Extraschicht 2016

eine Reise durch die Reviernacht mit Mobilitätsplan

Wer 100% Ruhrgebiet erleben will, der ist bei der Extra-Schicht am 25. Juni 2016 genau richtig. 48 Spielorte präsentieren sich beim Kulturfest des Ruhrreviers wieder mit einzigartigen Rauminszenier ungen und machen die Nacht der Industriekultur wegen der grandiosen Lichtinszenierungen zum Tag und zum einmaligen Erlebnis. Von Poetry Slam in der Lohnhalle (früher sogar unter Tage auf AV in Marl) bis zum Klavierkonzert im Stahlwerk, vom Bergmannschor in der ehemaligen Schwimmhalle bis zur Luftakrobatik am Hochofen… die Nacht der Nächte bietet Knalleffekte und Kleinode, Poetisches und Effektvolles, Frisches und Freches. Ob als Plattform für junge Künstler oder als Sprungbrett für neue Formate – bei der ExtraSchicht ist wahrhaftig für jeden etwas dabei ! Und Sie können sicher sein, das alles etwas mit der prachtvollen Industriekultur zu tun hat. 

Impressionen aus 2015. Bitte klicken

Denn die Spielstätten sind nicht nur Kleinode einer leider fast vergangenen Industrieepoche, sondern sie werden aufgrund der aufwendigen Lichtinszenierung- en zu neuem Leben erweckt. 20 Ruhrgebietsstädte mit 48 Spielorten sind wieder dabei. Erstmals auch die 2010 stillgelegte Zeche Heinrich-Robert in Hamm- Pelkum, das deutsche Fußball-Museum in Dortmund, Thyssen-Krupp in Duisburg und die Restanlage des 1990 stillgelegten Bergwerks Schlägel & Eisen in Hert- en.  Ein besonderes High-Light dürfte für die Besuch- er die erstmalige Freigabe des stillgelegten Bergwerks Ost (Heinrich-Robert, Hamm) sein, um hinter die Ku- lissen schauen zu dürfen. Am Standort wird am 25. 6. 2016 die norddeutsche Philharmonie Herford Igor Strawinskys „Feuervogel“ Suite aufführen.

Das Großevent zieht seit 2001 an einem einzigen Tag mehr als 200.000 Besucher in seinen Bann. Damit Sie an möglichst vielen Spielorten teilnehmen können, bringen Sie über die ganze Nacht 150 Busse zum Ort Geschehens.

Tickets gibt es im Vorverkauf bis zum  24.06.2016 zum Preis von nur 17,00 EUR. Im Preis ist die Nutzung des VRR-Verkehrsverbundes , der Bus-Shuttle-Service sowie der Besuch aller Veranstaltungen enthalten.

Das Programm und die Tickethotline erreichen Sie über den Button. Revierkohle wünscht viele Spaß!

Zeche Nordstern 1/2 in Gelsenkirchen-Horst

Fotonachweise: oben: Schlutius, Ruhr-Tourismus; Zeche Nordstern bei Nacht (links): Ruhr-Tourismus, Mettallurgie Thyssen-Krupp in Duisburg: vdi-Nachricht en; Zeche Consolidation: Industriedenkmal-Stiftung; singende Bergleute: RAG; darunter: Zeche Zollverein XII: Revierkohle; Videoclip: joutube 

 

Thyssen-Krupp in

Duisburg

Zeche Consolidation 3/4/9 in GE-Bismarck

RAG-Bergmannschor

Weltkuklturerbe Zeche Zollverein XII in Essen (links) sowie weitere Events an folgenden Orten

Bergwerk Ost, Hamm

BernePark, Bottrop

Deutsches Bergbau-Museum, Bochum (Bo)

Eisenbahn-Museum, Bo

Gasometer, Oberhausen

Hoesch-Museum, Dortmd

Innenhafen Duisburg

Brauerei-Museum, Dortm.

Aquarium-Wassermu- seum, Mülheim

Zeche Nachtigall, Witten

Zeche Ewald, Herten

Zeche Waltrop, Waltrop

Steinkohlekraftwerk Voerde

seit das Bergwerk Walsum in Duisburg 2009 geschlossen wurde, geht es mit dem Kraftwerk bergab

Das Steinkohlekraftwerk Voerde wude 1971 mit zwei Blöcken zu je 350 MW-Leistung und 1985 um zwei weitere Blöcke zu je 710 MW-Leistung erweitert. Im Herbst 2015 forderte der Minderheitsanteilseigner RWE die steag erstmals auf, zwei Blöcke vom Netz zu nehmen, da dank des EEG der Stromhandelspreis an der EEX-Strombörse auf einen Tiefstpunkt ange- kommen war. Wegen der nach wie vor bevor- rechtigten Einspeiseverpflichtung für Öko-Strom und wegen der 2009 erfolgten Schließung des neben an liegenden ehem. Bergwerks Walsum, das die Kohlen logistisch preiswert lieferte, geht es dem Kraftwerk Voerde schlecht. 300 Arbeitsplätze stehen nun auf der Kippe.  

Im Frühjahr 2016 trug die RWE erneut die Forderung nach Schließung von zwei Blöcken des Kraftwerks Voerde vor und setzte sich durch, da RWE alleine für den Verkauf des Stroms verantwortlich zeichnet und auf Erfüllung eines Vertrages aus dem Jahre 1975 pochte. Dieser gibt dem Konzern das Recht, jeweils zum Sept. eines Jahres die Stilllegung zu verlangen, obschon RWE nur mit 25 % am Kraftwerk Voerde beteiligt ist. Anfang 2017 sollen nun zwei Kraft- werksblöcke mit je 710 MW-Leistung stillgelegt werd- en.  Das sorgt bei der Belegschaft verständlicherwei- se für Unruhe. Schließlich geht es nicht nur um den Verlust von zunächst 110 Arbeitsplätzen in einer strukturschwachen Region, sondern um den mög- lichen Verlust des ganzen Standortes. Dann wären nicht nur 300 Arbeitsplätze in Gefahr, sondern auch die Arbeitsplätze in der Zuliefererindustrie und dem lokalen Handwerk. Und da sich der Strompreis an der Börse in den letzten Monaten dank des zunehm- enden (und nicht benötigten, jedoch trotzdem zu bezahlenden ) Öko-Stroms weiter verschlechtert hat, rentiert sich der Betrieb auf kurz oder lang gar nicht mehr. Der Möllener Bürgermeister Dirk Haarmann zeigte sich nach einer WAZ-Pressemitteilung ge- schockt. Es sei ein Wahnsinn, das rentable Kraftwerke wegen des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes zur Schlie- ßung gezwungen würden, obschon die Versorgungs- sicherheit nicht ohne Kohlekraftwerke gewährleistet werden könne.

oben: Kraftwerk-Leitstand

Erst 2005 wurde das Kraftwerk mit einer modernen  Rauchgasentschwefelungsanlage ausgestattet und er- füllt damit die vom Gesetzgeber novellierte 13. Bund- es-Immissionsschutzverordnung. Und es handelt sich beim Kraftwerk Voerde auch nicht um eine kleine An- lage, auf die man so ohne weiteres verzichten könnte, denn die Bruttoleistung aller vier Kraftwerksblöcke beträgt 2.234 Megawatt. Es ist damit das größte Kraft- werk der steag. Zum Vergleich: das moderne und 2014 ans Netz gegangene Vattenfall-Steinkohlenkraft- werk in Hamburg-Moorburg hat eine Bruttoleistung von „nur“ 1.700 MW. 2007 wurden auf Voerde stolze 10.991 Gigawatt Strom und aufgrund der absichtlich durch die Politik verschlechterten Rahmenbedingung- en in 2011 nur noch 7.521 GWh-Strom produziert. Ob die kleineren Blöcke des Kraftwerks West (mit je 350 MW-Leistung) von der steag gehalten werden können, ist derzeit noch offen. Ironie des Schicksals: falls das Kraftwerk komplett stillgelegt werden sollte, kommt der Strom nicht etwa von Windkraftanlagen, sondern aus belgischen Atomkraftwerken, während an die dor- tige Bevölkerung Jodtabletten ausgeteilt werden. Durch die für 2021 geplante Abschaltung des letzten Atomkraftwerks rechnet  IG- BCE-Chef Michael Vassil- iadis mit einer Versorgsungslücke und warnt vor einer weiteren Unwirtschaftlichkeit der Energiewende.

vgl.hz.a. WAZ vom 12.11.2015; 23.5.2016, 02.06.2016, 03.06.2016, wikipedia. org, Leipziger Volkszeitung vom 14.5.2016  sowie RK-Redaktion vom 18.06.2016

Fotonachweis: oben: Daniel Ullrich, steag, unten: steag

Dänemark verabschiedet sich von der Energiewende

Die  Regierung setzt wieder auf mehr Kohlestrom, um die Wirtschaft zu entlasten

Sitz des dänischen Königshauses: Schloß Amalien- borg in Kopenhagen

Nanu? Ausgerechnet das Klima-Musterland Däne- mark will nun wieder mehr Kohle verstromen, nach dem der sozialdemokratische Umweltminister Sve- nd Auken mit seiner damaligen Kollegin Angela Merkel im Dez. 1997 das Kyoto-Protokoll ausge- handelt hatte. Das hat unser Interesse geweckt und wir gingen der Sache einmal nach. 

Die Dänen hatten die angebliche Bedrohung durch den Klimawandel als erste begriffen. Als in 2005 auf der arktischen Insel Narsarsuaq an der dänischen Westküste plus 16 Grad Celsius im Februar gemessen wurde, da war klar, das es sich um einen Vorboten des gefürchteten Wärmerekordes handeln mußte. Flugs wurde nicht nur der Co2-Ausstoß begrenzt, sondern auch die Abschußqoute für Eisbären, da deren Lebensraum durch Eisschmelze angeblich be- droht war. Dann wurde ein doppelt so hoher Temp- eraturanstieg auf Grönland in 2006 gemessen, der prompt als Folge des Klimawandels interpretiert wur- de. Die Bevölkerung war zu 80 % beunruhigt und zu 60 % bereit, mehr Geld für Öko-Strom ausgeben zu wollen. Da die Prophezeiungen des Weltklimarates bis heute nicht eingetreten sind und das Klima sich nicht erwärmt hat, kamen die Dänen ins grübeln. Wissen-schaftler wie Björn Lomborg machten darauf auf- merksam, das die Weltuntergangspropagandamasch-inerie der Öko-Aktivisten einen falschen Umgang mit Zahlen pflegen und warf ihnen Panikmache vor. Konservative Politiker wie Anders Fogh Rasmussen machten sich die Kritik zu eigen, in dem dieser das Kyoto-Abkommen für zu teuer und ineffizient befand. Der damalige Finanzminister Thor Pedersen hielt den Einfluss des Menschen auf das Klima für wild über- trieben. Den Klimaanstieg auf 2 Grad begrenzen zu wollen, hielt er für schlicht verkehrt.

Dennoch wurden die Windkraft-und Solaranlagen fleißig weiter ausgebaut. Der Windkraftanlagenanteil am Primärenergievebrauch kletterte in Dänemark in den neunziger Jahren bis Mitte 2015 von 2 auf 42 %. Und nun die Kehrtwende. Der Ausbau von Wind-und Solarenergieanlagen soll gebremst und das dänische EEG abgeschafft werden. WWF-Chef John Nordbo sprach in diesem Zusammenhang gar von einem Ma- ssaker an der dänischen Klimapolitik. Die seit 1997 bestehende dänische PSO-Abgabe (wie EEG) soll all- erdings nicht sogleich, sondern schrittweise gestrich- en werden. Die Baupläne für fünf neue Offshore-Wind parks werden wahrscheinlich ebenfalls gekippt, um die Wirtschaft finanziell wegen der hohen Öko-Strom-preise zu entlasten. Die seit 2015 amtierende neue Regierung hat offensichtlich begriffen, das es völlig sinnlos ist, Kopenhagen bis 2025 Co2-neutral machen zu wollen.

vgl.hz.a. Spiegel-online vom 8.3.2007; Klimaretter-info.de vom 17.5.2016 und RK-Redaktion vom 17.06.2016.

Fotonachweis: dän.Flagge: Madden, wikimedia commons, Schloß Amalienborg: dän. Außenministerium

 

 

 

 

jetzt wird´s vernünftig: selbstgenutzter Solarstrom soll versteuert werden

die Bundesregierung erwartet Mehreinnahmen in Höhe von rd. 1,3 Mrd. EUR

Das hatte sich die junge Frau beim Einbau von Solar- panelen auf ihrem Einfamilienhaus sicherlich noch ganz anders gedacht: 20 Jahre satte Einspeisevergüt- ungen kassieren, normale Mietbewohner zahlen lassen und den selbst erzeugten Strom kostenlos  nutzen. Was will man mehr. Doch damit soll nun Schluß sein. Die Bundesregierung will die Ge- rechtigkeitslücke schließen. Zumindestens beim selbstgenutzten Solarstrom. 

Die Steuer auf selbstverbrauchten Solarstrom soll auf alle Anlagen bis zu zwei Megawatt Leistung erhoben werden. Die Bundesregierung erhofft sich dadurch zwischen 2018 und 2022 Mehreinnahmen von gut 1,3 Mrd. EUR. Kaum hatte Finanminister Schäuble seine Idee medienwirksam kundgetan, kam auch sogleich der Protest vom Bundesverband der Solarwirtschaft. Geschäftsführer Carsten Körnig protestierte gegen die beabsichtigte Solarstromsteuer, da seiner Ansicht nach rd. 100.000 Solaranlagen von Mittelständlern und Landwirten auf einen Schlag unwirtschaftlich wär- en, da aufgrund der Kürzungen bei den Einspeisever- gütungen die Anlagen sich nur noch wegen des selbst-genutzten Solarstroms lohnen würden. Bundesfinanz- minister Schäuble verteidigte jedoch sein Vorhaben, in dem er darauf hinwies, das die geplante Abgabe mit EU-Vorgaben übereinstimmen würde. Außerdem würde eine Freigrenze bis 20.000 kWh/Jahr eingeführt werden.

Die Besitzer von Solaranlagen müssen mit einer Solarsteuer für selbstgenutzten Strom von 2,5 Ct/kWh rechnen. Ausgenommen sind Betreiber von Kleinstanlagen. Damit dürfte der Einbau von Solarpanels für Eigenheimbesitz er, MIttelständler und Landwirte in Zukunft in der Tat unattraktiver werden. Und das ist auch gut so. Denn die Energiebilanz von Solarpanels im Hinblick auf das erklärte Ziel, Co2 reduzieren und das Klima retten zu wollen, ist verherrend. 80 % der heute in Deutschland eingebauten Solarpanels kommen aus China. Vor allem die Herstellung von ultrareinem Silizium ist unglaublich energieintensiv. Der Strom für die Herstellung stammt aus Kohlekraftwerken. Um einen Qudratmeter Solarpanels herstellen zu können, benötigt man nach Angaben der Pekinger Jiatong-Universität über 300 kg Kohle. Dabei werden 1100 kg Co2 freigesetzt. Die durchschnittliche Ausbeute der eingesetzten Panels liegt gerade einmal bei 86 Kilowattstunden pro Jahr. MIt zunehmendem Alter häufen sich darüber hinaus die Betriebsstörungen. Über die gesamte Lebensdauer von rd. 25 Jahren beträgt die Jahresstromproduktion nur etwa 2000 kWh pro Quadratmeter Solarpanel. Die Produktion hängt darüber hinaus davon ab, das ausreichend Sonnenenergie zur Verfügung steht. Ansonsten müssen fossile Kraftwerke bereit stehen, um die Stromversorgung zu sichern. Wenn man sich den Anteil der Solarenergie am Primärenergieverbrauch der Bundesrepublik anschaut, dann ist ein Anteil von einem Prozent (in 2015) absolut vernachlässigbar. Und von Nachhaltigkeit kann eh keine Rede sein.

vgl.hz.a. Frankfurter Rundschau vom 23.05.2016; ovb-online.de vom 27.05.2016; trialog-unternehmerblog.de vom 30.05.2016; Die Weltwoche vom 15.05.2014 sowie RK-Redaktion vom 17.06.2016 

Fotonachweis: Solarpanels mit Frau: Jürgen Fälchle, fotolia-Kauf; Bundesadler: ferkelraggea, fotolia-Kauf

die Stromfeuerwehr kommt

Verdi-Chef Bsirske setzt auf Kohlekraftwerke die als Stromfeuerwehr fungieren

Die Berufsfeuerwehr sorgt auf dem Land gelegentlich dafür, das der Strom fließen kann, wenn sich in der Überlandleitung wieder mal eine Spargelabdeckplane verfangen hat (siehe Videoclip). Wenn es nach dem Willen von Ver.di-Chef Frank Bsirske geht, soll neben der Berufsfeuerwehr demnächst noch eine spezielle Stromfeuerwehr in Gestalt jederzeit alarmierbarer Kohlekraftwerke hinzukommen, wenn Öko-Strom nicht bedarfsgerecht zur Verfügung steht. Diese For- derung stellen wir übrigens seit Jahren. In Frankreich, England, Polen und Belgien gehört die Stromfeuer- wehr schon längst zum Alltag.

Ver.di-Chef Frank Bsirske

Gemeint ist eine sog. Kapazitätsmarktabgabe, die von allen Verbrauchern zusätzlich über die EEG-Umlagen gezahlt werden soll, damit die Stromversorgung über die Grundlastkraftwerke jederzeit gesichert werden kann, da diese aufgrund drastisch gesunkener Börs- enstrompreise mittlerweile nicht mehr wirtschaftlich zu unterhalten sind, aber für die Aufrechterhaltung der Netzspannung, der Bereitstellung von Sekunden- strom  sowie bei fehlendem Wind unverzichtbar bleib- en. Übers Jahr betrachtet also fast immer.

Und Bsirske wäre nicht Gewerkschaftschef, wenn er mit der Überlegung nach einer Kapazitätsmarktab- gabe für Kohlekraftwerke nicht gleichzeitig auch die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von RWE, E-ON und Vattenfall im Auge hätte, deren Arbeitsplätze durch die dieses Jahr vogenommene Aufspaltung der Konzerne in einen regenerativen und dauersubventionierten Öko-Strom-Bereich sowie in einen Bad-Bank-Bereich für Kohlekraftwerke höchst gefährdet sind, wenn der Gesetzgeber nicht endlich eine Regulierung auf den Weg bringt. Das gleiche trifft auf die Kumpels in den Braunkohlenrevieren zu. Ob Bsirske deswegen zum Kohle-Schutzheiligen geword- en ist, kann bezweifelt werden, da er als Grünen-Mit- glied für die Energiewende ist.

Er betrachtet nur den vorschnellen Ausstieg aus der Kohle kritisch, nicht den Ausstieg an sich und da liegt der Hase im Pfeffer. Würde er sich die technisch-physikalischen Argumente der Fachleute zu eigen machen, müßte er die Partei verlassen und sich gegen die Energiewende aussprechen. Da er das nicht vorhat, übt er weiterhin  den Spagat wie sein Kollege Michael Vassiliadis von der IGBCE. Die Braunkohleverstromung soll daher nicht um- gehend, sondern im Sinkflug bis 2050 zu Ende gehen. Bsirske verspricht sich davon eine erhebliche Reduzier- ung der Kohlenstoffdioxid-Emissionen (Co2). Wozu das notwendig sein soll, kann auch Bsirkse nicht erklären, da durch die Reduzierung der Co2-Emissionen in Deutschland aufgrund des Co2-Zertifikate-Handels weltweit kein einziges Gramm Co2 weniger produziert wird. Abgesehen davon, das es auch völlig egal ist, da durch die Redu- zierung von Co2 die angeblich drohende Klimaerwärmung nicht abgewendet werden kann, da das Klima seit über 5 Mrd. Jahren macht, was es will. Das haben wir in zahlreichen Beiträgen mittlerweile belegt. Wissen-schaftlich relevante Beiträge finden Sie hierzu auch bei unserem Partner, dem europäischen Institut für Klima und Energie (Eike.de.) Und wie immer geht es nicht nur um Arbeitsplätze, sondern auch ums liebe Geld. Auch Bsirske weiß sehr genau, das die Braunkohle die einzige autonome und sehr preiswerte Energiequelle ist, von deren Verbleib sämtliche großen Industriebetriebe abhängen. Zum Vergleich: eine Kilowattstunde Braunkohle- strom kostet nur 2,3 Ct, eine kWh-Öko-Strom schlägt dagegen mit 6,2 Ct zu Buche. Also fast dreimal so teuer. Und auch die Stahlindustrie kann ohne Steinkohle in Deutschland nicht überleben.  Da unsere Nachbarn eben- falls Windkraftanlagen ausbauen, könnte es für Deutschland bei Flaute eng werden.

vgl.hz.a. WAZ vom 31.5.2016, Eckpunktepapier-ver.di-Position zum Strommarkt vom 1.6.2015, in: verdi.de; Michael Vassiliadis: Einstieg in eine gerechte Energiewende, in: IGBCE.de vom 1.6.2016 sowie RK-Redaktion vom 17,06.2016 ; Fotonachweise: Feuerwehr: MAK, fotolia und RK-Retusche; Frank Bsirske: verdi, Videoclip: joutube

 

EEG: Stromtrassen-und Windkraftanlagenausbau soll gebremst werden

Neuregelung des EEG berücksichtigt zunehmenden Widerstand aus der Bevölkerung

Bund und Länder haben sich darauf verständigt, den Ausbau von Windkraftanlagen (WKA) zu ver- zögern, da die geplanten Stromtrassen von Nord- nach Süddeutschland frühestens 2025 ans Netz gehen können. Gleichzeit sollen die festen Garantie-preise für Windstrom ab 2017 wegfallen. Billiger wird es für den Stromkunden trotzdem nicht. 

Der zunehmende Ausbau von Windkraft-und Photo-voltaikanlagen bereitet den Netzbetreibern seit Jahren immer grössere Kopfschmerzen, da die durch sie er- zeugte Energie entweder im Übermaß schlagartig anfällt oder tageweise wegen Windflaute gar nicht eingespeist wird. Deshalb müssen die Grundlastkraft- werke diese enormen Schwankungen sofort aus- gleichen, damit das Stromnetz nicht zusammenbricht.

Um dies zu verhindern, sorgt die Rotationsenergie in den Kraftwerken dafür, das die Rotoren der Turbinen mittels erhitztem Dampf ständig bei 3000 Umdrehung en/ Min. arbeiten, um das Netz auf einer 50-Hertz-Spannung zu halten. Schon geringste Abweichungen können zum Blackout führen. Damit das nicht ge- schieht, sorgt das Kraftwerksmanagement dafür, das aufkommende Schwankungen sofort beseitigt werd- en und zuviel eingespeister Öko-Strom sogleich ab- geregelt wird.  Das auf-und abregeln ist bei Windkraft- anlagen nicht möglich. Diese können nur abgeregelt werden, so das Strom auch nicht bedarfsgerecht er- zeugt werden kann. Und jetzt wird es spannend: wenn gleichzeitig immer mehr Grundlastkraftwerke wegen fehlender Wirtschaftlichkeit vom und weitere Wind- kraftanlagen ans Netz gehen, dann wird es für die verbleibenden Kraftwerke immer schwerer, zunehm- ende Schwankungen aufgrund volativer Ökostrom-Einspeisung auszugleichen. Der Zusammenbruch des Stromnetzes ist also nur noch eine Frage der Zeit.

Offensichtlich hat diesen Sachverhalt nun auch die Bundesregierung und die Bundesnetzagentur begriff- en. Sie will daher die Einspeisevergütungen nicht  mehr 20 Jahre lang garantieren, sondern nur noch die WKA-Betreiber ans Netz lassen, die den günstigsten Preis anbieten. Ferner soll die Einspeisevergütung um 7,5 % gekürzt werden. Ab 2019 dürfen nur noch 1000 neue große Windkraftanlagen mit zusammen 2.800 MW pro Jahr an Land und 15.000 Megawatt auf hoher See entstehen. Bis jetzt gab es keine Reglementierung en. Beflügelt haben dürfte diese regierungsamtliche Einsicht der Bundesregierung wohl auch der zunehm- ende Protest zahlreicher Bürgerinitiativen, die sich ge- gen den ungebremsten Ausbau von WKA wehren, so- wie die Gegner des Ausbaus von Überlandleitungen. Jetzt soll die Nord-Süd-Stromverbindung zumindest- ens durch Bayern unterirdisch verlegt werden, was er- hebliche Kostensteigerungen zur Folge haben dürfte.

Dennoch hält die Bundesregierung an ihrer verfehlten Energiewendepolitik fest. Bis 2025 soll weiterhin das Ziel verfolgt werden, 40 % des deutschen Stroms aus regenerativen Energieträgern zu gewinnen und bis 2050 soll 80 % des erzeugten Stroms aus Ökokraft-werken kommen. Wie das ohne großformatige Spei- chertechnologie und mit nur wenigen Grundlastkraft-werken als Taktgeber zur Erzeugung der notwendig- en 50-Hertz-Neztspannung gelingen soll, dürfte den meisten Fachleuten mit Sicherheit schleierhaft vor- kommen. Sollte es der Bundesregierung doch noch gelingen, diesen Schleier zu heben, so bleibt die Fakt- enlage dennoch die gleiche: kein Wind – kein Strom.

Aktuell werden die Verbraucher über die sog. EEG-Um lagen mit 22,3 Mrd. EUR für den Ausbau der völlig un- nötigen Windkraft-und Photovoltaik sowie Biomasse-anlagen pro Jahr zur Kasse gebeten, obschon diese zu- sammen gerade einmal nur rd. 13 % am Primärener- gieverbrauch ausmachen. Nach wie vor wird unser Strom und unsere Wärme über fossile Kraftwerke er- zeugt.

Das die Energiewende in einer Sackgasse ist, haben die USA und Dänemark im Gegensatz zu Deutschland schon länger begriffen. So sollen alle Windkraftpro- jekte in Küstenähe in Dänemark gestrichen und der Ausbau an Land bis 2015 aus Kostengründen ge- streckt werden. Sogar der fragwürdige US-Präsident- schaftskandidat  Donald Trump hat ausnahmsweise mal etwas Gescheites von sich gegeben: er will der Kohle eine neue Chance geben.

vgl.hz.a. check.24.de vom 23.5.2016; SAT 1-Regional vom 20.05.2016; Anthony Watts: Dänemark streicht alle Windparks in Küstennähe…, in: EIKE.de vom 13.6.2016, erschien en auf Jyllands-Posten am 23. April 2016; WAZ vom 31.5.2016 und 08.06.2016; FAZ vom 27.05.2016, 01.06.2016 und 08.06.2016 sowie RK-Redaktion vom 17.06.2016

Foto oben: Revierkohle  

Rettet das Denkmal Zeche Pluto in Herne

Die 1976 stillgelegte und seit 1999 unter Denkmalschutz stehende Schachtanlage Pluto-Wilhelm 3 in Herne soll nach dem Willen der RAG abgerissen werden. Statt- dessen droht Eintönigkeit und Langeweile. Dagegen wehren wir uns. Helfen Sie mit, das die Landmarke Pluto als bedeutend- es städtebauliches Kulturgut auch weiterhin über Herne sichtbar bleibt. Denn Baudenkmäler sind Kraftquellen, die der Identifikat- ion dienen und Geschichte erfahrbar machen.    

Obschon sich das Land NRW um die Aufnahme des gesamten Ruhrreviers bei der UNESCO  als Weltkulturerbe beworben hat, wird das indu- strielle Erbe durch Abriss und Streichung von Fördermitteln für den Denkmalschutz mit Füßén getreten. Nur noch wenige Zechen im Revier erinnern an die große industrielle Epoche. Jüngstes Beispiel: die RAG Deutsche Steinkohle AG hat für die noch in ihrem Besitz befindliche und seit 1999 unter Denkmalschutz stehende Zechenanlage Pluto, Schacht Wilhelm 3 nebst Hängebank und Maschinenhallen in Herne im April 2016 einen Abrissantrag gestellt, da die Anlage nicht mehr benötigt wird und angeblich nicht mehr standfest ist. Auch wenn sich untere und obere Denkmalbehörde als auch der Rat der Stadt Herne für den Erhalt der Zeche als Denk- mal einsetzen, kann die RAG einen Ministerer- lass erwirken, wenn ihr der Unterhalt und die Sanierung der Anlage aus wirtschaflichen Gründen auf Dauer nicht zugemutet werden kann. So steht es im Denkmalschutzgesetz von NRW. Wir denken, dass man nicht so leichtfertig mit einem bedeutsamen und das Stadtbild prägenden Industriedenkmal, das stellvertretend für die gesamte Emscherregion noch als einzige verbliebene Zeche in Herne  Zeugnis ablegt, um- gehen darf. 

Die Schachtanlage Pluto für die Nachwelt als Denkmal zu erhalten, ist kein ästhetischer Luxusan- spruch, der dem nüchternen wirt- schaftlichen Sachzwang zu weichen hat, sondern ein besonderer Ort der Identifikation und der Erinner- ung an ein letztes Stück Herner Wirtschafts-und Zechengeschichte. Bedeutend ist das Gesamtensem- ble auch deshalb, weil die berühmt en Industriearchitekten Schupp u.  Kremmer die Anlage 1953 planten und im Bauhausstil errichten ließ- en. Im gleichen Baustil errichteten die Architekten bereits 1931 die heute unter Denkmalschutz steh- ende Zeche Zollverein XII in Essen. Heute ist die Zeche UNESO-Welt- kulturerbe und erfreut sich großer Beliebtheit. Kein Mensch würde heute mehr an Abriss denken, ob- schon dies nach Schließung der Anlage im Jahre 1986 geplant war. Und Pluto 3 ist immerhin der „kleine Bruder“ von Zollverein. Der städtebaulich bedeutsame Funkt- ionszusammenhang der noch be- stehenden Pluto-Zechensiedlung „Hühnerleiter“ und Zeche darf nicht verloren gehen, da Heimat immer etwas auch mit Architektur zu tun. Gerade im Zeichen zu- nehmender Globalisierung und Digitalisierung wird Orientierung immer wichtiger. Kulturgüter zu erhalten, ist Aufgabe des Staates, weil diese den Bürgern Halt geben und für die eigene Identifikation von existentieller Bedeutung sind. Ein Dach über dem Kopf, Aldi, Kita Arztpraxis, Job und eine Schule reichen eben nicht aus, um Ge- schichte zu begreifen und zu er- leben.  Die Reichen und Mächtigen unseres Landes haben dies längst begriffen und wohnen und leben daher auch nicht kulturlos. Diesen Anspruch sollten Sie auch haben!

setzen sich für den Erhalt des Industriedenkmals Zeche Pluto-Wilhelm 3 ein: v.l.n.r. Michael Hasler (SPD-Fraktions-GF); Udo Sobieski (Fraktionsvorsitzender) und RK-Vorstand Bernhard Blach

Tragen Sie mit Ihrer Unterschrift  dazu bei, das wir Herrn NRW- Bau- minister Michael Groschek davon überzeugen können, auf einen Ministererlaß zu verzichten und stattdessen das Denkmal Pluto für die Nachwelt erhalten können.

wie es nicht enden sollte

In 2013 wurde Schacht 5 nebst Wagenumlaufhalle des stillgelegten und unter Denkmalschutz stehenden Bergwerks Schlägel & Eisen in Herten trotz Wider- spruchs vieler Akteure und trotz anwaltlicher und staatsanwaltlicher Intervention der Denkmalschutz aufgehoben und die Anlage abgerissen, obschon es ein Nachfolgekonzept beteiligter Architekten gab. In 2016 (unteres Bild) sehen Sie das Ergebnis: groß-  flächige Tristesse, ein Fußweg, eine halbe Seilscheibe und eine Protegohaube sind das städtebaulich desas- tröse Ergebnis. Was macht dieser Verlust mit Ihnen ? Was bedeutet für Sie Heimat ? Schreiben Sie uns. Wir antworten Ihnen gerne. 

Bergmann Rudolf Pladwich über seine Heimat und die Zechenkolonie

“ Dat is schwer zu erklären.
Dat sin Mamma un Pappa.
Dat is Heim un Zuhause.
Dat sin Nachbarn un Freunde,
dat is Haus, Stall un Gaaten.
Dat sin Bäume un Sträucha.
Dat is jeda kennt jeden,
dat sin Beete mit Blumen
dat is Schmalz auffer Butta.
Dat sin glückliche Jahre.
Dat is schwer zu erklären.“

Quelle: Lührig, Heinrich / Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III. Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion. S.67 erweiterte Auflage. Wanne-Eickel 1997.

Fotos: Revierkohle

Der Rat der Stadt Herne sowie die SPD-Rats-fraktion sind ebenfalls für die Erhaltung des Denkmalschutzes der Zeche Pluto in Herne.