-Elimination von Gruben-wässern,  AG Rheinisch-Westf. Institut für Wasser, Beratung und Entwicklungsgesellschaft im Auftrag des Minsteriums für Umwelt, Klima, Landwirtschaft-und Verbraucherschutz (MKULNV) vom 21.4.2016 sowie Gutachten der Fa. ahu AG , Aachen vom 13.1.2017; WDR vom 13.1.2017; ikz-Online vom 13.1.2017; MKULNV vom 13.1.2017 (umwelt.nrw.de) Der Spiegel vom 19.1.2017, RK-Jahrbuch für Energiepolitik  und Montkultur-Rückblick 2016, Ausgabe Hamburg, Jan. 2017, S. 26 ff  sowie RK-Redaktion vom 20.1.2017.  

Das könnte der RAG teuer zu stehen kommen. Denn dann müßten zunächst die Ergebnisse der neuen Um- weltverträglichkeitsprüfung abgewartet werden. Das kann mehr als 3 Jahre dauern. Bis dahin sind alle 13 Pumpbetriebe auf den Grubenwasserzechen weiter in Betrieb zu halten. Geplant war jedoch eine Reduzier- ung der Wasserhaltung auf 6 zentrale Anlagen bis 20 35. Zusätzlich müßten große Wasserrückhaltebecken gebaut, Aktivkohlefilteranlagen und Enteisenungs- filteranlagen für das eisenhaltige Grubenwasser er- richtet werden, um Eisen, Sulfat, Ammoniak und PCB- Stoffe  vollständig aus den Grubenwässern zu ent- fernen, bevor diese künftig ausschließlich in den Rhein geleitet werden können.  Die Arbeitsgemein-schaft Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasser Be- ratung u. Entwicklungsges. mbH sowie die Fa. Spieker- mann Consulting Engineers, die die Grubenwässer auf den o.g. Zechen im Auftrag des MKULNV untersucht haben, schätzen die Kosten für Haus Aden auf 7,2 bis 11,3 Mio. EUR sowie mit laufenden Betriebskosten von rd. 790.000 EUR pro Jahr. Für die Grubenwasser- zeche Robert-Müser in Bochum werden die Kosten auf 6,7 bis 10,0 Mio, EUR und die laufenden Betriebs-kosten auf 490.000 bis 800.000 EUR pro Jahr veran-schlagt. Für die noch aktive Zeche Ibbenbüren werd- en die Kosten der vollständigen PCB-Enternung aus den Grubenwässern von Ibbenbüren Ost auf 6,9 bis 7,3 Mio EUR sowie für den laufenden Betrieb auf 510.000 bis 600.000 EUR pro Jahr geschätzt. Nach Schließung der Zeche Ibbenbüren Ende 2018 wird mit einem Kostenanstieg auf 1,2 bis 1,3 Mio. EUR ge- rechnet. Zwar hat die RAG-Stiftung für die Ewigkeits-lasten rd. 16 Mrd. EUR auf der hohen Kante liegen, sollte der Minister sich jedoch durchsetzen, könnte es in wenigen Jahren eng werden. Denn die dann fälligen Investitionskosten von rd. 50 Mio. EUR für nur drei Anlagen sind kein Pappenstiel. Die Gutachter der Firma ahu AG Wasser-Boden-Geomatik aus Aachen, die am 13.1.2017 ein weiteres Gutachten dem MKU LNV vorgelegt haben, kommen zu dem Schluß, das die auf Haus Aden gefundenen geringen PCB-Eintrag- ungen im Grubenwasser auch durch das Anheben von Grubenwässern weiter reduziert werden können. Ein Sprecher des Wirtschaftsministers von NRW, Garell Duin, betonte, das keine unmittelbare Gefahr wegen der geringen Werte bestehe.

Wir setzen das Thema fort. Lesen Sie hierzu bitte unser nächstes Jahrbuch, welches Anfang 2018 zum Preis von 8,00 EUR erscheinen wird.

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Hamburg will Wärme speichern für den Winter

das Hamburger Fernwärmenetz soll auf aquifere Erdwärmespeicher umgestellt werden

Schon wieder sollen die Hamburger Bürgerinnen und Bürger zur Kasse gebeten werden. Grund: Hamburg will das Fernwärmenetz von fossilen Kraftwerken unabhängiger machen, um CO2 einzusparen. Zwar haben die CO2-Emissionen nachweislich so gut wie keinen Einfluss auf das Klima (siehe auch unser Jahrbuch-Rückblick 2016) , aber die Großwärmepumpenhersteller, die ener- getischen Haussanierer u.a. Handwerksbetriebe wittern das ganze große Geld und die grüne Politik endlich den ganz großen Durchbuch der  Energie-wende. Erstere nicht ohne Grund. Denn so eine Wärmepumpe kostet gut und gerne mal eben 90.000 EUR. Und damit ist es nicht getan. Später soll dann aber die Kilowattstunde Strom aus erwärmtem  Salzwasser nur rd. 1 Ct / kWh kosten. Die zweiten glauben, das man mit Langzeitwärmespeichern in aquiferen Gesteinssschichten nicht nur Geld sparen kann, sondern auch den konventionellen Kraft-werken endlich den Garaus machen kann. Zu- mindestens hoffen das die Grünen  in Hamburg für die Steinkohlekraftwerke Moorburg und Wedel. Wir haben da so unsere Zweifel. 

Worum geht es ? Antwort: die Wärme des Sommers soll für den Winter für eine Viertelmillion Hamburger Haushalte mit Hilfe von Abwärmen aus Müllverbrenn-ungsanlagen, aus der Industrie, aus überschüssiger Wärme von Photovoltaik-Anlagen und Gasheizwerken unterirdisch gespeichert werden. Genauer: in aquifer- em Salzwasser durchspültem Sand, der unter dicken  Tonschichten in Hamburg verläuft und daher mit den oberen Trinkwasser führenden Schichten nicht in Be- rührung kommt.  Diese aquiferen Wasserschichten sollen die ganzjährig anfallenden industriellen Ab- wärme aufnehmen und im Winter mit Hilfe von Groß- wärmepumpen über das Fernwärmeleitungsnetz an die Haushalte weitergeleitet werden. Da das Fern- wärmenetz aber mit Temperaturen von über 100 Grad arbeitet und die Temperaturen in geeigneten aquiferen Speichern nur bei rd. 70 Grad liegen, muß das Wasser zusätzlich aufgeheizt werden. Das soll die geplante Müllverbrennungsanlage in Hamburg-Stellingen übernehmen. Teile des 1.800 km langen Fernwärmenetzes unter Hamburg sollen daher um- gebaut werden. Die Kosten pro Aquiferspeicher sollen nach Angaben der Hamburg Institut Consulting GmbH bei 1 Mio. EUR liegen. Die Nutzungskosten bei 1 bis 4 Ct/kWh. Das Prinzip ist einfach und erprobt: man bohrt mehrere Brunnen und fördert über diese Salz- wasser zu Tage. Dann pumpt man es in aufgeheiztem Zustand wieder zurück in den dichten Tonboden. Leider geht dabei ein Drittel der Wärme verloren.  Ob diese Art von Wärmerecycling tatsächlich in der Lage ist, den winterlichen Wärmebedarf für ganz Hamburg unproblematisch zu gewährleisten, bleibt abzuwarten.

Quellenhinweise:

Nachhaltige Wärmeversorgung, Borderstep-Institut für Innovation und Nachhaltigkeit gGmbh,(Hrsg.) Forschungsprojekt, Berlin 2016, Interview mit Herrn Dr. Jens Clausen; Zeit-Online vom 19.12.2016; Sandrock, Matthias u.a.: Erneuerbare Energien im Fernwärmenetz Hamburg, Hamburg Institut Consulting GmbH (Hrsg.), Hamburg 2016; Datenbank Energieforschung, Feldmonitoring und Analyse an Grosswärmepumpen, Bundesamt für Energie BFE (Schweiz), Abschlußbericht vom 6.12.2010, N.N.: Nächster Schritt für die Wärmewende in Hamburg, Behörde für Umwelt und Energie (Hrsg.), Hamburg, 13.12.2016; N.N.: Prinzip von Langzeit-Wärmespeichern, in: Energie-Experten.org, N.N.: Aquiferspeicher, Entwicklung der Einsatzfelder für mitteltiefe Aquifer-Wärmespeicher in Norddeutschland, Universität Lüneburg, 1.4.2016,  N.N: Saisonale Wärmespeicher in Aquiferen, Energiespeicher, Forschungsinitiative des BMWI vom 1.3.2016 (forschung-energiespeicher.info. de) N.N: Aquiferspeicher für das Reichstagsgebäude, in: BINE-Informations-dienst, N.N.: Thermische Unter grundspeicher in Energiesystemen…, Helm- holtz-Institut Potsdam (GFZ, Hrsg.) gfz-potsdam.de, Potsdamer Tagesspiegel vom 13.1.2017

Fotos:

oben: Hamburg-Institut; unter dem Videoclip: Crazycloud, fotolia-Kauf, Im Video: Messuhr: Industrieblick, fotolia-Kauf, Fernwärmeleitung: fefufoto, fotolia-Kauf, Zeichnung Aquiferspeicher: Consulaqua Hamburg,

Dr. Jens Clausen vom Borderstep-Institut geht davon aus, das durch die Nutzung aquiferer Wärmespeicher nur ein Teil des Wärmebedarfs in der Bundesrepublik gedeckt werden kann, da gegenwärtig nur 4,8 Mio. Menschen mit Fernwärme versorgt werden. Diese können auch nicht den Anbieter wechseln. Sofern die Nutzungsquote auf über 50 % bis 2050 ansteigen sollte, was die Errichtung von weiteren 270.000 km Fernwärmeleitungen erforderlich macht, würde der Ausbau eine Gesamtinvestition von weit über 100 Mrd. EUR erfordern. Die Abwärme aus industriellen Prozessen können auch nur dort genutzt werden, wo sie anfallen. Die Wirtschaftlichkeit solcher aquiferen Speicher ist nicht ganz einfach zu kalkulieren, da diese auf zahlreichen Annahmen beruht. Zu diesen gehört die Berücksichtigung der örtlichen Situation, die hy- drogeologische Situation, die Kosten des Stroms für die Großwärmepumpen, die das Wasser zusätzlich aufheizen müssen u.a. Faktoren. Da die Nutzung des Grundwassers als Erdwärmespeicher dieses ther- misch und chemisch verändern kann, ist – ähnlich wie bei der Nutzung von Grubenwasserwärme aus un- seren Grubenwasserzechen – eine umfassende und regelmäßige Prüfung und Messung dieses Schutz- gutes erforderlich. Das erzeugt weitere Kosten. Bis ein Aquifer–Wärmespeicher in Betrieb gehen kann, ver- gehen einige Jahre. Deshalb kann der Wunsch der Grünen nach umgehender Aufhebung der konventio-nellen Kraftwerke in Moorburg und Wedel nicht in Erfüllung gehen. Das Moorburger Steinkohlekraftwerk ist im Übrigen das modernste und umweltfreund- lichste Kraftwerk Europas. Die CO2-Emissionen verur-sachen keine Erwärmung des Klimas. Daher handelt es sich um eine weitere Idee, die nicht ganz schlecht ist, aber zur  flächendeckenden Wärmebedarfsdeck- ung nur einen sehr bescheidenen Anteil an der Ge- samtversorgung haben wird. Hinzu kommt noch, das aufgrund der Trägheit des Aquifers der Wechsel von Wärmespeicherung bis zur winterlichen Entnahme Übertage von langen Intervallen geprägt ist. Und da die Wärmeverluste bei der Hebung sehr hoch sind, muß das geeignete Aquifervolumen 2 bis 3 mal so groß sein wie das der gespeicherten Wärmemenge in der salzwasserführenden Schicht in einigen Hundert Metern Tiefe. Für Teile von Hamburg kann das vielleicht funktionieren. Wir warten also mal ab.

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schwarz-weißer Alltag auf Zollverein

Sonderausstellung der Fotografen Albert Renger-Patzsch und Anton Meinholz

Bis 26. Februar 2017 haben Besucher die Gelegen- heit, einmalige schwarz-weiß-Fotos der Fotografen Renger-Patzsch und Meinholz aus drei Zeitab- schnitten der Zeche Zollverein XII in Essen zu be- staunen. Und erstaunenswert sind die Fotos allemal, weil sie nicht nur den Alltag auf der Zeche sachlich-nüchtern wiedergeben, sondern auch die Entwick- lung der Zeche in einen kulturhistorischen Zusamm- enhang stellen.  

oben: ehem. Hauptförderschacht XII und heutiger Grubenwasserstandort der Zeche Zollverein

unten: die Hauptzufahrt zum Schacht XII Ende 1986, kurz vor der Stilllegung.

Fotos: oben: Revierkohle; Mitte: Neptuul, wikimedia-commons, unten: Bundesarchiv, Ludwig Wegmann, 1961

Täglich von 10.00 h bis 18.00 h geöffnet

Ticketpreise: 2,00 EUR, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt

Gelsenkirchener Str. 100, Essen-Karnap

 

Gerade dieser vergleichende Blick auf unterschied- liche Zeitabschnitte ermöglicht es dem Betrachter, Wandel nicht nur als abstrakte Größe, sondern auch als konkret erfahrbare Wirklichkeit wahrzunehmen. Den einen macht das nachdenklich, den anderen schwermütig und wieder anderen ermöglicht es, den Blick des Wandels in die Zukunft zu werfen. Gleich- gültig lassen die Bilder einen echten Ruhri allerdings nie.

Die Fotografen haben seltene Aufnahmen aus der Anfangszeit der Schachtanlage um 1930 aufgestöbert und stellen diese zwei Fotografie-Serien von Dieter Blase gegenüber, die zum Ende der aktiven Zechen- zeit 1986 aufgenommen wurden. Das der Struktur-wandel sehr viele Verluste und sehr wenige Vorteile im Hinblick auf die verloren gegangenen Arbeits-plätze, auf den bergmännischen Zusammenhalt , im Hinblick auf den Verlust  der vorbildhaften Montan-mitbestimmung, auf den Verlust von  Ausbildungsper- spektiven für junge Menschen, auf den Verlust der Zu- liefererindustrie und die millionenschweren Aufträge durch die Zeche an die Industrie und den Mittelstand  usw. gebracht hat, wird durch die Betrachtung der Fotos und dem Vergleich mit der heutigen Realität auf Zollverein mehr als deutlich. Zwar beschäftigt die Stiftung Zollverein mehr als 100 Mitarbeiter und das Weltkulturerbe strahlt mit seinen zahlreichen ganzjährig stattfindenden Events, Konzerten und anderen Großveranstaltungen weit über das Ruhr- revier hinaus und sichert damit auch die Arbeits-plätze im Hotel-und Gaststättengewerbe, doch die daraus erzielten Einnahmen bescheren der Stadt nur wenig Nachfrage. Und die wenigen Arbeitsplätze er- zeugen auch nur geringe Sozialbeiträge, so das von einer echten Prosperität wie sie auf Zollverein bis 1986 zu verzeichnen war, keine Rede mehr sein kann. Und das eigentliche Drama ist, das der sog. Struktur-wandel zu keiner neuen vergleichbaren wirtschaftlich- en Prosperität führen wird, trotz fast täglicher gegenteiliger Beteuerungen durch die Parteien und Wirtschaftverbände ( wie z.B. durch den scheidenden BDI-Präsidenten Grillo) da es der Politik seit mehr als 30 Jahren nicht gelungen ist, neue Industriekonzerne für das Rurgebiet zu begeistern. Dafür gibt es aber jede Menge neue Grünoasen und Radwege auf ehemaligen Kohle-und Erzbahntrassen.

Fazit:

90 Jahre Industriegeschichte am  Beispiel Zollverein machen nachdenklich und geben Raum zur kontroversen Diskussion. Wie unser Beitrag hoffentlich.

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